auf zur Musikmesse – man sieht sich bei Forestone

Ab morgen findet bis Samstag (21.3-24.3) wieder die alljährliche Frankfurter Musikmesse statt. Ich freue mich schon seit Monaten darauf, alte bekannte Gesichter wieder zu sehen, Vistenkarten Verteilen, neue „Connections“ zu schließen und massig neues Equipment zu spielen und anzutesten. Dieses Jahr bin ich sogar alle 4 Tage dort, so dass ich hoffentlich mehr von der Messe sehe und das mit mehr Ruhe (wobei Ruhe auf der Musikmesse ein sehr relatives Wort ist).

Ich bin dieses Jahr allerdings nicht nur als Besucher dort sondern bin wieder von Forestone eingeladen worden, weshalb ich dieses Jahr dort auch aktiv mithelfe, Kunden berate und selber etwas spielen werde.
Dieses Jahr könnte der Forestonestand einer der interessantesten sein. Es werden so einige fähige Spieler dort sein und daher wird wohl auch regelmäßig gejamt werden.

Forestone stellt dieses mal seine neuen Jazzblätter für Saxophon vor, die UNFILED, welche von von Herrn Gottu (bekannt von den Gottsumundstücken) vorher speziell „G tuned“ worden sind. Ich bin von den Prototypen total begeistert und nehme an, dass die auf der Messe einschlagen werden wie eine Bombe.
Daneben gibt es noch ein deutlich verbessertes Klarinettenblatt, dass noch reicher im Sound ist und besser anspricht als sein Vorgänger.

Desweiteren wird auch B.AIR dort am Stand einige interessante Produkte vorstellen und Markus Zaja bringt den Prototypen des Tenorsaxophons „Z1“ mit. Besonders stolz bin ich auf das neue Forestone Shirt, bei dessen Design und Realisierung ich sehr aktiv mitgearbeitet habe. Ich hoffe, dass es den Besuchern genauso gefällt wie mir und weggehen wird wie warme Semmel. Bisher gibt es die nur in einer limitierten Sonderauflage.

Wer jetzt neugierig auf die Produkte ist oder mich mal live kennen lernen möchte, ist herzlich eingeladen beim Forestonestand Halle 1.1 Kabine 14b vorbeizuschauen.

Für all diejenigen, die es nicht zu Musikmesse schaffen, versuche ich dieses Jahr wieder einen Live-Ticker zu führen. Also stay tuned!

http://saxophonistisches.de/musikmesse-2012-liveticker/

http://www.forestone-japan.com/

Neues Equipment aus Japan

Letztes Wochenende war Besuch aus Japan bei Holblasinstrumentenmeister Thorsten Köhler in Pinneberg und der hat mehrere neue Produkte für das Saxophon aus dem Land der aufgehenden Sonne mitgebracht.

Neben den bekannten Forestoneblätter, konnte man auch die neusten Prototypen für den Jazztest anspielen. Zudem gab es noch die Gottsu Mundstücke, die seit einigen Monaten von sich reden machen (u.a. in der aktuellen Sonic), zwei Saxophonprototypen, sowie den Swing Chip und den Bird Strap von B.Air.

Die Ausstellung war ein angenehmes adventliches Zusammentreffen, für mich besonders schön, da ich Bekannte und Freunde wieder getroffen habe, denen ich nicht so oft live begegne. Und so wurde getestet, gehört, gespielt und gequaselt, was das Zeug hielt.
Eine andere Sicht des Ereignisses kann man im befreundetem Blog zajakonzerte  lesen.
Zwecks Demonstration der Klangqualität der Forestoneblätter wurde sogar spontan ein Saxophonquartett geformt und Weihnachtslieder intoniert. Mit etwas Glück folgt sogar noch ein zwei Videos davon.

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Forestone Ausstellung bei Toko in Pinneberg

Saxophonisten im Hamburger Raum haben dieses Wochenende (17.12.) die Gelegenheit die neuen Forestone Blätter bei deren Ausstellung im Holzblasinstrumenten-Studio von Thorsten Köhler (aka ToKo) zu probieren.
Brand aktuell werden sogar Prototypen des neuen Jazzschnittes vorgestellt.

Daneben präsentiert Toko auch den neuen Bird Strap und den neuen Swing Chip.

Später führt dann noch Markus Zaja (geschätzter Musiker- und Bloggerkollege, sowie Dozent an der renomierten Folkwang Universität der Künste) live vor, wie die Blätter klingen können.

Mich selber wird man dort wahrscheinlich auch zu sehen bekommen und vielleicht sogar zu hören.

Wer jetzt Interesse hat, diesen Samstag in Pinneberg (Friedenstr. 4) ab 10 Uhr. Alles weitere gibt es hier:
http://www.holzblasinstrumenten-studio.de/index.php/component/content/article/44-startseite/379-bair.html

Nebenbei, auf Tokos Homepage gibt es auch dieses Jahr wieder das schon berüchtigte Adventsbilderrätsel mit vielen tollen Gewinnen!

Blattchirugie an Forestone Reeds

Das wird jetzt kein Artikel über Blattbearbeitung, weil ich mich da selber einfach (noch) viel zu wenig auskenne. Eher gibt es hier ein paar Tipps und Tricks, was man mit den Forestones alles machen kann.
In meinem alten Bericht über die Forestones war ich von den Blättern doch sehr angetan, allerdings eher im klassischen Bereich. Jazzblätter gibt es von denen keine und ich hatte von dem Test ein paar Blätter für Saxophon noch rumliegen. So kam dann die Idee, einfach mal selber Hand anzulegen.

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Saxophon News von der Musikmesse 2011

Dear friends, readers and exibithors,
it was a great pleasure to meet you all on this year’s Musikmesse in Frankfurt. I collected plenty of impressions and a lot of your products impressed me a lot. It was also fun to chat with you and I’m sorry that each year there is little time. So I hope that we see again next year in Frankfurt. There is still no english version of saxophonistisches. de (but it will come) but you can get an idea of this article with google translation.

Liebe Freunde, Leser und Aussteller,
die Messe dieses Jahr, hat wieder viel Spaß gemacht und es war schön alte Freunde wieder zu sehen und ein paar neue kennen zu lernen. Schade nur, dass immer so wenig Zeit ist, daher hoffe ich, dass man sich nächstes Jahr in Frankfurt wieder trifft.

Auch dieses Jahr habe ich wieder massig Material von der Messe mitgebracht. Es wird also wieder ein längerer Artikel. Dieses mal war ich sogar einen Tag länger dort und ich hatte dennoch nicht genug Zeit alles was mich interessierte zu begutachten oder das, was ich begutachtete, gründlich unter die Lupe zu nehmen. Dafür gibt es dieses Jahr (zumindest kommt es mir so vor) mehr echte Neuigkeiten als letztes Jahr, (die Wirtschaftskrise scheint vorbei zu sein) weshalb ich mich dieses mal nur über wirklich neues schreibe (bzw. das, was ich letztes Jahr wahrscheinlich übersehen habe).

Wer sich auch für den Stand der Dinge oder die Unterschiede zum letzten Jahr interessiert, sollte also auch in den Messebericht von 2010 rein schauen.
Auch neu ist, dass ich dieses Jahr mal einen Messeliveticker versuchte. Wen also eine kurzweilige Beschreibung meiner Messereise interessiert, sollte auch da mal hineinschauen. Weiterlesen

Musikmesse 2011 Liveticker

So, die Messe ist vorbei und somit auch das Experiment Liveticker. Ob ich das nächste Jahr noch mache, weiß ich nicht, denn ich kam kaum zum schreiben, da es irgendwie immer wichtigeres im realen Leben gab. Dieses extreme Web 2.0, in dem man ja immer mitteilen muß, wenn man einen Kaffee trinkt, ist wohl doch nichts für mich. Und so kam es öfter vor, dass ich „aktuelle Geschehnisse“ erst 5 Stunden später schreiben konnte. Zudem  hat mich auch das iPhone massiv genervt mit der etwas umständlichen Bedienung und der penetranten Rechtschreibkorrektur, die aber wie man sieht, nicht viel bringt bzw. sogar noch Fehler einbaut.

Den ausführlichen Messebericht gibt es hier zu lesen.

Wer jetzt den Liveticker von Anfang lesen will, muß erst mal ganz runter zum Anfang scrollen (wie bei Livetickern üblich), denn hier oben ist das Ende.

 

20:14 Lasse im Bordbistro des ECs bei einer Cola und einer Curry Wurst die letzten beiden Tage Revue passieren. Viel Rumgerenne, viele Bekannte und Freunde wieder gesehen, viel gesehen, zuviel gehört. War schön, aber gut, dass die Musikmesse für mich jetzt zu Ende ist. Jetzt freue ich mich auf Essen und den Besuch bei Markus Zaja, aber das ist eine andere Story, die er hier und hier festgehalten hat.

19:29 der ICE Fußboden ist gemütlich als man denkt. Jetzt erstmal die Einträge nachtragen, zu denen ich während der Messe keine Zeit hatte und die Rechtschreibkorrekturen des ihhPhones korrigieren. Weiterlesen

Forestone Reeds – neue Hightech-Blätter aus dem Land der aufgehenden Sonne

Nachtrag vom 5.5.2012: Inzwischen hat sich einiges bei Forestone getan. Den aktuellen Test zu den neuen Blättern findet ihr hier: http://saxophonistisches.de/die-neuen-forestone-unfiled-blatter/

Wie der treue Leser wahrscheinlich schon weiß, bin ich überzeugter Kunststoffblattnutzer. Um so erfreuter war ich, dass in diesem Bereich wieder etwas neues gibt und natürlich mußte ich diese Dinger schnellst möglich testen. Also fragte ich bei Forestone Reeds direkt nach und Sie waren tatsächlich so freundlich mir ein paar Testblätter zur Verfügung zu stellen.

Forestone ist eine junge japanische Firma und stößt nun mit ihren neuen Kunststoffblättern auf den europäischen Markt. Bevor Unklarheiten auftreten, es wird übrigens „Fo-räs-ton“ ausgesprochen. Auch die Blätter haben erst vor kurzem die finale Produktreife bekommen und ich habe quasi etwas vom ersten Satz der second Generation bekommen. Bisher gibt es nur Blätter für Sopran, Alt, Tenor und Böhm und deutsche Klarinette. Blätter für Bariton, andere Klarinettenarten, weitere Stärkegerade und ggf. weitere Schnitte sollen noch kommen.

Das besondere an den Forestone Blättern ist, dass sie zwar Kunststoffblätter sind, aber dennoch aus Bambus. Tatsächlich bestehen sie zum Teil aus natürlichem Material, quasi Ökoplastik bzw. Natürlicher Kunststoff. Wer darin einen Widerspruch zu sehen meint, soll sich hier eines besseren belehren lassen. Es handelt sich um ein modernes Hightechpolymer das Bestandteil Bambusfasern enthält. So bekommt das Material ganz spezielle physikalische Eigenschaften, die sich in diesem Falle in einem sehr natürlichem Schwingungsverhalten äußern. Das Polymer wird durch ein spezielles Spritzgußverfahren dann in Blattform gebracht. Das ist bemerkenswert, denn Legere hat dies nicht geschaft. Deren Blätter bestehen auch aus einem homegenen Polymer (im Gegensatz zu Fibracell und Fiberreed, die auf Faser/Röhren-Strukturen setzen), das die gleichen physikalischen Schwingungseigenschaften wie ein Holzblatt hat. Diese werden bei Legere geschnitzt, denn es war zu problematisch die dünne Spitze des Blattes zu spritzen. Forestone hat dafür spezielle Maschinen mit einem neuen Verfahren entwickelt und besitzt darauf genau wie auf deren genaue Polymerrezeptur Patente. So können sie eine großtmögliche Homogenität zwischen den einzelnen Blättern garantieren trotz dem Anteil natürlicher Fasern. Interessant ist, dass es pro Instrument nur eine Spritzform gibt und der Härtegrad des Blattes über die Rezeptur des Polymers bestimmt wird. Wer jetzt vielleicht vor sich schon mehrere Blätter von Forestone liegen hat, so wie ich gerade, wird vielleicht verschiedene Farbstufen feststellen. Das liegt jetzt nicht an der Polymerzusammensetzung, sonder, so wurde mir gesagt, an der Temperatur der Maschine, die sich während des Betriebes langsam heißläuft. Es handelt sich sozusagen um verschiedene Bräunungsstufen, die aber spieltechnisch keinen Einfluß haben.

Die Blätter selber kommen in einer sehr schicken schwarzen kleinen Pappbox, verziert mit silberner Schrift und Kanji und schwarz abgesetzten Bambusgewächs. Die Verpackung läßt schon mal auf ein Highclass Produkt schließen. Das Blatt selber ist nochmal in einem kleinen Pappschuber. Persönlich würde ich einen Plastikschuber wie man es Vandorren oder Rico kennt bevorzugen, da länger aushalten und mehr Schutzbieten und Reedcases machen bei Kunststoffblättern ja weniger Sinn, da man eh meist nur eines in Benutzung hat. Jedoch Forestone ist eine moderne Firma und nimmt seine naturverbundenheit (auch wenn es eigentlich nur ein Bestandteil des Polymers ist) sehr ernst und hat deshalb zur Vermeidung von mehr Plastikmüll sich dagegen entschieden.

Als ich zum ersten mal die braune Farbe der Blätter auf der Homepage gesehen habe, war ich eher skeptisch, da dies nicht unbedingt meine Lieblingsfarbe ist und sie nicht unbedingt dazu einläd etwas in den Mund zu nehmen (außer Schokolade). Doch in real, gefällt mir der Farbton recht gut. Er soll wohl zusätzlich noch unterstreichen, dass es sich hier noch teilweise um ein natürliches Produkt handelt. Das auf den Blätterrücken mit Silber aufgedruckte Forestonelogo mit den Tannen vermittelt einen einen merkwürdigen Weihnachten Eindruck. Die Haptik erinner sehr an die der Legere Blätter. Also sehr glatt. Ich persönlich finde das sehr angenehm an der Lippe, da mir Holz und die Fasrigkeit der anderen Kunststoffblätter manchmal als eher unangenehm empfinde. Zudem sind die Blätter so leicht zu reinigen.

Für meinen Test habe ich Blätter für alle meine Saxophone und Klarinette bekommen, sogar in verschiedenen Stärken und teilweise sogar bestimmte Stärken doppelt. So konnte ich mir ein recht gutes Bild vom Angebot machen. Die Homogenität ist in der Tat hervorragend. Zwar habe ich teilweise minimale Unterschiede noch feststellen können, aber es ist kein Vergleich zu Holzblättern und selbst manche andere Kunststoffblatt Firma könnte sich da noch eine Scheibe bei Forestone abschneiden.

Da sich die Blätter auf allen Instrumenten sehr ähnlich verhalten und geklungen haben, kann ich jetzt allgemein für alle schreiben. Die Forestone bieten natürlich alle üblichen Vorteile von Kunstoffblätter, wie Temperatur- und Feuchtigkeitsunabhängigkeit usw. Wie langlebig die Blätter sind, kann man noch nicht sagen, da es sie ja noch nicht lange gibt. Aber meine „Stresstest“ zeigten, dass sie doch sehr viel aushalten. Da sie den Legeres in der Beschaffenheit nicht unähnlich sind, nehme ich daher an, dass sie ähnlich lange halten. Also so gut wie ewig. Nur mit dem Nachbearbeiten ist es wie bei Legere sehr schwierig. Aber das machen je nur die wenigsten Kunststoffblattuser.

Die Ansprache ist natürlich sofort top, wobei ich wie bei Legere eine kleine Einspielzeit meine zu bemerken. Sozusagen auf Betriebstemperatur bringen, aber das kann man ja auch durch die Hosentasche bewerkstelligen. Bei extremeren Spielarten wie Multiphonics und Flagolettes verhalten sich die Forestone leicht anders als gewohnt, aber das ist nach kurzer Umgewöhnung auch kein Problem mehr.

Klanglich decken die Blätter eine große Lücke im Spektrum der Kunststofblätter. Dunkel, rund, homogen, ausgeglichen, sanft, kurz sehr klassisch. Das ist auch gut so, denn das gibt es so noch nicht. Zwar sind die normalen Legeres und das Fiberreed Classic auch eher klassisch orientiert, sind im Vergleich zu Forestone aber heller, schärfer haben mehr „charakter“. Damit meine ich nicht, dass die Forestone charakterlos klingen, im Gegenteil, ich empfinde den klang als sehr natürlich, nur halt sehr Klassik orientiert. Das ist auch kein Wunder, wenn man sich den Schnitt anschaut. Der French-Cut (auch filed genannt) passt auch besonders gut auf klassikmundstücke oder Mundstücke mit eher kürzerer Bahn. Auf Jazzmundstücke mit langen Bahnen passen die Blätter. Es ist nicht unbedingt das lauteste und durchsetzungsfähige Blatt. Wer das sucht, für den gibt es passendere Reeds. Aber Forestone hat schon angedeutet, dass es diejenigen auch schon etwas in Planung hat.

Markus Zaja, ein guter Freund dieses Blogs, hat nun auch die Forestone-Blätter gestestet und dazu berichte mit schönen Soundfiles verfasst. Forestone Sopran Forestone Tenor

Fazit Bei Forestone handelt es sich definitiv um schöne Blätter. Vielleicht ist die deutlich klassische Richtung nicht jeder Mann Sache, aber viele dürfte es freuen, dass es so etwas endlich gibt. Außerdem darf man nicht vergessen, dass es sich hier noch um eine sehr junge Firma mit einem jungen Produkt handelt. Ich bin gespannt, was man zukünftig noch von Fotestone erwarten darf.

Wen das Thema Kunststoffblätter interessiert, hier geht es zum großen Kunststoffblättertest, indem nun auch Forestone aufgenommen worden ist.

Sehr schade ist es, dass es bisher noch keinen deutschen Laden gibt, der diese Blätter führt. Daher kann ich auch nichts über den Preis sagen. Wahrscheinlich würde der dann, ähnlich wie die anderen Kunststoffblätter bei um die 20 Euro liegen. Allen Interessierten bleibt solange nur, sie direkt über die japanische Homepage zu beziehen.

http://www.forestone-japan.com/

Abschließend möchte mich hier auch noch mal herzlichst bei Forestone für die freundliche Bereitstellung der Testblätter bedanken.

Der große Kunststoffblättertest

Immer wieder höre ich denn die Frage „Taugen denn diese Kunststoffteile überhaupt etwas?“ oder noch besser eine Pauschalausage „Dieses Plaste Zeug ist doch alles Mist“. Da frage ich gerne mal nach, ob der die wirklich schon mal getestet hat, worauf dann meist ein „nein“ oder „mal eine Minute angespielt“ höre.
Meiner Ansicht nach, haben Kunststoffblätter längst die Klangqualität von normalen Holzblättern erreicht. Viele Saxophonisten haben dennoch immer noch Vorbehalte, ohne sie jemals selber getestet zu haben. Ich spiele seit ein paar Jahren aus Überzeugung ausschließlich nur noch Kunststoffblätter und ich finde, dass jeder ernsthafte Saxophonist diese wenigstens ein mal durchprobiert haben sollte.

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Sie sind nicht besser oder ein Allheilmittel, aber eine vernünftige Alternative. Die Vorteile gegenüber Holz sind zahlreich. Um ehrlich zu sein, mein Entschluss nur noch synthetische Blätter spielen, basiert in erste Linie auf den Vorteilen. Ich bin der Meinung, dass das problemlose Handling mein Spiel wirklich konstanter macht und ich deshalb auf die letzten 3% Sound des Blattes verzichten kann. Erst später in einem größerem Blättervergleichstest stellte ich wieder fest, dass sie eigentlich auch klanglich für mich inzwischen am besten funktionieren.
Das wird aber sicherlich nicht bei jedem so sein. Bei vielen funktionieren die Plastereeds wirklich nicht, aber das muß nicht zwangsweise mit dem Material zusammenhängen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass es am Blattschnitt liegt. Nicht jeder Blattschnitt bei Holz gefällt jedem Spieler, wie soll das also bei Kinststoff gehen, zumal es da mit den paar Marken eh noch keine wirklich große Auswahl gibt.
Zudem spielen sich die Plastikblätter in der Tat auch ein wenig anders (das heißt nicht schlechter) als normale Holzblätter. Daher sollte man beim ersten Versuchen, diesen mindestens einen ganzen Tag Eingewöhnung einräumen. Gerade das Carbon Fiberreed klingt bei vielen beim ersten mal oft grausam aber auf dem Tenor und Alt sind sie meine Lieblinge.
Auch wird ein Plastikblatt nie so gut klingen, wie das eine Lieblingsholzblatt. Auch das ist eigentlich ganz logisch. Holzblätter haben eine natürliche Varianz (je nach Marke mehr oder weniger), weil das Bambus ein organisch gewachsen Material ist. In einer 10er Packung gibt es vielleicht 2 Gurken, 3 brauchbare, 2 sehr brauchbare, 2 gute und ein exzellentes Blatt. Durch die natürliche Varianz gibt es nicht nur Abweichler nach unten in der Qualität, manchmal hat es gerade weil einzigartig ist, das Blatt Etwas, das es ganz besonderes macht. Wie soll da ein künstliches Blatt, das absolut gleich ist (naja, stimmt so auch noch nicht ganz) da mithalten. Dafür klingt es besser als die restlichen 9 Blätter in der Packung.

Vorteile

Kein Einspielen mehr: Kunststoffblätter gehen sofort los und klingen von der ersten Minute so, wie eine halbe Stunde später. Für jemanden so ungeduldigen, der immer gleich losspielen will, wie mich ideal. Auch ideal für so jemand faulen wie mich, der zu den Proben immer zu spät kommt und sich nicht sorgfältig einspielen will.

Müssen nicht gewässert werden: trocknen also nicht aus. Mit dem ersten Punkt sind sie deshalb ideal für Doppler (also Musiker die mehre Saxophone spielen) auf der Bühne.

Unempfindlich Feuchtigkeit und Temperatur: gerade im Außeneinsatz leiden Holzblätter durch die Umweltbedinungen. Daher sind Synthetics ideal für OpenAir und Marschingbandeinsätze.

Kostengünstiger: Zwar kostet ein Kunststoffblatt 4 bis 7 mal so viel wie ein normales Holzblatt, hält dafür aber je nach Hersteller 20-50mal so lang. Bei Baritonblätter lohnt es sich sogar noch mehr.

Langlebigkeit: Es ist immer ärgerlich, wenn das „gute Blatt“ an das man sich gerade erst gewöhnt hat nach zwei Wochen den Geist aufgibt. Das gute Synthetikblatt hält gerne mal ein halbes Jahr oder noch länger. So muß man sich sein Lieblingsblatt nicht immer nur aufheben, sondern kann es auch benutzen.

Konstanz: Für mich spieltechnisch der größte Vorteil. Da sie immer gleichbleibend sind auch über einen langen Zeitraum, lerne ich mein Blatt viel besser kennen. Ich habe dadurch einen besseren Sound und extremere Sachen (Altissimo, Problemtöne, Splatklänge, Effekte, usw.) funktionieren deutlich sicherer.

Keine Quitscher mehr: Ich habe seit ich die Kunststoffblätter benutze keine Quitscher oder Quäker mehr. Das liegt einfach daran, dass die Blätter alle gut sind und sich immer so verhalten wie sich ein Blatt zu verhalten hat.

Haptik: Ich persönlich und andere empfinden auch das Gefühl der Kunststoffblätter angenehmer als das der rauen Holzteile. Allerdings habe ich auch schon von einem Fall gehört, der von dem Kunststoffzeugs mit Hautreizungen reagierte.

Robuster: Die Blätter sind deutlich härter im nehmen. Wer kennt das nicht, mal kurz angeeckt und das Blatt ist Schrott. Bei Kunststoff ist die Wahrscheinlichkeit, dass es so etwas unbeschadet übersteht deutlich höher. Also auch für Grobmotoriker wie mich bestens geeignet.

Hygiene: Synthtik versifft nicht; da kann nichts in die Fasern eindringen und anfangen zu verschimmeln.

Gleichheit: Wenn man sich ein weiteres Blatt kauft, ist es so, wie das andere. Naja fast, je nach Hersteller gibt es kleine Varianzen, die fallen aber um einiges kleiner aus, als bei Holz. Hier konstatiere ich übrigens eine zunehmende Verbesserung bei den Herstellern.

weniger Zeitaufwendig: Roationssysteme braucht man nicht mehr, man muß nicht nachfeilen und schleifen und auch sonstiger Extraaufwand für die Holzteile fallen weg. Man kann die Blätter auch nachbearbeiten, aber da gehe ich bei den einzelnen Herstellern nochmal genauer darauf ein.

Optik: Also ich finde, dass sie cool aussehen. Ist aber wahrscheinlich Ansichtssache und nicht für jeden ein Kaufgrund.

Sound habe ich jetzt mal ganz bewußt, nicht als Vorteil aufgelistet, da dies auch immer eine Frage des Geschmacks ist. Ich kenne auch Spieler, die sich wegen Klang für eine Synthetikblatt entschieden haben und auch bei mir ist es so, dass ich sie klanglich am besten für mich finde. Wie gesagt, bin ich der Meinung, dass der Klang wie bei Holz sehr schnittabhängig ist. Deshalb ist es schade, dass es bisher nur so wenige Hersteller gibt und somit auch eher wenig Auswahl. Ich werde mich hier kurz nochmal mit den drei großen Kunststoffblattfirmen beschäftigen. Es gibt zwar noch Hahn und Bari, aber von denen ist hierzulande so gut wie nichts bekannt und in den letzten Jahren gab es bei denen auch keine weitere Entwicklung (zumindest ist mir nichts zu Ohren gekommen). Auch die Rico Plastikcovers werde ich hier ignorieren. Erstens sind es keine „echten“ Kunststoffblätter und zweitens haben die mich auch klanglich nicht wirklich überzeugt. Ich bezweifle, dass Holzfasern optimal schwingen können, wenn sie im schwarzem Plastik ertränkt werden.

Legere
Legere entspricht der Idee eines Kunststoffblattes am meisten. Das Prinzip basiert hier darauf, einen Kunststoff zu entwickeln, der genau die gleichen physikalischen Eigenschaften hat, wie das Holzblatt, also die selben Dichten und Schwingungseigenschaften. Sie werden mit einem Laser geschnitten, da gießen nicht möglich ist (so erklären sich auch die ca. 14€).
Besonders bemerkenswert ist hier, dass 30 Tage Umtauschrecht gegen eine andere Stärke. Man kann sich hier also genau die passende Stärke aussuchen die zu einem passt, was sich auch lohnt, da Legere in 1/4 Stärkenunterschiede anbiete. Das Umtauschrecht ist aber auch oft nötig, da sie ungewöhnlich hart ausfallen, man muss min1/2 Stärke vom gewohnten runterrechnen (besser 3/4).
Diese Blätter sind die robustesten und halten ewig (mein erstes 3Jahre funktioniert immer noch). Die Haptik ist etwas ungewohnt, da deren Oberfläche absolut glatt ist, was ich als sehr angenehm empfunden hatte und einige als Lösung zu gewissen “Reizproblemchen”.
Legere deckt die meisten Instrumente ab (ich glaube sogar auch Altklarinette) und für Alt/Tenor gibt es sie auch in der Jazzvarinate StudioCut. Die normalen haben eher einen klassischen und dunkleren Klang, während die Studiocut eher heller, straighter und moderner sind.
Man kann sie eher schwer nachbearbeiten; ist aber möglich; nicht schleifen, sondern Messer senkrecht dran und abziehen (es wird allerdings eher davon abgeraten und wer will das schon bei einem Umtauschrecht?). Man kann eigentlich nur bei Legere sagen, dass ein Blatt genau dem anderen gleicht.
Einige Spieler haben berichtet, dass nach über einer Stunde intensiven Spielens die Blätter leicht abschlaffen und die Intonation nach oben rückt. Hier rate ich einfach dazu, immer ein zweites in der Hosentasche aufzubewahren. Hosentasche deshalb, da die Legeres eine minimale Einspielung wegen der Temperatur brauchen und sich das durch die Hosentasche erübrigt.

Fibracell
Diese Blätter ähneln den Holzblättern am meisten, was Klang, Haptik und auch Aussehen angeht (gerade etwas für diejenigen, denen es peinlich sein könnte, nicht Holz zu spielen (Klassikorchester)).
Hier ist das Prinzip Teflonfasern so anzuordnen wie die Holzfasern der normalen Blätter.
Ihre Langlebigkeit liegt bei intensiver Nutzung bei über einem halben Jahr oder noch länger. Meist löst sich unten dann die Folie ab. Ich habe noch 10 Jahre alte weniger benutzte Klarinettenblätter und die spielen sich immer noch tadellos.
Leider hatten die Blätter früher eine etwas zu große Abweichrate. Die Blätter klangen nicht gleich, es gab Blätter die einfach überwältigend gut klangen und sich von alleine gespielt haben, es gab aber auch Krücken. Bei einem 15€ Blatt sollte das nicht so sein. Aber seid sie die Fibracell Premier rausgebracht haben, hat sich das geändert, und inzwischen sind sie sehr konstant.
Einige finden sie klanglich besser als die alten, andere meinen genau das Gegenteil, ich meine, Klangfarbe ist Geschmackssache. Ich habe gerüchteweise gehört, dass sie damals die Rezeptur und Herstellung verändern mußten, da aufgrund des 11.Septembers eine benötigte Chemikalie in den USA unzulässig wurde und sie deshalb umsteigen mußten.Nachberarbeiten kann man sie auch, erfordert doch viel Erfahrung und experimentieren bei diesen Blättern (vielleicht ein wenig kostspielig).
Klanglich empfinde ich diese Blätter als recht flexibel; von Rock bis Klassik geht alles. Ich meine auch, dass sie den organischsten Sound und zudem so einen gewissen „Buzz“ haben.

Fiberreed
Fiberreeds Tenor sopran alt neuHarry Hartmanns Fiberreeds sind zwar sind sie mit etwas über 20€ die mit die teuersten im Bunde aber wahrscheinlich aber dafür auch sehr interessantest. Zudem ist er ein Deutscher Hersteller. Hier ist das Prinzip, dass Herr Hartmann ein Material mit Hohlfasern benutzt, welche denen im Bambus ähnelt.
Leider habe ich noch nicht alle Blätter durchtesten können, denn er hat  im  Kunststoff bereich das  größte Angebot. Klassik, Jazz und Rock/Funkblätter. Blätter bei denen man die Andruckplatte ändern kann. (Blattschrauben die das ermöglich kosten 50€ und aufwärts).
Aber die lange Liste an prominenten Fans spricht für sich, wie David Liebmann, Archie Shepp, Jan Gabarek und viele mehr.
Ich habe lange das Carbon Fiberreed gespielt. Durch seine spezielle Struktur, erzeugt es mehr Obertöne, somit lauter und heller.
Die Langlebigkeit und Robustheit ist nicht ganz so wie bei den anderen. Bei intensiver Nutzung geht ein Blatt ca. 4 Monate, dann fängt es an etwas abzuschlaffen und weicher zu werden. Dafür ist hier das Nachbearbeiten unkompliziert. Einfach die Spitze etwas abschleifen, und das Blatt geht wieder. Allerdings sollte man aufpassen, wenn man zuviel nachschleift. Die Oberfläche ist mit einer Schutzschicht versiegelt, die verhindern soll, dass die Fasern ausspilttern und in die Lippe bohren. So eine mikroskopische Fasern kann ganz schön weh tun.
Ein ganz besonderer Service von Fiberreed ist, dass man sein Lieblingsholzblatt hinschicken kann, dass dort vermessen wird, und dann daraus ein Fiberreedklon hergestellt wird. Eine ewig haltende Kopie seines besten Blattes.
Die Konstanz hat auch hier früher ein bissle geschwankt, und die Blätter sind etwas unterschiedlich ausgefallen, auf meine Frage hin, bestätigte mir die Herr Hartmann dies und erzählte mir, dass sie deshalb neue Gerätschaften entwickelt haben. Und tatsächlich, die letzten Blätter die ich gekauft habe, hatten so gut wie kaum einen Unterschied.
Zur Musikmesse 2009 hat Harry übrigens einen neue Art Schnitt vorgestellt. Zum Test des „StraightCuts“ geht es hier!

Forestone
Last bot not Least Es eine noch recht junge japanische Firma, daher sind sie hierzulande auch noch nicht so verbreitet. Sie sind ein wenig den Legeres ähnlich, da Forestones auch einem Polymer bestehen, jedoch hat haben die es geschafft, das Blatt im Spritzgußverfahren herzustellen. Das besondere an den Blättern ist, dass das Poymer aus einem großen Teil aus natürlichen Bambusfasern besteht. Also ein natürliches Holzplasikblatt. Das macht sich auch im Klang bemerkbar, ein schöner runder ausgeglichener natürlicher Ton, insgeammt haben sie den klassischsten Klang der Kunststoffblätter. Aber man darf gespannt sein, was da noch so kommt.
Einen ausführlichen Test zu diesen Blättern gibt es hier.
Seit 2012 gibt es auch einen „unfiled“ Cut, der deutlich jazziger ist und mehr Power und Charakter hat.
http://saxophonistisches.de/die-neuen-forestone-unfiled-blatter/

Für mich persönlich ist Forestone mein Favorit, weshalb ich sie auch mit voller Überzeugung endorse.

Noch ein paar allgemeine Tipps
Es ist immer ärgerlich, wenn man sich mit der Blattstärke vertut, vor allem wenn das Blatt über 14 Euro kostet. Meist fallen die Kunststoffblätter etwas härter aus. Das liegt daran, dass die Särke angaben mit neuen Holzblättern verglichen werden. Da die Kunststoffblätter nicht nachgeben, sollte man, wenn man sonst 3er spielt, es eher mit einer 2,5 probieren. Hier eine Vergleichstabelle, die halbwegs stimmt und recht ausführlich ist.
Kunststoff versifft zwar nicht wie Holz, allerdings sollte man seine Blätter doch ab und zu mal reinigen. Warmes Wasser reicht meist schon für eine Säuberung. Wer es noch reiner braucht, kann etwas Zahnpasta benutzen oder den Blättern eine Kukidentkur verpassen. (Obskurerweise sind die Fiberreeds die einzigen Blätter die untergehen).
Ich benutze Übrigens immer zwei gleiche Blätter. Das eine wird ständig gespielt das andere ist Reserve. Blätter gehen immer dann kaputt, wenn man keine Reserve am Mann hat. Außerdem dient das 2. immer ab und zu als Kontrolle. Wenn man nur ein Blatt spielt, merkt man Veränderungen oft nicht, also wenn es weicher wird, abschlafft und seinen Geist aufgibt. Deshalb ab und zu mal vergleichend spielen und kontrollieren.

Fazit
Wie ihr merkt, bin ich begeistert von den Kunststoffblättern, aber ich möchte nochmal betonen, dass Kunststoffblätter nicht besser sind, sondern einfach eine gute Alternative. Die Blätter haben viele Vorteile, aber viele nehmen für den Sound alles in Kauf (eigentlich zurecht) selbst den ständigen Ärger mit Holzblätter. Ich hingegen würde nicht mehr zurück wollen und meine, dass sich das ausprobieren lohnt. Alleine um die ganzen falschen und veralteten Vorurteile abzubauen. Wie gesagt, für einen vernünftigen Eindruck reicht 5min anspielen nicht, da sie doch etwas anders sind. Es gibt eine Auswahl, allerdings ist diese recht überschaubar.

Mein Abschließender Rat:

EINFACH SELBER TESTEN !!!