Zwar bin ich selber doch noch relativ jung, aber als Spieler und Lehrer sind mir inzwischen eine Unzahl anderer Saxophonisten begegnet. Und über die Zeit ist mir aufgefallen, dass immer wieder die gleichen Fehler beim spielen gemacht werden. Auf die 3 häufigsten möchte ich heute mal eingehen, da ich sie persönlich für essentielle Basics halte.
Ich weiß nicht wirklich, warum diese immer wieder auftauchen. Vielleicht liegt es an zweitklassigen Lehrern, die das einfach nicht vermittelten oder daran, dass man gar keinen Lehrer hatte. In der Tat gibt es wenig Schulen, in denen diese Themen in der nötigen Ausführlichkeit behandelt werden. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass viele beim Erlenen einen leichten schnellen Weg bevorzugen und dann die substanziellen aber etwas mühseliger zu übende Dinge außer Acht lassen.
Jeder der meinen Blog regelmäßig liest, weiß dass ich kein Verfechter davon bin, dass es nur eine absolut richtige Spielweise gibt. Denn das Saxophon spielen ist eine sehr individuelle Sache und nicht jeder Spieler will das gleiche noch funktioniert bei jedem Spieler eine Technik gleich gut. Dennoch gibt es ein paar sehr universelle Fehler.
Nun kann sich hier jeder selbst kontrollieren, ob sich bei einem ähnliche Fehler eingeschlichen haben. Gute Hinweise wie es besser geht findet man in Lektionen. Besonders den Longtoneartikel möchte ich empfehlen.
1. Beißen
Eigentlich ist das allgemein bekannt, dennoch sieht und hört man es immer wieder. Sehr oft passiert das in Kombination mit dem klassischen Ansatz, da dieser sehr zum Beißen verleitet. Beim modernen Ansatz würde man sich mehr in Fleisch beißen, aber da gibt es auch ein paar Harte, die das inzwischen gar nicht mehr merken.
Ein Saxophon ist was die Spielweise zur Klarinette doch unterschiedlicher als man landläufig meint. Was auf der Klarinette im Detail funktioniert oder richtig ist, muß so nicht unbedingt für das Saxophon gelten. Ich denke ein Faktor, warum man diesen Fehler immer wieder antrifft ist, dass viele Klarinettisten nebenbei auch Saxophon unterrichten.
Beim Beißen wird mit dem Kiefer Druck ausgeübt. Das ist um einiges einfacher, als wie man es eigentlich sollte, den Druck durch die Ringspannung der Lippen zu erzeugen (“Öööööööö!”). Aber durch das Beißen, wird das Blatt ungünstig qequetscht/abgeklemmt/behindert. Es kann nicht so frei schwingen, wie es sollte. Dadurch wird der Ton dünner und es kommt zu einer unschönen Zusammensetzung der Obertöne.
Ein gutes Indiz für das Beißen beim Saxen ist das berüchtigte “Klarinettenlächeln”. Die Lippenecken zeigen nach außen, was zeigt, dass Druck nur von Unten und Oben kommt. Die Ringspannung (“Öööö”) kommt eher so zustande, dass man die Lippenenden auf einander zu bewegt (Kußmund). Das gilt so eigentlich auch für den Klassischen Ansatz.
Der Kiefer gehört locker beim spielen, aber das ist gar nicht mal so leicht. Wenn ihr euer Kinn greift, könnt ihr es dann ganz lässig schütteln/wackeln lassen oder versteift ihr?
2. Luftführung
KnowHow zur Luftführung scheint doch meist noch Geheimsache zu sein. Viele Saxophonisten spielen nämlich ohne eine bewusste Luftführung. Sie pusten nur irgendwie rein, Hauptsache der Ton kommt.
Dabei ist die Luftführung so essentiell für Lautstärke, Volumen, Projektion, Klangfarbe und Intonation. Wer diese beherrscht kann seinen Sound bewusst modulieren.
Es gibt viele Faktoren, die die Luftführung beeinflussen: Atmung, Stütze, Formung des Hals- und Rachenraums, Zungenstellung, Winkel des MPCs im Mund.
Ihr seht, das ist ein weites Feld, das ich hier gar nicht in aller Gänze behandeln könnte (eher in Buchform). Wichtig ist, dass man sich den Faktoren bewußt wird und man sich damit mal auseinander gesetzt hat.
Im schlimmsten Fall kann es in Kombination mit Beißen zu einer völlig verfehlten Obertonzusammensetzung kommen, so dass der Ton in sich falsch intonierend klingt.
Was meistens aber ist, dass zu wenig Luft verwendet wird. Probiert mal, mit der Luft verschwenderisch zu sein.
Und vergesst natürlich die berüchtigste Stütze nicht. Hier geht es eigentlich darum, dass der Luftstrom aus dem Bauch überzeugt, stabil und sicher kommt.
3. Haltung
Damit ist jetzt alles gemeint von abstehenden linken kleinen Finger über an den Körper abgepressten Armen bis hin zu völlig abstrusen Saxophonhantierungen. Alle merkwürdige Haltungen, Bewegungen oder Verkrampfungen sind suboptimal für das spielen.
Eine Verkrampfung im Unterarm führt schnell auch zu Verkrampfungen des Ansatzes. Der Körper ist eine Einheit. Das klingt jetzt zwar hochgradig esoterisch, ist aber so. Daher sollte man weder zu steif noch zu locker sein.Entspannt, aber nicht zu sehr, eher ein leichte Grundkörperspannung, wie man sie beim Sport braucht.
Beobachtet euch selbst mal beim Spielen, sieht das bei euch cool und entspannt aus ohne zu lässig zu wirken? Wenn nicht, ist wahrscheinlich irgendetwas suboptimal.
Der Körper sollte in einer aufrechten Haltung sein. Der gerade Rücken ist notwendig für eine freie Atmung und wegen dem Gewicht des Saxes, dass auf eurem Hals liegt. Der Rechte Arm schiebt das Saxophon nur nach vorne – nicht das Saxophon heben wollen – so, dass das Sax vor einem frei hängt. Das Mundstück sollte jetzt von selbst direkt in eurem Mund landen. Nicht den Kopf zum Mundstück bewegen oder sonst wie verdrehen. Das Sax muß nicht ganz vertikal vor euch hängen, es darf (besonders Tenor und tiefer) auch leicht schräg zum Körper gehalten werden. Aber so übertreiben wie Lester Young muß man es nicht gleich. Unterlasst den Versuch, das Sax irgendwie am Körper abzustürzen, dass ist meist auch eher schädlich als nützlich.
Irgendwie könnte man alles, was hier aufgeführt wird, auf fehlendes Körperbewußtsein beim spielen zurückführen. Nicht ohne Grund arbeiten Sänger bei ihrer Ausbildung da viel dran und gerade das Sax ist dem Singen in vielen Dingen ähnlicher als man denkt. Oft gelten die gleichen Sachen.
Daher ist eine Ferndiagnose schwer bis unmöglich. Auch ist es nicht leicht, da alleine dran zu arbeiten. Dabei hilft es sehr, wenn man einen guten Lehrer hat, der einem da führt.
Einen weiteren Punkt möchte ich jedoch noch erwähnen, der auch immer wieder vorkommt. Da es sich aber nicht direkt um einen Spielfehler handelt, zähle ich ihn nicht als 4. Punkt. Es geht um das Equipment. Viele Spieler überschätzen sich beim Mundstück. Sehr oft sehe ich bei Hobby- und Gelegenheitsspielern Mundstücke mit riesigen Bahnöffnungen. Gerne Metallmundstücke mit einer großen Stufe und kleinen Kammern. Dazu noch Blätter, die eigentlich eine halbe Nummer zu hart ist. Das halte ich für totalen Quatsch. Bahnöffnungen über 7* sind definitiv zu hoch gegriffen, wenn man nicht täglich ein bis zwei Stunden spielt.
Auch ich hatte so eine Phase wo ich mich mit dem Equipment überschätzt hatte und ich habe meinen größten Soundsprung gemacht, als ich mich auf ein Meyerclon mit 5*er Öffnung “reduzierte”. Zwar war ich nicht mehr so laut und durchdringend, hatte aber dafür einen volleren Ton und konnte auch mal 3 Stunden ohne Probleme spielen.
Vielleicht hat sich der eine oder andere sich jetzt hier teilweise selbst erkannt und bzw. ein Problem an seinem Spiel, dass er jetzt beheben kann. Ich hoffe sehr, dass der Artikel zumindest ein bisschen Hilft, diese 3 häufigsten Fehler nicht mehr ganz so oft anzutreffen.
Hey, sehr coole Seite!
Ich suche im Internet schon lange nach Seiten mit Neuigkeiten und Tipps und Tricks zum Thema Saxophon. Aber es schien immer nichts vernünftiges zu geben. Immer nur zu Gitarre, Klavier, Bass, Schlagzeug, …
Deine Seite ist genau das, was ich gesucht habe. Deine Berichte machen mir das Saxophonspielen wieder schmackhaft!
Danke,
Timmy
Toller Beitrag, in dem wirklich in jedem Satz etwas Wahres drinsteckt. Jeder wird irgendwie ein paar Töne aus einem Saxophon rausbringen. Aber ob sich das schön anhört und auf Dauer für den Spieler selber angenehm ist, steht auf einem anderen Blatt. Von professionellen Ambitionen will ich gar nicht reden.
In der Tat sind viele Musiklehrer einfach nur schlecht, machen Pflichtübung, mehr nicht. Ich habe kürzlich einen fast traurigen Fall eines jungen Musikers erlebt, der eigentlich mit einem Musikstudium liebäugelte. Er hat sich zur Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung einen neuen, sehr guten Lehrer gesucht, der ihm nach wenigen Minuten klar sagen musste, dass er den Traum vom Studium begraben kann bzw. noch 2 Jahre brauchen würde, bis mal die Basics passen würden.
Was die Haltung angeht: Da gibt es ja eigene Fächer wie Musikphysiologie oder Alexander-Technik. Dass diese bekannter werden, macht sich u.a. das neue Portal Blasmusik360 (www.blasmusik360.de) zur Aufgabe.
Musik ist nämlich weit mehr als nur in ein Instrument reinblasen nach dem Motto “Wir nehmen jedes Geräusch”.
ich kann mich den anderen beiden kommentaren nur anschließen
Hallo, bin neu hier. Eigentlich spiele ich Klarinette und Gitarre (etwas Trompete, Keyboard) und bin über das Rumprobieren auf dem Alt meiner Frau zum Sax gekommen. Ehe ich hier an meinem Wohnort in den Schweizer Bergen einen guten Lehrer finde, treffe ich einen Elefanten auf der Strasse an. Muss also alles in Eigenregie lernen, da meine Frau auch nur kurz Unterricht hatte. – Ich finde jetzt nach einigen Monaten das flüssige Spielen auf dem Alt mit klassischem Ton ziemlich einfach im Vergleich zur Klari. Was mir Probleme macht, ist das schöne Spielen von Glissandi und “bent notes”, so in Richtung Johnny Hodges und Willie Smith. Sollte man das besser mit dem Ansatz oder über die Klappen machen, oder beides gleichzeitig? Hat da jemand einen Tipp, wie man das macht und übt?
Moin,
wenn ich ehrlich bin, widersprechen sich hier ein paar Sachen. Wenn du sagst du spielst erst ein paar Monate und du willst den klassischen Klang (also enges Mundstück und harte blätter) dann ist das etwas unvereinbar mit bent notes oder Ton like Hodges und Smith.
Weil so etwas wird nicht mit Klappen gelöst sondern über Luftführung, Ansatz, Kehlkopf, Zunge usw. Wenn Sax so einfach wäre, müßten Profis nicht jahrelang intensiv üben.
Ich habe nicht gesagt, dass ich einen klassischen Klang oder so etwas ähnliches “will”. Er kommt einfach bislang nur bei mir von selbst. Vielleicht liegt es ja am Mundstück und am Blatt. (Das Idol meiner Frau ist Paul Desmond, ich nehme an, ihr Sax-Lehrer hat ihr deshalb damals ihr Zubehör entsprechend empfohlen.) Ich selbst möchte viel lieber à la Hodges/Smith spielen, wenn ich irgendwann Fortschritte in diese Richtung machen kann. Ich denke schon, dass ich nicht ganz bei Null anfange, denn ich spiele nicht schlecht Klarinette und das Umwechseln auf Sax hat mir jetzt am Anfang keine gigantischen Probleme gemacht.
Vielleicht ist ja das von mit zusammengestellte Signituresetup ja etwas für dich. Es beinhaltet ein Expressionmundstück, die sich sehr an den Oldschoolsound orientieren. Mindestens sollte es eine 6er Öffnung sein.
Wenn du es ernst meinst, mit dem Hogessound mußte dich wohl oder übel von der Klarinettenspielweise auf dem Sax verabscheiden und zum modernen Ansatz gehen. In den Lektionen ist dazu ein Bericht. Und versuch mit möglichst viel Luft zu spielen. Das könnte sehr helfen, deinem Soundideal nahe zu kommen.
Hallo,
Das ist ein wirklich sehr hilfreicher und guter Beitrag zum Sax spielen. Habe gerade erst angefangen und mache, glaube ich, auch noch ganz viele Fehler. Danke für den coolen Beitrag und Grüße,
Ludger
Nun ja, das “Klarinettengrinsen”. Klari ist mein Hauptinstrument, ich bin relativer Anfänger auf dem Sax, aber meiner Meinung nach kommt dieser ubiquitäre, genormte Grinse-Ansatz auf der ‘black lady’ daher, dass Klarinette eben doch überwiegend heute von Klassik-Musikern gespielt wird, die sich vielleicht mal ab und zu in den Jazz “verirren”. Da scheint es sehr viele sehr festgefahrene Glaubenssätze zu geben, wie eine Klarinette zu klingen hat. -
Aber ich hätte da mal ‘ne Frage zum Alt-Sax. Ist das normal, dass das Sax jedesmal etwas verschieden klingt, wenn man zwei Tage nicht geübt hat und dann wieder dran geht? Mit demselben Blatt? Von der Klarinette kenne ich das nicht, da muss ich den Mund verrenken, wenn ich bestimmte Klangfarben erreichen will. Das Sax macht das von alleine für mich, nur kann ich das blöderweise nicht steuern, das Instrument macht, was es will. Manchmal kommt ein breiter Ton raus in Richtung Johnny Hodges, manchmal ein dünnes Säuseln in Richtung Paul Desmond. Kriege das Ding einfach nicht unter Kontrolle.
Wie übt man da am besten?
in dem man regelmäßig spielt und bei den Longtoneübungen auf sich hört. Das Sax ist dem Singen am nächsten, ohne einen gefestigten inneren Klang schwankt der Sound halt je nach Tagesform.
Drei?Es gibt vier grundsätzliche Fehler.Der vierte ist, sich in Forum rumzutreiben statt zu üben.
Ich schliesse mich grundsätzlich dem letzten Kommentar an, jedoch ist zwischendurch auch mal ganz gut, sich einige Gedanken über das eigene Saxophonspiel zu machen, Kompliment dem Blogger… Zu den Kommentaren von Tobias Haecker betreffs Ansatz: Ein wenig Vorsicht ist geboten, beim pauschalen Schlechtmachen vieler Saxophonlehrerinnen und -Lehrer. Bei der Ansatztechnik gibt es keine endgültige Bestmethode. Man bedenke, dass sich die Technik in den letzten Jahrzehnten doch ziemlich verändert hat und dies nicht nur beim Saxophon, sondern auch bei der Klarinette. Auch kommt es stark auf die Musikstilrichtung an, welche gespielt wird. Ein klassisches Saxophonstudium resultiert keine identische Spieltechnik mit derjenigen eines Jazzstudiums.
Danke für das Lob. Ja du hast recht, dass der Ansatz etwas individuelles ist (je nach Anatomie und Soundvorstellungen). Das steht ja so auch im zweiten Absatz. Und zwischen einem klassischem und einem jazzigen Klang sind sehr unterschiedliche Ansätze verantwortlich (siehe den im Text verlinken Artikel dazu). Allerdings habe ich aus der Praxis unzählige Erfahrungen mit “Beißern” und die müssen ja von irgendwoher kommen. Gerade wen Klarinettisten Saxophon beibringen kommt das verhäuft vor. Als ich in Österreich und Süden Deutschlands war, war ich doch sehr erstaunt, wie verhäuft dieses Problem (gerade auch durch die Blasmusikkapellenkultur dort) da auftaucht.
Hallo,
ich kann das mit den zu großen Bahnöffnungen nur unterstreichen. Auch Walt Weiskopf äußert sich in einem seiner Lehrvideos dazu, dass viele einfach unsinnig große Öffnungen fahren. Im Zeitalter von bezahlbaren Mikros und Anlagen spielt die Lautstärke auch keine so große Rolle mehr, das war bei Jr. Walker noch anders (130er Bahn?). Ich bin von meinem Metall Berg 110er auf ein 95er umgestiegen und trotz der kleineren Kammer (1 statt vorher 2, was Ebay halt so hergibt) sagen Bandkollegen, es klänge runder. Unsere zwei Gitarristen (Rock!) hören mich auch ohne Mikro! Muss wohl daran liegen, dass ich mit der kleineren Bahnöffnung entspannter spiele. Und gegen Beißen hilft gerade bei Leuten wie mir, die nicht jeden Tag stundenlang üben können, Lippentraining, wie z.B. bei Larry Teal (wirkt Wunder).