Select Jazz Tenor – das neue Vintage Mundstück von D’Addario

Vor knapp drei Jahren habe ich das Select Jazz Mundstück für das Altsaxophon getestet und war begeistert, da es sich um ein extrem gut gefertigten Meyer-Klon für einen echten Kampfpreis (knapp über 100€ damals) handelt. Dafür kann man so ein Mundstück jedem blind empfehlen.
Ob das so auch für das neue Tenor Mundstück von D’Addario gilt, soll dieser Test zeigen.

Wir befinden uns immer noch in einer Trendwelle, in der wieder Vintagemundstücke beziehungsweise vintagemäßige Mundstücke gefragt sind. Ich persönlich finde die Neigung zum klassischen Jazzklang sehr angenehm, da ich diesen als deutlich ausgeglichener und voller empfinde als der sehr obertonreiche Sound in Pop, Funk, Soul und so weiter. Zudem sind diese Mundstücke deutlich leichter zu spielen, als die mit kleiner Kammer und Stufe, was gerade für Anfänger und Hobbyspieler vorteilhaft ist.
Beim Altsaxophon geht es meist um Meyer. Vielleicht ab und zu nochmal ein Soloist.
Beim Tenor ist das nicht ganz eindeutig. Bei den Metallmundstücken ist es klar das Otto Link Super Tone Master. Bei den Kautschukmundstücken hingegen am ehesten noch das Otto Link Tone Edge, aber das fällt schon recht weich und dunkel aus.

Mir ist selber nicht ganz klar, an was für einem Mundstück sich D’Addario bei ihrem neuen Tenor orientiert hat. Mir wurde gesagt, dass man am Anfang der Entwicklung ein paar Tone Edges zur Verfügung hatte und da Jeff Coffin auch beteiligt war, wohl auch Gregories.
Also scheint es sich hier nicht um einen ein-zu-ein-Klon zu handeln sondern eine Eigenentwicklung im Stile der alten Mundstücke. Aber das übersteigt dann doch mein eigenes Mundstücknerdwissen um das noch einsortieren zu können.

Es handelt sich um ein Kauschukmundstück mit etwas größerer Kammer, rundem Fenster, ganz zarter Baffle und keine Stufe oder sonstige Kanten. Ich stelle immer wieder fest, dass mir so ein Mundstückdesign am meisten zusagt. Mal kucken, wie sie sich spielt. Die Fertigungsqualität ist wieder hervorragend. Siderails und Tip sehen hervorragend aus. Da kommen ein paar sehr gute CNC Maschinen zum Einsatz.

Klang und Ansprache
Artist Music hat mir dankenswerterweise 4 Mundstücke für den Test geliehen. (Ich habe mir etwas arg viel Zeit gelassen und die Testobjekte stapeln sich gerade, aber das wird jetzt alles abgearbeitet).
Also in allen erhältlichen Bahnöffnungen von D6M bis D9M.

Rein klanglich gehen sie alle sehr ähnlich. Ein voller runder Klang, den ich eher im leicht dunklen Spektrum verorte. Aber alle haben eine eher direkte Ansprache und Ton, weshalb es nicht all zu sanft wirkt.
Da es weder extrem weich, obertonreich, kernig oder voller Subtones ist, würde ich das Select Jazz in keine bestimmte Stilistikecke packen wollen.

Über Intonation braucht man bei so einem Mundstück gar nicht reden. Bei so einer Art Mundstück, gibt es keine Probleme, da wir uns in keinem Extrem befinden. Wer hier Probleme hat, hat sie auf jedem Mundstück.

Mit meinem Standardblatt (Forestone Hinoki H) schien bei allen Öffnungsvarianten die Tongestaltung recht „geführt“. Damit meine ich, dass der Ton sehr gut steht ohne viel selber gestalten zu müssen. Das ist am deutlichsten beim D6M. Das macht es gerade für Anfänger sehr einfach schön zu spielen, allerdings nimmt es einem auch das Modulationsspektrum. Ich hatte nicht das Gefühl, dass mir zu wenig Luft durch geht, daher würde ich das D6M eher bei einer 6* oder 7er Öffnung verorten.
Je offener das Select Jazz, desto mehr Luft ging durch und größer wurde die Modulationsfähigkeit.
Beim D9M konnte ich die Luft auch wieder so „durch schieben“, dass ich viele Subtones erzeugen konnte und das Gefühl hatte, dass ich mein ganzes Spektrum da war. Aber es ist auch nicht übertrieben offen. Es wirkte immer noch stabiler als das Mundstück, das ich aktuell selber nutze. Daher würde ich es eher als eine 8* einordnen.

Deshalb würde ich die Wahl zwischen D6M bis D9M vor allem davon abhängig machen, auf welcher Niveaustufe man sich selber einschätzt. Das D6M spielt sich quasi von selber, aber war mir etwas zu restriktiv, das D8M habe ich als sehr komfortabel empfunden und das D9M war schön offen.
Ich hätte keine Probleme, eines der beiden sofort als mein Standardmundstück zu nutzen.

Einen weiteren guten Testbericht hat übrigens Steve Neff schon geschrieben. Falls ihr mal reinschauen wollt:
http://www.neffmusic.com/blog/2017/04/daddario-select-jazz…

Fazit
Qualität und Klang sind wieder ein Volltreffer. Allerdings hat D’Addario die Preisschraube etwas angezogen. Mit 175€ (Thomann) liegt es etwas über den üblichen Verdächtigen des Mittelfeldes wie Otto Link, Meyer, Selmer und dergleichen. Aber die Qualität ist auch deutlich besser. Man kriegt für deutlich mehr Geld nicht unbedingt ein besseres Mundstück als das Select Jazz Tenor. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist immer noch sehr gut.
Das Altomundstück von D’Addario konnte ich blind jedem empfehlen, der sich sein erstes Jazzmundstück kaufen wollte. Beim Tenormundstück möchte ich jedem empfehlen, der sich nach einem neuen klassischen Jazzmundstück umschaut, es mit auf seine Auswahlliste zu nehmen.

http://www.daddario-woodwinds.de/de/daddario-sax…

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