Hip Licks von Greg Fishman – das neue Must-Have für jeden ambitionierten Jazzsaxophonisten

In meinem Artikel über Swing-Phrasierung konnte man ja schon Lesen, dass ich von den Swing-Etüden von Greg Fishman sehr angetan bin. Dieses Jahr hat Greg nun etwas besonders feines raus gebracht: hip licks for saxophone
Wie der Name schon sagt, ist es eine Licksammlung, aber auch noch viel mehr. Es ist eine neue Art Übungsbuch, dass man vielfältig einsetzen kann.

Ich selber bin alles andere als ein Lick-Lerner. Ich bin auch kein Fan von lickbasierten Solos. Aber dennoch bin ich von „Hip Licks“ begeistert. Und das hat etwas mit den vielfältigen, kreativen und sinnvollen Übungsmöglichkeiten zu tun, die man mit diesem Heft hat.

Natürlich kann man die Licks lernen, die wirklich aktuellen NewYork-Bop (cooler geht’s kaum) bieten und zudem für Saxophonisten immer technisch sehr gut „in der Hand liegen“. Allerdings einfach sind sie nicht. Ganz klar wird hier schon einiges voraus gesetzt und Anfänger dürfte es  wohl überfordern.
Die Licksammlung ist systematisch aufgebaut für verschiedene Situationen, wie z.B. Licks II-Ver, II-V-Ier in moll und dur, dominant7, Minor usw.
Zudem geht jede Lickeinheit einmal durch alle Tonarten. Dabei bewegt er sich entweder einen Halb- oder Ganztonschritt nach oben und nach unten.
Dieser einfache Aufbau macht das Heft und besonders die CDs so ideal zum üben, denn so kann man jeden Lick (also auch eigene) damit üben, ausprobieren, austüfften, verfeinern und durch alle Tonarten jagen. Genialerweise gibt es die CDs in zwei Geschwindigkeiten. Einmal in flottes übungstempo und einmal in Parkerlike. (Warm anziehen, wenn ihr das Zeug vom Blatt in schnell spielen wollt)
Zudem gibt es die CDs auch sowohl für Bb als auch Eb. Das macht sage und schreibe 4 CDs!

OK, zum Licklernen ein tooles Tool. Nun gibt es aber viele Spieler, die – meiner Ansicht nach zurecht – nicht Fans von Lickorientiertem Spiel sind. Auch für die bietet das Heft einiges. Die Licks kann man natürlich wie die Etüden oder Solotranskriptionen nutzen um eine gewisse „Stilechtigkeit“ zu bekommen. Professionelle Saxophonisten werden nicht drum rum kommen, wenn sie authentisch Be-Bop spielen wollen, sich mit dieser Sprache (also Licks, Wendungen, Motive usw.) zu beschäftigen. Es gibt leider unrühmliche Extreme, die dann nur noch Parkerlicks aneinander reihen ohne etwas eigens zu spielen, aber nur Chromatische Zeugs über Ornithology zu zocken ist halt geschummelt und geübte Ohren hören das sehr wohl. Nicht ganz zu unrecht beschweren sich einige „Jazztraditionalisten“ darüber, dass viele nur noch den „new shit“ spielen wollen.
Man muß die Licks allerdings nicht auswendig Lernen. Greg gibt in seinem Heft und in diversen Youtubevideos (siehe unten) mehrere hervorragende Übeideen. Z.B. einen Lick durch verschiedene Tonarten zu transponieren (höllisch schwer, da dich Licks an sich schon anspruchsvoll sind), sie rhythmisch zu verschieden, zu variieren, nur nach dem Gehör nachzuspielen, die Licks fortführen usw usw.
Es gibt eine Unzahl an Möglichkeiten, mit denen man sich sehr intensiv und lange auseinander setzen kann.
Und dafür, dass das Heft mit Porto aus den USA gerade mal um die 30 Euro kostet, ist das verdammt viel. Ja, leider muß man sich das Ding importieren, weil noch kein Deutscher Verlag erkannt hat, wie gut seine Heftchen sind. Allerdings gibt es eine zunehmende Anzahl deutscher Fishmann Fans weshalb sich das hoffentlich bald ändern dürfte.
Wer das allerdings nicht abwarten kann, ordert am einfachsten auf seiner Homepage. Bei der Gelegenheit könnt ihr ja mal lieb von mir grüßen.
Eine weitere Kritik zum Heft findet man übrigens auf dem Blog von Markus Zaja:
http://zajakonzerte.wordpress.com/2012/02/15/the-new-book-hip-licks-by-greg-fishman/

Wie gesagt, ich kann das Heft jedem ambintionierten Saxphonisten nur wärmstens ans Herz legen und für Anfänger und Hobbyleute habe ich Greg schon angeregt, dass er da vielleicht etwas leichtere Kost in dem Stil nachschieben sollte.

http://www.gregfishmanjazzstudios.com/

PS: Wer es denn schon hat, kann ja mal genauer in die Liste der Danksagungen rein schauen.

 

2 Gedanken zu „Hip Licks von Greg Fishman – das neue Must-Have für jeden ambitionierten Jazzsaxophonisten


  1. Hätte es dieses Buch vor 25 Jahren gegeben, wäre ich jetzt nicht „nur“ Rock-Amateurmusiker (nein, das ist keine Wertung). Da hatte man brav Niehaus und die Patterns For Jazz geübt und stand nun vor den rotierenden Aebersold-Platten wie die Kuh wenn’s donnert und es klang alles sch….. Immer schön die Skalen üben und dann zu den Akkorden spielen – leider immer noch weit verbreiteter Unsinn. Jazz ist kein Skalendudeln sondern Musik. Und so ein Lehrwerk wie die Hip Licks ist gerade für den Einstieg in den Jazz allemal mehr wert, als alle Kirchentonleitern, Lydisch b7 und ähnlich Quatsch durchzuquälen (das kommt dann noch). Und wer jetzt meint Licks zu üben sei nur Abgekupfere, sollte sich mal den frühen Coltrane anhören, kling erschreckend (im Positiven) nach Dex. Das ist der Weg: erst mal Licks – dann erschließt sich auch der Sinn von Skalenübungen. Und da Greg Fishman auf den CDs die Licks sehr schön vorspielt, hat man gleich noch tolles Material für eine gute Tonvorstellung, so ist auch den Schülern mit nicht so dollen Lehrern geholfen. Also für den fortgeschrittenen Anfänger und Hobbiisten durchaus zu empfehlen. Und das man in Rock- und Funksoli gerne mal Bebop-Licks einbaut ist nun auch nichts neues mehr. Mehr solcher Entdeckungen bitte Tobias! Toll


  2. Hallo lieb JaZzer und alle die begeistert auf dem Weg dort hin sind….

    Mir helfen diese Licks beim motiviertem Üben ungemein, meist hänge ich noch was hintendran und freue mich wenns gut klappt. Am Anfang dachte ich meine Finger würden nun bald den Dienst quittieren, aber schöne Läufe und richtig ausdrucksstarke Figuren sind eben nicht so mal eben dahin gespielt.
    Mir hat am meisten sein Video geholfen wo er mit den beiden Licks 61-62 zeigt wie wichtig es ist, nahezu unverzichtbar, die Finger immer auf den Tasten zu lassen. Dadurch ist es mir erst möglich geworden seine Licks auch wirklich genau nachzuspielen. Klasse Vorgehensweise bin absolut zufrieden. Gregg ist nicht nur ein sehr guter Lehrer, in diesen Video berichtet er auch das er ganz früher seine Finger mit Velcro Klett umwickelt hat, die Tasten mit dem Gegenstück natürlich, und er so das ,,Fingeraufendentastenlassen“ geübt hat. Nebenbei bemerkt er das dies nicht wirklich eine schöne Zeit für ihn war. Ich habe mich köstlich darüber amüsiert weil ich es schon mal mit Doppelklebeband versucht habe aber gescheitert bin. Danke für diese Tipps und den Spaß den er mitrüberbringt.

    Achim

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