B.Air Nano Liquid – Zauberwasser für das Saxophon

B.Air Nano Liquid (3)Die Firma B.Air hatte ich in anderen Testberichten schon vorgestellt. Ein japanischer Hersteller, der sich auf trickreiches und durchdachtes Equipment für Blasinstrumte spezialisiert. Heute stelle ich ein Produkt vor, dass bei vielen auf Unglauben stoßen dürfte. Ein Flüssigkeit, die den Sound verbessern soll.

Das Nano Liquid ist ein Öl in dem kleine Carbon-/Graphitteilchen schweben (der Chemiker nennt sowas Suspension), welches man an Stellen  auf dem Instrument aufträgt, wo Metall auf Metall liegt, die sich aber nicht mechanisch bewegen sollen. Z.B. trägt man es zwischen S-Bogen und S-Bogen Aufnahme, das Gewinde der S-Bogen Schrauben, zwischen Daumenhaken und Korpus oder die Stimmzüge bei Blechblasinstrumenten auf.
Ich betone hier nochmal, es ist kein Schmiermittel und soll nicht an die Mechanik aufgetragen werden.

B.Air Nano Liquid (2)Ja, aber wie soll das funktionieren? Physikalisch wird es so erklärt, dass sich die feinen Partikel im Öl in die „Lücken“ zwischen den beiden Metallteilen setzen und so mehr Schwingungen übertragen. (siehe Abbildung)
Dass das Saxophon mitschwingt beim Spielen und somit Einfluß auf den Klang hat ist unbestritten. Alles, was die Eigenfrequenz des Instrumentes verändert (Material, Mechanikbauteile, Finish), kann eine Soundwirkung haben. Das Saxophon ist leider keine durchgehende Röhre und die Verbindungsteile sind neuralgische Punkte. So spricht ein Horn merklich besser an, wenn Korpus, Knie und Schallbecher zusammen gelötet sind. Allerdings wird das aus gründen leichterer Reparierbarkeit nicht mehr so häufig gemacht.
Also jedes Teil am Sax, dass nur aneinander festgeschraubt wird, schwingt zwar auch mit, aber hat längst nicht die gleiche Energieübertragung. Und genau da soll das Nano-Liquid Abhilfe schaffen.

Ich kann verstehen, dass selbst diejenigen, die über die Wirkung von Daumenhaken, verschiedenen Finishes und so weiter wissen, jetzt erstmal skeptisch sind. War ich zunächst auch, bis ich es ausprobiert habe. Ich habe es dann auch bei vielen Schülern und anderen Instrumenten ausprobiert. Immer habe ich einen Effekt gehört, der mal größer mal kleiner war. Meine Hauptinsturmente habe ich sogar an jeder denkbaren Stelle (z.B. die Schraubengewinde der Klappenkäfige) betüncht. Kleinvieh macht auch Mist. Das sind zwar keine Riesenunterschiede, aber insgesamt hat das den Sound meiner Hörner hörbar „geöffnet“.
Beim Standard Nano Liquid werden nach meinem Empfinden die höheren Obertöne etwas gefördert, wodurch es leicht offener, strahlender und heller klingt.
Ich habe sogar eine kleine Verbesserung gehört, als ich das Gewinde meiner Blattschraube damit eingeschmiert habe.

Interessanterweise, hat B.Air noch zwei andere Nano Liquide im Angebot, bei denen anderes Metall für die verwendet wird: „Cu“ und „EX“. Was bei „Cu“ drinne ist, kann man sich denken, beim EX werden neben dem Graphit Metallkolloide hinzugefügt.
Die Cu Variante geht eher in einen volleren, wärmeren volleren Sound, während die EX deutlich resonantere Tendenzen gibt. Man kann sich also je nach Geschmack, sein Horn so modifizieren.

B.Air Nano Liquid (1)Allerdings ist der Spaß mal wieder alles andere als billig (irgendwie typisch japanisch). Für 7ml liegt der Verkaufspreis je nach Metallvariante zwischen 50 und 80 Dollar. Warum das so teuer ist weiß ich nicht, da ich die Produktionsweise der Partikel nicht kenne.
Allerdings, braucht man von dem Zeug auch nur ein paar Hauchdünne Pinselstriche (mehr bringt nichts) und ich habe mit meinem Fläschchen schon sicher über 30 Hörner beschmiert und am S-Bogen braucht man nur alle paar Monate mal wieder zu erneuern, so dass ich immer noch 1/3 der Flasche habe.
Wer es nur für ein Horn braucht, für den ist das vielleicht in der Tat etwas überteuert, aber für den Saxdoc oder Hobbyschrauber, der damit mehrere Instrumte tunen will oder einfach seine Kollegen im Satz mal etwas erfreuen möchte, da rechnet sich das schnell wieder.

Ich persönlich bin von der „magischen Pleurre“ überzeugt. Die Idee ist witzig und physikalisch funktioniert es, wie es in sich in vielen Versuchen gezeigt hatte und immer mit einem deutlich positiven Effekt.
Leider gibt es in Deutschland noch keinen Shop, der das Nano Liquid führt, weshalb sich Interessenten sich das Zeug wohl direkt aus Japan vom Hersteller importieren müssen. Wenn ihr bei B.Air ordert, könnt ihr den Akira gerne von mir grüßen.

http://www.b-air.jp

 

21 Gedanken zu „B.Air Nano Liquid – Zauberwasser für das Saxophon


  1. Hab grad mal schnell gegoogelt. So ein HiFi-Laden verkauft da etwas ähnliches. Allerdings preislich eben in der audiophilen Über-Hifijungs-Region. Das Kölbchen für 179 Tacken. o.O

    Ich will hier keinen Link posten, bin ja nicht deren Werbescherge. Hier nur die Produktbeschreibung:

    a(Alpha) Überholt alte Verbindungen undverbessert neue Verbindungen. Nano-Moleküle sind extrem klein,8 Nanometer im Durchmesser(8/1000000 mm). Diese Moleküle füllen jedes Bläschenloch in der Metall-oberfläche.Es sind Überreste des Vergütungsprozesses, die beim Bürsten entstehen. Das Ergebnis ist ein wesentlich besserer Kontakt zwischen den Metalloberflächen. Nano Liquid ist das Ergebnis von xxxx‘s Intention, jeden Aspekt der Signalübertragung zu berücksichtigen. Eine deutliche Feindynamik wird erzielt.


      • Noch eine Info dazu, ich hab den B.Air Bird Strap im Juli letztes Jahr per Amazon direkt bei Forestone in Japan gekauft und die haben irgendwie nichts für Porto und Verpackung berechnen wollen. Am Ende ein $85 = 71,98 € Schnäppchen. Kann hier leider keinen Screenshot posten.

        Habs grad nochmal geprüft und das mit Porto und Verpackung ist immer noch so, wenn der Preis mit $110 jetzt auch höher ist, ist es immer noch ein guter Deal. Das kam bei mir auch alles korrekt an. Aber die amazon.com nehmen auf .de gibts das nicht und Nano Liquid haben sie heute leider nicht.


  2. Irgendwie kann ich mir kaum vorstellen, dass dieses Zeug etwas anderes ist als http://de.wikipedia.org/wiki/Schlangen%C3%B6l .
    Gibt es echte Doppelblindtests, bei denen ein Spieler das behandelte Saxophon eindeutig und statistisch signifikant vom unbehandelten unterscheiden kann?
    Wenn nicht, glaube ich erst mal nicht, dass es sich um ein echtes Wundermittel handelt. Eher so etwas wie einen „akustischen Placeboeffekt“, denn alle menschlichen Sinne können durch die Psyche und Erwartungen beeinflusst werden…

    Just my 2 cents.


    • Jaja, man kann aber auch Ohren haben. Der Placeboeffekt funktioniert nur, wenn man vorher überzeugt von ist (funktioniert übrigens auch anders rum, wenn man überzeugt ist, dass es nicht funktioniert).
      Bei meinen ersten Tests war ich genauso skeptisch wie jeder andere, und ich habe inzwischen genug Erfahrung mit Equipmenttests, um zu wissen, was ein reeller Unterschied ist und was nicht.


  3. die diskussion obs funzt oder nicht, ist völlig sinnlos, solange es nicht wissenschaftlich untersucht ist.

    aber selbst da gibts z.b. bei den homöopathen unbelehrbare, die nicht wahr haben wollen, dass homöopathie nicht mehr wirkt als placebo………… trotz zig doppelblindstudien die genau das belegen: placebo

    mir geht persönlich so ein tuning-scheiss der hier mit hoher wahrscheinlichkeit placebo ist, völlig am allerwertesten vorbei… wer für so nen quark zig euro ausgibt, mir auch wurscht.


    • Warum also dann so ein Kommentar wenn dich das Thema nicht interessiert. Man könnte ja auch mal Wissenschaftlich analysieren, ob MkVI Saxophone wirklich besser klingen. Man kann aber auch einfach mal unvoreingenommen sein und Ohren aufmachen. Das Gehör wird (sollte) mit zunehmender Beschäftigung mit Musik übrigens besser!

      Klar ist die Diskussion ob es funzt oder nicht etwas sinnlos, wenn der Effekt da ist. Die Schwerkraft hat auch schon die Menschen am Boden gehalten, bevor sie bewiesen worden ist.
      Ganz zu schweigen davon, dass sich jetzt Leute mit Kritik zu Wort melden, die das Zeug noch nicht mal in der Hand hatten.

      Und wer sich für sein Equipment interessiert (sollte man auch, um ein gewisses Level zu erreichen) weiß um die Feinheiten, die Mundstück, Blatt aber auch Mechanikteile, Finish und so weiter haben.

      Zudem gibt es Leute, die Spaß am experimentieren am Equipment haben. Das ersetzt aber nicht das üben, sondern ist eher als Ergänzung anzusehen.


  4. Interessant, interessant!
    Ich glaube schon, dass das funktionieren könnte. Alles, was das Instrument berührt, beeinflusst es auch – Kleber, Korken, auch die Finger… kann mir vorstellen, dass dieses Öl die ja resonanztechnisch doch sehr ungünstigen Stellen wie Klappenschutz- und ander Schrauben beeinflussen kann.
    Danke für den Bericht!


  5. das argument: ich habs probiert, und einen subjektiven eindruck zählt halt nicht…… da du es nicht untersucht hast, ausser du hast zwei identische hörner, eines behandelt, und kannst im blindversuch eindeutig das beschmierte instrument herausspielen.

    alles andere sind vermutungen, genauso wie meine zweifel. du hast subjektiv untersucht. somit kein eindeutiges ergebnis.

    wenn du berichtest, ich vermute einen possitiven effekt, dann ist das ok. bei dir kommt aber heraus, dass eindeutig eine veränderung eintritt. das ist humbug, da du es nicht verifizieren kannst. sondern nur vermuten.

    was hat das eigentlich mit mark vi hörnern zu tun?????


    • Nur weil du es nicht glauben kannst, ist es Humbug? Wer nicht hören kann ist selber schuld. Sorry, wo komme ich denn hin, wenn ich jeden Höreindruck von meinen Test wissenschaftlich beweisen müßte. Entweder du glaubst einem Fachmann in Sachen Saxophon oder nicht.
      Wenn du es besser weißt, dann liefere du mir den Wissenschaftlichen Gegenbeweis für meinen Test. Aber bevor du dich weiter aus dem Fenster lehnst, erstmal ausprobieren. Weitere Kommentare dieser Art werden hier nicht mehr veröffentlicht, wir sind hier ja nicht in einem dieser Internetlaberforen.


  6. Mal eine Frage zur Handhabung:
    Wenn es ein Öl ist und ich damit die Aufnahme des S-Bogens behandle – saue ich mir damit nicht meinen Durchziehwischer ein?


    • Öhm, gute Frage. Da ich meinen Durchziehwischer eher selten benutze, weiß ich das nicht, aber ist ein Durchziehwischer nicht eh zum Einsauen gedacht? Zur info, was du da aus dem Sax rauswischt, ist kein Kondenswasser….


      • Kein Kondenswasser? Was dann? …

        Ob das Nano Liquid nun „wirkt“ oder nicht liegt sicher im Auge des jeweiligen Anwenders. Für mich ist ein Nutzen durch die Veränderung am Setup dann gegeben, wenn es der Zuhörer auch so empfindet. Aber hört ein Zuhörer das die Verbindungsstellen mit Nanopartikeln aufgefüllt wurden? Würde nicht eine kleine Veränderung am Setup einen größeren Nutzen hervorrufen, z.B. durch ein anderes Blatt? Es wird so sein das die Nanoteilchen Lücken im Gefüge der Saxophonlegierung ausfüllt und somit die Schwingungen besser übertragen werden. Aber ich kann mir nicht vorstellen, das dadurch ein signifikanter Unterschied „vorher-nachher“ eintritt. Es wird einen Unterschied geben, das liegt schon in der Natur der Sache und das bezweifle ich auch nicht. Aber das er nun sooo hörbar ist das es das Geld wert ist kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe das Nano Liquid aber auch nicht getestet.


        • Speichel! Warum sonst siffen denn sonst die Polster ein. (Besonders das tiefe Eb).

          Und da offenbart sich wieder das Ding. Du „kannst dir nicht Vorstellen“, dass es einen Effekt hast. Das tut aber nichts zur Sache, ob es so ist oder nicht. Ich hatte vor dem Test auch so meine Zweifel.
          Und es liegt nicht im Auge (besser Ohr) des Betrachters, ob es funzt oder nicht, nur ob einem der Effekt gefällt.
          Natürlich hat eine andere Blattmarke einen größeren Effekt, dennoch wird ein Zuhörer nicht raushören können, welches Blatt gespielt wird. Er wird ohne direkten A und B vergleich auch nicht hören, ob du ein anderes Blatt spielst.
          Wie im Testbericht gesagt, geht es hier um feine Unterschiede. Aber jeder Saxophonist, der sich Intensiv mit seinem Sound beschäftigt hat, weiß, das auch Kleinvieh Mist macht.


      • Hallo.

        Ja klar, kann man ja auch. Da hast Du vollkommen recht.

        Es ist doch vollkommen klar das es, bei diesem „Wundermittelchen“ zu erheblichder Skepsis und Ungläubigkeit kommt. Das ist doch nachvollziehbar.
        Ich hatte in meinem vorherigen Post geschrieben, dass ich mir vorstellen kann, dass das Nano-Liquid eine gewisse Wirkung haben kann, nur ob die so hörbar oder messbar ist sei dahingestellt. Ich bezog mich auf den Preis zur dazugehörenden Leistung.
        Aber, bleiben wir bei der Realität: Was macht man denn um es anzuwenden? Man schraubt einige Verbindungen am Sax auseinander und dann wieder zusammen. Die Spannungen im Sax und an den Verbindungsstellen beim auseinanderschrauben entspannen sich um beim Zusammensbau wieder zu entstehen. Jetzt schraubt man mit einem anderen Drehmoment das Sax. zusammen als es ursprünglich der Fall war. Würden das dann nicht ebenso einen Einfluss auf den Klang haben? Die Vorstellung klingt komisch? Wer kann denn nachweisen das es nicht so ist? Das die Klangveränderung dadurch entsteht und nicht durch das Nano-Liquid? Die Firma schreibt: Das Nano-Liquid „füllt“ kleinste Unebenheiten an der Metalloberfläche aus und überträgt dadurch die Schallwellen besser. Kann ich tatsächlich nur durch reines Hören einen Unterschied „Vorher-Nachher“ nachweisen oder höre ich jetzt mehr als tatsächlich durch das nano-Liquid vorliegt?
        Lasse ich nämlich z.B. das Nano-Liquid weg und drehe die Schrauben noch etwas fester an, dann pressen sich die Oberflächen mehr aneinander und der gleiche Effekt tritt ein. Ich denke das Zeug allein bringt mehr Placebo als Nutzen. Erst die Summe der am Instrument ausgerichtetetn Arbeiten zum Auftragen beeinflussen marginal den Klang. Das habe ich aber auch wenn ich beim Spiel den rachen etwas verändere, den Hals etwas strecke oder ein anderes Blatt nehme. Der erzielte Effekt ist da viel höher.
        Tobias, ich finde Deinen Blog wirklich sehr gut, ich habe viel Interessantes gelesen und lese gern Deine Beiträge. Gestatte mir und uns dennoch ein wenig konstruktive Kritik. Diese ist nicht gedacht um dein Engagement in Abrede zu stellen, im Gegenteil. Wir Leser treten mit Dir in Kontakt und schreiben unsere Meinung. Daher verstehe ich hier Deine kurz angebundenen Reaktionen nicht wenn es um das Nano Liquid geht.


  7. Ich schmiere oft etwas Korkfett auf die Verbindungsstelle zwischen S-Bogen und Korpus. Mir bringt das genau den Effekt der im Artikel beschrieben ist. Es fühlt sich merklich anders an. Verbessertes Spielgefühl wirklt sich automatisch auf den Sound aus … das kann man doch nicht bestreiten, oder?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.