Zoom H1 – Recording für die Westentasche

Die Zoom-Geräte sind ja schon länger kein Geheimtipp mehr. Viele schwärmen von einer hervorragenden Klangqualität für ein mobiles Aufnahmegerät zu verhältnismäßig kleinen Preis. Ich habe etwas überlegt, ob sich ein Test darüber lohnt, da es schon genug davon in Audiodten-Blogs und Foren gibt. Zudem bin ich als Saxophonist Analogiker und mir ist alles Musikequipment mit Strom suspekt.
Aber ich musste hier mal wieder etwas schreiben und vielleicht gibt es unter meinen Lesern genug andere, die die Technikszene ebenfalls nicht so verstehen. Daher ist dieser Test eher ein alltägliches „hands on“ als ein eine technische Prüfung.

Das Zoom H1 ein ist der relativ neue kleine Bruder vom Zoom H2 und Zoom H4, die sich ja schon großer Beliebtheit erfreuen. Bevor ich mir das H1 besorgte, hatte ich ein H4, weshalb ich die beiden etwas vergleichen kann.

Einer der Gründe, warum die Teile so günstig sind, ist, dass sie in China gefertigt werden. Auch wenn die Qualität insgesamt stimmt, merkt man das den Teilen an. Die Haptik ist schon sehr Plaste, aber was will man erwarten bei dem Preis.
Optisch sehen das H1 und H4 aufgrund der X,Y-Mikrofonierung wie futuristische Waffen aus. Das H4 wirkt, aus würde es aus den ersten Folgen von „StarTrek: The Next Generation“ stammen. Beim H1 sieht man sofort eine Entwicklung im Design (also eher Voyager). Die Bedienelemente (aka Knöpfe) sehen deutlich wertiger und übersichtlicher aus, es gibt einen Schutzring für die Mikrophone, das Schwarz wirkt edel und das Display leuchtet freundlich Orange.
Während zum H4 eine extra Schale mitgeliefert worden ist, damit man es auf ein Stativ schrauben kann, hat das H1 unten schon ein Gewinde integriert. Leider aus Plastik. Einmal zu stark aufgeschraubt, dürfte die hinüber sein. Also Vorsicht!

Besonders begeistert bin ich von der Größe. Es passt wirklich in de Westentasche also auch in jeden Saxophonkoffer. (Baritonmundstücke sind oft größer) Das H4 war mir oft zu groß, als dass ich es regelmäßig mitgeschleppt hätte. Das war einer der Hauptgründe warum ich gewechselt habe.
Es kommt auch nur eine AA-Batterie rein, die gefühlt sogar länger hält als die zwei AA in dem H4.
Etwas unnötig finde ich die Micro-SD-Karte (2GB sind mitgeliefert). Allerdings ist ein Kartenadapter beigelegt, in das man die Micro-SD legen kann, damit die in einen normalen SD-Karten-Reader passt. Aber es gibt auch die Möglichkeit mit einem USB-Kabel (Mini-B) es direkt an den Rechner anzuschließen. Nur liegt so ein Kabel nicht bei.
Desweiteren hat das Zoom H1 zwei Mini-Klinke Eingänge für einen Kopfhörer und ein externes Mikrophon oder um es direkt an eine Anlage anschließen zu können. Zudem hat es sogar noch einen kleinen Lautsprecher integriert für ein schnelles Überprüfen der Aufnahmen. Nett.

Die Bedienung des H4 kann man getrost als Katastrophe bezeichnen (ich habe sie nie verstanden) mit einem zu kleinem Display mit ekliger grüner Beleuchtung. Das H1 ist fast idiotensicher.
Das H4 hatte zig Funktionen: 2 XLR Eingänge, Multitrack Recording und noch viel mehr Schnickschnack und Einstellungsmöglichkeiten. Wie gesagt, habe ich das ganze Zeug nie bedienen können.
Das H1 hingegen macht man an, man wird mit einem freundlichen „Hi“ begrüßt, man drück den großen Knopf mit dem roten Punkt, Aufnahme läuft, man drückt wieder drauf, Aufnahme Ende und beim ausschalten des Geräts liest man noch ein nettes „Good Bye“. So etwas ist doch bedienbar.
Es gibt auch keine verwirrenden Untermenüs mehr. Die Funktionen sind sehr Rudimentär gehalten, es kann nur das nötigste, aber dafür gibt es je übersichtliche externe Schieber. Blitzschnell stellt man zwischen MP3 und WAV (Bitraten sind einstellbar), manuellen oder Autolevel um und den LowCut ein und aus.
Das einzige was ich wirklich am H1 vermisse ist, dass man nicht wie das H4 als direktes USB-Mikrophon benutzen kann.
Auf dem Display ist fast alles mit einem Blick zu erkennen. Ältere User bräuchten vielleicht aber eine Lesebrille.

Persönlich finde ich die Aufnahmequalität oft erschreckend. Erschreckend gut und klar. Dadurch sind die Aufnahmen von einem verdammt „ehrlich“. Durch die X,Y-Anordnung der Mikrophone ergibt sich ein schöner Stereo Effekt und man kann so zielgerichtet aufnehmen (war für mich der entscheidende Vorteil zum Zoom H2 gewesen). Also man nimmt aus der ersten Reihe die Bühne ins Visier und hat so nur wenig von dem Hintergrundgeräusch des Publikums drauf. Je nach eingestellter Bitrate passen auf die 2GB-Karte von einer Stunde (WAV Studioqualität) bis zu 90 Stunden (mieseste MP3 Qualität).
Eine gute Verbesserung zum H4 ist, dass die Mirkophone nicht mehr in einer Ebene sondern übereinander angeordnet werden. Dadurch gibt es weniger Auslöschungen.
Nicht ganz so schön ist, dass man jeden kleineren Stoß ans Gehäuse und sogar das Bedienen der Knöpfe  auf den Aufnahmen hört. Unfein, aber das kann man ja im Nachhinein noch wegschneiden.

Wie ihr merkt, war ich vom Zoom  H4 nicht so sehr angetan, trotz toller Aufnahmen. Aber wegen der Mängel gibt es wahrscheinlich inzwischen auch eine neue Version, das Zoom H4n, dass noch mehr kann allerdings auch mit ca. 333Eruo deutlich mehr kostet.
Dafür kostet das H1 nur 100Euro und ich bin begeistert davon. Der Wechsel hat sich für mich gelohnt, da ich die Zusatzfunktionen einfach nie genutzt habe.
Allerdings ist beim H1 bis auf eine Batterie und Karten Adapter kein Zubehör dabei. Alles was man eigentlich dringend bräuchte, wie Tripod, Haltegriff, Windschutz, Schutztasche, USB-Kabel und USB-Netzteil gibt es Separat als Set von Zoom für ca. 30 Euro. Eigentlich ist das Set ein Muss zum H1, also sollte man 130 rechnen.
Ich denke es ist klar, wo man das Teil her bekommen könnte. Da muß ich das nicht noch extra verlinken und bewerben. Vielleicht bestellt man das Teil einfach mal beim lokalen Musikhändler, wenn er das Teil nicht sogar schon im Regal hat.

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8 Gedanken zu „Zoom H1 – Recording für die Westentasche


  1. hi tobias,

    die kleinen zooms (habe selber das H2) habens echt in sich. vor allem das einfache bedienen und clevere überspielen auf pc durch die sd-card mit den verschiedenen formaten ist super.

    aber: wer ein tolle studioqualität erwartet wird (natürlich) enttäuscht. die instrumente klingen im vergleich zu guten aufnahmen mit einem mehrspurrecording ziemlich dumpf und grummelig. auf dauer lohnt sich für eine engagierte band schon was anderes für den proberaum, z.b. 8 spur recorder mit entsprechender microphonierung.

    der h1, h2 oder h4 sind aber für schnelle skizzen eines stückes oder bei eigenen stücken als gedächtnisstütze super.

    grüsse

    andi


    • Die Zooms liefern Aufnahmen, die definitv besser als sind als nur für Skizzen. Nur Darf man für ein Gerät, dieser größe und dieses Preises vollwertige Studioqualiät erwarten.
      Andererseits scheint im reellen Leben den meisten eine perfekte Soundqualität eh egal sein, so stark mp3s teilweise komprimiert sind und Youtube Soundspuren verzerrt.


  2. Danke für den informativen und ehrlichen Bericht, Tobias!

    Ich besitze den H2 und habe damit gemachte Live-Mitschnitte schon auf einer CD veröffentlicht, die allgemein sehr gut ankommt – für solche Adhoc-Zwecke, wo man einfach ein Live-Erlebnis festhalten will, sind diese Teile prädestiniert.
    Klar, wenn man in einem Aufnahmeraum ohne Publikum alles schön vorbereiten kann, macht man natürlich Mehrspuraufnahmen, doch live im kleinen Club sind die entweder überflüssiger Luxus (man kann sowieso nichts mehr nachbearbeiten wegen der Umgebungsgeräusche) oder gar unmöglich (gegenseitige Mikro-Übersprechnungen).

    Schönen Gruß,
    Rick


  3. Hallo Tobias,
    heute ist mein Zoom H1 geliefert worden. Ich spiele Klavier, eine Frage ist bei mir noch offen geblieben, wie schließe ich das Zoom an die Stereoanlage an?Über eine Antwort freue ich mich sehr. Musikalische Grüße Kerstin


  4. Ich hätte auch noch eine Frage: Neigt das H1 bei lauter Musik eigentlich zum übersteuern, wie man es von Handyaufnahmen von Rockkonzerten kennt?

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