iClarinet – die clarinéo von Nuvo

Ja das Ding ist weiß, wie ein iPod, aber nicht von Apple. Sondern sie ist von Nuvo, heißt Clarinéo, ist von Graham Lyons entwickelt und stammt aus England.
Ich muß zugeben, ich habe mir das Ding hauptsächlich bestellt, weil es so cool aussieht, aber das ist eigentlich nicht das besondere dieser Klarinette. Es handelt sich hier um eine Plastiklarinette die speziell für Kinder entwickelt worden ist und extrem günstig.
Die Clarinéo ist leichter und kürzer, hat eine reduzierte Mechanik und ist in C gestimmt. Das macht vieles einfacher für die jungen Klarinettenanfänger. Ob es sich nun um ein schick aussehendes Spielzeug oder ernstzunehmendes Instrument handelt, werde ich nun untersuchen.

Schon auf den ersten Blick merkt man, das hier vieles anders ist als bei einer normalen Klarinette. Das Ding ist so optimiert alles einfacher zu machen, dass man fast meinen könnte, dass es sich um eine komplette Neuentwicklung handelt.
Gestimmt ist es in C. Das lästige transponieren fällt weg, Kinder können mit Blockflöten, Glockenspielen, billigen Keyboarden (und was sonst so im Kinderzimmer rum schwirrt) zusammen aus den selben Noten spielen.
Dadurch ist das Instrument kürzer, ähnlich einer Es-Klarinette. Tatsächlich passen auch Es-Klarinettenmundstücke und Blätter, aber dazu komme ich später noch.
Es ist komplett aus Plastik und somit robuster und leichter. Inzwischen gibt es ja viele Plastikklarinetten und einige sind auch richtig gut, aber zum Klang komme ich wie gesagt später.
Der Korpus ist Einteilig, nur Becher und Mundstück müßen dran gesteckt werden. Der Trichter hat einen einfachen Klickmechanismus. Das Mundstück hat statt Kork zwei Gummi-O-Ringe. Das finde ich sehr intelligent, warum wird das nicht öfters so gemacht, z.B. auf einem Saxophon-S-Bogen.
Das Mundstück hat auf dem Tisch eine kleine Rille, die ist dafür da, dass die mitgelieferten Plastikblätter, die einen ensprechenden Nippel haben, immer passgenau sitzen. Kein Gefummel mehr, damit das Blatt sitzt, genial für Kinder.
Die Blattschraube ist ähnlich einfach zu handeln. Drüber stülpen und Hebel umlegen und fest sitzt das Blatt. Selbst die Kappe ist idiotensicher.

Auch die ganze Mechanik ist aus Plastik und eine Neuentwicklung. Zumindest habe ich vieles davon so noch nie zuvor gesehen.  Und wenn ich ganz aus Plastik sage, meine ich das so. Nicht mal eine Schraube. Alles ist ineinander gesteckt.
Es gibt auch nur eine einzige Metallfeder, ansosnten sind es kleine Plastikzungen, die für den Gegendruck sorgen.
Da hat jemand sehr lange für getüfftelt. Das Plastik scheint robust genug, dass es das auch etwas länger mitmachen könnte, nur einen Haken hat es. Alles klappert und wabbert. Ein merkwürdiges Gefühl, aber es funktioniert.
Statt Filz oder Lederpads gibt es hier Gummipads die gut decken. (Also kann man unter der Dusche damit spielen, wenn man will)
Der Daumenhaken ist einfach Höhenverstellbar.
Die Kids können an der Mechanik zubbeln und zippen ohne dass sie Kaputt geht. Das einzige was wohl ein Kind anstellen kann, ist die Gummipropfen raus zu reißen, aber bei solchen ADHSlern ist glaube ich nichts sicher.

Die Clarinéo basiert auf dem Böhmsystem, ist jedoch vereinfacht. Es gibt keine Alternativgriffe, Hebel oder Klappen. Für jeden Ton gibt es einen Griff. Punkt. Das soll wohl für weniger Verwirrung beim Kind sorgen, aber der erfahrene Klarinettist muß sich reduzieren. In Verbindung mit der etwas wabbeligen Mechanik muß einem klar sein, dass dieses Teil nicht für virtuoses Spiel geeignet ist (aber auch nicht gedacht).
Zudem sind ein paar Griffe für das Flagollette-Register etwas anders.

Mitgeliefert zum Instrument ist ein einfaches aber ansehnliches Case, ein Wischtuch und zwei Plasteblätter in verschiedenen Stärken und ein Notenbuch mit Playalong für die ersten Schritte, das sehr nett und kindgerecht aufgemacht ist. Gegen einen kleinen Aufpreis gibt es auch eine schicke Tutorial-DVD. Die Anleitungen, Erklärungen und Lernschritte sind sehr sinnvoll. Jedoch hat das Ganze den Charme von Telekolleg. Ist vielleicht typisch Englisch. Zudem hat die DVD  wie auch das Buch das Problem, dass ein eifriger Schüler das schnell  durch hat.

Wie klingt nur das Teil? Das erste Blatt draufgeschnallt und los. Arg, Gekreische einer Kindertröte, das Blatt war zu weich. Anderes Blatt drauf, etwas härter aber immer noch drastisch zu weich, immer noch mehr Tröten- als Klarinettenklang.
Also erstmal zum Klarinettenmüller und es-Klarinettenblätter besorgt. Als ich eines in einer für mich passenden Stärke gefunden habe, klang die Clarinéo auch nach Klarinette und nachdem ich mich eingespielt habe und eine andere Blattschraube genommen habe, klang das Teil auch recht annehmbar.
Natürlich kann die nicht wie eine Rosenholzklarinette klingen, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man aus Clarinéo mit einem guten Es-Klarinettenmundstück noch ordentlich was raus holen kann:
Die Blattschraube ist natürlich alles andere als freischwingend und die Blätter klingen einfach sch****. Aber das ist auch nicht deren PrimärerSinn, sondern sie sind unglaublich robust und durch den Nippel immer richtig positioniert. Kurz: Kindersicher. Kein Blattärger, welches das Kind demotiviert.
Intonation und Ansprache sind OK, sofern man die Finger ordentlich auf die Löcher legt. Es ist halt doch eine ungewohnte Größe.

Resumée
Ein geniales Instrument für Kinder für einen sehr fairen Preis, aber was ist für Musiker über 12?
Ein witziges Instrument für einen fairen Preis. Ich war hauptsächlich wegen der Optik daran interessiert, ein schöner Gag für die Bühne. Zudem ist die Clarinéo sehr robust, klein und leicht. Also das perfekte Reiseinstrument. Man braucht noch nicht mal das Case, es reicht schon, die Clarinéo in eine lange Wollsocke zu stopfen. Und endlich mal ein Blasintrument in C. Da kann man als Klarinettist auch mal die Flötenstimme spielen.

Schade nur, dass es die Clarinéo noch nicht in Deutschland gibt. Da bleibt einem wohl nichts anderes über, als das Ding im Ausland zu bestellen. Zudem machen dann auch die englische Erklärungen und DVD dem deutschen Kind nicht unbedingt einfacher.

http://www.clarineo.co.uk/

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15 Gedanken zu „iClarinet – die clarinéo von Nuvo


  1. also , das kleine ding kenne ich noch, als es schwarz war – seitdem hat sich einges verbessert : blattversorgung, mundstückaufnahme, trageköfferchen…

    und die farben !!!!

    schon die alte lyons – clarinet klang wie eine c klarinette, die reduzierte mechanik macht das umsteigen auf deutsch und böhm später einfachst möglich, und in der doitschen pädagogik-szene hat noch keiner geschnallt, wie wertvoll der vorteil des instrumentes in c ist : st.martinslieder ( mit oder ohne gema- gewürge ) sind einfachst möglich mit flöten, gitarren und falls benutzt keibort.

    und erst die weihnachtslieder !

    besonders der wegen der c – tonarten häufige wechsel h- cis fällt weg – ein segen für kinderhände.

    und deren drillseargeants …

    😀


  2. Nun, die Idee, Kinder mit geringstmöglichen Hürden an das Klarinettespiel heranzuführen, ist lobenswert. Hier wird allerdings derart vereinfacht, dass der Schock über die Komplexität und Kompliziertheit der Klarinette halt zwei Jahre später einsetzt und (erst) dann abschreckt. Oder die „richtige“ Klarinette wie ihre Vorgängerin aus Plastik gewertschätzt und gehandhabt wird. Wollen wir das? Außerdem wird – jedenfalls in Deutschland – mit den Schülerklarinetten in C (von vielen Musikhäusern und -schulen auch als Mietinstrument) ein B-Klarinettenmundstück geliefert; das ist auch für den jüngsten Einsteiger immer noch brauchbarer und vor allem muß an dieser fragilen Stelle dann beim Umstieg auf das „richtige“ Instrument nicht mehr umgelernt werden.


    • Nun, das sehe ich anders. Eine normale Klarinette ist einfach schwer, zu schwer für Kinderhände. Zumal deutsches System ja auch nicht gaaanz so fingerfreundlich für kleine Hände ist (subjektiver Eindruck).
      Die Motivation kommt dadurch zustande, dass sich das Kind auf einer neuen Klarinette entwickeln kann. Sie bietet technisch und klanglich viel mehr Möglichkeiten. Die Clarineo ist ja so konzipiert, dass man später nicht umlernen muß. Ich finde die Reduktion viel schwerer als die Erweiterung. Ich will immer Klappen nutzen die ich gewohnt bin, die es bei der Clarineo nicht gibt.
      Zudem, ein abgegrabbeltes Musikschulinstrument begeistert selten. So ein buntes eigens teil für einen Preis der ungefähr auf dem Niveau der billigen Chinaklarinetten liegt halte ich für genial.
      Außerdem das Umstiegsargument zieht auch nicht, da es ja auch von der Blockflöte ganz gut klappt, oder?
      Zudem, erstmal selbst eine Clarineo in die Hand nehmen, bevor man meint, dass es nicht so gut geeignet ist.
      Für mich ist die Clarineo ein tolles Instrument fürs Kinderzimmer und bietet mehr als ne Blockflöte.


  3. lol – war ja klar.

    diese sündhaft teuren c klarinetten sind sicher das beste für die familie …

    und gleich ein für kindermünder und kinderkiefer riesiges munstück zu nehmen, ist mehr als bedenklich: aber die kieferorthopäden danken es sicher.

    bloß niemals was neues im deutschen klarinettenmarkt !
    ( abgesehen natürlich vond er plastebaßklarinette, die durch die vereine geistert: da ist dann plötzlich die hygiene und die unempfindlichkeit des instrumentes ein argument … )

    wird sicher lustig, wenn das neue vibrato platiksax kommt und gut intoniert und super klingt.

    da muß es sicher wieder yamaha oder mark 6 sein …

    😀


  4. Durchaus interessant. Für das interessierte Einsteigerkind sieht das nach einer guten Möglichkeit aus.
    Der Umstieg auf „richtige“ Blätter sollte für 8/9/10jährige mit etwas Übung beim Einspannen auch kein Problem sein.
    Passt ein Es-Klarinetten Mundstück problemlos, oder muss man da auf Feinheiten achten.
    Ich frage deswegen so doof, weil ich von Klarinetten so gar keine Ahnung habe.
    🙂


    • Also, selber habe ich es noch nicht probiert, aber der Graham Lyons hat das Teil so entwickelt dass es passt. Zudem hat es auf der letzten Musikmesse so funktioniert.


  5. Ich verstehe einfach nicht wie man der Meinung sein kann, dass es vorerst besser ist etwas anderes (Blockflöte oder Clarineo …) zu lernen und dann erst mit dem „richtigen“ Instrument zu beginnen. Das ist ja so als solle man erst Radfahren lernen bevor man Autofahren lernt…

    Ich zweifle stark daran, daß das was bringt. Auch nicht als pädagogischer Ansatz halte ich das für einen Trugschluss, den man immer wieder vor allem in der klassischen Laufbahn antrifft. Die Aussage „Lerne zuerst Skalen bevor du improviesierst“ fußt zB auf dem gleichen Irrtum. Diese Denkweise ist ebenso verbreitet wie falsch.

    Meine persönlichen Beobachtungen: Schüler die zuvor Blockflöte gespielt haben haben z.B. auf der Klarinette/Saxophon idR größere Probleme mit Ansatz und Luftführung als solche, die von vorne Beginnen, zudem spreizen diese meist den kleinen Finger der linken Hand (den es bei Blockflöte nicht braucht) weit ab. Ich kann mir gut vorstellen, daß beim Clarineo ähnliche Dinge auftreten.


  6. … etwas das falsch eingelernt ist zB. durch blockflöte oder Carineo bekommt man später nur schwerlich wieder weck.


  7. Die Clarineo ist eine Klarinette, was soll man da falsch lernen und die Blockflöte ist ein anderes Instrument.
    Auch auf dem richtigen Instrument kann man sich etwas falsch anlernen was man nachher schwer wieder wegbekommt.
    Ich kann deine Argumentation gegen Blockflöte und Clarineo nicht teilen, wir reden hier schließlich von kleinen Kindern und nicht Leuten, die GiantSteps in allen Tonarten spielen wollen.


  8. es geht wohl auch darum, daß die clarineo eine c klarinette ist, klingt wie eine c klarinette und aucuh so gespielt wird. ich habe damit keine probleme !

    wer allerdings auf der c klarinette wie auf einem bassethorn klingen will oder wie auf einem mark6 hats noch sicht so kapiert : es ist eine c klarinette.

    und wo ist der vorteil mit einer b klarinette doppelte noten kaufen zu müssen, wenn die eltern 2-3 kids versorgen wollen ?

    beim MIK !

    😀


  9. Hi Tobias!
    Ich lese dein Blog regelmäßig und mit Gewin für mein musikalisches fortkommen:
    – die Hartmann-Blätter sind für mich eine Offenbarung danke für dein Bericht darüber
    – Tenorblätter auf’m Alt oder Baritonblätter auf’m Tenor habe ich schon ewig eingesezt, gut zu wissen dass ich mit dieser freakigkeit nicht aleine bin …

    Zum clarinéo hätte ich eine Frage:
    Wie, bzw. wo hast du es gekauft??

    Grüße Mil


  10. Hallo liebe Clarinéo Interssierte,
    ich weiß, die Posts sind schon mittlerweile ein paar Jahre alt, dennoch möchte ich Sie informieren, dass das gesamte NUVO Sortiment ab Ende März auch im deutschen Fachhanden zu kaufen sein wird! Wir, ARTIS MUSIC Division of MUSIK MEYER GmbH haben im Februar den offiziellen Vertrieb für Deutschland und Österreich übernommen und stellen die Instrumente auf der kommenden Musikmesse dem Fachhandel vor. Beste Grüße aus Marburg!


  11. Zuerst mal zum Radfahren und Autofahren bzw. Blockflöte und richtige Instrumente. Das Fahrrad ist ein richtiges Verkehrsmittel genauso wie die Blockflöte und erschliesst dem Kind nach dem erlernten Umgang damit Welten. Beides ist bei mir noch im Gebrauch, ein richtiges „Auto“ noch nicht, dafür viele „richtige Musikinstrumente“ wie z.B. Saxophone, ua. auch ein C-Melody-Tenorsaxophon.

    Jetzt Frage ich mich, ob es nicht sinnvoll oder zumindest interessant wäre, aus dem selben Material wie das Clarineo ein Sopransaxophon in C zu fertigen, gerade Bauart müsste möglich sein und auch kindgerecht. Zumindest wäre es ein Reiseinstrument oder Guggenmusik im Dauerregen, für das bis jetzt ein altes schweres Amati-Sopran herhalten musste.

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