Forestone Hinoki – neue Jazz Blätter von der Zypresse

Manchmal hat es doch Vorteile einen Blog mit lauter Produkttesten zu betreiben. Zum Beispiel kommt man an den neusten „Shit“ vor allen anderen. Und so hatte ich vor ca zwei Wochen auch ein kleines Päcken aus Japan vom Zoll abholen können mit einem Satz der neuen Hinoki Blätter von Forestone.
Forestone Hinoki reed

Wie manch Leser bereits weiß, bin ich seit ein paar Jahren begeisterter Endorser von Forestone und übe ab und zu auch eine beratende Tätigkeit bei deren Produktentwicklungen aus. Aber auf diese Blätter habe ich ich mich besonders gefreut.

Letztes Jahr hat Forestone für Saxophon die Black Bamboo heraus gebracht. Diese basieren auf den alten Filed Blättern (also einem klassischen Schnitt), der mit zusätzlichem Carbon im Material und ein paar anderer Modifationen überarbeitet wurde. Das Black Bamboo zeichnet sich durch einen deutlich höheren Blaswiderstand aus, mit einer natürlicheren Ansprache und Klang. Viele Spieler haben es mit den Vandoren Traditional (den Blauen) verglichen und erfreut sich somit bei vielen Spielern, die eher klassische Blätter bevorzugen.
http://saxophonistisches.de/black-is-beautiful-das-neuste-von-forestone/
Jetzt zur Musikmesse in Frankfurt werden übrigens auch die Black Bamboo für Böhm Klarinette vorgestellt und sind somit ab jetzt erhältlich.

Die Hinoki sind quasi der Nachfolger der Forestone Unfiled Blätter und richten sich eher an die Jazzer unter den Saxophonisten. Ähnlich wie bei den Black Bamboo wurde die Blätter weiter modifiziert und die Materialzusammensetzung geändert. Allerdings dieses mal nicht Carbon. Wie genau ist Betriebsgeheimnis, aber der patentierte Hybridkunstoff mit min. 50% Bambusanteil bleibt die Ausgangsbasis.
Hinoki heißt übrigens die japanische Zypressenart und spielt nur auf die neue Farbe des Blattes an. Dafür steht auch das traditionelle japanische Kanji. Echtes Zypressenholz ist meines Wissens allerdings nicht im Material enthalten.
Die neue Optik finde ich sehr ansprechend. Persönlich finde ich das Schwarz cooler, aber da haben sich immer ein paar Leute drüber beschwert, dass sich das Blatt dann so schwer auf dem schwarzen Mundstück positionieren lässt. Sicher wird auch irgendwer meckern, dass sich das Hinoki auf seinem weißen Mundstück nicht so leicht positionieren lässt.

Für mich ist der Hauptunterschied im Spiegefühl der Materialien, dass es sich die Hinoki nicht ganz so steif wie die BlackBamboo sind (ich hatte bereits Prototypen des Unfiled Schnitts in BlackBamboo-Mischung), sich aber dennoch deutlich natürlicher anfühlen als die sehr leicht ansprechenden Unfiled mit der reinen Bambushybridkunststoff.
Dadurch verhalten sich die Blätter sehr „lebendig“, man hat einen angenehmen Spielwiderstand, der immer noch leicht anspricht, mit dem aber Subtones gut möglich sind und in der Höhe noch sehr stabil steht. Aber im Unterschied zu den Black Bamboo „eskaliert“ das Blatt mehr, wenn man es forciert, was in einem Jazz & Pop Kontext durchaus gewünscht ist.
Der Charakter der Blätter ist nicht zu Hell (eher auf der dunklen Seite), hat einen ausgeprägteren Kern und Resonanz und sind auch lauter als jedes andere Blatt von Forestone. Meiner Ansicht nach eigenet es sich hervorragend für jede jazzverwandte Stilistik.
Da es auf dem Unfiled Schnitt basiert, harmoniert es besonders gut mit Mundstücken die ein längeres amerikanisches Facing aufweisen.

Die Stärkenangaben verhalten sich wie die der Black Bamboo, also eine M entspricht ca. einer Rico 3. Aber genaueres kann man der Stärketabelle von Forestone entnehmen. Zudem stehen auf jeder Verpackung nochmal die Vergleichsstärken zu Rico und Vandoren.
Auch die Einspieleigenschaften sind wie bei Forestone gewöhnt. In den ersten ein/zwei Tagen eine Einspielphase von ca. ¼ Stärke weicher sowie braucht das Material eine Pause nach 2-3 Stunden konstantem und intensivem Spiel (regeneriert sich beim abkühlen wieder).
Meinem Kenntnisstand wird es genauso viel kosten die BlackBamboo und wohl demnächst bei den größeren Internetstores erhältlich sein und dann nach und auch auch in den Fachgeschäften stehen. Wie die Unfiled, sind auch die Hinoki nur für Alt- und Tenorsaxophon erhältlich

Fazit
Im Prinzip sind die Hinoki nach den Black Bamboo die logische Weiterentwicklung der Jazzblätter von Forestone. Da ich die Vorgänger und diverse Prototypen bereits ausschließlich gespielt habe bin ich jetzt natürlich um so begeisterter von den Hinoki.

Wer neugierig geworden ist und sie demnächst antesten möchte, kann die natürlich auf der Musikmesse am Forestonestand machen, bei dem ich auch dieses Jahr wieder dabei sein werde. Forestone wird auch andere spannende Neuigkeiten präsentieren wie den Carbon S-Bogen in Kooperation mit daCarbo.

Oder für diejenigen aus der Region Bodensee, am kommenden Samstag (11.4.2015) gebe ich einen von Forestone gesponserten Workshop im Musikhaus Lange in Ravensburg, wo die Blätter ebenfalls angetestet werden können.

8 Gedanken zu „Forestone Hinoki – neue Jazz Blätter von der Zypresse


    • Um selbst die Antwort zu geben: Es gibt sie nun auch für Sopran. Tobias‘ Beschreibung trifft auch hier zu. Ein deutlich geringerer Widerstand als beim Black Bamboo lässt beim ersten Anspielen zweifeln, ob die Stärkeangaben der beiden Serien einander tatsächlich entsprechen oder man besser die nächst höhere Stärke nehmen sollte. In allen Tonbereichen sehr ausgewogen, Töne m.E. leichter zu modulieren, kippen aber auch leichter weg ohne angepassten Ansatz. Die Blätter sind eine Bereicherung und gute Alternative.


  1. Hallo, hier mal eine Einschätzung eines Nichtprofis, ich spiele seit 8 Jahren Altsaxophon und lese immer sehr amüsiert die neusten Seiten von Tobias.
    Der Forestonebericht hat mich sehr neugierig gemacht und ich habe mir bei Thomann ein Black Bamboo, ein Hinokki und ein Unifiled bestellt.
    Ich war platt, damit hatte ich nicht gerechnet,-als 1. hatte ich das Hinokki am Wickel, superschnelle Ansprache in allen Tonbereichen, der Ton kommt sauber ,schön und sofort, und es spielt sich wirklich leicht.
    Als 2. das unfiled, das möchte ich nicht behalten, es spielte sich für mich schwerer, als letztes kam dann Black Bamboo, auch super schön, ich hatte den Eindruck es war lauter als Hinokki, also werde ich das für die BigBand nehmen, und Hinokki für klassische Sachen, aber vielleicht ändere ich noch nach längerem Spiel meine Meinung. Das war eine Soforteinschätzung, ganz spontan beurteilt.


  2. Wie sieht es mit einem Test der neuen Thomann Monster Reeds aus? Sie werden ja von Forestone hergestellt. Nach Mailanfrage hat man mir mitgeteilt, dass die Blätter in ihren Stärkenangaben mit Rico Royal zu vergleichen sein sollen.


  3. Hallo – also ich hab die Forestone Hinoki probiert und war anfänglich ziemlich angetan davon.
    Das hat sich leider geändert, weil die Blätter nach ein paar Wochen massiv an Stärke verlieren, meines Erachtens so zwischen 0,5 – 0,75.
    Ich hatte 3 verschiedene Stärken zum Testen gekauft MS, M und MH. Davon war mir MS von Anfang an zu leicht und ich habe mich auf M und MH konzentriert.
    Beide Blätter wurden nach 3-4 Wochen häufigen Spielens so leicht, dass sich am Ende das MS stärkemäßig ziemlich gleich anfühlte wie das MH.
    Ein MH spielt sich danach wie ein 1,5er oder 1,75er Blatt.
    Damit sind die Blätter für mich nicht mehr brauchbar.
    Schade eigentlich – sie hatten anfänglich wirklich einen sehr schönen Klang.


    • Also kein Blatt hält ewig, aber 3-4 Wochen kommt mir komisch vor. Und die Forestone spielen sich ein, ca 1/4 Stärke.
      Probier die mal regelmäßig wieder in die Reedguards zu tun, denn wenn man die auf dem Mundstück lässt oder evtl noch so eine Kappe hat, die das Blatt zum Mundstück biegt, wird das Blatt gebogen und wirkt so schwächer.

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