die neuen Forestone unfiled Blätter

Im Messebericht hatte ich es ja schon angekündigt, dass ich die neuen Forestone Blätter etwas genauer unter die Lupe nehmen wollte. Auch im Netz wurde schon einfrig darüber getrascht und getuschelt. Kein Wunder, waren die Blätter doch eine der interessantesten Neuerungen auf der diesjährigen Musikmesse.

Obwohl ich nun Forestone-Endorser bin, werde ich den Test so objektiv wie möglich verfasssen, was nicht ganz einfach wird, bin ich doch erst genau wegen dieser Blätter bei denen Endorser geworden.

Seit meinem alten Forestonetest hat sich einiges getan. Inzwischen gibt es die Blätter für alle Saxophone und für Böhm und Deutsche Klarinette. Die Stärke-Skala, bei der die Blätter zu hart ausfielen hat man schon vor geraumer Zeit geändert. Inzwischen sollte man sogar eher eine ganze Stärke härter nehmen, als man von seinen Holzblättern gewohnt ist.
Auch die  Probleme mit den verzogenen Blättern, die einzelne Benutzer hatten, konnte man durch Optimierung des Herstellungsprozesses ganz beseitigen.

Von den alten Blättern war ich bereits sehr angetan und hatte sie bereits für Bari, Sopran, Klarinette und mein klassisches Altosetup benutzt. Ansonsten ist mir der alte (filed) Schnitt immer etwas zu klassisch bzw. brav gewesen.
Weil sich viele Spieler ein etwas jazzigeres Blatt gewünscht haben, hat nun Forestone endlich ihren neuen „unfiled“ Schnitt raus gebracht.

Filed/Unfiled bzw. french/american bezieht sich bei Holzblättern auf den Anfang des Ausschnittes beim Rücken. Beim Filed bzw French Cut ist die Rinde gerade herunter gefeilt, während sie beim Unfiled bzw. American Cut wie ein „U“ dran bleibt.
Das hat Auswirkungen, wie sie mit welchen Mundstückbahnen harmonieren.
Filed Blätter passen eher zu Mundstücken mit einem eher klassischem Facing und Unfiled Blätter eher zu Mundstücken mit einem american Facing wie es die meisten Jazzmundstücke haben. (Das ist jetzt nur eine sehr Vereinfachte Darstellung, alles weitere lasst ihr euch Besser von eurem Mundstückschnitzer des Vertrauens erzählen)

Das Material der neuen Saxophonblätter ist das gleiche, wie bei den alten. Also eine Mischung aus natürlichen Bambusfasern und einem Kunststoffpolymer. Aber der Schnitt ist komplett neu entwickelt und zudem bekommen die Blätter eine von Masahiko Gotoh (der von Gottsu Mouthpieces) entwickelte spezielle Oberflächenbehandlung.
Diese macht das Blatt etwas rauer. Persönlich finde ich die neue Haptik angenehmer, aber anscheinend hat das auch große Auswirkungen auf die Spieleigenschaften.
Ich konnte Blätter ohne und mit dieser Oberflächenbehandlung im Vergleich testen und in der Tat klingt es mit besser. Auch scheinen die Blätter jetzt mit vielen Mundstücken deutlich besser zu harmonieren. Ein sehr interessanter Effekt.

Die Stärkeangaben sind allerdings nicht so, wie man es gewohnt ist, denn es handelt sich hier um eine japanische Skalierung. Für unsere verhältnisse muß man beim Alt- und Sopransaxophon eine ganze Stärke drauf rechnen und bei Bariton- und Tenorsaxophon sollte man sogar 1,5 Stärken drauf rechen.
Also wer normalerweise ein Rico 2,5 spielt, sollte ich für Alt ein 3,5er bestellen und für Tenor ein 4er.
Dies gilt sowohl für die die neuen unfild aber auch die alten filed Blätter.

Klanglich wurde das angestrebte Ziel erreicht, es tönt deutlich jazziger. Es ist lauter, direkter, mehr Punch, mehr „Charakter“. Im Gegensatz zu vielen anderen Blättern, die mit „Jazz“ gelabelt sind, sind die Forestone unfiled nicht so hell und schneidend. Es ist eher ein runderer, wärmerer fast Vintage Jazzklang. Viele meinen, dass es sie an den HardBop Sound der 50/60ziger erinnert.
Mich spricht der Sound zumindest sehr an, weshalb ich auf Tenor und Alt darauf gewechselt habe.
Und erst seit ich Forestone nun auf all meinen Instrumenten mit Überzeugung spiele, wollte ich auch Endorser werden.

Neben den unfiled Saxophonblätter gibt es auch einen überarbeitenden Klarinettenschnitt mit dem Namen „Premium“. Auch diese Blätter haben die neue Oberflächenbehandlung. Klanglich haben die Blätter deutlich mehr Substanz.
Aber da ich kein professioneller Klarinettist bin, halte ich mich mit weiteren Urteilen etwas zurück.

Es lohnt sich also, die Blätter anzutesten. Auf der Messe war die Resonanz zumindest sehr gut. Fast alle, die die Blätter probiert haben, sich auch auch eines zugelegt. Und auch alle meine Schüler haben inzwischen umgeschwenkt.
Auch bei meinem letzten Workshop, haben sich alle welche gegönnt. Ein interessanter Nebeneffekt war, dass nun auch der Satzklang deutlich homogener war.

Die Unfiled Blätter sind inzwischen bei den meisten größeren Saxophonläden und Internetshops erhältlich.

http://www.forestone-japan.com/

16 Gedanken zu „die neuen Forestone unfiled Blätter


  1. Vielen Dank für Deinen Test; man spürt Deine Begeisterung. Nach meinen positiven Ersterfahrungen mit Kunststoffblättern am Beispiel des Légère Studio Cut, bei dem mir allerdings zu oft ein gewisser Plastiksound durchschimmert, bin ich nun wild entschlosen als nächstes die Forestone zu probieren.
    Beste Grüße!


  2. Ich hab jetzt auch mal die Forestone getestet. Die Ansprache ist hervorragend. Man direkt von tief unten bis hoch oben alles sauber anspielen. Für einen EwigBlättchenAnspieler sicherlich sehr ungewohnt.
    Was mich allerdings ein wenig zweifeln lässt, ist die Power, aber einer bestimmten Dynamik machen die Blätter „dicht“. Richtig „powerfull“ spielen ist dann doch nur mit echten Holzblättern möglich.
    Daher meine Empfehlung, für klassisch und Jazz geeignet. Wer allerdings auch mal Rock machen will – fährt evtl. mit normalen Blättern besser.


    • Oder einfach mal ne Stärke härter wählen. Und es gibt auch genügend Holzblätter, die bei zu lautem dicht machen und es gibt genug Plastikblätter die ordentlich knallen. Also soviel zu einem „normalen Blatt“.


  3. Hallo!

    Im Zusammenhang mit den Forestoneblättern werden regelmäßig die Stärkeangaben diskutiert. Darf ich anmerken, dass dieser Artikel durch (ungeschickte?) Formulierung zur Verwirrung beiträgt.

    Du schreibst:“…Inzwischen sollte man sogar eher eine halbe Stärke härter nehmen“

    und weiter unten :

    „… sollte man ca eine ganze Stärke runter rechnen und bei den Altoblättern eine Halbe“

    Man ahnt was Du meinst, aber eindeutig finde ich dies nicht.

    Gruß

    Morello


  4. tach,
    ich ahne leider nicht was er meint.
    wie soll man nun genau mit den stärkegraden verfahren.
    gruss
    tante helmi


  5. Da mein Forestone noch nicht so funzt, und ich ja von den Fiberreeds her komme, habe ich jetzt die Carbon Classic getestet auf meinem Tenor und bin schwer beeindruckt (positiv) und sehr zufrieden mit dem Klang – auch schon angespielt?
    Gruß Gerhard


  6. Hallo Tobias,
    zuerst nochmal ein dickes Lob für Deinen Blog. Er ist sehr interessant und ich lerne einiges daraus! Und als Ausgleich dafür, dass ich Dir neulich beim Thema Halsgurt nicht zustimmen konnte, bin ich nun gleich zweimal Deinem Rat gefolgt – beidesmal mit Erfolg! Zuerst habe ich mir das Reed Geek besorgt … in der Tat ein sehr nützliches Teil! Doch nun zu dem, was mir noch viel mehr gefallen hat: Die Forestone-Blätter. Ich habe bisher nur Holzblätter gespielt (meist AW-Reeds) und keine Erfahrung mit Kunststoffblättern. Aber Deine Argumente klangen zu verlockend, und so habe ich mir, Deinen Empfehlungen zu den Blattstärken folgend, ein Forestone Unfiled 3,5 fürs Tenor (statt bisher 2,5 AW Reeds) besorgt. Ergebnis: Klasse! Ansprache hervorragend in allen Lagen und auch der Sound gefällt mir sehr gut. Dein Tipp zur Wahl der Blattstärke (Tenor eine ganze Stufe härter, Alt eine halbe Stufe härter) erwies sich als goldrichtig … ‚mein‘ Forestone ist nicht zu hart und nicht zu weich, sondern scheint gerade richtig zu sein.
    Nach dieser Erfahrung will ich mir natürlich für mein Alt auch ein Forestone besorgen. Doch zuvor habe ich, als Experiment sozusagen, mal testweise das Tenor-Forestone auf’s Alt geschnallt. Und siehe da, es ging ebenfalls sehr gut! Ich fand es, obwohl eine ganze Stufe härter als meine AW-Reeds (Alt ebenfalls 2,5) , nicht zu hart – ganz im Gegenteil! Nun meine Frage: Kann man die Stärken der beiden Blätter überhaupt vergleichen, d.h. ist ein Tenor-Forestone 3,5 gleich hart wie ein Alt-Forestone 3,5? Oder ist diese hilfsweise ‚Versuchsanordnung‘ mit einem Tenorblatt auf einem Alto totaler Blödsinn und man kann daraus gar nichts schliessen?


  7. Man kann von einem Tenorblatt auf dem Alto nicht auf die Stärken schließen. Auch ansonsten bin ich da immer etwas vorsichtig. Denn wie hart sich ein Blatt verhält liegt nicht nur an der Nummer sondern auch an dem Schnitt, dem Holz, der Mundstückbahn sowie der Spielweise des Saxophonisten.


  8. Hallo,

    erstmal vielen Dank für die ausführlichen, kompakten Infos zu den Forestone Reeds.

    Auf die Gefahr hin, eine Frage zu stellen, die schon beantwortet wurde:

    Ich (Tenorsaxophon) spiele momentan Vandoren Java 3, als Notlösung habe ich ein Légère Studio Cut Stärke 3, von dem ich allerdings nur mittelmäßig begeistert bin. Mein MPC ist ein Guardala Studio. Welcher Forestone Stärke könnte das denn am ehesten entsprechen?

    Du schreibst in deinem Blog, dass man eine Stärke härter wählen soll, allerdings variieren ja auch die Holzblätter ziemlich stark untereinander und angesichts des Preises würde ich gerne Fehlkäufe vermeiden…

    Gruß


    • Also eigentlich steht es recht ausführlich im Test. Wenn du eher die härteren aus der Schachtel bevorzugst, würde ich zu einem 4,5er raten. Außerdem ist ein Blatt leichter machen einfacher als umgekehrt.


      • Vielen Dank für die schnelle Antwort!

        Wie du sagst, wurde es in dem Artikel ja recht ausführlich besprochen, allerdings kamen mir Zweifel, ob die Umrechnung auch am oberen Rand der Skala noch so gleichmäßig sein kann. 5er Stärken (z. B. von Vandoren) wären also gar nicht reproduzierbar mit Forestone. Deshalb die Nachfrage :).


  9. Ich spiele seit Jahren auf meinem Tenor ein Fiberreed und würde gerne auch andere Marken ausprobieren, auch für mein neues Sopran. Gibt es denn eine Möglichkeit, verschiedene Kunststoffblätter auszutesten, ohne sie gleich kaufen zu müssen?


    • Aus gründen der Hygiene ist das nicht ganz so einfach. Aber in ausgewählten Shops gibt es jetzt für Forestone Trial Stations wo man sie im Laden ausprobieren kann (werden danach genauso desinfiziert wie bei Mundstücken). Aber mal ehrlich, bei ca 25€ kann man schon mal zum probieren kaufen. Oder willste etwa auch Holzblätter vorm kaufen probieren? Nen gutes Bariblatt kostet auch schon mal bis zu 5 Euro.


  10. Hallo Tobias,

    nach langen Recherchen über Kunststoff Blättern für mein Tenor-Saxophon bin ich auf dein Blog gestoßen – super Artikel, vielen Dank.
    Jetzt habe ich mich für die Forestone Blätter entschieden, würde am liebsten alle 3 Sorten kaufen (Black Bamboo, unfiled und Klassik), nur eine Sache bereitet mir Kopfzerbrechen, nämlich die Stärke. Da du dich ziemlich gut auskennst, wollte ich dich nach einem Tipp fragen: welche Stärke soll ich von den Forestone Blättern nehmen? Z.Zt. spiele ich Rico Royal Stärke 2.
    Danke im voraus

    Gruß
    Aga


    • Wie in den aktuellen Stärketabellen angegeben, es steht sogar auf den Packungen drauf, wie die sich zu Rico und Vandoren verhalten. Bitte habt verständnis, dass ich sowas nicht für andere ergoogle.

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