Jazzwear

Kleider machen Leute, doch welche Kleider machen einem zum Jazzer?
In vielen Musikrichtungen gibt es gewisse Dresscodes, an denen man jeweilige Musiker und Fans zur Stilrichtung zuordnen kann.
Einen Punker oder HeavyMetaler erkennt man sofot. Auch Klassische Musiker sind mit schwarzem Anzug und weißem Hemd unverkennbar.

Bei Mucken und BigBandkonzerten sieht man die Jazzmusiker sehr oft in nur Schwarz rumlaufen, als wären sie in Trauer. Aber wie sieht ein Jazzer aus, wenn er auf die Session geht oder ein echtes Konzert mit seiner Combo hat?

Gehen wir einfach mal ca. 70 Jahre in die Vergangenheit nach NewYork. Die Zeit des BeBop. Tatsächlich gab es damals Merkmale, an denen man sich als Musiker gehalten hat.
Neben dem vom Dizzy Gillspie geprägten Barret und dicker schwarzer Hornbrille war es wichtig gut angezogen zu sein.
Um Jazz (historisch) zu verstehen, muß man sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass fast alle bedeutenden Künstler Schwarze waren und dass diese in den USA bis in die 60er noch sehr unterdrückt waren.
Die Jazzmusiker waren die ersten schwarzen Stars die echte Anerkennung erfahren hatten. Durch den Jazz haben die Schwarzen ein gewisses Selbstwertgefühl und Selbstbewußtsein entwickeln können. Und das mußte natürlich auch nach außen gezeigt werden in dem man sich elegant und schick kleidete.
Tatsächlich wollten ein paar Marinesoldaten aus dem Süden der Staaten damals Dizzy an den Kragen, weil sie wütend waren, dass ein Schwarzer sich erdreistete so feine Klamotten zu tragen. Er hatte sich nur durch eine Flucht in die U-Bahn retten können.

Tja, die Zeiten der Rassendiskriminierung sind ja nun Gott sei dank vorbei, leider auch das Stilbewußtsein. Wie oft habe ich schon hervorragende Musiker in gräßlichen Hawaiihemden auf der Bühne gesehen.
Nun ja, Jazzmusik ist heutzutage alles andere als Mainstream. Künstlerisch anspruchsvoll, aber lässig und cool. Und diese Einstellung muß man erkennen können, deshalb sind viele Jazzmusiker etwas alternativ und kleiden sich auf der Bühne gerne so, dass es aussieht, als wäre es ihnen egal, wie sie aussehen. Nur die Jazzmütze gibt es noch. In Reminiszenz  an Bebopzeiten sieht man viele Flatcaps auf den Köpfen der Musiker. (dies scheint auch eine Einstellungsvoraussetzung bei Roger Cicero Band zu sein)

Aber wie gibt man zu erkennen, dass man Jazzmusiker ist, wenn der Dresscode möglichst lässig und casualwear mäßig sein muß. Praktisch und cool wären T-shirts mit schönen Jazzmotiven. Leider scheint es das so gut wie nicht zu geben.
Jedoch neulich bin ich auf die Seite von zwei Jazzfans gestoßen, die selbstdesignte Motive auf T-Shirts in verschieden attraktiven Farben anbieten. Mehr davon!

http://www.melodicfashion.de/

10 Gedanken zu „Jazzwear


  1. erinnernswert wäre auch die kleidung der swing-heinis oder stenze, die in der ns – diktatur für ihre musikalische vorliebe und die allgemeine opposition zu oft in ein jugend -kz gesperrt wurden oder als soldaten verheizt wurden: weißer schal, regenschirm auch bei gutem wetter und übergröße bei den anzügen.

    in ruhrgebiet war es glenn buschmann, der aus dieser zeit noch berichten konnte, und der nicht umsonst später leiter der dortmunder musikschule war …


  2. Ich finde es auch ganz schlimm, dass Jazzer immer aussehen müssen, als wenn sie gerade unter der Brücke rausgekrabbelt sind.
    Und wenn man Ihnen dann sagt, dass sie so doch nicht auf die Bühne können, weil sie scheiße aussehen hört man nur:“ Wenn man gut genug spielt braucht man keinen Anzug, weil die Kunst spricht für sich.“


  3. Ich versteh nicht warum alle Leute mit schwarzer Kleidung immer Trauer und Beerdigung assoziieren. Schwarzes Hemd wirkt immer gut und passt eigentlich zu allem 😉

    Auch wenn er keinen Jazz macht: Johnny Cash trug fast immer schwarz, im Kontrast zu den meisten anderen Countrymusikern seiner Zeit (wobei er auch eine Begründung dafür hatte).


  4. Ich hab auch ein Sax-Shirt!
    Ich hab das, auf dem die Evolution des Menschen ist. Der letzte Mensch spielt Sax.
    Aber wo gibts das T-Shirt auf dem Bild oben?


  5. Es gibt zum Glück auch eine Jazzszen, deren lässige und coole Art vor allem am Spiel zu hören ist. Der Hörgenuss wird zudem noch erhöht, indem die Musiker sich so zu kleiden wissen, dass es nicht aussieht, als seinen sie gerade nach einer langen Nacht aus dem Bett gestiegen.
    Lässig und cool sein: Keine Frage von T-Shirts & Co. Auch in guten/edleren Klamotten kann man hip, funky, oder wie auch immer sein. Es kann ja auch gerne bunt und ausgefallen sein. Und in solcher Kleidung spielt es sich auch anders.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.