Panzerballett überollt die Jazzpolizei

Am 16.Oktober fuhr das Panzerballett im Meisenfrei, dem Bremer Bluesschuppen, auf. Für alle, denen diese Formation nichts sagt, sollte ich erläutern, dass es sich bei Panzerballett (alleine schon dieser fantastische Bandname) um ein Unikum handelt: die wahrscheinlich einzige Band, die erfolgreich Jazz mit Metall kombiniert. Selber bezeichnen sie ihre Musik als “wellness death jazz”. Und obskurer Weise, kommt diese Band ausgerechnet aus München!

Gottseidank geht es bei Panzerballett nicht tot ernst zur Sache, sondern immer mit einer großen Portion Humor. Schon beim ersten Lied mußte ich hemmungslos lachen als die Popkitschnummer “Time of my live” gespielt wurde und sich dann noch nach dem ersten Refrain in in eine handfeste Heavymetal-Nummer verwandelte.
Es handelt sich allerdings nicht um eine Spaßcombo, wie man jetzt vielleicht vermuten mag, denn musikalisch wird einem harter Tobak dargeboten. Selten war ich zuvor als Zuhörer musikalisch so überfordert. Die Rhythmische Komplexität erinnert an Prog-Rock Formation wie Dream Theater.
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Hip Licks von Greg Fishman – das neue Must-Have für jeden ambitionierten Jazzsaxophonisten

In meinem Artikel über Swing-Phrasierung konnte man ja schon Lesen, dass ich von den Swing-Etüden von Greg Fishman sehr angetan bin. Dieses Jahr hat Greg nun etwas besonders feines raus gebracht: hip licks for saxophone
Wie der Name schon sagt, ist es eine Licksammlung, aber auch noch viel mehr. Es ist eine neue Art Übungsbuch, dass man vielfältig einsetzen kann.

Ich selber bin alles andere als ein Lick-Lerner. Ich bin auch kein Fan von lickbasierten Solos. Aber dennoch bin ich von “Hip Licks” begeistert. Und das hat etwas mit den vielfältigen, kreativen und sinnvollen Übungsmöglichkeiten zu tun, die man mit diesem Heft hat.

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jazzahead!

So abwegig es auch klingt, aber einmal im Jahr wird ausgerechnet Bremen zum Zentrum des weltweiten Jazz, denn hier trifft man sich seit 2006 auf der Jazzahead, die sowohl ein Festival ist, als auch eine Fachmesse und “kulturpolitisches Symposium”.

Vom 19. bis 22. April war es mal wieder so weit und ich wollte mir sie dieses Jahr mal von vorne bis hinten anschauen und anhören.
Die Messe selber ist deutlich eher für ein Fachpublikum, denn hier treffen sich Verlage, Labels, Presse, Veranstalter und Argenturen aus aller Welt. Von Australien über Israel bis Kanada. Das ist allerdings für den normalen Musiker und Jazzliebhaber wahrscheinlich weniger spannend. Ich hatte die Messe eigentlich schon nach ca. einer halben Stunde abgelaufen.

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Pickelhaubenjatzfrasierung oder Jazz Phrasing

It don’t  mean a thing if it ain’t got that swing, meinte Duke Ellington. Aber wie bekommt man diesen Swing eigentlich hin. Das scheint allerdings wohl weitenlandes eher noch ein Geheimnis zu sein, wenn man sich diverse Blasorchester oder Hobbybigbands anhört.
Wie oft habe ich schon Glen Millers “In the Mood” gehört, wo es mehr nach “TataUFF TataUFF Tätäräääähh” als nach “Scubidi bopdibi du whap” klang. Vielleicht liegt das ja daran, dass wir unsere preußischen Wurzeln nicht abschütteln können und Jazz einfach nicht im Kulturkreis von “Alte Kameraden” und “Regimentsgruß” funktioniert. ODER vielleicht liegt es daran, dass viele noch nie etwas von Jazzphrasierung gehört haben. Wollen wir mal hoffen, dass es wirklich daran liegt und nicht am ersteren.

Einige haben vielleicht schon gehört, dass man “das im Jatz so punktiert” spielt. Aber selbst das, stimmt so nicht. Genau genommen wird im Swing die erste 8tel mit dem Wert von zwei Triolenachteln und die zweite dementsprechend einer Triolenachtel gespielt, während die Und an die Achtel auf dem Schlag gebunden wird, also die Und angestoßen wird und dort somit auch so die Betonung liegt. Alles klar?

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JAZZ WARS – the UDJ strikes back

Viele dürften es inzwischen schon mitbekommen haben, es tobt in den Medien eine neue Jazz/Kultur-Debatte, die durch die Initiative “Jazz Musiker Aufruf” ins Rollen gebracht wurde. Es wird eifrig argumentiert, gefordert, diskutiert und gestritten auf Facebook, den Feuilletons, der Blogosphere, den Foren und Stammtischen, ja sogar im Bundestag soll demnächst über die Rolle des Jazzes in Deutschland debattiert werden. Auch ich habe vor einigen Wochen ein kurzes Statement über die in der Tat etwas ungünstige aktuelle Lage deutscher Jazzmusiker geschrieben und dazu ermunterte wieder mehr in Konzerte zu gehen und den Aufruf zu unterstützen: die deutsche Jazzproblematik

Seit meinem letzen Artikel dazu, ist viel spannendes passiert. Eine gute Übersicht mit allen wichtigen Links hat Martin Meusinger auf seinem Blog gesammelt: Teil 1 und Teil 2

Schnell ging es in der Debatte nicht nur um die Forderungen des Aufrufes oder die suboptimale finanzielle Lage der Jazzmusiker. Nein, plötzlich ging es um alles. Neben dem Stimmen, die mehr Respekt(Subventionen) für Jazz als Kunstform forderten, argumentierten man wieder über den U und E Charakter der Musik. Einige fragen sogar, warum denn Musik Kunst sei und es gab auch ultra wirtschaftsliberale Stimmen, die meinten, was sich nicht verkauft geht zurecht unter.
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die deutsche Jazzproblematik

Der deutsche Jazz scheint in der Krise zu sein. Zumindest liest man das öfter mal. Mal geht es darum, dass es zu wenig neuen und inovativen deutschen Jazz gibt, mal, dass die jungen Jazzer nur ihr eigenes Zeug spielen und zu wenig die alten Meister können, mal, dass alles zu altbacken und komerz ist, mal, dass die Jazzpolizei nur am rum mäkeln ist, mal, dass Jazz sich nicht verkauft und jetzt aktuell wieder, dass Jazzmusiker unfair bezahlt werden.
Letzteres stimmt allerdings und das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Nicht umsonst handeln viele Jazzmusikerwitze um ein Taxi.

Anlass für diesen Artikel ist ein neuer Aufruf, der zur Zeit durch die sozialen Medien und die Blogossphere kreist. Weiterlesen

Landesjugendjazzorchester

Mama, wo kommen eigentlich die kleinen Jazzer her?

In Zeiten von DSDS und Gangstaaaarap ist es eigentlich verwunderlich, dass es immer noch Jugendliche gibt die sich ernster und anspruchsvoller Musik widmen, ja sogar dem Jazz!
Neben Wettbewerben  wie “Jugend Musiziert” und “Jugend jazzt” gibt es noch die Landesjugendensembles in denen der musikalische Nachwuchs gefördert wird.
Fast jedes Bundesland besitzt ein Landesjugend-Orchester, ein Landesjugend-Chor und ein Landesjugend-Jazz-Orchester (bzw. Landesjugend-BigBand). In einigen gibt es sogar Landesjugendzupforchester.

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Bob Mintzer Workshop an der HfK Bremen

Dieses Wochenende habe ich das große Vergnügen an einem Jazzworkshop mit Bob  Mintzer teilnehmen zu können. Ich hoffe nicht, dass ich Bob (wie, wir ihn nennen dürfen) noch groß vorstellen muß, so ist er doch einer bekanntesten lebenden Tenorsaxophonisten, mehrfacher Grammygewinner, Mitglied bei Yellowjackets, Professor für Jazz an der USC, Composer unzähliger schöner und interessanter Bigbandcharts und Autor einiger sehr guten Lehr- und Etüdenbücher.
Mehr von und über Bob gibt es auch seiner Homepage:
http://bobmintzer.com/

Prof. Martin Classen hat jetzt Bob Mintzer für einen umfassenden Jazzworkshop an die Hochschule für Künste Bremen eingeladen, so dass die Musikstundenten andere Interessierte vom Meister direkt lernen können. Der Workshop ist nicht nur für die Saxophonisten lehrreich, denn neben einer Meisterklasse Saxophon (“Schwerpunkte Sectionspiel. bläserische und interpretatorische Parameter”) gibt es noch Kurse über Improvisation, Arrangieren und Combospiel.

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Three Fall auf der Breminale

Letzte Woche fandt in Bremen die Breminale statt, ein Kulturfestival am Weserufer. Sommerwetter, Grasspromenade am Wasser, viele Menschen, diverse Fress- und Bierstände und mehrere Bühnen mit viel Musik. Es gab Pop, Singersongwriter, Blues, Gangsterrap, Ska, Folk, Experimentelles und sogar Jazz. Auf das Jazztrio “Three Fall” hatte ich mich im Vorfeld schon lange gefreut.

Aufmerksam wurde ich auf diese Formation, also ich nachts mal wieder nicht schlafen konnte und durchs Fernsehn zappte und dann bei eine Aufzeichnung 30. Leverkusener Jazztagen im WDR hängen blieb. Jazz scheint anscheinend nur noch auf den 3. Programmen zu laufen, wenn eigentlich schon alle schlafen. Ich war sofort gefesselt – was bei mir nicht so oft passiert – und wartete seit dem auf eine Gelegenheit das Trio live erleben zu können. Weiterlesen

The Next Generation – Jugend jazzt in Dortmund

Vom 22.6.-26.6.2011 traf sich die zukünftige Jazzmusikerszene DEUTSCHLANDS in Dortmund zur 9. Bundesbegegnung Jugend jazzt. Ich hatte die Gelegenheit als Feature des Bremer Preisträgers mitzufahren. Zwar durfte ich beim Wertungsspiel nicht mitmachen, da ich mit meinen 27 Jahren im Verhältnis schon ein alter Sack bin.
Dafür kann ich jetzt als leicht Außenstehender auch diesen Artikel so schreiben.

Die Teilnehmer (zwischen 16 und 25) hatten sich über die Landesausscheide für die Bundesbegegnung qualifiziert. Die Besetzungen waren höchst unterschiedlich. Neben traditionellen Quartetten und Trios gab es auch exotischere Besetzungen mit zwei Vibraphonen und Pauken aber auch reduzierteres wie ein Trio aus Bass, Schlagzeug und Gesang oder ein Duo aus Sax und Drums. Ähnlich vielseitig waren die dargebotenen Jazzstilarten. Zwar gab es auch traditionelles, aber eher viel modernes und experimentelles, sowie Jazzrock, Smoothfunk und sogar eine finnische Popband (von der deutschen Schule in Helsinki) traten an. Ebenso waren auch die Hintergründe der Musiker recht unterschiedlich. Es gab einige sehr frische und junge Projekte, andere spielen schon mehrere Jahre zusammen. Es gab reine Schülerbands, aber auch Bands von frisch angenommenen Musikstudenten (also noch nicht im Studium, denn die Studenten dürfen nicht mitmachen).
Für etwas befremden sorgten so mancher Bandname wie „Gleis 3“, „Butterbrot“ oder „Gorilla Gorilla“. Es wird wohl immer ein Geheimnis bleiben, was wohl ein „Düff“ ist. Weiterlesen

Jody Jazz DV – das Mundstück mit dem goldenen Schnitt

Diejenigen, die meine Mundstückodysee gelesen haben, wissen, dass ich dieses Mundstück regulär eigentlich gar nicht mehr spiele, aber nicht, weil es ein schlechtes Mundstück – im Gegenteil -, sondern weil es mir und meinen Soundvorstellungen nicht mehr so passte. Da es jedoch ein hervoragendes Mundstück, eigentlich noch recht neu auf dem Markt, auf  ein revolutionäres (ob, das wirklich so ist, soll hier geklärt werden) Prinzip basiert und zudem mit das teuerste Mundstück (neu), was man auf dem Markt kaufen kann, ist, dachte ich mir, dass sich ein Test lohnt.

DSC00675Jody Espina war sozusagen bei Runyon in der Lehre und schnitzt schon seid einiger Zeit sehr gute Mundstücke. Den Lehrmeister kann man z.B. daran erkennen, dass Espinas Mundstücke Classic und ESP mit einem Spoiler, den man schon von Runyon kennt, ausgerüstet sind. Besonders mag ich die Jazz HR Mundstücke (HR steht für HardRubber, also Kautschuk), die ich für sehr gute Allrounder zu einem vernünftigen Preis halte und gerne Anfängern und Fortgeschrittenen empfehle. Ich spiele dieses auf dem Sopran und auf dem Tenor habe ich es mir mal geliehen gehabt und war sehr angetan.

Vor ca. 3 Jahren brachte Herr Espina das Jody Jazz DV herraus, das für etwas Aufsehen erregte, da es doch in einigen Aspekten sehr ungewöhnlich ist, nicht zu letzt im rekordverdächtigen Preis von 400 Euro. Das erinnert ein wenig an die Dave Guardala Mundstücke.
Das Jody Jazz DV ist wie die Guardalas ein Metallmundstück mit ausgeprägter Stufe und bietet somit einen modernen lauten Rock/Funk/Pop-Sound welcher sich seit den 80zigern seinen Erfolgszug feiern. Angefangen hat es mit den Dukhoff Mundstücken (populär durch den Sanbornsound) und auch die Hawk und Berg Larsen Mundstücke schlagen in die Richtung. Inzwischen gibt es viele Mundstückmarken, die Metallmundstücke mit kleinen Kammern und steilen Stufen anbieten: Lebayle, Brancher, Beechler, Lawton, Vandoren, Ponzol, Theo Wanne usw. usw.
Früher war ich ein Fan davon, heute nicht mehr so, denn gerade die kleine Kammer und die steile Stufe machen diese schwer zu beherrschen (Intonation und voluminöser Sound). Zudem habe ich persönlich ein Problem mit der schlanken Außenform (genaueres dazu steht in der Mundstückodysee). Oft habe ich schon erlebt, dass sich Spieler mit diesen Mundstücken überschätzt haben und dass allgemein häufig Lautstärke mit Klangqualität verwechselt wird.
Die Guardalas sind ein Spezialfall, da sie die lautesten und teuersten sind (und deshalb auch oft für die besten gehalten werden). Sein Bartionmundstück kostete damals neu 1000 Dollar. Merkwürdigerweise zog sich Dave Guardala zurück, tauchte quasi unter worauf die Preise für seine noch handgefacten Mundstücke auf über 1000€ steigen (seltsamerweise kosten die Lasertrimmed (also exakter) nur um die 500. Wieder einmal richtet sich der Preis wahrscheinlich eher nach Seltenheit und Mythos. Vor ca. zwei Jahren wurde der Dave Guardala wegen Betruges am Frankfurter Flughafen festgenommen. Ob es da einen Zusammenhang gibt? Ich nehme an, dass das nicht förderlich für den Mythos seiner Mundstücke und deren Preise ist. Das Thema ist zwar sehr nebensächlich für den DV Test, wer darüber aber mehr wissen möchte kann hier nachlesen.

Zurück zum Jody Jazz DV. Das DV steht für da Vinci und soll somit auf den goldenen Schnitt verweisen, der beim Design des Mundstückes verwendet wurde und deshalb das Mundstück so heraus ragend machen soll. Der Goldene Schnitt ist eine mathematische feste Größe und beschreibt ein Verhältnis: a/b=1,618033988… . Dieses Verhältnis taucht in Technik, mathematischen Figuren, Architektur, Kunst und selbst in der Natur auf und beschreibt ideale Proportionen, die oft mit Harmonie und Ästhetik verbunden werden. Dies ist wirklich ein großes Thema, weshalb ich hier jetzt einfachheitshalber auf den dementsprechenden Wikipediaartikel verweise.
Diese goldenen Proportionen dienten als Grundlage für die “perfect chamber/bore/facing combination”. Wie das genau aussehen soll und was damit gemeint ist erschließt sich mir nicht ganz. Die an sich hervorragende Idee dazu kam Herrn Espina soweit ich weiß eher profan beim Lesen von Dan Browns “der DaVinci Code”. Zweifellsfrei ist das DV ein sehr gutes Mundstück, ob das nun an dem goldenem Schnitt liegt oder das nur eine gute Marketingidee ist, bleibt wohl unbeantwortbar.

DSC00624Das Mundstück wird in einer schicken und ökologisch einwandfrei aussehenden Holzschachtel geliefert. Dabei sind noch ein schöner schwarzer Samtbeutel und eine Rovner Dark Schraube. Persönlich halte ich nicht viel von der Kombination modernes lautes PopFunkRock Mundstück und Lederblattschraube, da es die Qualität dieser kleinkammerigen steilstufigen Mundstücke ist, dass sie viele hohe, helle und durchdringende Frequenzen erzeugen und die weichen Gewebebandschrauben genau diese Frequenzen wegfiltern. Ich habe Herrn Espina auf der Frankfurter Musikmesse mal darauf angesprochen und der sieht es eigentlich ähnlich wie ich. Er hat sich jedoch für die Rovner entschieden, weil die die Mundstücke nicht zerkratzen kann. Wäre doch schade um die teure 24k Vergoldung.
Und da kommen wir auch zum ersten Kritikpunkt. Das Plating der Vergoldung scheint nicht das beste zu sein, denn dieses wurde durch eine Kukidentkur, mit der ich ab und zu meine Mundstücke und Kunststoffblätter reinige, angegriffen und löste sich minimal ab. Bei einem guten Plating hätte das nicht passieren dürfen.
Dennoch sieht die Vergoldung sehr schick aus und auch sonst ist das Mundstück ein schöner Hinkucker (noch ein Grund gegen die wuchtige Rovnerblattschraube). An den Seiten ist ein Phi eingelassen, das mathematische Symbol für den goldenen Schnitt. Auch die Bissplatte trägt das Symbol.

Das Dach ist im Duckbill-Stil gehalten und ist daher sehr flach. Für manche Spieler mag das etwas ungewöhnlich sein. Ich selber nehme das Mundstück daher sehr weit in den Mund und Stoße daher manchmal mit meiner Oberlippe an die Kante des Mundstücks.
Das Innenleben ist in der Tat sehr besonders, fast schon kurios. Das Fenster hat eine Deep-V Form bzw “second window”, was sehr selten auf dem Mundstückmarkt ist. Ich habe das seriell nur noch bei Rovnermundstücken auch so gesehen. Diese Fensterform führt Herr Espina auf die längenverhältnisse des goldenen Schnitts zurück. Die Kammer ist für ein MetallPowerMundstück relativ groß, die Wände relativ dünn, der Einlauf recht flach. Auch die Stufe ist sehr ungewöhnlich. Normalerweise gibt es nur runde Baffels, eine gerade Stufe oder eine Bulletstufe. Natürlich hat sich Jody Espina diese ganzen “Features” patentieren lassen.
Das ganze Mundstück Mundstück ist wirklich hochwertig und exakt verarbeitet (bis auf das Goldplating). Es wird soweit ich weiß mit einer modernen CNC-Fräse hergestellt, dann nochmal per Hand nachkontrolliert und nach Herstellerangaben noch einmal von Herrn Espina persönlich ein letztes mal angespielt.

Somit ist das Handling auch auf hohem Niveau. (Wie gesagt, halte ich solche Mundstücke für alles andere als einfach zu beherrschen. Das heißt aber nicht, dass die Performance des Mundstücks schlecht ist. Das ist wie bei einem Rennwagen, höchst Performance, aber für den normalen Fahrer kaum zu beherrschen) Es spricht aufgrund des flachen Einlaufs sehr schnell an. Das Altissiomo kommt tadellos und selbst die Tiefen streiken nicht. Wenn man solche Mundstücke beherrscht ist auch die Skala recht ausgeglichen. Über eine bei dem Preis selbstverständliche gute Intonation brauchen wir gar nicht reden.
Ich habe auch sehr schöne Ergebnisse mir Tenorblättern auf dem Altomundstück erziehlt. Das lange Fenster scheint dies zu begünstigen.

Nun zum eigentlich wichtigsten: Wie kling das DV? Ich habe es damals trotz des Preises gekauft, weil es das beste Metallmundstück war, dass ich bisher gespielt habe. Das sehe ich heute nicht wirklich anders. Es stand bei der damaligen Kaufentscheindung in direkter Konkurenz zu einem Handmade Guardala Super King.
Fürs erste ist es unglaublich laut. Eines der lautesten Mundstücke die ich kenne. Und auch in Sachen Projektion kann es mit den Guardalas mithalten. Wer also gegen viele Trompeten oder E-Gitarren antreten muß, für den ist das genau das richtige. Ich konnte mich damit Problemlos gegen ein 50zig köpfiges Blasorchester durchsetzen.  Trotzdem ist das DV nicht schrill und dünn, was bei dieser Art von Mundstücken keine Selbstverständlichkeit ist. Das interessanteste ist aber, dass es trotz der riesen Stufe noch starke ausgeprägte tiefe sonore Frequenzen hat, die fast an einen Tenorsound erinnern lassen. Herr Espina erklärt das durch das extra lange Fenster, dass den Sound resonanter macht. Diese Tiefen waren es, die das DV  für mich besonders gemacht hat und weshalb ich es mir am Ende gekauft habe. Quasi ein modernes Pop/Rock/Funk MPC mit “Charakter”.

Vor fast zwei Jahren hat dann Jody Espina noch das DV NY rausgebraucht (kryptischer geht es kaum noch, womit wir wieder bei Dan Brown wären). Es hat einen weniger flachen Einlauf und steile Stufe und eine größere Kammer (was natürlich die Frage nach den sich bedingenden Proportionen des goldenen Schnitts aufwirft), hat somit einen dunkleren weicheren Ton und ist deshalb das “Vintage Mundstück”. Ich habe es leider nur sehr kurz antesten können und kann daher hier nicht mehr dazu sagen. Für mehr Infos verweise ich auf die gut gemachte und informative Herstellerseite von Jody Jazz.

Kommen wir endlich zum Fazit. Ich kann das Jody Jazz DV bedenkenlos fortgeschrittenen und erfahrenen Spielern empfehlen, die einen modernen durchsetzungsfähigen Sound suchen und das nötige Kleingeld haben. Es ist definitv ein Prachtstück, mit dem man im Saxophonsatz angeben kann. Ansonsten muß ich allerdings sagen, dass es viele Mundstücke gibt, die in dieser Richtung ähnliches bieten und auch hervorragend sind, aber längst nicht so viel kosten.

PS: tut mir leid, aber auf dieschnelle konnte ich das Mundstück nicht besser reinigen, weshalb es auf manchen Bildern vielleicht nicht ganz so schnieke aussieht. Naja, aber Jazzer spielen ja eh nie auf sauberen Instrumenten.

http://www.de.jodyjazz.com/

Literaturempfehlungen

Saxophon LiteraturHier eine kleine Liste von Büchern und Noten, die ich für sehr hilfreich, lesenswert oder essentiell für den Saxophonisten halte. Auch wenn wenn heutzutage gerne mal kopiert, gescannt, geteilt, verschickt, downgeloaded, geshared oder sonstiges nicht ganz legal vervielfältigt wird (manchmal vielleicht sogar gefühlt moralisch zu recht, bei den horenden Preisen) gibt es doch immer ein paar Sachen, die des reellen Kaufens lohnen. Also bitte ab und zu und gerade für die guten Sachen etwas Geld auch diesen Teil der Industrie zu gute kommen lassen.(Das Photo dient als Beweis, dass sich im meinen Besitz auch diverse gekaufte Literatur befindet) Deshalb habe ich ganz comfortabel für das gute Gewissen gleich die passenden Amazonlinks gegeben.
Auch dieser Artikel wird wahrscheinlich ab und zu noch von Ergänzungen heimgesucht, also könnte sich wiederhohltes reinschauen ggf. lohnen. Falls Ihr selber noch etwas empfehlen habt, fühlt euch freu es als Kommentar zu teilen.

Der persönliche Saxophonsound
von David Liebman
Dies dürfte wahrscheinlich die Soundbibel sein. Hier steht alles das drin, was in den meisten Saxophonschulen fehlt. Sehr ausführlich werden die verschiedenen soundbeeinflussenden Faktoren (Hals, Rachen, Zunge, Ansatz, Spielweise) behandelt. Auch gute Übungen für Intonation und Soundentwicklung sind beinhaltet, allerdings ist dies kein Anfängerlesestoff.

Top-Tones for the Saxophone: Four-Octave Range
von Sirgurd Rascher
Back to the Roots! Eigentlich steht wenig drin, aber was drine steht ist essentiel. Übungen nicht nur für das erreichen des Altissimos sonder auch zu Soundbildung und Intonation. Mit den paar Übungen kann man sich Jahre beschäftigen und sie sind das beste, was ich dazu kenne.

Die neue Jazz-Harmonielehre
von Frank Sikora
Das mit Abstand beste Theoriebuch. Eine frische herangehensweise an die “leidige” Theorie. Es wird wert darauf gelegt, dass man das Trockene hörtechnisch versteht und anwenden kann. Zudem ist es so flüsslig und angenehm geschrieben, dass man es auch fast nachts im Bett durchlesen könnte. Zudem ist es auch so umfangreich, dass man es gut zum Nachschlagen benutzen kann.

Jazz Saxophone Duets
von Greg Fishman
Diese Duette, die eigentlich Etüden sind finde ich klasse. Die Stücke sind zwar kurz, aber taugen für den fortgeschrittenen Anfänger als perfkete Etüden für eine ordentliche Jazzstilisitk und Swingphrasieung. Die meisten Stücke sind auch recht flott, sind also auch für erfahrene Saxophonisten interessant und machen wirklich Laune, vor allem wenn man sie mit dem Lehrer spielen kann. Zusätlich gibt es noch CDs mit wirklich guten Playalongs. Die Changes sind aber (auch aufgrund des Tempos) schon etwas fordernd. Alle Kombinationen (2Altos, 2Tenor oder 1Alto+1Tenor) sind möglich.

14 Jazz & Funk Etudes. Tenorsaxophon, Sopransaxophon, Klarinette
von Bob Mintzer
Die wahrscheinlich geilsten Etüden, die es gibt. Sie grooven und machen richtig Spaß, wenn man sie kann. Allerdings ist es auch harter Tobak. Nur für Fortgeschrittene. Beachtet, dass es verschiedene Ausführungen für C, B und Es gibt.

Maiden Voyage
und alles andere von Aebersold.
Eigentlich klingen die Aebersoldplayalongs schrecklich. Eigentlich nur etwas besser als das Midigedudel von Band in a Box. Das liegt wahrschlich daran, dass es Massenware ist, allerdings ist dies auch der große Vorteil. Hier bekommt man echte Playalongs von den wichtigen Standarts geboten. Ich finde es immer wieder etwas frustrierend, wenn ich in Saxophonschulen Stücke mit Playalongs habe, die nur ähnlich sind wie die echten Standarts. Einfach in der Masse (weit über 100 Bände) das gewünschte rauspicken. Einige Bände sind von der Stückauswahl besser als andere. Maiden Voyage ist der Klassiker (Sumertime, Cantaloupe Island, Autumn Leaves, Song for my Father usw). Allerdings kommt es oft vor, dass man aus einem Heftchen mal nur ein oder zwei Stücke mal kurz üben möchte, da kann man sich schon mal überlegen, ob sich die “moralische Verwerfung” des “sich mal leihens” nicht vielleicht doch lohnt.

The Real Book – Volume I: C Edition (Real Books (Hal Leonard))
Das mit den Fakebooks ist so eine Sache; es gibt zig Verschiedene und keines ist wirklich das Ultimative. Wenn man regelmäßig auf Sessions geht, sind Realbooks heutzutage unerläßlich. Leider haben nur selten alle Musiker die gleichen Fakebooks und somit haben nicht alle Musiker die gleichen Stücke darin und oft sind, selbst wenn das gleiche Stück ist, die Versionen davon absolut inkompatibel. In allen Büchern strotzt es vor “Fehlern”.
Das Real Book Volume I ist wahrscheinlich das verbreiteste. Leider ist die Stückauswahl inzwischen etwas altbacken, aber dürfte zu allem am kompatibelsten sein. Und da man nicht sicher gehen kann, was die anderen Musiker mitbringen, kann man nur sicher gehen, wenn man das Fakebook gleich in allen drei Tonarten kauft. Zwar kursieren die Fakebooks auch zuhauf piratentechnischerweise als pdfs (mit schwankender Scanqualität) auf, allerdings habe ich noch nie eine  Musiker auf einer Session oder Konzert seine Noten vom Laptop lesend gesehen.

Jazz
von Ken Burns
Diese 12 teilige Dokumentation (4DVDs) über die Geschichte des Jazzs ist wirklich sehenswert. Tolle Aufnahmen, faszinierende originale Photos und kompetente und bekannte Interview Parter. Neben interessanten Anekdoten zieht sich vor allem die Unterdrückung der Schwarzen wie ein roter Faden durch diese Dokumentation.

Fleisch ist mein Gemüse
von Heinz Strunk
nicht nur aber gerade für Musiker. Ein schreiend komisches Buch und eigentlich genauso tragisch. Jeder der ernsthaft überlegt, mit Musik sein Geld verdienen zu wollen, sollte dieses Buch gelesen haben. Tiefe Einblicke in das echte “Muckerleben”. So lustig und traurig ist nur die Realität.

PS: Die ganzen Amazonlinks sind kein Zufall, denn ich habe mich dort als Affiliate angemeldet. Das heißt, wenn ihr tatsächlich über diese Links einkauft, unterstützt ihr damit direkt diesen Blog.