Auf Weltreise mit Klaus Doldingers Passport

Ein Abend bei einem guten Jazzkonzert ist etwas schönes, fast noch schöner finde es, bei soetwas selber auf der Bühne zu stehen, aber Highlight ist es, einer echten Jazzlegende zuhören zu dürfen. Fantastisch wenn alles drei gleichzeitig passiert. So geschehen am letzten Freitag (16.4.2010) in der Stadthalle Bremerhaven.

Ich durfte als Unterstützung bei der Vorband zu Klaus Doldingers Passport spielen: Cool Jack. Eine Jazzband von Schülern des Bremerhavners Carl von Ossietzky Gymnasiums und der Musikschule Beck. Anfangs waren die jungen Musiker vielleicht noch etwas nervös wegen dem für sie ungewohnt großem Publikum von Jazzliebhabern und natürlich wohlwissend, wer nach ihnen die Bühne besteigen würde, aber dennoch sie meisterten ihren Teil des Abends mit Bravour, was sich auch in der begeisterten Reaktion des Publikums ablesen ließ. Auch ich gab Gas und ließ ordentlich die Finger kreisen, in der Befürchtung, der Meister könnte vielleicht lauschen.
Tatsächlich war deren Auftritt auch eine Klausurersatzleistung für die Schüler. Die 1+ dürfte sicher sein.

Nach Cool Jack betrat Klaus Doldinger und seine Band Passport die Bühne. Ich denke nicht, dass ich auf einem Saxophonblog noch groß erzählen muß um wen es sich hier handelt. Unwissende sollten sich schämen und schnell bei Wiki nachschlagen.
Genauso scheint es überflüssig zu sein, dass es sich um exeptionelle Musiker handelt, schließlich gibt es Passport schon fast 40 Jahre. Nicht ganz in der Besetzung, da die restlichen Bandmitglieder ungefähr halb so alt wie Klaus Doldinger zu sein.
So stellte er nach dem ersten Stück die Frage ans Publikum „Mir kommt das hier so bekannt vor, haben wir nicht hier schon mal gespielt“. Und anscheinend waren auch ein paar Gäste von damals da und wußten auch noch wann. „Was? 73? Du meine Güte!“
„Jazzurgestein“ mag da jetzt vielleicht der ein oder andere denken, aber weit gefehlt. Mit das faszinierenste an dem Konzert war, wie jugendlich doch Klaus Doldinger auf der Bühne wirkte. Er strahlte mehr Energie aus, als seine deutlich jüngeren Bandkollegen.

Die Band ist übrigens ungewöhnlicherweise mit drei Rhytmikern (1xDrums, 2x Percussion aller Art) besetzt. Daraus ergab sich oft ein großer und exotischerer Klangteppich. Daneben natürlich noch elektronischer Bass, Gitarre und Keys. Besonders spacig wurde es, wenn das Effektgerät für besonders viel Hall beim Saxophon eingeschaltet worden ist. Sehr gelungen in Verbindung mit dem Sopran. Neben diesem und seinem Hauptinstrument, dem Tenor, benutze er noch eine urige aber sehr schön klingede Bambusflöte, die er vor Jahrem einem afghanischen Straßenjunge für abgekauft hatte.

Das ist nur eine der vielen Anekdoten, die er zwischen den Stücken erzählte. An ihnen merkte man, dass er wohl doch schon etwas länger auf den Bühnen der ganzen Welt spielt. Geschichten aus Brasilien, Afghanistan, USA, das schwarze Meer, Marokko, Paris… (an den Rest kann ich mich nicht mehr erinnern). Das war mindestens genauso spannend wie die Musik selbst. Würde es eine Autobiographie von Klaus Doldinger geben, wäre es ein Pflichtkauf für mich, besonders die dann obligatroische Hörspielausgabe davon, denn ich hätte genauso gut auch den ganzen Abend auch nur seinen Geschichten lauschen können.
Auch musikalisch folgte man den Erzählungen rund um den Globus: the Cat from Katmandu, Samba Cinema, Riyad el Cadi um nur ein paar der Titel zu nennen. Zwar war alles irgendwie Jazz, aber die musikalsichen Einflüsse aus den verschiedenen Länder, sind für mich das faszinierenste des Konzertes gewesen. Weltmusik im eigentlichen Sinn. Und so erscheint auch der Bandname Passport nur logisch.

Das Programm entsprach zu großen Teilen seiner aktuellen CD „Passport on Stage“,.Aber nicht gänzlich, denn die Titel werden auf zuruf gespielt. Das gibt der ganzen Sache natürlich eine spontanere Atmosphere führte aber auch zu der typischen Sessionsituation, dass erstmal überlegt werden mußte, was man als nächstes spielen könnte.

Aber es gibt einen Titel, um den Doldinger wohl nie wieder drum rum kommt: „Genau, das Booooooooooot“. Die Bremerhavner dürften besonders vergrätzt gewesen sein, wenn das nicht gekommen wäre. Danach folgte direkt „Tatort“, der andere Titel der wahrscheinlich immer gespielt werden muß. Warum auch nicht, schien es doch den Abend perfekt abzurunden, nach der Weltreise wieder zurück an den heimischen Fernseher zurück geworfen zu werden.
Der Abschluß des Konzertes war „50 Years later“, eine quasi stilisitische Rückkehr an die Beat-Musik Zeiten, mit denen Doldingers Karriere ja eigentlich begann.

Also für mich war dies wahrscheinlich eines der besten Jazzkonzerte die ich gehört habe. Denn soviel Abwechlung, hohes Niveau, Freude auf der Bühne und Jazzlegende zum Anfassen gibt es selten.

Für mehr Information zu KlausDoldinger und Passport, sowie Konzertterminen, hier die Homepage:
http://www.klaus-doldinger.de/

(Photos von Michel Arriens)

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