Sprechstunde Nr.3

In der Sprechstunde werde ich von Lesern eingeschickte Fragen rund um das Thema Saxophon beantworten. (oder versuche es zumindest).

Nathalie K. aus Osnabrück fragt:
…bin zur Zeit ab und zu am quitschen, vorallem wenn das Sax warm ist-trotz Blättchenwechsel ..(spiele 2 auf Alt)
was könnte das denn noch bedeuten?

Hallo Nathalie,
meist liegt das nicht am Equipment. Ein Sax kann immer mal irgendwo undicht sein oder ein Blatt besonders zickig. Ersteres würde man allerdings auch an anderer Stelle merken (z.B. wenn die Tiefen relativ schwer gehen) und zweiteres kann man ausschließen, wenn man das Blatt wechselt.
Meist liegt das aber am Spieler. In meiner Erfahrung könnte eines oder eine Kombination dieser Faktoren sein: schlechter (zu verspannter) Ansatz, schlechte bzw. falsche Luftführung, schlechte Fingertechnik.
Eines der Sachen, die das Saxophonspielen schwer machen ist, dass nicht jeder Ton gleich gespielt wird. Tiefe Töne erfordern einen anderen Ansatz, Luftführung, Stütze, Zungenstellung als Hohe.
Wahrscheinlich kommt das Quiten bei bestimmten Tönen nach bestimmten Tonsprüngen? Oft ist es so, dass bei einem Tonsprung der Zweite genauso gespielt wird wie der Ersten und es das dann „einfach nicht passt“. Gerade bei Oktavwechseln passiert das gerne. Bei einem Oktavsprung nach Oben ist die Grundschwingung der Luftsäule doppelt so schnell, auch das Blatt schwingt schneller. Da müssen natürlich Ansatz und Luftführung dazu passen.
Zudem kann z.B. von einem a‘ auf einem d“ es auch gerne passieren, dass die Finger sich nicht alle gleichzeitig schließen. Dann ist für einen Bruchteil einer Sekunde „ein Loch“ in der Tonsäule wenn sich der Ton aufbaut.
Zuletzt, wenn es einmal gequitscht hat, verspannt man sich erst recht und dann wird’s nur noch schlimmer.
Vielleicht kommt dann das Quitschen nicht öfter, weil das Sax warm ist sondern du müde?
Eine Ferndiagnose ist bei sowas aber kaum möglich, aber es hilft erstmal genau zu kucken, welche Töne quitschen und bei welchen Tonsprüngen. Sich dann entspannen und die betroffenen Töne ganz Zen-mäßig als Longtones zu üben. Zu „spüren“ wie sie sich anfühlen. Dann schaut man sich den Tonsprung an und übt langsam und extrem präzise die Fingertechnik.
Wichtig: nicht über die Frustgrenze üben. Man kann sich nämlich auch falsches antrainieren. Wenn es nur noch quitscht, Pause machen und es später oder am nächsten Tag entspannt nochmal angehen.

Rene E aus Pirna fragt:
Hallo. Ich habe bei meinen Tenorsaxophonen das Problem mit dem mittleren D. Wie kann ich dieses Problem in den Griff kriegen?

Hallo Rene,
das d“ ist einfach konstruktionsbedingt ein Problemton auf dem Sax. Es liegt ganz doof im Knie und dann ist da nur ein Tonloch offen gefolgt von einer geschlossenen Klappe, was auch nicht sooo ideal ist.
(Es gibt da einen witzigen Tipp, der angeblich von einem NASA-Ingenieur stammt, dass man doch einen Sektkorken ins Sax legen kann, da dieser Luftverwirbelungen bewirkt so dass die Luftsäule leichter den Bogen kriegt. Man kann’s ja mal probieren 😉 )
Aber auch hier gilt die Universalantwort: Longtones!
Zu 0,01% schwingt sich das Saxophon dann auf diesen Ton besser ein, der Rest ist, dass man diesen Ton einfach besser bedienen kann. Wie oben erwähnt, will jeder Ton minimal anders angespielt werden. Das d“ braucht da einfach mehr Aufmerksamkeit.
Hilfreich finde ich auch, den Ton in langen noten zu seinen Nachbarn (c, c#, d# und e) und dabei versuchen, dass die Klangfarbe zwischen diesen Tönen möglichst gleich ist. Das übt auch einen schöneren klanglichen Übergang zwischen den Oktaven.

Max B. aus Bonstetten fragt:
Ich spiele Tenorsax. Mein Problem: Es gelingt mir nicht, den Sound den ich im Sitzen habe, in die stehende Position rüber zu bringen. Im Sitzen kann ich das Sax relativ weit nach vorne schieben und der Becher ist am Knie angelehnt. Wenn ich im Stehen nun das Gleiche erreichen möchte, muss ich das Sax – gerade vor dem Bauch – relativ weit nach vorne drücken mit einem Abstand von ca 20-30cm. Dafür brauche ich aber wegen meinen Körperproportionen, die halt sind, wie sie sind, zu viel Kraft mit dem rechten Arm, so dass die Finger nicht mehr locker und frei – und damit virtuos – sind.
Mein Instrumentenmacher hat mir deshalb ein „Abstandshalter“ gebastelt, den ich am Sax festschrauben kann. Ich habs am letzten Gig ausprobiert, der Sound:wunderbar; aber die Konstruktion ist letztendlich völlig instabil.
Hat jemand dasselbe Problem oder weiss gar eine Lösung?

Hallo Max,
oha, ich glaube, du hast erstmal eine sehr ungewöhnliche Saxophonhaltung. Normalerweise haben Spieler das umgekehrte Problem, dass sie sitzend nicht so gut spielen, weil sie dabei lässig mit gekrümmten Rücken ihre Atmung stauchen.
Ich vermute du spielst Tenor? Beim Alto ist das ja nicht so ein Problem, das Sax nach vorne zu schieben.
Generell, sollte der rechte Arm, nie das Sax tragen sondern nur nach vorne schieben und das Gewicht vom Gurt getragen. Die meisten kommen dann im Stehen aber damit hin, das Tenor auf dem Bein noch abzulegen.
Im sitzen wird das Tenor an der Seite geführt. Daher vermute ich, dass du dein Sax allgemein schon zu weit nach vorne schiebst. Aber das hat auch auch auswirkungen auf den Ansatz, also in welchem Winkel das Mundstück dann bei dir im Mund landet. Kann es sein, dass deinen Luftstrom sehr auf das Blatt fokussiert? Warum musst du denn das Sax soweit nach vorne schieben?
Ich weiß echt nicht, ob deine Körperhaltung allgemein stimmig ist beim spielen. So wie du das beschreibst, vermutlich nicht. Wenn ich recht haben sollte, reicht da ein kleiner Onlinetipp nicht aus, sondern dann sollte sich das mal ein guter Saxophonist anschauen, der etwas Erfahrungen mit Körperhaltungen und Körpergefühl hat, denn so eine falsche Haltung wieder raus zu bekommen ist echt nicht ganz leicht.

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Auch soll dies kein Lehrerersatz sein. Also bitte nicht böse sein, wenn ihr keine Reaktion bekommt. Vielleicht schaut ihr auch kurz vorher nochmal in die F.A.Q., da ist auch schon diverses beantwortet.
Aber ich würde gerne öfter eine Sprechstunde schreiben, daher traut euch mir zu schreiben.
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