Hier ein schöner Test von Markus Zaja über sein Sequoia-Tenor. Für diejenigen, die es interessiert, gibt es noch einen älteren Test von mir über das Sequoia-Sopran. Dort stehen auch die Kontaktmöglichkeiten zu Marcel Jansen.
Sequoia hat nun übrigens auch endlich eine neue Homepage.
Das Ternorsaxophon der Marke Sequoia stammt aus dem Hause von Marcel Jansen, der im belgischen Dreiländereck weitgehend unbeachtet vom Mainstream seit Jahren an einer eigenen Marke arbeitet. Hier liegt das Finish Lemon vor, also eine unklackierte Version, die mit einer nicht weiter verratenen Prozedur in eine fröhlich-gelbe Endoptik versetzt wurde, Klappenwerk standard – goldlackiert.
Die Mechanik ist im Prinzip auf dem üblichen seit Jahren etablierten Standart. Allerdings gibt es kleinere Neuerungen, die mit Bedacht vorgenommen wurden und einen eigenen Reiz haben: die Wellen für tief es und c sind in einem völlig neuen Winkel angebracht und ermöglichen, wenn die Hände groß genug sind, ein neuartiges und viel eleganteres Gleiten über die Rollen. Dies werden vor allem diejenigen zu schätzen wissen, die sich bereits mit der Klarinette beschäftigt haben, sei es in der Jugend oder gar erst im Studium, wenn das Zweitinstrument “zuschlägt” und gewisse Irritationen aufkommen …
Die neuen Hebel sind – besonders für mich mit größeren Händen – eine sehr wohltuende Erfindung !
Bei den restlichen Mechaniken empfinde ich das Sequoia als ausgesprochen robust und auf dem aktuellen Stand der Dinge. Es wackelt nichts. Die Einstellung des Klappenweges erfolgt mit Korken und Filzen, also eine eher der Tradition verpflichtete Technik. Manche vermissen hier die sehr guten Einstellschrauben, die wir von der Sopranreihe kennen. Interessant ist die Auflötung vieler Einzelsäulchen und eine unaufdringliche Stütze der langen Wellen auf der rechten Seite. Hier steht nichts unschön hervor, auch haben die Wellen der linken Hand keine Delle in der Strecke ( wie die kleine Kurbelwelle bei Selmer seit vielen Jahren ), was zu einer ausgesprochen eleganten Linienführung führt .
Ob die Polster ( Ausführung Metallresonatoren mit Mittelnieten ) aus dem Hause mit dem berühmten – italienischen – Namen kommen, kann man mangels Beschriftung nicht sagen, sie wirken aber so, schmatzen nicht und alle Ringe sind gut eingegraben.
Die Tonlöcher sind im oberen Bereich wesentlich kleiner als bei einigen anderen aktuellen Anbietern. Das führt zu klanglichen Vorteilen und insgesamt einem Eindruck, es handele sich nicht um ein allerneuestes Instrument auf dem hart umkämpften Saxophonmarkt. Hierzu paßt auch die gewisse Enge zwischen Becher und Hauptrohr, die eher an ältere Saxophone erinnert als an moderne Konstruktionen aus den 70er Jahren.
Das Anfassen der Taster ist ebenfalls angenehm , die Position der Gurtöse, diese ist in der Längenposition für viele Gurte geeignet und daher muß auf gewohnten Komfort nicht verzichtet werden. Mich stört nicht, daß keine Perlmuttauflagen verwendet wurden, die Drücker fühlen sich angenehm an.
Der Klang ist eine Wucht: breit, aber nicht überfett, sehr ausgewogen in allen Lagen, gut zu gestalten und mit großer Dynamik. Mit geeigneten Mundstücken sind auch die Subtones nicht zu tief, auch ist klassisches piano kein Problem. Ich habe eine Vielzahl von Kautschuckmundstücken getestet, Vintage, unbekannte, Markennamen, und konnte mit der Kombination einiger Lieblingsblattmarken etliche ausgesprochen wohlklingende Klangwirkungen erzeugen, ohne gleich das Instrument wechseln zu müssen. Das dürfte vor allem in Bereichen des professionellen Spiels helfen, bei denen es auf schnellen Wechsel des Klangcharakters ankommt, und weniger den einsamen Solisten interessieren, an dessen Leid sich die Musikindustrie eine goldene Nase verdient …
Der Charakter erinnert eher an Conn als an Selmer, ein wenig an Pierret und im oberen Bereich könnte man gelegentlich an Büscher denken.
Dies bezieht sich auf den mitglieferten Bogen, ebenfalls im Lemon finish. Die Gelbheit dunkelt mit der Zeit nach, auch ergeben sich durch Nässe, Handabrieb und Dinge die man nicht wissen will interessante Verfärbungen extrem individueller Art. Wer Angst vor punktueller Durchrostung hat muß natürlich ein wenig aufpassen, aber ich schätze mal, vor meinem Dahinscheiden nichts davon bemerken zu müssen…
Ach ja,der Bogen : den gibts gleich zweimal, ein sehr wertig versilberter Bogen ist mit dabei. Falls mal mehr Krach gewünscht wird, alles kein Problem.
Aus purer Testfreude hat mir Torsten Köhler in Pinneberg noch einen Broncebogen gefertigt, der den alten Mechaniken nachgearbeitet ist ( Pierret ) und eine weitere gänzlich andere Klangwirkung hat, die sich besonders im klassischen Bereich bewährt. Und das bei einem Horn mit moderner Applikatur …
Dabei gefällt mir die insgesamt etwas andere Haltung des Körpers vor dem Bogen und der Sitz des Mundstückes, was in bestimmten bereichen Vorteile hat ( langes Üben, Tonqualität ohne schowmäßiges Gehampel ), womöglich aber nicht jedem zusagt.
Also ein Horn, daß auch Fremdbögen mit sehr guten Intonationsergebnisssen annimmt…
Das ist nichts für einsame Liebhaber einer einzigen Marke, die im Nachahmen der Vergangenheit – besser : eines kleinen Bereiches der Vergangenheit – das einzige Glück suchen. Das Sequoia ist ein sehr wertiges neuzeitliches Generalinstrument, das mit wenigen Mitteln sehr individuell eingesetzt werden kann und immer gut arbeitet. Keine schmatzenden Polster oder Hänger oder Undichtigkeiten müssen ja leider heute extra erwähnt werden, obwohl eigentlich selbstverständlich … Koffer und Tragesystem sind ebenfalls hoher Standart.
Zwei Kleinigkeiten für eher fortgeschrittene Spieler, besonders Theaterprofis seien noch erwähnt, die mir nicht gefielen, deren Beseitigung aber keinerlei Problem ist:
die affige Marschgabelhalterungsschraube ( in Deutschland wird aus guten Gründen nicht mehr “so” marschiert … ) hält die Marschgabel nicht richtig ( NIE bei diesem Wort das M vergessennnnnnnn!!! ) und kann entfernt werden – der Klang wird dann auch ohne Silberbogen etwas freier.
Der Aufgang der Klappen bei Quick e³ und f³ erschien mir anfangs etwas weit, was leicht zu einer hohen Intonation führen kann. Marcel Jansen meinte aber, bei modernem Ansatz mit guter Selbstkontrolle müsse das eigentlich identisch sein, und nach einigem testen: siehe da, das ist bei geringer Umstellung absolut kein Problem.
Das Spielen vieler verscheidener Vintage – Saxophone und Klarinetten kann bei bestimmten Situationen hier durchaus zu Nachlässigkeiten führen. Vielwechsler zwischen den Instrumenten, teils auch historischen, werden aber durch die Erforschung dieses Effektes noch sicherer werden. Ich habe mir den Aufgang ein wenig enger eingestellt, was die Flageoletts ein wenig dezenter und eher angedeutet erscheinen läßt, das ist aber meine eigene Wahl.
Wer soliden Strahl im oberen Bereich benötigt ist mit der Jansen`schen Konzeption bestens bedient.
Preis ( incl. großem Rucksackkoffer, , zweitem versilberten S-Bogen und dem üblichen Kleinkram ) im westlichen Ruhrgbiet : ca. 1800.-
Set up – Tip : dazu ein Expression Mundstück 6*oder 7*, mit mitteldicken Blättern 2.5-3, und der Ligatur FL mit dicker Messingandruckplatte.
Also: Augen auf ! Super Horn !
Markus Zaja
Sehr schöner und feinsinniger Testbericht. Da könnten sich einige Autoren von der Sonic mal eine Scheibe abschneiden, die mehr über das Zubehör schreiben als über den Klang, eigentlich fast immer das gleiche bei jedem Sax über die Mechanik schreiben und es dann am Schluß bewerten wie Mark6ig es ist. Da hat man hier deutlich mehr interessantes zu lesen.
Für mich persönlich etwas blamabel, der Unterschied zwischen korrekter Orthographie und Grammatik sowie Sinn zu meinen Texten.
Genau das gleiche Sax hab ich auch und hab auch damit angefangen. (Nur musste ich 9 (!) Monate drauf warten, wenn ich das gewusst hätte, hätte ich das glaub ich nicht gemacht)
Mir gefällts auch sehr gut!
Nur: bei mir war kein zweiter silberner S-Bogen dabei! Soll ich Marcel nochmal anrufen und ihn danach fragen?
Ich glaube der war auch nicht von Anfang an mit dabei. Aber wenn du Interesse hast, auszutesten, ob du vielleicht mehr Strahl haben willst, spricht nichts dagegen so etwas mal auszuprobieren und deshalb Marcel nochmal zu fragen.
Hab mir vor einem Monat auch ein Lemon gekauft. Da war ein zweiter S-Bogen bei, aber nicht aus Silber, sondern aus irgendeiner andern Legierung. Ich glaub, der Kupferanteil ist höher und der Bogen ist insgesamt schwerer. Er klingt etwas dunkler und wärmer als der andere.
Was mir noch aufgefallen ist: Der Händler in Krefeld hatte zwei Lemons da, also hab ich natürlich beide angespielt. Die Unterschiede in Ton und Ansprache waren schon ziemlich groß. Die Kannen unterliegen wohl recht starken Fertigungsschwankungen, es lohnt sich also, mehrere auszuprobieren