Panzerballett überollt die Jazzpolizei

Am 16.Oktober fuhr das Panzerballett im Meisenfrei, dem Bremer Bluesschuppen, auf. Für alle, denen diese Formation nichts sagt, sollte ich erläutern, dass es sich bei Panzerballett (alleine schon dieser fantastische Bandname) um ein Unikum handelt: die wahrscheinlich einzige Band, die erfolgreich Jazz mit Metall kombiniert. Selber bezeichnen sie ihre Musik als “wellness death jazz”. Und obskurer Weise, kommt diese Band ausgerechnet aus München!

Gottseidank geht es bei Panzerballett nicht tot ernst zur Sache, sondern immer mit einer großen Portion Humor. Schon beim ersten Lied mußte ich hemmungslos lachen als die Popkitschnummer “Time of my live” gespielt wurde und sich dann noch nach dem ersten Refrain in in eine handfeste Heavymetal-Nummer verwandelte.
Es handelt sich allerdings nicht um eine Spaßcombo, wie man jetzt vielleicht vermuten mag, denn musikalisch wird einem harter Tobak dargeboten. Selten war ich zuvor als Zuhörer musikalisch so überfordert. Die Rhythmische Komplexität erinnert an Prog-Rock Formation wie Dream Theater.
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Hip Licks von Greg Fishman – das neue Must-Have für jeden ambitionierten Jazzsaxophonisten

In meinem Artikel über Swing-Phrasierung konnte man ja schon Lesen, dass ich von den Swing-Etüden von Greg Fishman sehr angetan bin. Dieses Jahr hat Greg nun etwas besonders feines raus gebracht: hip licks for saxophone
Wie der Name schon sagt, ist es eine Licksammlung, aber auch noch viel mehr. Es ist eine neue Art Übungsbuch, dass man vielfältig einsetzen kann.

Ich selber bin alles andere als ein Lick-Lerner. Ich bin auch kein Fan von lickbasierten Solos. Aber dennoch bin ich von “Hip Licks” begeistert. Und das hat etwas mit den vielfältigen, kreativen und sinnvollen Übungsmöglichkeiten zu tun, die man mit diesem Heft hat.

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jazzahead!

So abwegig es auch klingt, aber einmal im Jahr wird ausgerechnet Bremen zum Zentrum des weltweiten Jazz, denn hier trifft man sich seit 2006 auf der Jazzahead, die sowohl ein Festival ist, als auch eine Fachmesse und “kulturpolitisches Symposium”.

Vom 19. bis 22. April war es mal wieder so weit und ich wollte mir sie dieses Jahr mal von vorne bis hinten anschauen und anhören.
Die Messe selber ist deutlich eher für ein Fachpublikum, denn hier treffen sich Verlage, Labels, Presse, Veranstalter und Argenturen aus aller Welt. Von Australien über Israel bis Kanada. Das ist allerdings für den normalen Musiker und Jazzliebhaber wahrscheinlich weniger spannend. Ich hatte die Messe eigentlich schon nach ca. einer halben Stunde abgelaufen.

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Pickelhaubenjatzfrasierung oder Jazz Phrasing

It don’t  mean a thing if it ain’t got that swing, meinte Duke Ellington. Aber wie bekommt man diesen Swing eigentlich hin. Das scheint allerdings wohl weitenlandes eher noch ein Geheimnis zu sein, wenn man sich diverse Blasorchester oder Hobbybigbands anhört.
Wie oft habe ich schon Glen Millers “In the Mood” gehört, wo es mehr nach “TataUFF TataUFF Tätäräääähh” als nach “Scubidi bopdibi du whap” klang. Vielleicht liegt das ja daran, dass wir unsere preußischen Wurzeln nicht abschütteln können und Jazz einfach nicht im Kulturkreis von “Alte Kameraden” und “Regimentsgruß” funktioniert. ODER vielleicht liegt es daran, dass viele noch nie etwas von Jazzphrasierung gehört haben. Wollen wir mal hoffen, dass es wirklich daran liegt und nicht am ersteren.

Einige haben vielleicht schon gehört, dass man “das im Jatz so punktiert” spielt. Aber selbst das, stimmt so nicht. Genau genommen wird im Swing die erste 8tel mit dem Wert von zwei Triolenachteln und die zweite dementsprechend einer Triolenachtel gespielt, während die Und an die Achtel auf dem Schlag gebunden wird, also die Und angestoßen wird und dort somit auch so die Betonung liegt. Alles klar?

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JAZZ WARS – the UDJ strikes back

Viele dürften es inzwischen schon mitbekommen haben, es tobt in den Medien eine neue Jazz/Kultur-Debatte, die durch die Initiative “Jazz Musiker Aufruf” ins Rollen gebracht wurde. Es wird eifrig argumentiert, gefordert, diskutiert und gestritten auf Facebook, den Feuilletons, der Blogosphere, den Foren und Stammtischen, ja sogar im Bundestag soll demnächst über die Rolle des Jazzes in Deutschland debattiert werden. Auch ich habe vor einigen Wochen ein kurzes Statement über die in der Tat etwas ungünstige aktuelle Lage deutscher Jazzmusiker geschrieben und dazu ermunterte wieder mehr in Konzerte zu gehen und den Aufruf zu unterstützen: die deutsche Jazzproblematik

Seit meinem letzen Artikel dazu, ist viel spannendes passiert. Eine gute Übersicht mit allen wichtigen Links hat Martin Meusinger auf seinem Blog gesammelt: Teil 1 und Teil 2

Schnell ging es in der Debatte nicht nur um die Forderungen des Aufrufes oder die suboptimale finanzielle Lage der Jazzmusiker. Nein, plötzlich ging es um alles. Neben dem Stimmen, die mehr Respekt(Subventionen) für Jazz als Kunstform forderten, argumentierten man wieder über den U und E Charakter der Musik. Einige fragen sogar, warum denn Musik Kunst sei und es gab auch ultra wirtschaftsliberale Stimmen, die meinten, was sich nicht verkauft geht zurecht unter.
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die deutsche Jazzproblematik

Der deutsche Jazz scheint in der Krise zu sein. Zumindest liest man das öfter mal. Mal geht es darum, dass es zu wenig neuen und inovativen deutschen Jazz gibt, mal, dass die jungen Jazzer nur ihr eigenes Zeug spielen und zu wenig die alten Meister können, mal, dass alles zu altbacken und komerz ist, mal, dass die Jazzpolizei nur am rum mäkeln ist, mal, dass Jazz sich nicht verkauft und jetzt aktuell wieder, dass Jazzmusiker unfair bezahlt werden.
Letzteres stimmt allerdings und das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Nicht umsonst handeln viele Jazzmusikerwitze um ein Taxi.

Anlass für diesen Artikel ist ein neuer Aufruf, der zur Zeit durch die sozialen Medien und die Blogossphere kreist. Weiterlesen

Landesjugendjazzorchester

Mama, wo kommen eigentlich die kleinen Jazzer her?

In Zeiten von DSDS und Gangstaaaarap ist es eigentlich verwunderlich, dass es immer noch Jugendliche gibt die sich ernster und anspruchsvoller Musik widmen, ja sogar dem Jazz!
Neben Wettbewerben  wie “Jugend Musiziert” und “Jugend jazzt” gibt es noch die Landesjugendensembles in denen der musikalische Nachwuchs gefördert wird.
Fast jedes Bundesland besitzt ein Landesjugend-Orchester, ein Landesjugend-Chor und ein Landesjugend-Jazz-Orchester (bzw. Landesjugend-BigBand). In einigen gibt es sogar Landesjugendzupforchester.

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Bob Mintzer Workshop an der HfK Bremen

Dieses Wochenende habe ich das große Vergnügen an einem Jazzworkshop mit Bob  Mintzer teilnehmen zu können. Ich hoffe nicht, dass ich Bob (wie, wir ihn nennen dürfen) noch groß vorstellen muß, so ist er doch einer bekanntesten lebenden Tenorsaxophonisten, mehrfacher Grammygewinner, Mitglied bei Yellowjackets, Professor für Jazz an der USC, Composer unzähliger schöner und interessanter Bigbandcharts und Autor einiger sehr guten Lehr- und Etüdenbücher.
Mehr von und über Bob gibt es auch seiner Homepage:
http://bobmintzer.com/

Prof. Martin Classen hat jetzt Bob Mintzer für einen umfassenden Jazzworkshop an die Hochschule für Künste Bremen eingeladen, so dass die Musikstundenten andere Interessierte vom Meister direkt lernen können. Der Workshop ist nicht nur für die Saxophonisten lehrreich, denn neben einer Meisterklasse Saxophon (“Schwerpunkte Sectionspiel. bläserische und interpretatorische Parameter”) gibt es noch Kurse über Improvisation, Arrangieren und Combospiel.

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Three Fall auf der Breminale

Letzte Woche fandt in Bremen die Breminale statt, ein Kulturfestival am Weserufer. Sommerwetter, Grasspromenade am Wasser, viele Menschen, diverse Fress- und Bierstände und mehrere Bühnen mit viel Musik. Es gab Pop, Singersongwriter, Blues, Gangsterrap, Ska, Folk, Experimentelles und sogar Jazz. Auf das Jazztrio “Three Fall” hatte ich mich im Vorfeld schon lange gefreut.

Aufmerksam wurde ich auf diese Formation, also ich nachts mal wieder nicht schlafen konnte und durchs Fernsehn zappte und dann bei eine Aufzeichnung 30. Leverkusener Jazztagen im WDR hängen blieb. Jazz scheint anscheinend nur noch auf den 3. Programmen zu laufen, wenn eigentlich schon alle schlafen. Ich war sofort gefesselt – was bei mir nicht so oft passiert – und wartete seit dem auf eine Gelegenheit das Trio live erleben zu können. Weiterlesen

The Next Generation – Jugend jazzt in Dortmund

Vom 22.6.-26.6.2011 traf sich die zukünftige Jazzmusikerszene DEUTSCHLANDS in Dortmund zur 9. Bundesbegegnung Jugend jazzt. Ich hatte die Gelegenheit als Feature des Bremer Preisträgers mitzufahren. Zwar durfte ich beim Wertungsspiel nicht mitmachen, da ich mit meinen 27 Jahren im Verhältnis schon ein alter Sack bin.
Dafür kann ich jetzt als leicht Außenstehender auch diesen Artikel so schreiben.

Die Teilnehmer (zwischen 16 und 25) hatten sich über die Landesausscheide für die Bundesbegegnung qualifiziert. Die Besetzungen waren höchst unterschiedlich. Neben traditionellen Quartetten und Trios gab es auch exotischere Besetzungen mit zwei Vibraphonen und Pauken aber auch reduzierteres wie ein Trio aus Bass, Schlagzeug und Gesang oder ein Duo aus Sax und Drums. Ähnlich vielseitig waren die dargebotenen Jazzstilarten. Zwar gab es auch traditionelles, aber eher viel modernes und experimentelles, sowie Jazzrock, Smoothfunk und sogar eine finnische Popband (von der deutschen Schule in Helsinki) traten an. Ebenso waren auch die Hintergründe der Musiker recht unterschiedlich. Es gab einige sehr frische und junge Projekte, andere spielen schon mehrere Jahre zusammen. Es gab reine Schülerbands, aber auch Bands von frisch angenommenen Musikstudenten (also noch nicht im Studium, denn die Studenten dürfen nicht mitmachen).
Für etwas befremden sorgten so mancher Bandname wie „Gleis 3“, „Butterbrot“ oder „Gorilla Gorilla“. Es wird wohl immer ein Geheimnis bleiben, was wohl ein „Düff“ ist. Weiterlesen