Volker Kaufman

Auch Volker Kaufmann lernte ich über die einschlägigen Foren kennen und schnell stellten wir fest, dass wir auf einer Wellenlänge liegen. Deshalb gängeln wir uns auch regelmäßig und so konnte ich ihn als weiteren Gastschreiber für meinen Blog gewinnen.
Volker muszierte schon als kleiner Stepke im örtlichen Spielmannszug und Musikverein. Seine ersten Griffe auf dem Sax zeigte ihm seine Mutter den Rest lernte er bei Bastian Fiebig und avoncierte zu einem seiner Spitzenschülern.
Zwar lernte er Chemisch-technischer und Umwelt-technischer Assistent beschloss dann aber selbstständig zu sein.
Als freischaffender Musiker ist er im Pfälzer Raum unterwegs (Kuseler Musikantenland) und unterrichtet auch Saxophon, Klarinette und Querflöte. Zudem hat er als Organist die Prüfung zum Chorleiter und Kirchenmusiker abgelegt.
Mit seinen diversen Projekten folgten Auftritte mit Heinz Glass(Epitaph), Rüdiger Baldauf(TVTotal Band), Max Greger jr., Hugo Strasser, Alex Auer(Söhne Mannheims), DJ Marco Sönke.
Hier geht’s zu seiner Seite.

Artikel von Volker Kaufmann:
Branchersaxophone – die neue Highclass!?

 

Die Firma Brancher hatte sich in der Vergangenheit einen Namen durch moderne Mundstücke und Blätter gemacht. Seit 2008 baut Brancher auch Saxophone der Profiklasse. Die Mechanik, die Resonatoren und die Polster werden in Frankreich gebaut. Die Teile werden zur Endmontage nach Taiwan geschickt. In der selben Werkstatt werden die Korpusse gehämmert. Anschließend werden die fertigen Hupen von Pascal Brancher getestet und justiert.

 

Damals spielte ich noch ein Keilwerthsx90R Tenor und ein TopTone Altsax.

Ein neues Altsaxophon mußte her.

Auf der Musikmesse in Frankfurt testete ich alle möglichen Firmen an.

Eigentlich hatte ich mich schon auf einen Kandidaten festgelegt, dann kam ich an den Stand von Pascal Brancher.

Ich probierte ein Altsaxophon im Antiklook aus und das aus Goldmessing.

Verliebt habe ich mich sofort in die Optik des Antiklook. Die Ansprache und der Sound waren eine Klasse für sich.

Die Entscheidung war gefallen. Doch dann machte ich einen echten Fehler. Ich probierte auch noch das Tenor aus. Nach Hause fuhr ich dann mit einer Bestellung von zwei Saxophonen im Antiklook.

 

 

Nach gut einem halben Jahr kam dann der Anruf von Chili Notes, dem Brancher Vertrieb für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Endlich waren sie da. Meine zwei neuen Babys.

 

 

Beide kamen sie in schwarze Hartschalenkoffer mit Kunststoffüberzug. Außen an den Koffern sind eine kleine Tasche für CD´s Batterien, Stifte und eine große Tasche in die locker ein Ringbuchordner rein paßt. Zudem Rucksackgarnitur und Regenüberzug.

Innen ein großes Fach für Kleinteile, eins für den S-Bogen und ein Loch fürs Mundstück.

Das Saxophon liegt perfekt in dem Koffer. Damit schickt man es auch mit guten Gewissen im Flugzeug auf reisen.

 

Allerdings haben solche Koffer auch einen Nachteil. Man packt viel zu viel rein, mit dem Ergebnis, daß er einfach zu schwer wird. Deshalb ist bei meinem Tenorkoffer auch schon der Griff etwas eingerissen.

Also doch besser wenigstens den Notenständer extra tragen.

 

Die Ausstattung der Saxophone ist einmalig.

Zwei unterschiedliche S-Bögen, beide in schwarzen Samtsäckchen untergebracht, Durchzugswischer für Korpus und S-Bogen, ein Brancher-Luxus Halsgurt, 2 Packungen Brancherblätter und ein Branchermundstück aus Kautschuk oder Metall nach Wahl (mit Cartier-Schraube). Ich kenne sonst keinen anderen Hersteller, der professionelle Mundstücke beipackt.

Natürlich werden einige wieder sagen, daß die Profis, die so ein Horn bestellen schon ihre eigenen Mundstücke haben und das nicht brauchen, aber da zum Kundenstamm für Highclasssaxophone auch sehr viele Hobbymusiker gehören halte ich diese Mundstücke für sehr passend. Außerdem kann man die Mundstücke, wenn sie einem nicht gefallen ja immer noch weiterverkaufen.

 

Für den Antiklook werden die fertigen Korpusse sandgestrahlt, lackiert und dann gebürstet.

Der höhere Arbeitsaufwand muß leider auch extra bezahlt werden. Das ganze macht etwa 400 Euro aus im Vergleich zum Goldlack.

Auf dem Schallbecher ist eine florale Gravur und seitlich eingelasert das Brancherlogo.

Das selbe Logo wurde auch per Laser in die S-Bögen eingebrannt.

Der Daumenhaken ist aus Metall und die Daumenauflage für die linke Hand aus Kunststoff.

Die Klappen sind mit echten Perlmutteinlagen die eingeklebt sind. Bei der Gis-Klappe und der seitlichen Fis-Klappe, bin ich mir da nicht so sicher, ob es sich dabei auch um Perlmutt handelt.

Die Polster sind mit Heißkleber eingeklebt.

Beim Altsaxophon sind die Tief H-Klappe und die C-Klappe mit Doppelärmchen ausgestattet. Beim Tenor sind alle tiefen Klappen, außer der Cis-Klappe mit Doppelärmchen ausgestattet.

 

Eines der besondersten Merkmale und vielleicht die große Inovation bei diesen Hörner ist, dass die Resonatoren aus massiven Messingblöcken ausgefräst und werden mit der Klappe verschraubt sind. Sie haben somit einen maximalen Durchmesser, das heißt, größer könnten die nicht sein. Sie füllen das Tonloch fast komplett aus und verlaufen Beckenförmig. Dadurch wird erreicht, daß bei geschlossenen Klappen die Resonanz erhöht wird und bei geöffneten Klappen die Projektion und die Kraft im Klang verstärkt.

Die Hörner sind handgehämmert und es wird dickeres Material verwendet, als bei den meisten anderen Herstellern, was natürlich das Gewicht auch etwas in die Höhe treibt, aber den Sound positiv beeinflußt. Der Schalltrichter ist auch größer geformt als üblich. Anscheinend ein weiterer Vertreter in dem wieder modernen BigBelltrend.

 

Aufgrund des höheren Gewichtes wurde beim Tenor eine zusätzliche Verstrebung eingebaut. Bei dem Prototypen, wo dieses noch fehlte, war während des Transportes die Schrauben abgebrochen.

Die Böckchen sind auf Montagebänder gelötet, wie bei den meisten modernen Hörnern.

Natürlich sind Einstellschrauben zur Feinjustage für die Klappen der rechten und linken Hand vorhanden.

 

 

Verarbeitung

 

 

Die S-Bögen passen perfekt und lassen sich tadellos feststellen. Es gibt nirgends unnötiges Spiel.

Beim Tenor wurde am Zapfen für die obere Oktavklappe nachgelötet, leider erst nach dem Lackieren, was nicht gerade sehr schön aussieht und in dieser Preisklasse nicht sein dürfte.

 

Was mir nicht gefiel, war, daß sämtliche Federn zu lasch eingestellt waren. Auf Nachfrage wurde mir gesagt, daß das von Pascal Brancher absichtlich so gemacht wurde, damit der Käufer selbst entscheiden kann, wie stark er die Federspannung haben möchte und die Federn nicht unnötig oft hin und her gebogen werden müssen.

Wohl Ansichtssache, ob man das gut finden soll oder nicht.

 

 

Anspieltest

 

Die ersten Worte nach den ersten paar Tönen sind fast immer:“WOW, geht das ab“.

So war es auch bei mir. Der Sound ist eine Mischung aus Keilwerth SX90R und Selmer MK6.

Das heiß, so offen und röhrend wie ein SX90 und trotzdem zentriert und nörgelnd wie ein MK6.

Blaswiderstand ist kaum vorhanden, aber immer noch genug um sich wohl zu fühlen.

In den Tiefen spricht es einfach nur Butterweich an, egal ob mit Vollgas oder pianissimo.

So geht es weiter bis zum Hoch Fis. Die Flagoletts spielen sich, wie das normale Register.

 

Aber was sagt das Stimmgerät dazu?

Im Prinzip sagt es das, was man fühlt. Man fühlt, was das Handling angeht, ein MK6.

Will heißen E2 etwas zu hoch. Allerdings auch nur minimal. Ansonsten alles im Grünen Bereich.

Das ist wohl auch der Grund, warum alteingesessene MK6 Spieler sagen, daß die Brancher die besten MK6 sind, die sie jemals in der Hand hatten.

 

Bei dem zweiten S-Bogen ändert sich die Stimmung überhaupt nicht. Dieser bietet aber mehr Blaswiderstand und klingt insgesamt braver. Also schnell mal das klassische Mundstück drauf.

Und tatsächlich wird damit dieser Tiger von einem Saxophon zu einem Schmusekätzchen und einem durchaus klassischen Horn.

Mir wäre ein noch engerer S-Bogen als Zweitbogen lieber. Aber vielleicht kommt das ja auch noch.

Interessant sind auch die Soundunterschiede bei den Finishes.

Vor kurzem hatte ich ein Goldlacktenor in den Händen. Obwohl die Hörner absolut Baugleich sind, ist der Unterschied doch erheblich. Durch den Goldlack klingt das Saxophon wärmer und muffeliger, insgesamt braver als der Antiklook.

Ansonsten waren Ansprache und Verhalten gleich.

 

 

Fazit

 

Pascal Brancher baut nicht nur Mundstücke der Spitzenklasse, jetzt auch noch absolute Spitzensaxophone. Angeboten werden sie in verschiedenen Finnishes, die zum Teil sehr stark den Sound der Hörner ändern.

 

Knapp 5000 Euro für das Tenor und 4000 für das Alt jeweils im Antiklook sind natürlich keine Schnäppchen und ob ein teilweise in Taiwan hergestelltes Saxophon so teuer sein muß sei mal dahingestellt. Allerdings allein schon durch das mitgelieferte Zubehör relativiert sich dieser Preis. Außerdem hat man ein Designerhorn der absoluten Oberklasse.

Pascal Brancher ist es gelungen ein Saxophon zu bauen, daß mit den 4 Großen nicht nur mithalten kann. Es stellt sie meiner Meinung nach auch absolut in den Schatten.

 

 

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