Neues aus dem Hause Fiberreed

FiberreedsAnmerkung des Autors:
Der Artikel ist nun etwas älter. Inzwischen spiele ich auf allen meinen Instrumenten Forestoneblätter.
Auch hat der Straight Cut inzwischen eine weitere Überarbeitung erhalten.

Wie einige von euch wissen, bin ich ein großer Fan von Kunststoffblättern und meine „weapon of choice“ sind die Carbon Fiberreeds von Harry Hartmann. Da mein kleiner Vorrat durch die Intensivnutzung sich langsam dem Ende neigte, mußte ich neue bestellen.
Außerdem hat Harry auf der letzten Frankfurter Musikmesse seinen neuen revolutionären Blattschnitt, den „straight cut“, vorgestellt. Ich war also eh scharf die neuen Blätter auszutesten. Also bestellte ich eine Ladung für Tenor, Alt, Sopran, Bariton und Klarinette.

Über Kunststoffblätter allgemein und deren Vorzüge, wie Langlebigkeit, Konsistenz usw., möchte ich hier eigentlich nicht noch einmal alles schreiben, da ich das schon in dem großen Kunststoffblättertest getan habe. Das war mein erster Artikel und daher vielleicht noch ein wenig ungeschliffen. Vielleicht sollte ich den mal bei Gelegenheit mal überarbeiten.

Das revolutionäre an dem neuen Schnitt ist, dass er „gerade“ ist. Wie wahrscheinlich bekannt ist, stammen die Holzblätter von Bambusrohren. Daher kommt auch diese Wölbung im Herzen. Doch bei Fiberreed dachte man sich anscheinend: „Braucht man das eigentlich noch bei einem synthetischem Blatt?“, weshalb die neuen Blätter nun flach sind, also keine Wölbung mehr haben.
Der Straight Cut ist inzwischen für alle Blätter zu bekommen.
Diesen Schnitt hat sich Fiberreed übrigens patentieren lassen, also nicht zuhause mal eben nachschnitzen.

Ich hatte nun genug Gelegenheit den neuen Schnitt mit dem alten zu Vergleichen. Besonders habe ich mich auf das Carbon Tenor (M) konzentriert. Hier habe ich 5 Alte gegen 8 Neue getestet um einen möglichst allgemein gültigen Eindruck vom Unterschied zu bekommen. Auch habe ich das Carbon gegen den Natural Classic Schnitt getestet.

Fiberreed Carbon straight cutWie klingt und verhält sich nun der Straight Cut? Ich würde nicht so weit gehen, es eine Revolution zu nennen, aber der Unterschied ist mehr als deutlich. Besonders angenehm finde ich, dass sie viel leichter und angenehmer Ansprechen. Damit ist nicht gemeint, dass sie sich leichter spielen im Sinne von einer halben Stärke schwächer. Nein, sie sprechen einfach müheloser im ganzen Spektrum an. Als ich nach meiner Eingewöhnungszeit wieder die alten Blätter auflegte, fühlten die sich fast so an, als würden sie sich quer stellen. Zudem finde ich auch, dass der gerade Schnitt auch besser klingt. Erstens ist er noch ein kleines bisschen lauter, sonorer, hat mehr Resonanz, ist ein wenig heller. Der alte Schnitt klingt zwar etwas dunkler und weicher, es ist aber nicht so, dass beim neuen Schnitt im unteren Frequenzspektrum etwas weggenommen wurde. Es ist eher so, als würde oben noch etwas draufgesetzt werden, als hätte der Klang einen besonderen „Glanz“.
Obwohl der Schnitt jetzt gerade ist merke ich im Mund eigentlich keinen wirklichen Unterschied auch sonst gibt es keine Ungewohntheiten beim Verhalten des Blattes, außer, dass es sich leichter spielen lässt.

Das Carbon ist nun schon ein recht lautes und „funky“ klingedes Blatt. Ich nenne es deshalb gerne mal „den Tiger unter den Saxophonblättern“. Wem dieses Reed zu „brutal“ klingt der soll ruhig das Natural Classic probieren. Auch dieses hat mich richtig begeistert und auf der Klarinette, Sopran und Alt (klassisch) bin ich dazu gewechselt. Es ist nicht ganz so laut wie das Carbon klingt dafür aber deutlich runder und ausgeglichener. Der Klang ist eher erdig und dunkel, also wie man es von einem Klassikblatt erwartet.

Allgemein finde ich, dass die Angegeben Stärken eher etwas härter ausfallen. M entspricht nach Hersteller angaben 2,5. Persönlich kommen mir die M Blätter eher wie eine 3er statt einer 2,5er Stärke vor. Besonders deutlich habe ich das so bei den Alto Classic Blättern empfunden.
Also wer gerne deutlich eingespielten Holzblättern benutzt, sollte beim Testen der Fiberreeds vielleicht eine halbe Stufe von der sonstigen Stärke abziehen.

Besonders erfreulich ist, dass ich noch einen weiteren Sprung in der Fertigungsqualität bemerken konnte. Damit meine ich, wie gleich die Blätter ausfallen. Die Qualität war schon vorher gut und zwischen den Blättern gab es nur kleine Unterschiede. Dieses Mal konnte ich nur marginale bis fast gar keine Unterschiede zwischen den ganzen Blättern feststellen. Von den 40 Blättern, die bei mir auf dem Schreibtisch lagen, fiel eigentlich nur eines etwas raus. Also so, als würde man zwei orange Ricos aus einer Packung vergleichen. Vielleicht erleichtert der neue Schnitt auch die Produktion. Unter anderem wurden auch die Preise der Fiberreeds etwas gesenkt (etwas eher seltenes heutzutage).

Fiberreeds Tenor sopran alt neuWie schon in meinem ersten allgemeinen Kunststoffblättertest komme ich zum Fazit, dass man diese synthetic Blätter ausprobieren sollte. Mich haben die Fiberreeds vollkommen überzeugt und ich benutze sie jetzt auf jedem meiner Instrumente (naja, bis auf das Klavier).
Ich weise aber nochmal darauf hin, dass man den Kunststoffblättern eine gewisse Eingewöhnungszeit geben muß. Wie bei Holzblättern wird nicht jedem jeder Schnitt passen, weshalb es nicht heißen muß, dass wenn das Synthetikblatt bei einem selber nicht klingt, alle Synthetikblätter schlecht sind, so wie oft schnell verallgemeinert wird.
Im letzten Test meinte ich noch, dass die Kunststoffblätter nicht besser oder schlechter als Holzblätter sind, sondern nur eine Alternative zu diesen. Nach meinem neuen sehr ausgiebigen Test bin ich mir da nicht mehr ganz so sicher und ich bin gespannt, was die Entwicklung in diesem Bereich noch bringt.  Für mich ist der Straight Cut ein Schritt vorwärts aber wie schon in meinem alten Artikel zum Schluß meinte:

Einfach selber testen!

9 Gedanken zu „Neues aus dem Hause Fiberreed


  1. Die normalen Fiberreeds habe ich vor Kurzem erst getestet. Muss aber sagen, dass ich nach einiger Zeit wieder bei meinen Francois Louis gelandet bin. Ich werde mir das Fiber aber definitiv für den Bandkontext aufsparen, da könnte es mir vielleicht noch ganz ausgezeichnete Dienste leisten (bisher habe ich es nur im Orchester oder Quintett benutzt und da habe ich einfach mit dem Holz schönere Ergebnisse erzielt).

    Der neue Schnitt klingt nun auch wieder verführerisch, mal sehen, vielleicht flattert mir davon auch nochmal eins ins Haus. Positiv ist auf jeden Fall, dass hier mal eine richtige Innovation gewagt wurde und ich würde jedem Saxophonisten empfehlen, vor seiner nächsten Neuanschaffung im Bereich Blätter mal so ein Ding zu testen. Kostet zwar etwas mehr, hält dafür aber wahrscheinlich auch so lange, wie eine Packung Holzblätter zum selben Preis 😉

    Schönen Gruß, Gabriel


  2. „Viel zu teuer!“ ist mein erster Gedanke.
    Aber wenn ich nachrechne, habe ich in 6 Monaten mit meinem Bari fünf oder sechs Blätter gekauft – rechne ich mal mit Porto 4 EUR je Blatt, bin ich auch schon bei 20-25 EUR – dabei fällt mir, ein, dass ich dringend zwei neue Blätter benötigt.
    Leider hast Du expizit zum Bari nichts geschrieben.
    Sind jetzt alle Blätter bei Fiberreed mit dem straight cut?
    Das habe ich auf dem Hartmann seine Seite nicht herauslesen können. Weißt Du es genauer?


    • Den Straight Cut gibt es jetzt für alle Blätter. Auch für Bariton, eines habe ich mir sogar eines davon gekauft. Gerade beim Bari rechnet sich das wirklich schnell. Was kostet ne 5er Packung gute Barireeds? Teilweise über 30 Euro. Ein Fiberreed hält ungefähr so lange wie 20 Blätter (die schlechten mal gar nicht mitgerechnet). Auf jeden Fall sind Kunststoffblätter insgesamt billiger.


    • Es gibt alle Blätter in beiden Varianten. So war das zumindest mal. War eben auf der Seite, hab aber die geraden nicht mehr entdecken können. Harry wird sie doch nicht wieder aus dem Sortiment genommen haben?


      • Asööööö… Da ist der werte Herr Hartmann wohl ein besserer Fabrikant als Webmaster.
        Von der Klassikversion habe ich beide Varianten, den Materialmix scheint er mit dem Straight-Cut auch noch mal verbessert zu haben, das Blatt fühlt sich nicht mehr so hart an.


  3. Hi!
    Ich bin jetzt auch Fiberreed-Carbon-Straight-Cut-Nutzer!
    Habe bisher keine anderen Plastikblätter probiert, aber mit diesen bin ich echt zufrieden.
    Die halten (wohl(mehr dazu unten)) echt sehr lange, der Sound ist für mich sehr in Ordnung und sie sprechen immer wunderbar an. Sogar wenn bei hartem Live-Einsatz ein paar Scharten und Ecken an der Spitze entstehen. Vor kurzem brach mir gar bei einem wilden Konzert ein gutes Stück aus dem Blatt heraus…und es spielte immer noch!!! Bei einem Holzblatt geht sowas nicht! Jedenfalls nicht so gut.
    Aber danach mußte schon ein neues her… Bei pfleglichem Umgang könnte ich mir vorstellen schon einige Monate drauf zu spielen…. Der Langzeittest wird’s zeigen…
    Immer schön weiterbloggen! Man schaut immer wieder gerne mal rein! 😉


  4. So, mein Fiberreed hat jetzt nach etwa 3 Monaten täglicher (1 Std) Benutzung plötzlich einen sehr hässlichen Klang, ich dachte zuerst das liegt an der kleinen Verbiegung der Blattspitze, aber nach dem „begradigen“ spielt es sich immer noch so schlecht. Es hat auf einmal (vom einen auf den anderen Ton) so einen stechenden Ton (Sound ist das nicht mehr) gehabt (Vergleichbar mit diesem Video: http://www.youtube.com/watch?v=GspthLE1Fzo , bloß auf das Sax übertragen, und etwas weniger schlimm.), wirklich Plastikhaft, was ich von den Fiberreeds gar nicht gewohnt war. Die Ansprache hat sich dagegen eigentlich nicht verändert.
    Woran kann das liegen?

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