Aurus Clarinet & Saxophone Trainer – sinnloses Gimmik oder sinnvolles Gadget?

Hä? Auwas? Was’n das jetzt? Warum?
So ähnlich sind vielleicht bei vielen die ersten Reaktionen zu diesem Gerät.
Dieser Zwerchfelltrainer basiert auf einer Übung, die ich während meines Studiums kennen gelernt habe. Bei dieser zieht man beim Spielen die Oberlippe hoch wodurch natürlich viel Luft über dem Mundstück entweicht. Durch diese „Verschwendung“ muß man deutlich mehr „Gas“ geben damit noch ein Ton erklingt. Dafür muß die Atmung mal RICHTIG aktiv werden, ohne Stütze aus dem Bauch geht gar nichts. Man merkt so sehr deutlich, wie nötig die abdominale Atmung ist. Kurz, eine effektive Übung.

Allerdings ist die Kontrolle der Operlippe gar nicht so einfach und eine ziemliche Gesichtsverkrampfung, weshalb diese Übung eher etwas für deutlich fortgeschrittene und hartnäckige Spieler ist.
Der Aurus ist quasi ein „Oberlippenheber“. Weiterlesen

Zirkularatmung – der Trick mit dem langen Ton

Kenny G hat 1997 den Guinnessbuch Weltrekord für die längste gespielte Note auf dem Saxophon aufgestellt. 45 Minuten und 47 sekunden hielt er ein Eb aus dem Sopran aus. Einige Kritik halten dies für eines der interessanteren Kenny G Solos.

Aber tatsächlich beeindruckt der Trick der Zirkularatmung immer wieder. Meist ist er allerdings eher Gaga und selten musikalisch sinnvoll gebrauchbar, dennoch wollte ich hier ein paar Tipps zum erlernen geben.
Genauso wie beim Growling ist dies eine dieser Techniken, bei denen man sich scheinbar ewig abmüht, es nicht gelingen mag und dann macht es plötzlich „klick“ und es funktioniert.

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Stimmbildung und Gesang

Eine meiner entscheidendsten Einsichten der letzten Jahre was guten Sound und Funktion des eigenen Körpers betrifft, dass Saxophon spielen und Singen sich in sehr vielen Punkten überschneiden. Fast alles, was für eine gute Gesangstechnik gilt, gilt fast genauso für das Saxophon. Insofern ist es für den Saxophonisten spannend, mal in diverse Gesangslektionen reinzuschnuppern, da sich Sänger schon ein paar Jahrhunderte länger mit Atmung, Stütze, Intonation  Klangfarbengestalltung, Resonanzräume und dergleichen länger beschäftigen als es das Saxophon überhaupt gibt. Daher poste ich hier ein paar Videos und Seiten, die ich zu diesem Thema für ganz sinnvoll erachte.
Aber Vorsicht, nicht alles ist immer eins zu eins übernehmbar und unter Sängern laufen auch so manch Esoteriker rum, weshalb man manchmal auch recht skurriles in diesem Gebiet zu hören bekommt.
Wenn ihr noch einen guten Link zu dem Thema habt, postet ihn doch als Kommentar unter dem Artikel.

Dieser Link führt zu einem Gesangsworkshop mit schönen Videos. Gerade die Basics können so auf das Saxophon angewendet werden.
http://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/video-gesangsworkshop-teil-1.html

Hier drei Videos aus dem tollen Youtube Channel von Klaus Kauker. In diesem geht es verschiedenste aber immer spannende Themen in der Musik, wie z.B. die Analyse von diversen Popsongs, Lektionen, Tipps oder halt auch diesen drei Videos zum Thema Stimmbildung.

Hier noch ein Video zu guten Warmup-Übungen

Pickelhaubenjatzfrasierung oder Jazz Phrasing

It don’t  mean a thing if it ain’t got that swing, meinte Duke Ellington. Aber wie bekommt man diesen Swing eigentlich hin. Das scheint allerdings wohl weitenlandes eher noch ein Geheimnis zu sein, wenn man sich diverse Blasorchester oder Hobbybigbands anhört.
Wie oft habe ich schon Glen Millers „In the Mood“ gehört, wo es mehr nach „TataUFF TataUFF Tätäräääähh“ als nach „Scubidi bopdibi du whap“ klang. Vielleicht liegt das ja daran, dass wir unsere preußischen Wurzeln nicht abschütteln können und Jazz einfach nicht im Kulturkreis von „Alte Kameraden“ und „Regimentsgruß“ funktioniert. ODER vielleicht liegt es daran, dass viele noch nie etwas von Jazzphrasierung gehört haben. Wollen wir mal hoffen, dass es wirklich daran liegt und nicht am ersteren.

Einige haben vielleicht schon gehört, dass man „das im Jatz so punktiert“ spielt. Aber selbst das, stimmt so nicht. Genau genommen wird im Swing die erste 8tel mit dem Wert von zwei Triolenachteln und die zweite dementsprechend einer Triolenachtel gespielt, während die Und an die Achtel auf dem Schlag gebunden wird, also die Und angestoßen wird und dort somit auch so die Betonung liegt. Alles klar?

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Power-Longtones !!!

Einer der Artikel von mir, die ich auch jetzt noch für lesenswert halte, ist meine Lektion über die Longtones. Und es ist wohl auch sinnvoll diesen parallel zu dieser Lektion zu lesen:

Longtones – der Weg zum Erfolg

Nun habe ich in meinem Unterricht eine etwas andere Variante entwickelt, die bei meinen Schülern sehr gut zu fruchten scheint.

Bei den klassischen Longtones geht es darum Tonkontrolle zu entwickeln. Zwischen pp bis ff und wieder zurück, dass die Intonation und Klangfarbe gleich bleibt, sowie, dass Crescendo und Decrescendo möglichst gleichmäßig ist. Und das alles mit einem kompletten vollen Atemzug.
Das ist gar nicht mal so leicht, denn wenn man Töne leiser spielt, geht die Intonation nach oben und so ein h“ ist ein ziemlich kranker Ton (sehr kurze Luftsäule) und schwankt daher ganz schön.
Also eine essentielle Übung!

Allerdings, wo genau bleibt da jetzt die Entwicklung zu einem größeren Ton? Schließlich muß man doch mit den Faktoren Rachen, Zunge, Luftführung, Ansatz und so weiter experimentieren um so eine Verbesserung erzielen zu können.

So kam ich schließlich auf das Konzept der Powerlongtones. Hier geht es nur darum, den Sound zu formen. Während bei den klassischen Longtones Intonation und Klangfarbe gleich gehalten werden sollen, passiert bei den Power-Longtones genau das Gegenteil! Weiterlesen

I don’t got rhythm

Ich gestehe, ich bin ein Rhythmusleghasteniker!
Nee, mal im Ernst, aber in der Tat ist mein Timinggefühl leider wirklich etwas suboptimal. Keine Ahnung warum. Vielleicht liegt es daran, dass ich sehr spät mit Jazzmusik angefangen habe und mein erster Lehrer mir in dem Bereich zu wenig vermittelt hat oder vielleicht fehlt mir auch dort nur die Begabung.
Wie dem auch sei, was man nicht so kann, muß man sich erarbeiten und besonders üben.

Deshalb habe ich mich in letzter Zeit viel mit Rhythmuskonzepten beschäftigt. Gerade weil es mir schwer fällt, mußte ich mir darüber mehr Gedanken machen, Strategien zurechtlegen, als jemand, der sich damit nicht schwer tut.
Auch bei meinen Saxophonschülern muß ich da stets bewusst dran arbeiten. Und da meine Schüler und ich nicht die einzigen mit Problemen in diesem Bereich sind, dachte ich mir, dass es mal Zeit für eine größere Rhythmuslektion mit Tipps, Kniffen, Übstrategien und Denkmustern.

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Joe Allard – the master speaks

Mein Saxophonlehrer drückte mir vor kurzem eine alte VHS von Joe Allard in die Hand, die ich mir mal anschauen sollte.

Joe Allard ist quasi ein Kollege von Sirgurd Rascher der sich viel mit den Prinzipien für einen guten Sound und Obertonübungen beschäftigt hat. Er gilt als legendärer Lehrer für Saxophon und Klarinette, der an vielen renommierten Conservatorien in den USA unterrichtete wie z.B. der Juilliard. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Michael Brecker, Bob, Berg, Jody Espina, Eddie Daniels, die originale Saxophonsektion der Glen Miller BigBand und David Liebman, der sein Werk „Der persönliche Saxophonsound“, welches als Pflichtlektüre für professionelle Saxophonisten gilt, seinem Mentor Joe Allard gewidmet. Weiterlesen

die 3 häufigsten Fehler beim Saxophon spielen

Zwar bin ich selber doch noch relativ jung, aber als Spieler und Lehrer sind mir inzwischen eine Unzahl anderer Saxophonisten begegnet. Und über die Zeit ist mir aufgefallen, dass immer wieder die gleichen Fehler beim spielen gemacht werden. Auf die 3 häufigsten möchte ich heute mal eingehen, da ich sie persönlich für essentielle Basics halte.
Ich weiß nicht wirklich, warum diese immer wieder auftauchen. Vielleicht liegt es an zweitklassigen Lehrern, die das einfach nicht vermittelten oder daran, dass man gar keinen Lehrer hatte. In der Tat gibt es wenig Schulen, in denen diese Themen in der nötigen Ausführlichkeit behandelt werden. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass viele beim Erlenen einen leichten schnellen Weg bevorzugen und dann die substanziellen aber etwas mühseliger zu übende Dinge außer Acht lassen. Weiterlesen

Ein paar Gedanken zur Übmethodik

Vorweg, ich werdet von mir hier jetzt keine explizite Anleitung bekommen, wie ihr etwas zu Üben habt. Ich werde mir hier auch nicht anmaßen, hier jetzt eine Große Wahrheit zu verkünden, sondern ich fasse jetzt ein paar meiner Gedanken, Meinungen und Methoden von mir zusammen. Ich stehe eigentlich selber auch noch relativ am Anfang meines saxophonistischen Weges. Es kann also durchaus sein, dass in einem Jahr das eine oder andere nicht mehr ganz so sehe. Zudem geht es noch weitaus tiefer in Lernmethodiken und wie unser Gehirn bei so etwas arbeitet, als die meisten jetzt hier ahnen. Mit dem Thema wurden schon ganze Regale gefüllt.

Aber eines steht für mich fest, die eine absolute und einzig wahre und richtige Methode gibt es nicht. Alles was von sich behauptet, die beste oder schnellste Methode zu sein oder zu haben, liegt schon am Anfang ziemlich falsch.
Ich bin an sich ein sehr fauler Mensch und übe eigentlich zu wenig. Daher habe ich eigentlich nur eine Maxime: die beste Übmethode ist die effizienteste Übmethode.
Damit ist gemeint, dass ich mit möglichst wenig Übaufwand möglichst viele Fortschritte mache.

Diese Mittelchen und Wege funktionieren aber nicht bei jedem gleich. Jeder hat unterschiedliche Fähigkeiten, Talente, Voraussetzungen, Ambitionen und Zielrichtungen. Doch allgemein halte ich problemorientiertes Üben für sinnvoller als so allgemein gehaltene Übungspläne. Oft höre ich von Lehrern oder lese in Schulen, dass man doch idealer Weise pro Tag 15min Soundübungen, 20min Intonation, 20min Skalen und Appegien, 15min Blattlesen, 15min Licks Üben und auswendig lernen, 30min diverse Stücke üben, 30min improvisieren, 30min Jazzplatten hören, 35min Klassikplatten hören, 40min Charlie Parker anbeten, 70min Blattpflege uswusw.
Antiquierter Schrott meiner Meinung nach. Warum sollte jemand, dessen Finger 64tel spielen können genauso lange Skalen üben wie Soundübungen machen, wenn er einen Sound wie eine sterbende Giraffe und eine unterirdische Intonation hat.
Legt eure Übungsschwerpunkte auf das, was ihr nicht könnt. Den Kram zu üben, den man schon kann, finde ich ineffizient und zu bequem.

Der moderne Mensch ist nicht so multitaskfähig, wie er gerne glaubt. Daher eine weitere Faustregel: reduziert eure Übungen auf das Kernproblem. Es bringt nichts zu versuchen, sich eine neue Skala in allen Tonarten drauf zu drücken und dabei gleichzeitig Zungen- und Fingergeschwindigkeit und dabei gleichzeitig noch auf Intonation und Sound zu achten.
Wirklich konzentrieren kann der Mensch sich nur auf eines. Deshalb klappt auch alles geübtes in Stücken selber nie so gut, weil man sich da vornehmlich auf die Noten konzentriert.
Geübtes sitzt nur dann, wenn ihr es unterbewusst – quasi voll automatisch – abspulen könnt. Daher macht die Übungen gründlich und gewissenhaft bis sie wirklich sitzen. Gepfutsches Geübe kann man sich gleich sparen. Es gilt fast immer, langsames Üben ist schnelles Üben.

Also teilt euch eure Übzeiten sinnvoll ein. Zudem ist die Konzentrationsfähigkeit eines modernen Menschen äußerst begrenzt. Aktuelle Meinungen liegen bei ca. 17min wirkliche Konzentration. Das heißt 6 Stunden Dauerüben sind für’n Arsch. Legt euch also die schwersten Brocken nach vorne und das fürs Hirn nicht so anstrengende eher nach hinten und macht auch mal zwischendurch eine echte Pause.
Da muß ich jetzt auch viele Hobbysaxophonisten vor den Kopf stoßen, die Saxophon nach der Arbeit aus Ausgleich und Entspannung sehen. Echtes Üben ist Arbeit! Alles andere ist eher dudeln, aber das muß auch drinne sein. Wenn ihr 30min hochkonzentriert geübt, dann muß auch etwas für die Motivation getan werden. Wenn ihr euch nur in der Übzelle frustet, bringt die Sache sowieso nichts. Daher besetzt euren Übplan auch immer mit genügend das Spaß macht, aber wie gesagt, durch manche Sachen muß man sich einfach auch mal konzentriert durch quälen.

Des weiteren kann auch ein Übetagebuch oft viel Sinn machen. Man bekommt so einen besseren Überblick, was man geleistet hat und man kann sich schnell Notizen machen (also ggf. ein Heft mit Notenlinien).

Nachdem ich jetzt furchtbar allgemein geblieben bin, möchte ich doch noch etwas konkreter werden.

Sound und Intonation
Ich meine, dass der Sound der wichtigste Aspekt beim Saxophon ist, daher sollte jeder Saxophonist da einen besonderen Schwerpunkt legen. Es interessiert kein Schwein ob ihr 1024tel spielen könnt, wenn ihr scheiße klingt.
Sound und Intonation hängen meiner Ansicht nach stark zusammen, da es bei beidem dermaßen auf das Hören ankommt (und nicht so viel über die reine Ansatzphysik wie viele denken). Das effektivste sind wohl wahrscheinlich intensiv gespielte Longtones. Es gibt da verschiedene Übungen aber nehmt euch da zeit euch zu zuhören. In meinen Artikel dazu gehe ich auf die verschiedensten Faktoren ein, aber auch hier rate ich euch wieder, konzentriert euch nicht auf alles gleichzeitig.
Auch bin ich der Meinung, dass man sich nach kurzem Einspielen am Anfang immer zumindest  minimal 5min mit dem Sound beschäftigt. Erstens, damit das zur Routine wird und zweitens um euch quasi auf einen guten Sound „einzupegeln“. Oft ist es so, wenn man das Saxophon auspackt und sofort loslegt, bläst man nur irgendwie rein. Wenn man sich aber 5min am Anfang ganz konkret damit beschäftigt, bleibt das eher für den Rest des Übens/Spielens so hängen. Man eicht quasi sein Ohr vorher auf einen guten Sound ein.

Aber alles weitere und genauere findet ihr in diesen Artikeln:
Longtones
Tipps und Tricks
klassischer vs. moderner Ansatz
so spielen um so zu klingen
Atmung
Hals

Technik und Skalen
Eigentlich ist das Sax ein einfaches Instrument verglichen, z.B. mit dem Klavier oder einer Geige oder gar einer Trompete. Es gibt sau gute Saxophonisten, die eine Kackfingertechnik haben. Naja, beim Saxophon geht es ja nur um Klappe auf und Klappe zu. Die Finger bleiben quasi auf den Tasten und das Sax überbläst ganz bequem eine Oktave. Das ist sogar leichter als Blockflöte. Dennoch, eine gute Fingertechnik schadet nie.

Für die reine Fingertechnik schaut ihr mal hier rein.

Auch hier weise ich nochmal drauf hin, das Skalen/Tonleiter-Üben nicht gleich Skalen/Tonleiter-Üben ist. Man sollte auch hier wieder zwischen den einzelnen Faktoren trennen, die reine Fingertechnik, die Geschwindigkeit der Finger, die Geschwindigkeit der Zunge, die Koordination von Zunge und Finger und natürlich die Tonleiter selber.
Oft hakt es eher an einer Sache und dann werden irgendwelche komplizierte Skalen benutzt und man macht sich unnötig Gehirnfasching. Wenn es an der Koordination zwischen Zunge und Fingern liegt, warum sollte man das mit C#-Alteriert üben. C-Dur reicht da vollkommen. Je weniger Hürden, die nicht mit dem Kernproblem zu tun haben, desto besser. Und wenn es euch erleichtert, dann legt euch die Noten vor.
Allerdings, wenn ihr die Skalen und Tonleitern selber lernen wollt, macht das aus den Kopf. Alles was ihr stur von den Noten ablest wandert nur langsam ins Gedächtnis eurer Finger.

Zuletzt kommen im wahren Leben nicht nur Halb- und Ganztonabstände vor. Das heißt, ihr könnt Skalen, Tonleiter und Fingerübungen soviel üben wie ihr wollt, das heißt aber nicht, dass ihr technisch für die Noten Kuddelmuddels aller anspruchsvoller Stücke gefeit seid. Außerdem in der Improvisation, spielt man selten nur Skalen hoch und runter (Obwohl das auch schon mal vorkommt, selbst bei Hochschülern, da sind da aber die benutzten Skalen etwas abgefreakter).
Daher sollte man auch andere Fingerübungen machen. Es gibt Tonnen von Büchern dazu, aber die sind eigentlich überflüssig, weil man die sich leicht selber zusammen stellen kann.
Ein paar Beispiele. In 8tel 3 terzen (also Tonleiter eigene Töne) hoch, dann eine Sekunde hoch und drei Terzen runter. c e g h, c a f d, e g h d, e c a f  usw. und dann wieder runter.
So kann man sich durch durch alle Skalen arbeiten.
Oder folgendermaßen c e g h, a g f e, d f a c, h a g f usw.
Warum nicht mal in Quarten, oder Triolen. Warum nicht gestoßen und gebunden Variieren. Oder sucht euch andere Motive, mit denen man so arbeiten kann.
Ihr seht, es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten. Man könnte jeden Tag eine neue Übung erfinden. Und wie gesagt, macht die im Kopf (nicht aufschreiben). Solche Übungen verursachen gerne mal Synapsensalat, aber dadurch sind sie effektiv.

Timing
Das ist keine kleine chinesische Edelhure, sonder einer der wichtigsten Bestandteile in der Musik. Vor allem im Jazz muß die Time stehen wie der Fels in der Brandung. Manchen Leuten liegt das im Blut (geht sehr oft kohärent mit der Hautpigmentierung), anderen, so wie mir, nicht. Da gibt es zwar auch viele Konzepte wie Taketina und noch esoterischeres, aber auch hier gibt es nicht nur einen Weg. Dennoch ein Metronom ist fürs üben eine sinnvolle Sache. Ich weiß, dass das üben mit dem Sklaventreiber keinen Spaß macht, aber das ist ein Anzeichen dafür, dass es effektiv ist. Neben Time zu Halten, habe ich persönlich oft Probleme mit der „und“. Da hat mir das spielen in der RaggaeBand einiges gebracht. Aber auch so einfach mal Offbeats spielen ist eine gute Übung.

Fernziel ist es, dass es einem ins Blut geht, man den Rhythmus fühlt und es von alleine groovt, swingt, tänzelt oder was auch immer.
In der Tat hilft es mir ganz oft, richtig in Time zu kommen, wenn ich mich beim spielen zur Musik bewege. Persönlich empfinde ich den Rhythmus als einer der körperlichsten Aspekte in der Musik.

Stücke erarbeiten
Für Antirhytmiker macht es oft auch Sinn, Stücke erstmal rhythmisch zu erarbeiten. Bevor man das Instrument in die Hand nimmt, Klatscht und Singt man das Teil auf einem Ton durch. Danach nimmt das Instrument und spielt es nur auf einem Ton.

Schwere Passagen sollten gesondert geübt werden. Bloß nicht Stücke immer von vorne bis hinten spielen und dann über die schweren Stellen stolpern.
Bei vielen schnellen technisch anspruchsvollen Stellen helfen folgende Methodiken:
Krebst euch von hinten durch. Spielt nur die letzten 4 Noten, wenn die setzen, übt die 4 davor, wenn die dann auch setzen, setzt diese Zusammen und erarbeitet euch so die ganze Passage.
Das ist die „Salamitaktik“.
Auch gut ist es, solche Passagen in verschiedenen Rhythmen zu spielen. Z.B. Triolisch, umgekehrt Triolisch (also die kurze Note zuerst) oder spielt 8tel (bzw 16tel) Gruppen mit immer einer rythmischen und tonlichen Gewichtung auf einer Noten der Gruppe: 4888 4888 4888  bzw 8488 8488  8488  usw.
Die Lange Note dient einerseits als Ruhepunkt wie auch Impuls. So geht die Passage besser richtig in die Finger.
Am besten erarbeitet man sich so die Stücke von hinten ab.

Ein weiterer sehr effektiver Weg zur erarbeitung von Stücken, ist Singen. Wenn man ein Stück nicht singen kann,  zeigt da,  dass man noch nicht verstanden hat, was musikalisch passiert, bzw. dass man sich das Stück noch nicht vorstellen kann. Kann man das Stück singen, sind Ryhthmus, Intonation, Melodie und Stilistik schon klar in der Vorstellung und das muß dann nur noch auf das Instrument übertragen werden. Das ist ein deutlich kleinerer Sprung, als gleich das ganze Stück auf dem Sax zu spielen.

Was man nie machen sollte: Fehler stehen lassen. Also wenn man sich verspielt, nicht einfach weiterspielen, so scheifen sich Fehler nur noch mehr ein. Man nimmt sich die verfehlte Passage herraus und übt sie, bis sie mehrfach hintereinander fehlerfrei funktioniert hat. Der Expertenmodus ist 7mal fehlerfrei hintereinander, aber schon drei mal kann schon frustig genug sein. Da sieht man ganz oft, wo man eigentlich steht und mit was für einer Geschwindigkeitman eigentlich üben müßte.

Musikalität und Hören
Würde eine gute Technik und ein guter Sound ausreichen, bräuchten wir keine Musiker, denn das können Roboter inzwischen auch schon. Ich meine, dass man sich Musikalität nicht wirklich in einer Übebox trainieren kann. Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass gute Musik (besonders Jazz) im Zusammenspiel mit anderen Musikern geschieht. Also sucht euch Bands, Projekte und Gruppen und geht auf Sessions. Eine Stunde Session kann mehr bringen, als 10 Sunden in der Box. Es geht also ums Zuhören. Natürlich, erstens, damit man mit den anderen spielt und nicht nur für sich, aber auch um musikalische Ideen und Vorstellung aufzusaugen. Auch hier kann ein Lehrer eine verdammt große Hilfe sein.
In die selbe Sparte gehört auch, Platten zu hören. Massenweise. Wenn man etwas spielt, wäre es gut es Stilecht spielen zu können. Zwar kann man Bach verjazzen und triolisch durchbraten, klingt nicht immer gut und klassische Musik ist das dann bestimmt nicht mehr. Klischees zu kennen und bedienen zu können ist nie falsch. Man muß es ja nicht immer so spielen.
Im Jazz geht nichts über eine gute Jazzphrasierung. Daher sollte ein Saxophonist sich damit auch gründlich damit beschäftigen. Gott sei dank gibt es dafür viele gute Schule von Greg Fishman, Jim Snidero und Konsorten.
Gerade im Jazz ist eine gute Technik zum erlangen der Stilistik und erlernen eines Jazzvokabulars (typische Licks, Motive, Lines), das heraushören von Soli (gerne Charlie Parker). Das stammt vor allem aus Zeiten, als Jazz noch nicht an Hochschulen Unterricht worden ist im Handel noch keine Massen an Jazzschulen gab. Damals gab es nur die Platten, und wenn man Bebop spielen lernen wollte, mußte man Parker raushören. So war das damals. Dennoch ist immer noch eine gute Methode Ohr und Stilistik zu schulen. Die Methodik ist folgendermaßen. Die Platte zig mal hören, bis man es auswendig singen kann. Dann das Instrument nehmen, und versuchen nachzuspielen, danach erst aufschreiben. Vielleicht sollte man nicht gleich mit Parker Anfangen. Desmonds Take5 Solo ist z.B. ein schöner Einstieg.
Desweiteren sollte man sich regelmäßig auch mal selbst zuhören. Beim spielen kriegt man so einiges nicht mit. Daher am besten selbst aufnehmen und sich in Ruhe analysieren. Selten ist man damit zufrieden, weil man nur Fehler hört. Aber das ist gut so.

So, das ist erst mal genug Text. Wie gesagt, jeder muß beim Üben schließlich seinen eigenen Weg finden, der für ihn funktioniert, aber ich hoffe, das der ein oder andere hier ein/zwei gute Anregungen bekommen hat.  Ich will auch nochmal darauf hinweisen, dass das jetzt keine Aufforderung alle vorgesetzten Übmethoden über den Haufen zu schmeißen. Man braucht schon ein System; und durchdacht sollte es ein.
Aber wenn ich mal ganz ehrlich bin, so ganz befolge ich meine Übratschläge auch nicht immer. Aber ich versuch es zumindest.

Bergonzi in der Röhre

Neulich habe ich im Internet ein paar Lehrvideos von Jerry Bergonzi gefunden. Ich hatte ja bereits das Vergüngen ihn live kennen zu lernen und zu hören. Die Videos halte ich für sehr gut und empfehlenswert, da sie auch den ein oder anderen Gedanken haben, der noch nicht so allgemein bekannt ist. Da sie auf Youtube allerdings sehr ungeordnet sind habe ich sie hier für euch einfachheithalber in einer sinnvollen Reihenfolge gelistet.

Sch****, warum intoniert es nicht?!

Das wohl größte Problem beim Saxophon dürfte wohl die Intonation sein. Wahrscheinlich sogar mit Abstand. Für eine halbwegs sichere Intonation brauchen die meisten Saxophonisten Jahre. Auch heißt es, dass es kein stimmendes Saxophon gibt. Dabei ist es doch so essentiell für ein schönes Zusammenspiel. Aber woran zum Teufel liegt das eigentlich?
Gesegnet sind da die Klavierspieler, die da alle paar Jahre mal nur den Klavierstimmer anrufen müssen…

Die Saxophonisten hat es wahrscheinlich mit dieser Last mit am schlimmsten getroffen. Kennt ihr den Witz mit der Fee, die jeden Wunsch erfüllt, aber beim stimmenden Sopransax passen muß?
Nun, wer das jetzt für albern hält, soll mal ein h“ greifen und versuchen den Ton möglichst fallen zu lassen. Geübte Spieler haben da bis zu einer Quarte Spielraum. Das muß also alles kontroliert werden!

Die Gründe dafür sind vielfältig.

Die Intonation fängt nicht erst beim Saxophon an, sondern schon im Körper des Spielers. Ansatzspannung, Luftstrom, Kehlkopfstellung, Halsöffnung, ja sogar Zungenstellung wirken sich auf die Intonation aus. Je größer der Körperinnere Resonanzraum und je lockerer der Ansatz desto tiefer erklingts. Meist sind das auch Faktoren, damit es besser klingt.
Das sind aber nun alles sehr inidviduelle Faktoren. Der eine hat ne größere Zunge, ein zweiter dünne Lippen, der dirtte einen doppelten Bauchumfang usw. Das heißt schonmal, dass ein Saxophon eigentlich nicht bei jedem gleich intonieren kann.
Nun stehen sich aber auch oft, die Faktoren, wie es am besten klingt, mit denen im Widerspruch, womit der Ton am leichtesten kommt. Das führt gerade bei Anfängern dazu, das Sie oben Töne pressen.
Profis hingegen tendieren algemein meist dazu viel tiefer zu intonieren. Daher müssen Profis meist auch viel weiter mit ihrem Mundstück auf den S-Bogen.
Auch das führt dazu, dass ein Saxophon es eigentlich nicht den Bedürfnissen von einem Anfänger UND einem Profi gleichzeitig gerecht werden kann.

Ein weiteres Problem, je kürzer die Luftsäule, desto drastischer wirken Veränderungen des Spielers aus. Deshalb sind hohe Töne und das Sopran allgemein (stimmige Sopraninos sind eine Legende und deshalb reden wir hier nicht davon) auch viel schwerer zu kontrollieren. Man spricht hier auch von „kranken Tönen“.

Auch die Wahl des Mundstückes kann zu einem Mißverhältnis führen. Das Saxophon hat ja im Prinzip die Form eines Trichters. Die Spitze ist abgeschnitten und dafür sitzt da das MPC. Wenn die Kammergröße zu weit von dem Volumens der gedachten abgeschnittenen Spitze abweicht, gibt es ein weiteres intonatorisches Ungleichgewicht.

Nun kann aber auch schon eigentlich die Oktave nicht stimmen, denn wie einige wissen, erklingt diese bei doppeltem Schwingungszahlverhältnis, also halbe Luftsäule. Nun, das mag zwar noch bei Bb, B, C usw gehen. Aber wie ist das mit der Oktavklappe. Bei der Oktavklappe, gibt es eine Luftverwirbelung und die Haupschwingung „bricht“ (laienhafte Physikerklärung) und man hört nur noch den nächsten Oberton (eine Kontenebene). Also wäre es optimal, wenn jeder Ton eine Oktavklappe in der Mitte seiner Luftsäule hätte. Wir haben aber nur zwei. (Deswegen streikt auch das g“ auch mal gerne, weil es im Verhältnis zu den Oktavklappen ungünstig liegt). Ein weitere Folge der Oktavklappe ist, dass dort auch Luft ausströmt. Das verkürzt die Luftsäule und das erhöht die Intonation des Tones. Das ist zwar eher ein marginaler Faktor, aber er spielt mit.

Manchmal kann es auch ganz andere skurile Ursachen haben. Mir kamen unter anderem Holzblätter unter die Nase, bei denen nur ein Ton absolut nicht stimmte, der Rest aber ja. Da kann man auch nichts mehr machen. Ärgerlich ist dann nur, wenn man die Ursache nicht findet und sich ewig damit abmüht.

Desweiteren kann eine ungute Technik auch zu einer falschen Zusammenstellung der Obertöne zu einer grausamen Intonation führen. Ich habe schon bei einigen Hobbyspielern erlebt, dass sie eine so eine merkwürdigen Klang hatte, dass es einfach nicht in den Satz passen wollte, trotz stimmenden Grundton.

Bekannt dürften auch die Einflüsse der Temperatur auf das Instrument sein. Kalt intoniert es tiefer. Diejenigen die schon mal auf einem Weihnachtsmarkt gespielt haben, wissen wovon ich rede. Man stimmt sich ein, nach 10min spielen ist das Sax dann auf Betriebstemperatur und stimmt schon wieder ganz anders.

Auch nicht wirklich hilfreich ist es, dass es keinen wirklichen einheitlichen Kammerton gibt. 440 bis 444 sind standart. Manche Orchester liegen sogar noch höher. Logischerweise kann ein Saxophon höchstens bei nur einer Frequenz wirklich in sich stimmig sein.

Nun kann es immer noch an einem verstellten Instrument liegen, weil es schon runter gespielt ist (undichte Polster, verstellte Kopplungen) oder von ahnungslosen Chinesen zusammengeschraubt worden ist. Die Klappenöffnungen wirken sich auch massiv auf die Intonation aus. Das macht die Konstruktion und das Einstellen eines Saxophons auch nicht leichter. Zumal auch hier oft wieder zwischen gutem Klang und guter Intonation abgewogen werden muß.

Zuletzt gibt es auch noch musikalische Gründe. Das Klavier ist in einer wohltemperierten Stimmung. Quasi sind hier alle Töne leicht stimmungstechnisch zurechtgebogen, damit alles zueinander passt. Nun funktioniert das im Satz nicht ganz so. Wenn z.B. ein Akkord im Saxophonsatz der Bigband oder in einem Saxophonquartett erklingen soll, muß man die Terzen in reiner Stimmung spielen. Da hört man besonders den Unterschied zur wohltemperierten Stimmung und eine kleine und große Terz internieren schon merklich unterschiedlich.
Es gibt noch andere Fälle, wo Töne nicht wirklich in dieses Stimmungssystem passen. Die Blue Note z.B. oder in arabischer Musik sowieso. Aber das führt jetzt etwas zu weit weg vom Thema.

Nun ja, das alles klingt ja fast so, als wäre ein Saxophon ein unspielbares Instrument. Tja, ich habe auch schon Fälle gehört, wo man das tatsächlich meinen könnte. Aber wie schon gesagt, hat der Spieler beim h“ eine Quarte Spielraum. Der Saxophonist kann also alles (im Rahmen liegende) ausgleichen und muß es auch.
Wer die Techniken zur Intonationsregulierung verinnerlicht und ein inneres Ohr für die richtige Intonation hat, dem dürfte das gelingen.
Ketzerisch gesagt gibt es also nur einen Grund, warum es nicht intoniert: Man hat zu wenig geübt!

Alles andere ist Ausrede. Die meisten Saxophone stimmen in sich sehr brauchbar und wer sich ein wirklich schlecht stimmendes Saxophon zulegt ist selber schuld.
Nun könnte ich hier mehrere Tipps zum Üben der richtigen Intonation geben. Das ist mir jetzt allerdings zu aufwendig. Zudem habe ich die schon an anderer Stelle gegeben (z.B. hier und hier).
Deshalb schließe ich jetzt mit Goethe:
„Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;“