Vielleicht ist beim Sax die Fingertechnik in der Tat recht einfach im Vergleich zu anderen Instrumenten und wahrlich gibt es beim Sax schwerwiegendes, woran jeder arbeiten muß. Deshalb ist es wahrscheinlich kein sehr oft behandeltes Thema und zugegeben wer nur “Oh Tannebaum” spielen will, muß darüber auch nicht viel nachdenken. Aber dennoch meine ich, dass es oft auch unterschätzt wird, wie wichtig eine richtige Fingertechnik ist und ich habe schon einige, eigentlich fähige Saxophonisten gesehen, die es anscheinend versäumt haben, es von der Pike auf richtig zu lernen und langsam an ihre technischen Grenzen stoßen. Schade.
Aber vielleicht lege ich auch ein wenig zu viel Gewicht darauf, da ich ursprünglich vom Klavier komme, und dort eine gute Technik essentiell ist. Ich bin mir auch sicher, dass ich wegen dieser Vorerfahrung jetzt eine sehr gute Fingertechnik auf dem Sax habe und eigentlich nie technische Probleme.
Dennoch will ich dieses Thema hier einmal gründlich ab handeln. Zwar stehen in vielen Lehrbüchern irgendwelche Etüden oder zig Skalen aber wirklich auf das essentielle gehen diese selten ein.
Die richtige Haltung
Die Finger sollten rund sein und der Druck beim Schließen sollte eher von oben kommen. Das ist die natürliche Haltung und nur wenn sie unverkrampft ist kann sie wirklich schnell werden. Auf gar keinen Fall sollten die Finger gestreckt und gerade sein und der Druck seitlich von der Klappe kommen.
Ein guter Weg, sich zu kontrollieren ist, Fingerübungen vor dem Spiegel zu machen. Da fällt dann oft er auf, wie krüppelig man spielt.
Feel the Pearls
Damit ist gemeint, dass die Finger immer nahe an den Tasten bleiben und im Ruhezustand auf ihnen liegen. Viele spreizen die Finger förmlich ab, was aber zu längeren Wegen führt, wodurch man natürlich langsamer wird. Also beim öffnen der Tasten, möglichst wenig davon abheben.
Was ich auch öfter sehe, dass der linke kleine Finger wie beim Teetrinken absteht (sieht immer ein wenig verkrüppelt aus). Wer das mal kurz ausprobiert, merkt, dass sich sich dort die Sehnen und Muskeln in der Hand im Weg stehen. Also zwingt euch, auch diesen Finger auf dem Gis liegen zu lassen.

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Impuls
Das Öffnen und Schließen der Klappen sollten immer mit Impuls passieren. Klingt komisch, ist aber so. Nur weil man im langsamen Tempo spielt, heißt das nicht, dass sich die Finger langsam bewegen. Das ist unsauberes spielen, kann zu einem unsauberen Ton führen und dass beim Schließen mehrer Klappen nicht alle gleich decken und dies zu einem Quietscher führen könnte.
Eine tolle Übung dazu: Trocken spielen! Spielt Tonleitern ohne ins Saxophon zu blasen. Wenn ihr das richtig macht, sollte das Klappengeräusch absolut rhythmisch und “in Time” sein (übt mit Metronom). Das klingt vielleicht erstmal einfach, aber spätestens bei Cis-Dur wird das echt anspruchsvoll. Beginnt diese Übung erstmal sehr langsam.
Also: Kurze schnelle Wege und runde lockere Finger!
Zungenstoß
Nicht nur schnelle Finger sind für schnelles spielen wichtig, sondern auch eine schnelle Zunge die synchron mit den Fingern arbeitet. Eine gute Übung hierfür ist das:
Spielt eine Tonleiter (eine Oktave) hoch und runter, erst legato und dann gleich nochmal jeden Ton gestoßen.
Empfohlener Rhythmus: 488888848888884 (4=4tel; 8=8tel)
Nach dem ihr die Oktave zweimal hoch und runter gespielt habt, wiederhohlt ihr das einen Ton höher. Diese Übung sollte so schnell wie möglich gespielt werden, aber so, dass jeder Ton gut, gleich und rhythmisch gestoßen wird. Durch das Legato vor dem Stoßen, werden Ohr und Finger auf das Stoßen vorbereitet. Bleibt auch in C-Dur. Es geht in bei dieser Übung darum, die Zunge schnell und synchron zu bekommen. Die Übung durch Cis-Dur unnötig zu verkomplizieren bringt keinen positiven Zusatzeffekt. Es geht hier um die Zunge! Konzentriert euch darauf.
Alternativgriffe
Vielleicht liegt es wirklich nur daran, dass ich vom Klavier komme, aber ich persönlich bin Verfechter dafür, dass man als Saxophonist je beide Griffe für die Töne F#, Bb, C und F”’ kann und benutzt. Viele beschränken sich immer nur auf eine Variante. Jeder Griff hat seine Berechtigung und es gibt genug Situationen, bei denen manchmal der eine Griff deutlich technisch mehr Sinn macht als der andere (besonders in chromatischen Phrasen). Es ist reine Bequemlichkeit, den zweiten Griff zu ignorieren. Ich habe auch nicht immer alle Griffe verwendet, aber nun benutze ich ohne Nachzudenken beide Varianten, je nach dem, was wirklich besser für die Finger ist. Meine Meinung ist, wenn man die technischen Möglichkeiten gegeben hat, sollte man sie auch nutzen.
Palmkeyrisers
Gerade wer lange Finger hat, wird vielleicht schon mal bemerkt haben, dass für ihn die Palmkeys eigentlich zu tief liegen und dass dies gerade bei schnellen Wechsel zwischen einem Palmkeyton und einem aus dem normalen Register dies sehr unvorteilhaft ist, da beim Drücken der Palmkeys die Finger sich zwangsweise immer von den Tasten entfernen. Keilwerth bietet deswegen bei seiner SX90-Serie verstellbare Palmkeys an. Alle anderen jedoch können sich leicht mit so genannten Palmkeyrisers. Ich empfinde sie eigentlich als sehr komfortabel und haben mir so manche Passagen schon vereinfacht. Persönlich fixiere ich sie immer noch mit ein wenig Gewebetape, damit sie bei intensiveren Spielen nicht abrutschen.
Übmethodiken
Manchmal gibt es einfach einen Tonsprung, der einfach nicht klappen will. Einfach drüber hinweg spielen wird nichts bringen. Greift euch nur den Tonsprung raus und übt ihn gesondert. Spiel ihn in schleife im folgenden Rhythmus:
4884884884 Steigert langsam das Tempo.
Gerade bei meinen Schüler die total am Anfang stehen, lege ich da großen Wert drauf. Sie hatten ein Problem gehabt, den Wechsel von z.B. c” zum d” sauber zu spielen.Wie oben erwähnt, führt es zu Quitschern, wenn man die Klappen nicht alle gleich schließt. Es ist also nicht immer ein Problem des Ansatzes oder der Luftführung, wie bei so einem Problem zuerst vermutet wird und diese Übung hilft hier sehr gut.
Bei vielen schnellen technisch anspruchsvollen Stellen helfen folgende Methodiken:
Krebst euch von hinten durch. Spielt nur die letzten 4 Noten, wenn die setzen, übt die 4 davor, wenn die dann auch setzen, setzt diese Zusammen und erarbeitet euch so die ganze Passage.
Das ist die “Salamitaktik”.
Auch sehr hilfreich ist es, solche Passagen in verschiedenen Rhythmen zu spielen. Z.B. Triolisch, umgekehrt Triolisch (also die kurze Note zuerst) oder spielt 8tel (bzw 16tel) Gruppen mit immer einer rythmischen und tonlichen Gewichtung auf einer Noten der Gruppe: 4888 4888 4888 bzw 8488 8488 8488 usw.
Die Lange Note dient einerseits als Ruhepunkt wie auch Impuls. So geht die Passage besser richtig in die Finger.
Damit habt ihr gutes Rüstzeug um euch eine vernünftige Technik anzueignen. Wenn ihr weitere Tipps und Anregungen oder Fragen habt, hinterlasst einfach einen Kommentar.
Danke, ich komme auch vom Klavier und habe ebenso kaum Probleme mit den Alternativgriffen.
Ich kenne auch welche, die ganz verwirrt werden, wenn man eine andere Griffweise nur erwähnt…
Schade, denn es würden ihnen bestimmt mal helfen.
Danke für den Tip mit den “vier Noten von hinten”, den werde ich beim nächsten Üben gleich mal ausprobieren.
die tipps sind ganz in ordnung
nur es gibt fürs b mehr als 2 griffe
doppelklappe,seitenklappe,f und e klappe
manchmal auch die d klappe…
und fürs d gibts auch merh griffe
je nach dem was man spielt
das mit dem krebsen nennt man auch salamitechnik ^^
man schneidet vorne ne scheibe ab und läst die weg und fügt sie iwan wieder hinzu und so
das is echt effektiv
lg
Moin Flo,
schön, dass du die Tipps als in Ordnung einstufst
Klar, für vieles gibt es mehr Griffe
Aber irgendwann kommt der Kopf da auch nicht mehr mit
Deinen habe ich z.B. gar nicht verstanden
Fürs B fällt mir spontan noch der Trillergriff ein
h greifen und mit f trillern
Sag mal, stehst du auf Smilys?
Persönlich mag ich die gelben Fratzen nicht so sehr