I don’t got rhythm

Ich gestehe, ich bin ein Rhythmusleghasteniker!
Nee, mal im Ernst, aber in der Tat ist mein Timinggefühl leider wirklich etwas suboptimal. Keine Ahnung warum. Vielleicht liegt es daran, dass ich sehr spät mit Jazzmusik angefangen habe und mein erster Lehrer mir in dem Bereich zu wenig vermittelt hat oder vielleicht fehlt mir auch dort nur die Begabung.
Wie dem auch sei, was man nicht so kann, muß man sich erarbeiten und besonders üben.

Deshalb habe ich mich in letzter Zeit viel mit Rhythmuskonzepten beschäftigt. Gerade weil es mir schwer fällt, mußte ich mir darüber mehr Gedanken machen, Strategien zurechtlegen, als jemand, der sich damit nicht schwer tut.
Auch bei meinen Saxophonschülern muß ich da stets bewusst dran arbeiten. Und da meine Schüler und ich nicht die einzigen mit Problemen in diesem Bereich sind, dachte ich mir, dass es mal Zeit für eine größere Rhythmuslektion mit Tipps, Kniffen, Übstrategien und Denkmustern.

Neben der Intonation ist wahrscheinlich der Rhythmus am wichtigsten beim gemeinsamen musizieren. Gerade im Jazz, Pop, Rock, bzw. generell bei allem, wozu sich bewegt werden soll. Dies ist der Puls. Herzrhythmusstörungen sind nie gut.
Nicht von ungefähr kommen so Sprüche wie „Rhythmus mit Muß“ oder „Tai Ming ist keine chinesische Edelhure“.

Doch was tun, wenn es wackelt. Da heißt es oft, „das mußt du üben, aber erst mal schön langsam“. Das stimmt zwar, aber wenn man Rhythmus und Timing nicht versteht, bzw. es nicht ins Blut geht, wird man immer wieder daran stoßen.
Ich möchte hier nun einige der Tipps, Übungen sowie Denkmuster vermitteln, die mir sehr geholfen haben bzw. die ich für sehr sinnvoll halte.
Besonders durch meine Erfahrungen als Lehrer habe ich immer wieder festgestellt, dass hier nicht jeder gleich denkt/funktioniert. Mit dem Tipp/Übung, die dem einem sehr geholfen hat, kann eventuell der nächste überhaupt nichts anfangen, weil er es so nicht versteht. Dann braucht er halt eine andere Herangehensweise. Daher werde ich hier auch nicht nur eine Methode vermitteln.

Im Folgenden geht es hauptsächlich um Jazz, Pop, Rock; also den Bereich, in dem Rhythmus evt. die essentiellste Komponente ist, weitestgehend gleichbleibend und vor allem grooven muß. Es gibt in der Tat viele Konzepte und ich behaupte nicht, das ich alle oder das meiste kenne und aus oben genannten Gründen sage ich auch nicht, dass dies hier die einzig wahre Meinung ist.
Leider liest man in den meisten Schulen darüber nur recht wenig und es gibt nicht so viele wirklich gute Rhythmusschulen und Etüdenhefte wie man denken mag. Oft befinden sich solche Rhythmuskonzepte im halbesoterischen Bereich – „Trommelkreis bei Mondschein“  und ähnliches.

Rhythmisches Denken
Oft stelle ich fest (war früher bei mir so), dass man die Stücke nicht genug aus der rhythmischen Perspektive betrachtet. Es wird sich oft viel zu sehr nur auf die Noten (Tonhöhe) konzentriert.
Meist liegt es daran, wenn man eine Phrase nicht spielen kann, weil man sie intellektuell noch nicht verstanden hat. Das stellt man fest, in dem man die Phrase erst mal nur singt. Wenn man etwas singen, kann man es meist auch auf dem Instrument spielen (es sei denn es ist technisch wirklich anspruchsvoll).
Aber man kann sogar noch einen Schritt zurück gehen. Indem man NUR den Rhythmus sing/klatscht. Und dann das Stück nur auf einem Ton spielt. Hier wird sich manch einer schon wundern, wie er da stolpern wird.

Dadurch verändert auch die Art und Weise, wie man Noten liest. Wie auch beim normalen Lesen, liest man nicht einen Buchstaben nach dem anderen, sondern nimmt ganze Silben bzw. Wörter wahr. Dadurch kommt das höhere Lesetempo.
In der Musik ist es ähnlich. Wenn wir im 4/4 Takt sind (geschätzte 90% im Jazz/Pop/Rock Bereich)sind und von 8tel als kleinste Einheit ausgibt und man den Takt in zwei Hälften teilt (also 2 Schläge) und diese Hälfte als Ganzes wahr nimmt (also nicht jede Note nacheinander) fällt einem auf, dass es gar nicht so viele verschiedene rhythmische Möglichkeiten gibt (32 um genau zu sein). Diese „Rhythmussilben“ sind leicht zu lesen und müssen nur noch zusammen gefügt werden. Leichter gesagt als getan. Dazu später in den Literaturhinweisen mehr.

Es gibt aber noch eine ganz gegenteilige Denkweise; in der man in der Tat konstant in der kleinsten rhythmischen Einheit denkt (meist 8tel, Funk z.B. aber 16tel). Man denkt hier wie ein Uhrwerk.
Diese Methode hat den Vorteil, dass man genau weiß, wo etwas hinkommt. Die „und“s sind nicht mehr beliebig, sondern exakt.
Der Nachteil ist, dass man dafür eine recht hohe geistige Geschwindigkeit braucht, bzw. sich an trainieren muß. Man wird dafür aber mit einem super Timing belohnt.

Das ist wahrscheinlich die exakteste Methode, persönlich halte ich aber in Takthälften zu denken für die musikalischere. Gerade wenn man z.B. an den leicht schwebenden Bossa denkt. Der wäre tot, wenn man alles auf den mathematischen Punkt spielt. Jedoch für BigBandler kann das echt etwas sein.

Wie dem auch sei, braucht man diese 8tel Methode um komplexe Rhythmen langsam zu erarbeiten. Wenn man einen Rhythmus nicht versteht, gibt es kein drumrum kommen, das ganz langsam aufzubröseln und von 8tel zu 8tel zu gehen (bzw 16tel).

Wovon ich kein Fan bin, weil ich das immer wieder bei meinen Schülern erlebe, Rhythmen NUR über das Gehör (z.B. vorgespieltes Playalongs oder original Tracks) zu erarbeiten. Das ist meist alles andere als exakt und man ist aufgeschmissen, wenn man mal kein vorgespieltes Playalong zur Hand hat. Und ich habe schon merkwürdigste „Fly me to the moon“ gehört, weil derjenige halt Sinatra im Ohr hatte. Das war aber meilenweit vom notiertem entfernt. Es kann aber eine gute Ergänzung sein um sich zu kontrollieren oder auch mal am Anfang zur Orientierung.

Taketina
Das ist so eines dieser ominösen „ganzheitlichen Konzepte“ (Wiki). Allerdings Sprechsilben für Rhythmen zu benutzen ist clever.
Gerade am Anfang fehlt oft die Vorstellung, von Triolen und 16tel, ja oft sogar 8tel. Oft haben Schüler schon Probleme 8tel über 4tel (Fuß) zu klatschen. Tatsächlich hilft es, wenn man beim Klatschen von Triolen, wenn man „Triole“ sagt. Drei gleichmäßig lange Silben. Das geht auch mit anderen Wörtern und anderen Rhythmen. Meine Lieblinge stammen von der „Fuge aus der Geographie:
8tel: Ku-Ba
Triolen: Tri-Ni-Dad
16tel: Yo-Ko-Ha-Ma
6tole: Po-Po-Ka-Te-Pe-Tel
Für Bläser möchte ich einschieben, dass die Silben nicht Phrasieungstechnisch gemeint sind, sondern nur zur Veranschaulichung. Wenn man jeden Triolenlauf oder 16tel Figur (außer im Funk) durchstößt, klingt das nicht wirklich elegant.

Eine tolle Übung um die Rhythmische Vorstellung zu schärfen, ist folgende. Man setzt sich einen 4/4 Beat. Im ersten Takt spielt man 4tel, im nächsten 4tel-Triolen, dann 8tel, 8tel-Triolen, 16tel, danach geht es wieder zurück, also 8tel-Triolen, 8tel usw.
Diese Übung funktioniert auch gut gemeinsam in Ensembles, z.B. um sich gemeinsam einzuspielen.

Die böse Synkope und die fiesen Offbeats
Leider weiß ich nicht wieso das den meisten und mir, so Probleme macht. Zumindest hierzulande. Denn in Mittel- und Südamerika lebt die Musik gerade davon.
Offbeats kann und muß man üben.
Eine Vorübung ist zu gehen, die Schritte dabei als Beat nehmen und dann die Offbeats zu Klatschen. Wenn das klappt (gar nicht mal so selbstverständlich, wie man denkt), singt man zusätzlich die Offbeats als 8tel. Der nächste Schritt wäre dann 4tel auf einem Ton zu singen. Jetzt den Ton über den Onbeat zu halten ist nochmal eine psychologische Hürde. Jetzt kann man das nochmal mit Instrument versuchen.
Das ganze muß allerdings auch im stehen/sitzen klappen MIT Metronom und auch in schnelleren Tempi. Dann ruhig auch mal eine Tonleiter so spielen. Für mich ist das so eine Frustübung.

Als nächstes sollte man üben Onbeats und Offbeats Taktweise im Wechsel zu spielen. So lernt man, wie sich der Unterschied zwischen auf und zwischen dem Beat anfühlt.
Denn für mich war es eine Offenbarung, als bei mir dieser Groschen gefallen ist.
Eine Phrase die auf und Anfängt, klingt und fühlt sich ganz anders an, als eine die auf dem Beat beginnt.
Das gilt besonders für Swing, bedingt durch die triolische 8tel und der Jazzphrasierung. Dass das nicht so selbstverständlich ist, sieht man daran, dass den wenigsten klar ist, dass es einen Unterschied macht ob eine punktierte 4tel auf dem Beat kommt oder auf Und.

Daneben gibt es noch ein paar gute Hinweise zum Auftakt. Viele denken den Auftakt auf (als Beispiel) die 2u und verheddern sich. Es ist dabei viel einfacher, wenn man sich auf 3 konzentriert. Also auf die drauf spielen will.
Für Bläser gibt es auch die Möglichkeit genau auf dem Schlag (also in dem Beispiel auf 2) vor dem Auftakt (bei nicht all zu schnellem Tempo) kurz einzuatmen und gleich danach zu spielen.
Eine extreme Variante, die ich mal in einer Schule aufgegriffen habe, ist,dass man nicht
1  u  2  u  3  u  4  u  denkt, sondern
1      2  3            4       Man zieht also die 3 vor. Ganz überzeugt bin ich davon nicht, aber bei einigen Schülern hat es geholfen.

1 und 3 oder 2 und 4
Gerade in der BigBand hört man oft den Rat, bei Swing doch mit dem Fuß auch auf 2 und 4 zu Klopfen. Aber die wenigsten tuen das wirklich und auch von kompetentere Stelle habe ich die Meinung gehört, dass es doch sinnvoller sei auf 1 und 3 zu bleiben.
Für 2 und 4 spricht, dass im Swing in der Tat der Schwerpunkt dort liegt. Es wäre also musikalischer.
Für 1 und 3 hingegen spricht, dass dies einfach natürlich in unseren preußischen Genen liegt. Wir sind es so aus anderen Richtungen gewöhnt. Gerade wenn man in der Stilistik umsteigt oder auf Doubletime/Haftime macht das eigentlich mehr Sinn. Des weiteren kommen Changes hauptsächlich auf 1 und 3.
Zudem, im Raggae klopft man ja auch nicht auf die Offbeats.
Außerdem dient der Fuß ja als kognitive Hilfe für das Spielen und nicht als weiteres Rhythmisches Element (dafür ist das Schlagzeug da). Es ist also logisch seinen Fußklopfer auf den Taktanfang und Taktmitte zu legen.
Allerdings wird Swing nicht wie ein Marsch gespielt und ich glaube, dass der optimalste Weg der ist, beim Üben sein Metronom auf 2 und 4 zu stellen aber dennoch auf 1 und 3 zu wippen. Das ist zwar wirklich schwer (ich kann es selber noch nicht perfekt), aber so bekommt man das richtige Gefühl dafür.

Percussion
Um das Timinggefühl zu verbessern ist es definitv hilfreich sich in geeigneter Form auch mal nur mit Percussion zu beschäftigen. Es gibt ja genug Cajon- und ähnliche Latinworkshops. Allerdings es gibt solche und SOLCHE Trommelkreise.
Spaßig finde ich auch Bodypercussion, zumindest braucht man nicht viel Geld für ein Instrument ausgeben. Außerdem fördert es ungemein die Koordinationsfähigkeit des Körpers.

Sklaventreiber
Eigentlich ist es eine Selbstverständlichkeit, oder sollte es zumindest sein. Aber wenn ich ehrlich bin, mache ich es selber auch viel zu wenig:
Das konsequente Üben mit Metronom. Die optimalste Variante ist eine elektronische, die man über die Anlage laufen lassen kann. Die hübschen alten akustischen hört man leider beim spielen leider kaum noch. Der Klick muß richtig penetrant und immer hörbar sein. Es hilft auch sehr, wenn das Metronom verschiedene Taktarten ausgeben kann.

Eine schöne Übung für ein gutes Timinggefühl ist, das man sich einen Beat gibt und das Metronom nur auf die 1 vom Takt schlägt. So lernt man, dass man gleichmäßig durchzählt und nicht schneller oder langsamer wird.
Das nächste Level wäre dann, dass das Metronom nun z.B. nur auf die 4 kommt. Der Masterlevel wäre dann z.B. die 4u.

es muß GROOVEN
„Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht“. Das läßt sich übertragen, denn wenn ihr wirklich richtig spielt, wird es grooven. Groovt es nicht, dann ist der Rhythmus noch nicht sicher.
Ich halte Rhythmus für die körperliche Komponente der Musik. Wenn etwas groovt, hat man unweigerlich den Drang sich zu bewegen, mitzugrooven zu tanzen.
Dieses Gefühl hat man bei einer Beethovensonate nicht unbedingt. Das ist eher reines Kopffutter. Aber Jazz, Pop, Rock und sämtliche volkstümische Musik lebt davon, dass es zum „Tanz“ animiert.
Das funktioniert bei mir auch anders rum. Ich merke, wenn ich selber auch körperlich beim spielen „mitgroove“, dass ich dann rhythmisch auch deutlich besser spiele.

Zuletzt will ich nochmal sagen, dass gutes Timing oft nicht nur mathematisch errechenbar ist. Gerade wenn eher solistisch Unterwegs ist, widerspricht die Musikalität oft der ganz exakten Time. Nicht jeder empfindet die Jazzphrasierung gleich. Es gibt welche, die sehr auf den Spot spielen und andere sind unglaublich „laid back“, dennoch groovts.
Wenn man sich gute (meist schwarze) Bassisten anhört, hat man oft das Gefühl, dass der Bass atmet.
Auch in einer guten Rhythmussektion passiert mehr. Der Schlagzeuger sollte immer leicht vorweg sein, so dass der Beat zieht, der Bassist ist etwas hinten dran und das Klavier trifft genau das Timing (quasi die Mitte).

Aber das muß man lernen, bzw. hineinwachsen über den Weg, dass man exakt spielen kann. Ein gepfuschtes Timing kann nicht durch Pseudomusikalität  gerechtfertigt werden.

Literatur
Leider kann ich gar nicht soo viel empfehlen, was aber auch daran liegt, dass es im Jazz/Sax bereich, dazu gar nicht so viel Material gibt.

Als erstes möchte ich die Schule „Rhythmische Grundmuster – Pop, Jazz und Latin vom Blatt spielen“ von Peter Putz. Peter schickte mir ein Exemplar mit der Bitte um meine Meinung dazu und so gab er mir diesen Anstoß für diesen Artikel hier. Das Heft ist als „ganzheitliche Rhythmusschule für alle Melodieinstrumente gedacht“ . Es beschäftigt exzessiv mit der oben beschriebenen Methode ganze Takthälften wahrzunehmen/lesen. Er benutzt viele bekannte Beispiele und geht dabei sehr Methodisch vor. Man merkt allerdings, dass der Peter nicht aus dem professionellen Bereich kommt und sich somit das Heft dafür auch nicht sonderlich eignet. Aber dahin will sich diese Schule auch nicht richten, sonder vor allem an Autodidakten, für die es meiner Meinung auch sehr gut passt. Leider ist es nicht im Handel erhältlich, dafür kann man es privat direkt beim Verfasser (Pter.Putz(a)gmail.com) erwerben. Mehr Infos gibt es hier.

Sehr gefallen hat mir die Etüdensammlung „reading Key Jazz Rhythms“ von Fred Lipsius gefallen. Das Heft gibt es für verschiedene Instrumente und beschäftigt sich auch auch mit diesen Grundmustern, die immer wieder auftauchen. Die Etüden gibt es immer in einer etwas leichteren Guidetone-Version und einer etwas anspruchsvolleren. Also sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene geeignet. Man kann sie sogar so als Duette spielen. Die Jazzetüden klingen relativ modern und konzentrieren sich eher auf Rhythmen. Hier sieht man besonders gut, wie mit rhythmischen Motiven gearbeitet werden kann (Rückungen, Verschiebungen, Variationen).

Für all diejenigen, die sich auf improvisatorischen Ebene mit Rhyhtmuskonzepten auseinandersetzen wollen, kann ich „Inside Improvisation Vol.4 – Melodic Rhythmy“ von Jerry Bergonzi ans Herz legen. Auf seine gewohnt sehr ausführliche Art und Weise geht er hier verschiedene Übungen durch. Vor allem geht es hier um das Rücken von rhythmischen Motiven. Zudem gibt’s hier auch noch ein paar hilfreiche Tipps zum Timing.

In Rahmen meiner Recherchen für diesen Artikel habe ich mir dieses Heft zugelegt und bin eigentlich begeistert. Wer sich Funk auseinandersetzen will, kommt um „Sax Clinics – Groove- und Timingkonzeptionen für den Saxophonunterricht“ von Thorsten Skringer nicht herum.
Schade eigentlich, dass sie nicht umfassender ist. Sie ist 66 Seiten dick, was sich aber nochmal um die Hälfte reduziert, da alles einmal für Tenor UND Alto notiert ist (selbst der Text). Zudem kommt aber der Hälfte dann nur noch „Variationen“ über die Playalongs.
Dafür wird aber jede Etüde mit de Playalongs intensivst durchgekaut. Jeweils immer in drei Geschwindigkeiten. Und das einmal mit und einmal ohne dass Thorsten mitspielt. Das ist genial, weil so der Schüler behutsam an das richtige Tempo herangeführt wird, so dass er wirklich versteht. Alle anderen Etüden geben nur schnelle Playalongs vor, so lassen sie einerseits den Schüler alleine beim erarbeiten zudem verführt es zu verfrühtes zu schnell spielen, also zum Pfusch. Zudem ist es etwas anderes eine Phrase nur schnell vorgespielt zu kommen oder auch mal langsam.
Das Heft ist nicht als eigenständige Schule oder Etüdenheft gedacht sondern vermittelt Hauptsächlich einen guten Einstieg Funkmusik (sehr Tower of Powermäßig). Aber das leistet es super und man kann damit so sein Timing wunderbar schärfen.
Die wichtigsten Funkklischees (Motive, Rhythmen) werden behandelt. Gut finde ich auch den Einstieg, mit den begleiteten Longtones (gut für die Intonation und Sound) und das „Eingrooven“.  Zudem werden interessante Anregungen für die Improvisation gegeben.
Die Playalongs wirken launig, jedoch für meinen Geschmack etwas zu viel Pianogeplänkel, dass etwas vom eigentlichen Rhythmus ablenkt.
Die Tipps die in den Variationen vermittelt werden sind auch super und habe ich woanders selten bis gar nicht gelesen. Schade, dass die nicht mehr vorgespielt werden und eigentlich zu kurz behandelt werden.
Aber kurzum, definitiv empfehlenswert.

9 Gedanken zu „I don’t got rhythm


  1. Danke, Tobias, für die Erwähnung meines Buchs.

    Deine Literaturempfehlungen möchte ich um ein Werk ergänzen, dass meiner Meinung nach mindestens so gut ist wie das Heft von Lipsius: die „Jazz Conception“ von Lennie Niehaus.

    Das sind 3 Hefte (Basic, Intermediate, Advanced), die noch systematischer wichtige Jazz-Pattern vorstellen, zuerst in speziellen Übungen und dann in umfangreicheren Etüden. Die Hefte sind aus den 60-er-Jahren, wurden aber vor einigen Jahren mit Playalong-CD neu aufgelegt. Sind für Saxophon geschrieben, es können aber auch andere Bläser damit gut arbeiten.


  2. Danke, danke, danke, tausendmal danke!!!!!!!
    Ich beschäftige mich mit:
    „40 stilistische rhythmische Bläserstudien“ vom Joh. Siebenhüner Musikverlag,
    notiert wird so, klingen soll es so (Bsp. tu wa tu-wab tab tu-wab).
    Dabei dann noch zählen, Noten gucken und schöne Töne machen… Aber es wird!


  3. Hallo Tobias,
    eine sehr harte, aber jedenfalls für mich sinnvolle Sache war, mit einer Drum-Maschine zusammen zu üben. Das ist wesentlich schwerer als mit einem menschlichen Schlagzeuger, denn der passt sich immer unbewusst an. Das habe ich (als E-Bass-Spieler) gemacht, als ich merkte dass ich nach langjähriger Pause nicht mehr so exakt wie früher war. Drum-Maschine und Bassist ist wesentlich einfacher für den Dritten, da sind auf jeden Fall 2 Quellen, die einem den Rhythmus reinprügeln. Der Gitarrist in unserer ersten Band war der kreative Kopf und super in Improvisation, aber das Timing war nicht seine Stärke. Nun ja, der Schlagzeuger und ich (Bass) haben uns dann eben auf ihn eingestellt. Aber das war kein Jazz. Im Jazz kann ich mir so eine Konstellation nicht vorstellen, da gibt es wahrscheinlich nicht einen Pfau, sondern da gibt es wohl nur Pfauen?!

    Gruß
    Günter


  4. Hallo Tobias

    Vielen Dank, für die offenen und ehrlichen Worte, und die Tipps.
    Bin gestern ziemlich angefrustet worden, weil mein Timing ziemlich daneben war.
    – Spiel‘ Querflöte und schmeiss dein Tenorsaxophon weg – das war mein Gedanke.
    Ich bin froh, dass ich nicht der Einzige mit solchen Problemen bin, und dass Du die Schwierigkeiten zugegeben hast und nach effektiven Lösungen geforscht hast, die ich sogar als Autodidakt nachvollziehen kann.
    Dieser Beitrag ermutigt mich sehr.

    Vielen lieben Dank
    Dietmar Reh


  5. Viola Rhythm Studies. Berkeley School Press
    Band 3
    Auf meiner homepage Stelle ich demnächst die ersten 20 Übungen ein. Es sind Duette, die zunächst sehr kurz sind aber stetig länger und schwieriger werden
    LG Georg

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