Blattchirugie an Forestone Reeds

Das wird jetzt kein Artikel über Blattbearbeitung, weil ich mich da selber einfach (noch) viel zu wenig auskenne. Eher gibt es hier ein paar Tipps und Tricks, was man mit den Forestones alles machen kann.
In meinem alten Bericht über die Forestones war ich von den Blättern doch sehr angetan, allerdings eher im klassischen Bereich. Jazzblätter gibt es von denen keine und ich hatte von dem Test ein paar Blätter für Saxophon noch rumliegen. So kam dann die Idee, einfach mal selber Hand anzulegen.

Einige haben bereits die Erfahrung gemacht, dass die Forestoneblätter sich etwas verformt hatten. Meist wölbte sich die Blattspitze nach oben. Bei den Meisten hatte das keinen negativen Effekt, in Einzelfällen aber anscheinend schon.
Um zu verstehen, woher das kommt, muß man wissen, wie die Blätter produziert werden.
Das Synthetikgemisch (wir erinnern uns, dass die Forestone einen Anteil an natürlichen Bambusfasern hat) wird in heiße und flüssig in eine Form gegossen. Das heißt, die original Form hat es im heißen Zustand. Dann kühlen die Blätter ab und ziehen sich logischerweise zusammen. Und das manchmal nicht ganz symetrisch, weshalb die Blattspitze sich nach oben zog.
Forestone hat deshalb eine etwas andere Produktionsweise  und einen neuen Reedguard entwickelt, weshalb dieses Problem bei den aktuellen Blätter nicht mehr so auftritt.

Aber für diejenigen die nun ein verzogenes Blatt haben, habe ich ein paar Tipps:
Besorgt euch ein Plastikreedguard bei dem die Spitze des Blattes plan fixiert ist. Legt dieses mit Guard in sehr heißes Wasser, so dass das Material wieder weich wird. Nehmt es dann aus dem heißen Wasser, trocknet es und legt es sofort in die die Tiefkühltruhe. Nach dem es durchgefroren ist, nehmt es raus und lasst es wieder auf Zimmertemperatur kommen. Dann sollte sich eigentlich das mit der Verformung behoben haben.

Übrigens scheint auch die Francois Louis SmartCap eine sinnvolle Wahl zu sein, da bei manchen Mundstücke, die Kappe die Blattspitze leicht in Richtung Mundstück biegt, was der Biegerichtung der Forestoneblätter etwas entgegen wirkt.

Das reine Begradigen hat mir jedoch nicht gereicht und so nahm ich mir meine Blattbearbeitungsutensilien zur Hand: verschiedene Schleifpapiere, ein scharfes Messer und das Vandoren „Reed Resurfacer“ Set.
Also es scheinen die gleichen Regeln zu gelten, wie bei Holzblättern, nur dass das Blatt etwas härter ist (also man etwas grobschlächtiger agieren kann) und man sich nicht um die Faserrichtung kümmern muß. Man kann also in alle Richtungen schleifen.

Was ich persönlich sehr angenehm empfinde, wenn man mit feinem Schmirgelpapier die Oberseite etwas aufrauht. Dann ist die Haptik im Mund nicht mehr so glatt, also etwas natürlicher. Aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Da ich nicht wirklich weiß was ich mache habe ich ein paar Sachen im Netz und bei Liebmann nachgelesen und habe Try and Error-mäßig  rumprobiert.
Als erstes mache ich alle meine Blätter auf der Unterseite plan, indem ich sie in kreisenden Bewegungen über ein Schleifpapier führe. (Je nachdem wo man den Fingerdruck auflegt, kann man die Stärke etwas beeinflussen)
Dann bei den hinteren Schenkel etwas abgenommen. Tiefen gingen immer noch schwer, also an den Seiten etwas abgenommen. Zwischendurch immer wieder die Seiten angeglichen, damit das Blatt symmetrisch bleibt. (das geht am besten indem man abwechselnd das Mundstück schräg in den Mund nimmt, um zu hören, ob beide Seiten gleich frei schwingen.)
Dann gingen die Höhen auch nicht mehr so gut, also vorne etwas abgenommen, dann war das Blatt zu weich. Arg! Also mußte ich vorsichtig die Spitze kürzer schleifen indem ich sehr vorsichtig aufrecht das Blatt über die Feile führte. Das ging ein paar mal so, bis ich plötzlich ein zufriedenstellendes Ergebnis im Mund hatte. Vom Originalschnitt dürfte nicht viel über geblieben sein.

Persönlich muß ich sagen, dass mir das bearbeiten des Forestone Blatt mehr Spaß gemacht hat, als bei einem Holzblatt. Man muß es nicht einspielen oder feucht machen und das Blatt wird jetzt auch quasi ewig so halten. Plastik ist halt absolut. Ich werde demnächst noch ein paar andere Forestoneblätter angreifen bis ich mal auf das genialste Saxophonblatt ever stoße.

Ich kann jedem raten, der ein paar ungenutzte Forestoneblätter herumliegen hat, sich einfach mal selbst versuchen. Definitiv macht man so zumindest ein paar Erfahrungen beim Blattbearbeitung und eventuell kommt ein geniales Blatt dabei raus.

Und bevor jetzt irgendwelche nachfragen kommen, wenn ich dann später mal Ahnung habe, wie das mit der Blattbearbeitung in etwa läuft kommt hier auch ein schöner Bericht. Versprochen.

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