Panzerballett überollt die Jazzpolizei

Am 16.Oktober fuhr das Panzerballett im Meisenfrei, dem Bremer Bluesschuppen, auf. Für alle, denen diese Formation nichts sagt, sollte ich erläutern, dass es sich bei Panzerballett (alleine schon dieser fantastische Bandname) um ein Unikum handelt: die wahrscheinlich einzige Band, die erfolgreich Jazz mit Metall kombiniert. Selber bezeichnen sie ihre Musik als „wellness death jazz“. Und obskurer Weise, kommt diese Band ausgerechnet aus München!

Gottseidank geht es bei Panzerballett nicht tot ernst zur Sache, sondern immer mit einer großen Portion Humor. Schon beim ersten Lied mußte ich hemmungslos lachen als die Popkitschnummer „Time of my live“ gespielt wurde und sich dann noch nach dem ersten Refrain in in eine handfeste Heavymetal-Nummer verwandelte.
Es handelt sich allerdings nicht um eine Spaßcombo, wie man jetzt vielleicht vermuten mag, denn musikalisch wird einem harter Tobak dargeboten. Selten war ich zuvor als Zuhörer musikalisch so überfordert. Die Rhythmische Komplexität erinnert an Prog-Rock Formation wie Dream Theater.
So werden bekannte Jazzstandarts „verkrasst“ (offizielle Panzerballettterimnologie). Da wird unter anderem „Take 5“ gleich mit zwei sich überlagernden Beats oder „Some Skunk Funk“ mit Quintolen interpretiert. In anderen Stücken tauchen so Unmöglichkeiten wie 41/16Takte auf. Wie ausgecheckt und verzahnt das alles ist, ist eigentlich unfassbar. Und was  sie mit „Giant Steps“ alles angestellt haben, will ich gar nicht erst ausführen.

Bemerkenswert ist das hohe Spielniveau, dass die Band liefert und bei solchen Späßen ja auch erforderlich aus. Besonders Schlagzeug und Bass beeindruckten durch ihre Souveränität. Ein befreundeter Schlagzeuger hat es wohl am besten ausgedrückt, „mit was für einer unverschämten Lockerheit“ die Jungs da auf der Bühne abgehen.
In der Tat war es ein bemerkenswerter Abend. (Die Vorband habe ich leider verpasst, da ich mich dank Apple Maps hoffnungslos verfahren hatte.) Panzerballett spielte ein fast 90min Set. Es kam mir im Nachhinein fast zu kurz vor. Was erstaunlich ist, aufgrund der extremen Dröhnung: sowohl Lautstärke (ausgerechnet an dem Abend hatte ich meinen Gehörschutz vergessen) als auch mentale Überforderung. Das lag wahrscheinlich daran, dass die Band sehr gut zu entertainen verstand (selten im Jazz geworden). Die etwas abstrusen verworrenen Moderationen des Frontmanns Jan Zehrfeld, die ich sehr genoss, taten wohl ihr übriges dazu.
Den Publikum gefiel es, denn die ansonsten eher steifen Bremer ließen sich teils sogar zum Headbangen hinreißen (das sieht man im Jazz ja ansonsten eher seltener). Allerdings sah es stellenweise recht lustig aus, denn aufgrund der komplexen Polyrhythmiken, schien das Publikum oft recht unkoordiniert in seinen Bewegungen.
Im wesentlichen spielte Panzerballett die Stücke ihres neuen Albums „Tank Goodess“. Die CD mußte ich mir gleich holen, um nochmal in Ruhe auszuchecken, was da alles passierte, aber wirklich durchgestiegen bin ich immer noch nicht. Auf dieser hat sich sogar Randy Brecker hinreißen lassen, sein eigenes Stück neu zu interpretieren. a

So mancher Jazztraditionalist dürfte wohl der Meinung sein „das ist doch kein Jazz mehr“ oder „das darf man nicht“.  Ob wohl eingefleischte Metaller wohl ähnlich verbohrt sind. Selber Schuld, wer nicht über seinen Tellerrand hinaus schauen kann.
Panzerballett ist kreativ, spieltechnisch fantastisch und vor allem witzig. Eine Qualität, die Jazzern leider immer mehr ab geht.
Wer die Chance hat, sollte sich mal von Panzerballett musikalisch überfahren lassen, nur sollte man vielleicht an seinen Gehörschutz denken.
Zuletzt bleibt dann nur noch eine Frage: Was zum Henker hat der Frontmann da auf seinem Kopf?

http://www.panzerballett.de/

Ein Gedanke zu „Panzerballett überollt die Jazzpolizei


  1. Was er auf dem Kopf hat?

    Das ist die KrässeHaube, die haben die sogar mal als Merchandise verkauft!!!

    Aber dieses Jahr noch keine Termine für’s Meisenfrei, laut Homepage haben die aber eine neue CD aufgenommen, gibt’s bestimmt bald bei Hotshots.

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