kleine Tipps und Tricks für den Sound (updated)

(Einiges ist seit der Erstveröffentlichung dazu gekommen)

Moin,

diesmal eine kleine Sammlung von Tipps, Tricks und kleinen Übungen, die sich alle um den Sound drehen. Einiges davon stammt sogar direkt von mir, anderes waren Tipps von Kollegen.
In meinem Blog über die Longtones habe ich ja relativ ausführlich über die wichtigsten Soundübungen und wie man sie „richtig“ macht geschrieben. Hier nun noch ein paar Ideen, für weitere Soundübungen.


Bariton spielen, für die Luftführung

Jeder, der mal etwas Bari gespielt hat, weiß, dass man dabei einen noch lockeren Ansatz und deutlich mehr Luft verbrauchen muß. Damit meine ich nicht, die Luft schneller fließen zu lassen sondern einfach mehr Luft zu verbrauchen.

Spielt euch mit dem Bari ein, macht die Longtoneübungen, weidet euch an diesen fetten Sound.

Nun legt ihr das Bari zur Seite und spielt mit diesem Sound im Ohr, dem gleichen lockeren Ansatz und der gleichen Luftführung in euer Alt/Tenor. Ihr werdet erstaunt sein, was aus eurem Instrument rauskommt.

Versucht das zu kultivieren.


Das verstopfte Sax

Hierbei geht es darum eure Hörgewohnheit (die unmittelbar mit eurem Sound zusammenhängt) zu überlisten und diese Auszunutzen.

Stopft ein paar dicke Skisocken in euren Trichter, bevor ihr spielt (der Becher muß richtig gestopft sein) und spielt euch ein und macht die Longtoneübungen.

Euer Ton wird stumpf, leise und matt klingen. Euer Ohr hört diesen ungewohnten Sound, und unterbewußt wird euer Körper versuchen dieses auszugleichen. Wenn ihr die Socke wieder raus nehmt, werdet ihr lauter, breiter und strahlender klingen, als normal. Versucht auch dieses zu kultivieren.

Intonationsspielraum

Es ist wichtig, in der Lage zu sein, Töne anpassen zu können. Das Saxophon ist intonatorisch kein einfach zu beherrschendes Instrument. Je kürzer die Luftsäule, desto mehr Spielraum. Man spricht hier auch von „kranken Tönen“

Greift das h“ und versucht es so tief zu spielen wie ihr könnt. (Öffnet euren Rachen, um möglichst tief zu kommen). Ihr solltet in der Lage sein, den Ton um eine Terz zu ziehen.

Durch diese Übung erkennt ihr eines der größten Probleme beim Sax (ich finde es deshalb auch unsinnig auf dem Tenor mit diesem Ton einzustimmen) und ihr bekommt ein Gefühl für die Abhängigkeit zwischen Rachenraum und Intonation sowie die Fähigkeit deses besser kontrollieren zu können.

Mundstückposition

Experimentiert mit der Haltung des Mundstückes in eurem Mund. Oft hört man, möglichst viel Mundstück in den Mund nehmen und ein Winkel von 90° zwischen Blatt und Kiefer. Das ist so eigentlich nicht korrekt, es sei denn man will einen megalauten unfelxiblen Brötzsound. Wer allergins sehr dünn, leise und schmal klingt, könnte es mal damit versuchen. Auch wenn hier einige glauben, dass es ein universales Patentrezept ist, stimmt das nicht. Einige halten das schlicht für besser und verewchseln Klangqualität mit Lautstärke. Viel mehr Sinn macht es, einen schönen und flexibelen Sound anzustreben und ein natürliches Gefühl im Mund zu haben (Achtung, nicht jede Mundstückform passt in jeden Mund).
Wie weit soll ich es reinnehmen? Probiert verschiedenes aus. Je weiter ihr es reinnimmt, um so mehr Blatt schwingt, also wird es lauter, brötziger. Je weniger, desto eleganter und kontrollierter.
Welcher Winkel sollte das Mundstück haben. Je gerader (max. 90°) desto direkt fließt die Luft (sehr durchsetzungfähiger Sound); je schräger, desto mehr wird die Luft auf die Decke gerichtet und desto indirekter trifft sie auf das Blatt (der Sound wird weicher).
Wer da in der Lage ist, dass alles bewußt zu benutzen und zu variieren wird mit einer flexibleren und bewußteren Soundgestalltung belohnt.


Tiefer spielen

Bei dieser Übung solltet ihr vorsichtig sein. Sie ist nicht geeignet, die noch unsicher sind mit ihrer Intonation. Ein offener Rachen ist essentiell für einen guten Sound und euch dürfte aufgefallen sein, dass je offener desto tiefer euer Sound. Das ist auch der Grund, warum professionelle Spieler oft viel weiter mit ihrem Mundstück drauf sind als Anfänger.

Wir drehen den Spieß jetzt um.

Steckt das Mundstück so weit drauf wie möglich, legt eine CD ein eurer Übungs CDs ein, wichtig ist, dass auf der CD das Saxophon auch mitgespielt wird. (Sehr gut sind die Jazzetüden von Niehaus).

Spielt mit der CD und zwingt euch in „in tune“ zu spielen. Dadurch, dass ihr gewollt so tief spielt zwingt ihr euch, den Rachen zu öffnen.

Aber wie gesagt, für diejenigen, die noch mit einer sicheren Intonation zu kämpfen haben, könnten durch diese Übung irritiert werden und noch unsicherer werden.


Mundstückübungen

Diese erwähne ich nur der Vollständigkeit halber. Ich bin absolut kein Fan von denen, weil ich sie für verschenkte Zeit halte. Einige finden sie klasse und üben sie täglich und kaufen sich für recht viel Geld ein Stück Plastik, damit sie nicht ganz so übel klingen.

Die Übungen verdeutlichen gut, wie wichtig Rachenraum, Zungenstellung, Ansatz usw. sind und dass die kleinste Veränderung großen Effekt haben kann.
Ich bin aber der Überzeugung, dass der Übeffekt der Mundstückübungen sich so nicht auf das Sax übertragen läßt. Was nützt es, nur mit dem Mundstück intonieren zu können, wenn die Rachenstellung mit dem Sax wieder eine ganz andere ist? Zudem werden Ansatz und Rachen bei den Mundstückübungen teilweise in Extremstellungen genutzt, die so nicht auf dem Saxophon nicht genutzt werden.

Geübte Spieler sollten ohne Probleme ohne großes Üben mit dem Mundstüc sauber einen geraden Ton halten können und eine Oktave abdecken können.


Tenorblätter auf dem Alt und Bariblätter auf dem Tenor

Ich spiele ausschließlich nur noch Tenorblätter auf meinem Alt. Der Sound hat mehr ausgeprägte Tiefen und klingt fetter. Nun ist das Geschmackssache und nicht jeder kommt mit der Kombination zurecht. Zudem geht sie nicht mit jedem Munstück. Soweit ich festgestellt hae, funktioniert sie eher auf Mundstücken mit weiteren Bahnen und längeren Fenstern (american facing). Bariblätter auf dem Tenor funktionieren auch. Ich habe irgendwo sogar mal aufgeschnappt, dass die Vandorren V1 Blätter für die Leute entwickelt wurden, die lieber Bariblätter auf ihrem Tenor gespielt haben. Einfach mal selber ausprobieren, ob es bei euch passt.


Bissplatte

Der Einfluß der Bissplatte auf den Sound wird weitesgehend unterschätzt. Man hört sich beim Saxophonspielen nicht nur über den Außenschall, den das Publikum hört, sondern auch auch über den Körperschall, der über das Sax, das Mundstück, die Zähne und Knochen zum Ohr kommt. Deshalb klingen – rein subjektiv – Metallmundstücke heller. Das Material leitet die Schallwellen schneller (weil es härter ist) als Kautschuk.

Und zwischen Mundstück und Zähnen klebt die Bißplatte. Je dicker und weicher, desto mehr wird gedämpft und man hört sich von außen (realer Sound) relativ mehr.

Je dünner und härter die Bißblatte desto heller hört man sich, und man hört sich selber besser (ein gewisse Art Monitoringeffekt, der gerade in lauten Umgebungen von Vorteil sein kann).

Deshalb testet Mundstücke immer mit gleichen Bissplatten.

Wer also, einen etwas weicheren und dunkleren Sound möchte, der sollte vielleicht auf dünnere und härtere Bissplatten umsteigen. Denn man hört sich dadurch härter und heller, der Körper schaltet unbewusst um, dass man sich wieder wie gewohnt hört und effektiv klingt man dann dunkler und weicher.


Marschgabelhalterungsschraube

Bei einigesn Saxophonen hat auch das herausnehmen der Schraube für die Fixierung der Marschgabel einen Effekt. Bei mir wurde der Sound strahlender und etwas heller. Man reduziert einfach Masse noch recht weit oben am Sax. Gerade um den S-Bogen rum, haben Kleinigkeiten oft einen erheblichen Effekt.


S-Bogen rausziehen

Probiert doch mal euren S-Bogen ein/zwei Millimeter wieder heraus zu schieben, und vergleicht euren Sound. Bei einigen Saxophonmodellen, kann das durchaus einen kleinen positiven Effekt haben. Gerade die hohen Töne, können voller und weniger schrill klingen.

Einfach ausprobieren.


P-Ligging

Dies ist die Idee von meinem Freund prinzipal und geht eigentlich in dem Bereich „Pimp my Sax“ (darüber werde ich demnächst nochmal einen eigenen Blog schreiben).

Man braucht dafür nur ein Stück Lederschnur. Diese wird ca. 1cm hinter dem S-Bogenkork 2-4 mal möglichst fest und stramm um den S-Bogen gewickelt und festgeknotet.

Der Größe des Effektes kann sich je nach Saxophonmodel unterscheiden. Je billiger und tiefer das Sax, desto größer der Effekt. Auf dem Bari war es ein kleines Wunder, was ein Stück Lederschnur ausmachen kann. Auf dem Sopran, gab es keinen Unterschied.

Die Schnur unterdrückt gewisse Schwingungen im S-Bogen, wodurch sich Ansprach und Klang etwas verändern.

Man hat einen leicht höheren Blaswiederstand (kann auch ein Nachteil sein) wodurch es zu einer höheren Lautstärke kommt. Zudem klingt das das Sax etwas weniger schrill und dafür voller.

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10 Gedanken zu „kleine Tipps und Tricks für den Sound (updated)


  1. moin ,

    endlich mal eine kompakte übersicht über meine jahrzehntelangen erfahrungen !

    und das ganz ohne forengezicke !…

    beim pligging müßte man noch erwähnen, daß die farbe des lederbandes egal ist – falls man banause ist : zu einem blauen selmer s gehört natürlich ein blaues band, die kokaburras benötigen ein rotes usw.

    dann klingen auch diese instrumente deutlich besser !

    😀


  2. Hallo,

    eine wirklich tolle Seite!
    ich habe mal eine Frage:
    Ein Saxophondozent hat mir mal gesagt, dass, wenn man nur auf einem Mundstück spielt ungefär ein bestimmter Ton erklingen sollte. (z.B. Sopran: klingendes Cis oder so) Hast Du davon auch schon mal gehört?


    • Ja, schonmal gehört, stimmt aber so nicht ganz. Stimmiger ist, dass ein erfahrener Spieler, der mit Ansatz, Zunge und Rachenraum gut umgehen kann ca. eine Oktave nur mit dem Mundstück spielen können sollte.
      Kann man das nicht, trotz etwas Übrung ist das ein Zeichen, dass irgendwas nicht stimmt.
      Mit den Mundstückübungen zeige ich Anfängern, wie wichtig Ansatz, Zunge und Rachen ist und wieviel das ausmacht.
      Allerdings halte ich den Übnutzen für für marginal und rate daher für das tägliche Übpensum ab.


  3. Moin Moin
    Hatte zwar gerade keine Lederschnur zur Hand, so hab ichs mit ner ordinären Kordel ausprobiert.
    Iss ja der Hammer, völlig geil.
    Jetzt geh ich gleich los und besorg mir ne „Goldene Lederschnur“ für mein keili Bari.
    Hey Mann vielen Dank endlich mal ein heisser Tip.
    L.G. Mani


  4. Hey

    Echt Hammer geile Webseite!!!
    Hat mir schon viel geholfen!
    Hab aber mal ne frage zu der Übung mit den Socke:
    Ist das normal das man nur nur bis zum tiefen d spielen kann? Also cis,c,h,b nur „quietschen“?

    Lg Moritz


        • Hy Moritz, ich bin Nadine komme aus Berlin. Werde aber in ca. zwei bis drei Monaten nach Stuttgart mit meinem Freund ziehen! Das heißt, Neue Stadt und neue Freunde finden und suchen! Ich spiele seit einem Jahr nun Auch Sax, weil ich dieses Instrument einfach nur klasse finde! Würde mich riesig freuen, wenn wir mal in Kontakt treten könnten und vielleicht stimmt ja die Chemie! Fals du bei Facebook sein solltes würde ich mich über eine Freundschaftsanfrage von dir freuen. Nadine Werner , die mit den roten Haaren und dem schwarzem Oberteil, das bin ich. Sei nett gegrùsst, Nadine


  5. Hi tolle Seite.Habe mal eine Frage.Seit 2012 lerne ich Saxophon. Habe einen neuen Saxlehrer und der stellte fest das meine hohen Töne gepresst sind und viel höher sind als sie klingen sollten.Ich übe auch mit einen chromatischen Solo Tuner .Bei den hohen Tönen bin ich im roten Bereich.Es frustriert mich ein bisschen. Kennst du ein paar Übungen die mir helfen?Ich habe ein Altsaxophon.
    Danke .Christel

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