jazzahead!

So abwegig es auch klingt, aber einmal im Jahr wird ausgerechnet Bremen zum Zentrum des weltweiten Jazz, denn hier trifft man sich seit 2006 auf der Jazzahead, die sowohl ein Festival ist, als auch eine Fachmesse und „kulturpolitisches Symposium“.

Vom 19. bis 22. April war es mal wieder so weit und ich wollte mir sie dieses Jahr mal von vorne bis hinten anschauen und anhören.
Die Messe selber ist deutlich eher für ein Fachpublikum, denn hier treffen sich Verlage, Labels, Presse, Veranstalter und Argenturen aus aller Welt. Von Australien über Israel bis Kanada. Das ist allerdings für den normalen Musiker und Jazzliebhaber wahrscheinlich weniger spannend. Ich hatte die Messe eigentlich schon nach ca. einer halben Stunde abgelaufen.

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JAZZ WARS – the UDJ strikes back

Viele dürften es inzwischen schon mitbekommen haben, es tobt in den Medien eine neue Jazz/Kultur-Debatte, die durch die Initiative „Jazz Musiker Aufruf“ ins Rollen gebracht wurde. Es wird eifrig argumentiert, gefordert, diskutiert und gestritten auf Facebook, den Feuilletons, der Blogosphere, den Foren und Stammtischen, ja sogar im Bundestag soll demnächst über die Rolle des Jazzes in Deutschland debattiert werden. Auch ich habe vor einigen Wochen ein kurzes Statement über die in der Tat etwas ungünstige aktuelle Lage deutscher Jazzmusiker geschrieben und dazu ermunterte wieder mehr in Konzerte zu gehen und den Aufruf zu unterstützen: die deutsche Jazzproblematik

Seit meinem letzen Artikel dazu, ist viel spannendes passiert. Eine gute Übersicht mit allen wichtigen Links hat Martin Meusinger auf seinem Blog gesammelt: Teil 1 und Teil 2

Schnell ging es in der Debatte nicht nur um die Forderungen des Aufrufes oder die suboptimale finanzielle Lage der Jazzmusiker. Nein, plötzlich ging es um alles. Neben dem Stimmen, die mehr Respekt(Subventionen) für Jazz als Kunstform forderten, argumentierten man wieder über den U und E Charakter der Musik. Einige fragen sogar, warum denn Musik Kunst sei und es gab auch ultra wirtschaftsliberale Stimmen, die meinten, was sich nicht verkauft geht zurecht unter.
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Tingvall Trio rockt die Glocke

Tingvall? Klingt irgendwie skandinavisch? Sind die so etwas wie e.s.t.?

Ich nehme mal an, dass dem Tingvalltrio dieser Vergleich inzwischen etwas zum Halse raushängen dürfte, denn fast immer, wenn man über sie redet fällt auch zwangsläufig der Name e.s.t.. Für diejenigen, denen auch dieses Akronym nicht sagt, denen sei kurz erklärt, dass das für Esbjörn Svensson Trio steht. Diese war eine die angesagteste Jazzformation des letzten Jahrzehntes und hatten International großen Erfolg. Gerade in Deutschland erfreut skandinavischer Jazz mit seinen großen melancholischen Klangflächen großer Beliebtheit, seitdem in den 80ern Jan Gabarek mit dem, was ich gerne Fjordjazz nenne, aufkam. Und so war e.s.t. nicht nur bei den Hardcorejazzfans beliebt, sonder hatte für eine moderne Jazzgruppe eine sehr große Fangemeinde. Leider verunglückte der Pianist Svensson 2008 bei einem Taucherunfall tödlich.

Das Tingvall Trio ist zur Zeit das hierzulande angesagteste Jazztrio und viele Kritiker bezeichnen sie als e.s.t. Nachfolger. Ich finde, der e.s.t. Vergleich hinkt gewaltig. Weiterlesen

die deutsche Jazzproblematik

Der deutsche Jazz scheint in der Krise zu sein. Zumindest liest man das öfter mal. Mal geht es darum, dass es zu wenig neuen und inovativen deutschen Jazz gibt, mal, dass die jungen Jazzer nur ihr eigenes Zeug spielen und zu wenig die alten Meister können, mal, dass alles zu altbacken und komerz ist, mal, dass die Jazzpolizei nur am rum mäkeln ist, mal, dass Jazz sich nicht verkauft und jetzt aktuell wieder, dass Jazzmusiker unfair bezahlt werden.
Letzteres stimmt allerdings und das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Nicht umsonst handeln viele Jazzmusikerwitze um ein Taxi.

Anlass für diesen Artikel ist ein neuer Aufruf, der zur Zeit durch die sozialen Medien und die Blogossphere kreist. Weiterlesen

Joshua Redman und Brad Mehldau im Duo

Letzten Dienstag (22.11.2011) trafen die beiden jungen Jazzgiganten Brad Mehldau und Joshua Redman in der Bremer Glocke zusammen. Das besondere, nur die beiden als Duo und sonst nichts.

Oha, hat man denn da noch ein volles Konzerterlebnis? Ja und wie! Denn gerade in dieser „Reduktion“ lag der Reiz dieses Konzert. Man hatte das Gefühl, die Musiker viel „persönlicher“ und „näher“ zu hören. NUR der Künstler und kein Gebrumme und Gerödel, kein überflüssiger Kladderdatsch, dass ablenkt und alles zumatscht.
Ich denke nicht, dass ich vorschwärmen muß, wie toll Redman und Mehldau hier harmonierten. Das versteht sich ja irgendwie von selbst.
Neben diversen Eigenkompositionen wurde auch der ein oder andere Titel von Charlie Parker gespielt. Einer der Gründe, warum es als Duo so gut funktioniert hat, ist das Mehldau es versteht bei vielen der Stücke den „Puls“ von vorne bis hinten durchzuziehen. Dadurch bekamen viele der gespielten Stücke fast etwas schwebendes. Allerdings nichts so melancholisch bedeutungsschwanger, wie das gerne im Skandinavischem Fjord Jazz zelebriert wird. Im Gegenteil, viele der Stücke hatte eine angenehme Leichtigkeit, bis weilen sogar poppig (aber auf die gute Art).

Die Glocke war auch sehr gut besucht, allerdings gab es doch noch diverse freie Plätze, was vielleicht der doch etwas hohen Preisgestaltung zu verdanken ist. Das Publikum jedoch war merklich fasziniert und lauschte gebannt die ganzen zwei Stunden (ohne Pause!).
Insgesamtein fantastisches Konzerterlebnis, dass durch die eher ungewohnte Duobestzung fast etwas Kammermusikalisches bekommen hat. So passte auch der hanseatische Konzertsaal der Glocke perfekt zum Abend.

Redman und Mehldau befinden sich zur Zeit noch auf Europa Tournee. In Deutschland sind sie noch bei folgenden Gelegenheiten zu hören:

22.11. Bremen – Glocke
23.11. Düsseldorf – Tonhalle
24.11. Frankfurt – Alte Oper
25.11. Dortmund – Konzerthaus
27.11. Hamburg – Laeiszhalle

(wenn ihr Glück habt, gibt es vielleicht noch Karten)

http://www.bradmehldau.com/

http://www.joshuaredman.com/

http://www.glocke.de/

Landesjugendjazzorchester

Mama, wo kommen eigentlich die kleinen Jazzer her?

In Zeiten von DSDS und Gangstaaaarap ist es eigentlich verwunderlich, dass es immer noch Jugendliche gibt die sich ernster und anspruchsvoller Musik widmen, ja sogar dem Jazz!
Neben Wettbewerben  wie „Jugend Musiziert“ und „Jugend jazzt“ gibt es noch die Landesjugendensembles in denen der musikalische Nachwuchs gefördert wird.
Fast jedes Bundesland besitzt ein Landesjugend-Orchester, ein Landesjugend-Chor und ein Landesjugend-Jazz-Orchester (bzw. Landesjugend-BigBand). In einigen gibt es sogar Landesjugendzupforchester.

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Bob Mintzer Workshop an der HfK Bremen

Dieses Wochenende habe ich das große Vergnügen an einem Jazzworkshop mit Bob  Mintzer teilnehmen zu können. Ich hoffe nicht, dass ich Bob (wie, wir ihn nennen dürfen) noch groß vorstellen muß, so ist er doch einer bekanntesten lebenden Tenorsaxophonisten, mehrfacher Grammygewinner, Mitglied bei Yellowjackets, Professor für Jazz an der USC, Composer unzähliger schöner und interessanter Bigbandcharts und Autor einiger sehr guten Lehr- und Etüdenbücher.
Mehr von und über Bob gibt es auch seiner Homepage:
http://bobmintzer.com/

Prof. Martin Classen hat jetzt Bob Mintzer für einen umfassenden Jazzworkshop an die Hochschule für Künste Bremen eingeladen, so dass die Musikstundenten andere Interessierte vom Meister direkt lernen können. Der Workshop ist nicht nur für die Saxophonisten lehrreich, denn neben einer Meisterklasse Saxophon („Schwerpunkte Sectionspiel. bläserische und interpretatorische Parameter“) gibt es noch Kurse über Improvisation, Arrangieren und Combospiel.

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Three Fall auf der Breminale

Letzte Woche fandt in Bremen die Breminale statt, ein Kulturfestival am Weserufer. Sommerwetter, Grasspromenade am Wasser, viele Menschen, diverse Fress- und Bierstände und mehrere Bühnen mit viel Musik. Es gab Pop, Singersongwriter, Blues, Gangsterrap, Ska, Folk, Experimentelles und sogar Jazz. Auf das Jazztrio „Three Fall“ hatte ich mich im Vorfeld schon lange gefreut.

Aufmerksam wurde ich auf diese Formation, also ich nachts mal wieder nicht schlafen konnte und durchs Fernsehn zappte und dann bei eine Aufzeichnung 30. Leverkusener Jazztagen im WDR hängen blieb. Jazz scheint anscheinend nur noch auf den 3. Programmen zu laufen, wenn eigentlich schon alle schlafen. Ich war sofort gefesselt – was bei mir nicht so oft passiert – und wartete seit dem auf eine Gelegenheit das Trio live erleben zu können. Weiterlesen

The Next Generation – Jugend jazzt in Dortmund

Vom 22.6.-26.6.2011 traf sich die zukünftige Jazzmusikerszene DEUTSCHLANDS in Dortmund zur 9. Bundesbegegnung Jugend jazzt. Ich hatte die Gelegenheit als Feature des Bremer Preisträgers mitzufahren. Zwar durfte ich beim Wertungsspiel nicht mitmachen, da ich mit meinen 27 Jahren im Verhältnis schon ein alter Sack bin.
Dafür kann ich jetzt als leicht Außenstehender auch diesen Artikel so schreiben.

Die Teilnehmer (zwischen 16 und 25) hatten sich über die Landesausscheide für die Bundesbegegnung qualifiziert. Die Besetzungen waren höchst unterschiedlich. Neben traditionellen Quartetten und Trios gab es auch exotischere Besetzungen mit zwei Vibraphonen und Pauken aber auch reduzierteres wie ein Trio aus Bass, Schlagzeug und Gesang oder ein Duo aus Sax und Drums. Ähnlich vielseitig waren die dargebotenen Jazzstilarten. Zwar gab es auch traditionelles, aber eher viel modernes und experimentelles, sowie Jazzrock, Smoothfunk und sogar eine finnische Popband (von der deutschen Schule in Helsinki) traten an. Ebenso waren auch die Hintergründe der Musiker recht unterschiedlich. Es gab einige sehr frische und junge Projekte, andere spielen schon mehrere Jahre zusammen. Es gab reine Schülerbands, aber auch Bands von frisch angenommenen Musikstudenten (also noch nicht im Studium, denn die Studenten dürfen nicht mitmachen).
Für etwas befremden sorgten so mancher Bandname wie „Gleis 3“, „Butterbrot“ oder „Gorilla Gorilla“. Es wird wohl immer ein Geheimnis bleiben, was wohl ein „Düff“ ist. Weiterlesen

Warum Kenny G der beste Saxophonist ist!

Ich nehme an, dass 90% meiner Leser erst mal den Kopf schütteln werden. Vergessen wir also kurz die etwas provozierende Überschrift und fangen von Vorne an. Auf die Idee zu diesem Artikel bin ich wegen eines nicht sehr netten Kommentares von Pat Metheny über Kenny G gekommen. Es warf bei mir die Frage auf, wer denn nun der beste Saxophonist ist, wenn doch Kenny G angeblich der schlechteste sei.

Zunächst müßte man klären, woran man denn nun aus macht, wer den der beste bzw. schlechteste Saxophonist ist. Man braucht etwas absolutes etwas meßbares. Das Problem an Musik ist, dass es Kunst ist (zumindest meistens). Jeder hat da andere Vorlieben, der eine steht auf BeBop, ein anderer auf Klassik und einige sogar auf Volksmusik. Also geschmacklich unausstreitbar.

Absolut meßbar wäre vielleicht wer am höchsten, lautesten und schnellsten spielen kann. Wenn es danach ginge müßte ich mit unter den besten sein, aber da ich das bekanntlich (noch) nicht bin, ist das wohl kein Kriterium. Und will man wirklich, dass es in der Musik zugeht wie im Sport?
Kann man sich auf die Kritiker und JazzPolizei verlassen? Nun erstens sind das auch nur Menschen und zweitens betrachten die immer nur ihr Fachgebiet. Also auch nicht allgemeingültig.
Nur weil ein paar Freaks Bebop als die tollste Musik aller Zeiten halten, ist sie das noch lange nicht.

Leider scheint es nur ein allgemein gültiges Kriterium zu geben: die Plattenverkäufe! Nur die geben einen ehrlichen Querschnitt aller Musikgeschmäcker. Also musikalische Demokratie. Dagegen zu meinen, man hätte einen besseren Musikgeschmack als andere ist doch eher anmaßend. Und das dann anderen so drauf zu drücken ist dann vielleicht schon musikalische Diktatur.

Also geht es wieder ums Geld, wer also am meisten Platten verkauft und somit am meisten Kohle macht, ist der erfolgreichste und somit der Beste. Bei den Saxophonisten ist das dann wohl Kenny G, aber warum wird er dann so geschmäht?
Neid! Es gibt zig Easylistening Saxophonisten die leicht metrosexuel aussehen und Tonnen Schmalz im Ton haben, aber Kenny G ist wahrscheinlich der erfolgreichste, berühmteste und reichste Saxophonist. Er hat  ein eigenes Flugzeug (Ok, zwar nur eine DHC-2 Beaver, aber immerhin), hatte Gastauftritte in Southpark, Family Guy und Celebritiy DeathMatch, hat seine eigene Saxophonlinie, ist Grammy Gewinner und zudem spielt er Golf mit Tiger Woods (hat ein Handicap von +0,6). Grund genug für viele Kollegen, die in verranzten (also „authentischen“) Jazzschuppen spielen müssen, die Nase zu rümpfen.

Er ist an sich kein schlechter Saxophonist und seine Musik bzw. Easy Listening/ Smooth Jazz allgemein als Mist abzustempeln ist auch nicht gerechtfertig. Er war damals einer der ersten, die diesen Trend mitentwickelten.
OK, das überspielen von Louis Armstrongs What a Wonderful World war schon daneben, aber man hat sich doch nur darüber so aufgeregt, weil es so oft verkauft worden ist. Wahrscheinlich hat das mehr Leuten gefallen als es Leute gibt, die mit dem Namen Ornette Coleman etwas anfangen können. Es gibt auch immer genug andere Projekte „echter Jazzer“ die man durchaus kritisch betrachten kann. Z.B. finde ich es eklig, dass Pat Methiny für sein Projekt „Orchestrion“ seine Band beurlaubt hat, damit er selber alleine alle Instrumente mechanisch steuern kann. So klingt es dann auch für mich, noch lebloser als Aebersold.

Generell verstehe ich die Schmähung einiger Jazzer von EasyListening/Smooth Jazz eh nicht. Es heißt schon EasyListening, da kann man doch keine Ansprüche an hohe Kunst stellen. Es geht doch gerade drum, dass sie angenehm leicht und verständlich für alle und nicht so ultraverkopft wie Bebop oder FreeJazz ist, mit denen nur ein paar Jazzfreaks etwas anfangen können.
Was soll denn sonst in Softpornos, Fahrstühlen und Szenerestaurants laufen? Wäre Deathmetall oder Bayrische Volksmusik besser? Easy Listening ist auch immer noch Jazz und kann auch gut sein und ideale Musik zum chillen. Zudem führt es viele erst an „echten Jazz“ heran. Um zu sagen, dass dies keine Musik sei, muß man schon ein ziemlicher Jazznazi sein.

Ich will jetzt nicht ernsthaft behaupten, dass Kenny G der beste Saxophonist der Welt ist. Er gehört auch nicht unbedingt zu meinen Lieblingssaxophonisten. Aber mir geht dieses dumme rumgesülze vieler MöchtegernJazzAvargandisten ziemlich auf den Keks und die meisten „anspruchsvollen“ Jazzer spielen so gut wie alles für Geld. Außerdem es geht immer noch schlimmer, z.B. Captain Cook.

Im intimen Kreis mit Jerry Bergonzi

Über den Anfang des Konzertes kann ich nichts sagen, da ich mal wieder zu spät gekommen bin (wie üblich). Ich schlich mich also rein, gesellte mich zu einem Kommilitonen und fragte ob ich was verpasst hätte. Er drehte sich um „Ohhh, jaaa“.
Wahrscheinlich hatte er recht, denn der Rest des Konzertes war einfach beeindruckend.

Obwohl Jerry Bergonzi eine sehr große Nummer unter den aktuellen Jazzsaxophonisten ist, muß ich glaube ich doch ein paar Worte über ihn verlieren, da er (zumindest hier zulande) auf unerhörte Unkenntnis stößt.
Er hat natürlich mit zig Größen zusammen gespielt, ist Dozent an zig renomierten Musikhochschulen und Konservatorien (Berklee, Paris, Mannheim u.s.w.) und besonders seine Schulereihe „Inside Improvisation“ sind sehr beliebt bei Saxophonstudenten. Der letzte Band „Hexatonics“ hat sogar für ein gewisses Aufsehen an den Musikhochschulen gesorgt, da es ziemlich „kranker shit“ ist. Im Prinzip geht es darum, dass Akkordpärchen gegenüber gestellt werden. Ein sehr eleganter (wenn auch sehr komplexer) Weg, für neue Motive, interessante Farben und Outside/Inside spielen.
(Genaueres und mehr auf Wikipedia)

Und das konnte man am letzten Donnerstag (6.5.2010) im Jazzkeller der HfK Bremen angewand hören. Zumindest glaube ich das. Denn Bergonzi hat eine fantastische Teschnik und die hohe Geschwindigkeit machte es nicht leichter das gespielte nachzuvollziehen. Aber um so beeindruckender war es.
Durch die Triobestzung wirkte es noch konzentrierter. Bassist und Schlagzeuger waren ebenfalls imposant. Schändlicherweise weiß deren Namen leider nicht mehr, werden hier aber noch nachgereicht.

Schade, dass der Jazzkeller nicht so gut besucht war. Hauptsächlich die Jazzabteilung der Hochschule, die das Konzert sichtlich genoß. Ok, Bergonzi mag zwar kein Mainstream Jazz sein und diejenigen, die Charlie Parker schon für schwere Kost halten, dürften hier eher Panik kriegen, aber es doch Schade, dass guter Jazz so wenig Resonanz hat. Aber vielleicht lag es auch daran, dass nur ein gewisser „Bergnozi“ angekündigt worden war.

Allerdings führte das auch zu einer sehr intimen angenehmen Atmosphere und so war es für mich ein leichtes, mich nach dem Konzert an Bergonzi anzuschleichen und ihn zu interviewen. Er stellte sich als sehr symphatischer Mensch heraus und hatte wegen dem Konzert auch sehr gute Laune, weshalb er sehr bereitwillig zustimmte.
Im Prinzip habe ich fast die gleichen Fragen wie beim Doldinger-Interview gestellt. Interessant wie unterschiedlich die Antworten ausfallen. Aber Jerry war auch sehr locker drauf, was vielleicht auch an der späten Stunde gelegen haben könnte. „In vino veritas“ bzw. „In Haake-Beck veritas“.

Für die Qualität (und das Format) muß ich mich entschuldigen, da ich an dem Abend mein Zoom nicht dabei hatte, habe ich es notgedrungen einfach mit meinem Handy aufgenommen.

Jerry Bergonzi Interview Part I

Und hier viel mir die letzte Frage doch noch ein
Jerry Bergonzi Interview Part II

Jerry Bergonzi ist zur Zeit auf Europa Tournee, also schaut mal, ob er nicht auch in eurer Nähe spielt. Wie gesagt, der Konzertbesuch  lohnt sich. Hier geht es zu seiner Homepage:
http://www.jerrybergonzi.com/

Auf Weltreise mit Klaus Doldingers Passport

Ein Abend bei einem guten Jazzkonzert ist etwas schönes, fast noch schöner finde es, bei soetwas selber auf der Bühne zu stehen, aber Highlight ist es, einer echten Jazzlegende zuhören zu dürfen. Fantastisch wenn alles drei gleichzeitig passiert. So geschehen am letzten Freitag (16.4.2010) in der Stadthalle Bremerhaven.

Ich durfte als Unterstützung bei der Vorband zu Klaus Doldingers Passport spielen: Cool Jack. Eine Jazzband von Schülern des Bremerhavners Carl von Ossietzky Gymnasiums und der Musikschule Beck. Anfangs waren die jungen Musiker vielleicht noch etwas nervös wegen dem für sie ungewohnt großem Publikum von Jazzliebhabern und natürlich wohlwissend, wer nach ihnen die Bühne besteigen würde, aber dennoch sie meisterten ihren Teil des Abends mit Bravour, was sich auch in der begeisterten Reaktion des Publikums ablesen ließ. Auch ich gab Gas und ließ ordentlich die Finger kreisen, in der Befürchtung, der Meister könnte vielleicht lauschen.
Tatsächlich war deren Auftritt auch eine Klausurersatzleistung für die Schüler. Die 1+ dürfte sicher sein.

Nach Cool Jack betrat Klaus Doldinger und seine Band Passport die Bühne. Ich denke nicht, dass ich auf einem Saxophonblog noch groß erzählen muß um wen es sich hier handelt. Unwissende sollten sich schämen und schnell bei Wiki nachschlagen.
Genauso scheint es überflüssig zu sein, dass es sich um exeptionelle Musiker handelt, schließlich gibt es Passport schon fast 40 Jahre. Nicht ganz in der Besetzung, da die restlichen Bandmitglieder ungefähr halb so alt wie Klaus Doldinger zu sein.
So stellte er nach dem ersten Stück die Frage ans Publikum „Mir kommt das hier so bekannt vor, haben wir nicht hier schon mal gespielt“. Und anscheinend waren auch ein paar Gäste von damals da und wußten auch noch wann. „Was? 73? Du meine Güte!“
„Jazzurgestein“ mag da jetzt vielleicht der ein oder andere denken, aber weit gefehlt. Mit das faszinierenste an dem Konzert war, wie jugendlich doch Klaus Doldinger auf der Bühne wirkte. Er strahlte mehr Energie aus, als seine deutlich jüngeren Bandkollegen.

Die Band ist übrigens ungewöhnlicherweise mit drei Rhytmikern (1xDrums, 2x Percussion aller Art) besetzt. Daraus ergab sich oft ein großer und exotischerer Klangteppich. Daneben natürlich noch elektronischer Bass, Gitarre und Keys. Besonders spacig wurde es, wenn das Effektgerät für besonders viel Hall beim Saxophon eingeschaltet worden ist. Sehr gelungen in Verbindung mit dem Sopran. Neben diesem und seinem Hauptinstrument, dem Tenor, benutze er noch eine urige aber sehr schön klingede Bambusflöte, die er vor Jahrem einem afghanischen Straßenjunge für abgekauft hatte.

Das ist nur eine der vielen Anekdoten, die er zwischen den Stücken erzählte. An ihnen merkte man, dass er wohl doch schon etwas länger auf den Bühnen der ganzen Welt spielt. Geschichten aus Brasilien, Afghanistan, USA, das schwarze Meer, Marokko, Paris… (an den Rest kann ich mich nicht mehr erinnern). Das war mindestens genauso spannend wie die Musik selbst. Würde es eine Autobiographie von Klaus Doldinger geben, wäre es ein Pflichtkauf für mich, besonders die dann obligatroische Hörspielausgabe davon, denn ich hätte genauso gut auch den ganzen Abend auch nur seinen Geschichten lauschen können.
Auch musikalisch folgte man den Erzählungen rund um den Globus: the Cat from Katmandu, Samba Cinema, Riyad el Cadi um nur ein paar der Titel zu nennen. Zwar war alles irgendwie Jazz, aber die musikalsichen Einflüsse aus den verschiedenen Länder, sind für mich das faszinierenste des Konzertes gewesen. Weltmusik im eigentlichen Sinn. Und so erscheint auch der Bandname Passport nur logisch.

Das Programm entsprach zu großen Teilen seiner aktuellen CD „Passport on Stage“,.Aber nicht gänzlich, denn die Titel werden auf zuruf gespielt. Das gibt der ganzen Sache natürlich eine spontanere Atmosphere führte aber auch zu der typischen Sessionsituation, dass erstmal überlegt werden mußte, was man als nächstes spielen könnte.

Aber es gibt einen Titel, um den Doldinger wohl nie wieder drum rum kommt: „Genau, das Booooooooooot“. Die Bremerhavner dürften besonders vergrätzt gewesen sein, wenn das nicht gekommen wäre. Danach folgte direkt „Tatort“, der andere Titel der wahrscheinlich immer gespielt werden muß. Warum auch nicht, schien es doch den Abend perfekt abzurunden, nach der Weltreise wieder zurück an den heimischen Fernseher zurück geworfen zu werden.
Der Abschluß des Konzertes war „50 Years later“, eine quasi stilisitische Rückkehr an die Beat-Musik Zeiten, mit denen Doldingers Karriere ja eigentlich begann.

Also für mich war dies wahrscheinlich eines der besten Jazzkonzerte die ich gehört habe. Denn soviel Abwechlung, hohes Niveau, Freude auf der Bühne und Jazzlegende zum Anfassen gibt es selten.

Für mehr Information zu KlausDoldinger und Passport, sowie Konzertterminen, hier die Homepage:
http://www.klaus-doldinger.de/

(Photos von Michel Arriens)