Warum Kenny G der beste Saxophonist ist!

Ich nehme an, dass 90% meiner Leser erst mal den Kopf schütteln werden. Vergessen wir also kurz die etwas provozierende Überschrift und fangen von Vorne an. Auf die Idee zu diesem Artikel bin ich wegen eines nicht sehr netten Kommentares von Pat Metheny über Kenny G gekommen. Es warf bei mir die Frage auf, wer denn nun der beste Saxophonist ist, wenn doch Kenny G angeblich der schlechteste sei.

Zunächst müßte man klären, woran man denn nun aus macht, wer den der beste bzw. schlechteste Saxophonist ist. Man braucht etwas absolutes etwas meßbares. Das Problem an Musik ist, dass es Kunst ist (zumindest meistens). Jeder hat da andere Vorlieben, der eine steht auf BeBop, ein anderer auf Klassik und einige sogar auf Volksmusik. Also geschmacklich unausstreitbar.

Absolut meßbar wäre vielleicht wer am höchsten, lautesten und schnellsten spielen kann. Wenn es danach ginge müßte ich mit unter den besten sein, aber da ich das bekanntlich (noch) nicht bin, ist das wohl kein Kriterium. Und will man wirklich, dass es in der Musik zugeht wie im Sport?
Kann man sich auf die Kritiker und JazzPolizei verlassen? Nun erstens sind das auch nur Menschen und zweitens betrachten die immer nur ihr Fachgebiet. Also auch nicht allgemeingültig.
Nur weil ein paar Freaks Bebop als die tollste Musik aller Zeiten halten, ist sie das noch lange nicht.

Leider scheint es nur ein allgemein gültiges Kriterium zu geben: die Plattenverkäufe! Nur die geben einen ehrlichen Querschnitt aller Musikgeschmäcker. Also musikalische Demokratie. Dagegen zu meinen, man hätte einen besseren Musikgeschmack als andere ist doch eher anmaßend. Und das dann anderen so drauf zu drücken ist dann vielleicht schon musikalische Diktatur.

Also geht es wieder ums Geld, wer also am meisten Platten verkauft und somit am meisten Kohle macht, ist der erfolgreichste und somit der Beste. Bei den Saxophonisten ist das dann wohl Kenny G, aber warum wird er dann so geschmäht?
Neid! Es gibt zig Easylistening Saxophonisten die leicht metrosexuel aussehen und Tonnen Schmalz im Ton haben, aber Kenny G ist wahrscheinlich der erfolgreichste, berühmteste und reichste Saxophonist. Er hat  ein eigenes Flugzeug (Ok, zwar nur eine DHC-2 Beaver, aber immerhin), hatte Gastauftritte in Southpark, Family Guy und Celebritiy DeathMatch, hat seine eigene Saxophonlinie, ist Grammy Gewinner und zudem spielt er Golf mit Tiger Woods (hat ein Handicap von +0,6). Grund genug für viele Kollegen, die in verranzten (also „authentischen“) Jazzschuppen spielen müssen, die Nase zu rümpfen.

Er ist an sich kein schlechter Saxophonist und seine Musik bzw. Easy Listening/ Smooth Jazz allgemein als Mist abzustempeln ist auch nicht gerechtfertig. Er war damals einer der ersten, die diesen Trend mitentwickelten.
OK, das überspielen von Louis Armstrongs What a Wonderful World war schon daneben, aber man hat sich doch nur darüber so aufgeregt, weil es so oft verkauft worden ist. Wahrscheinlich hat das mehr Leuten gefallen als es Leute gibt, die mit dem Namen Ornette Coleman etwas anfangen können. Es gibt auch immer genug andere Projekte „echter Jazzer“ die man durchaus kritisch betrachten kann. Z.B. finde ich es eklig, dass Pat Methiny für sein Projekt „Orchestrion“ seine Band beurlaubt hat, damit er selber alleine alle Instrumente mechanisch steuern kann. So klingt es dann auch für mich, noch lebloser als Aebersold.

Generell verstehe ich die Schmähung einiger Jazzer von EasyListening/Smooth Jazz eh nicht. Es heißt schon EasyListening, da kann man doch keine Ansprüche an hohe Kunst stellen. Es geht doch gerade drum, dass sie angenehm leicht und verständlich für alle und nicht so ultraverkopft wie Bebop oder FreeJazz ist, mit denen nur ein paar Jazzfreaks etwas anfangen können.
Was soll denn sonst in Softpornos, Fahrstühlen und Szenerestaurants laufen? Wäre Deathmetall oder Bayrische Volksmusik besser? Easy Listening ist auch immer noch Jazz und kann auch gut sein und ideale Musik zum chillen. Zudem führt es viele erst an „echten Jazz“ heran. Um zu sagen, dass dies keine Musik sei, muß man schon ein ziemlicher Jazznazi sein.

Ich will jetzt nicht ernsthaft behaupten, dass Kenny G der beste Saxophonist der Welt ist. Er gehört auch nicht unbedingt zu meinen Lieblingssaxophonisten. Aber mir geht dieses dumme rumgesülze vieler MöchtegernJazzAvargandisten ziemlich auf den Keks und die meisten „anspruchsvollen“ Jazzer spielen so gut wie alles für Geld. Außerdem es geht immer noch schlimmer, z.B. Captain Cook.

19 Gedanken zu „Warum Kenny G der beste Saxophonist ist!


  1. also die fingerhaltung der sichtbaren linken hand ist … suboptimal. duchgestreckt statt rund und bequem. sicherlich der beste saxophonist überhaupt, aber wohl nicht der entspannteste ?

    😀


    • Also wenn es auch nach der Handhaltung oder überhaupt der Haltung geht, das ist David Sanborn sicherlich auch einer der Schlechtesten.
      Aber jetzt im Ernst, ich bin diesmal zu 100% der gleichen Meinung. Vielleicht weil auch ich (Achtung – Outing) über Kenny G und Konsorten zum Jazz gekommen bin. Und ich mag den Smooth Jazz heute immer noch, obwohl ich mir direkt danach ohne mit der Wimper zu zucken eine meiner neuen Scheiben von Michael Brecker reinpfeifen kann.


      • So geht es mir auch. Ich finde so eine „Bebop for president“ oder sonstige Schubladen Kategorisierung sehr beengend. Auch ich bin Pat Metheny und Michael Brecker Charlie Parker etc.. Fan, aber natürlich auch nicht durch sie zum Jazz gekommen. Zwischenzeitlich höre ich gern Gilda Razani, Candy Dulfer und Mindy Abair, und eben auch die grossen Meister. Ich finde auch, es ist eben KUNST. Solange es Kenny G Fans gibt, hat er genauso eine Existenzberechtigung wie alle anderen. Pat Metheny, der auch zu meinen Favoriten gehört, finde ich in Bezug auf Kenny G anmassend, aber psychologisch interessant. Hat er Angst vor „Kommerz schlägt Anspruch“?
        Was machte ihn so verbal aggressiv?


        • Bei Metheny meine ich mal gehört zu haben, dass da auch etwas persönliches dahinter steht. Aber er ist auch Amerkianer, und man sollte berücksichtigen wie man sich dort verbal ausdrückt. Amerikanisches Overstatement bzw. Übertreibungen und Extremisieren kann für Europäer oft sehr befremdlich wirken.
          Metheny ist auch berühmt genug, hat zig Grammys und kann sich finaziel auch nicht beklagen. Aber ob es auch für ein eigenes Flugzeug reicht, wer weiß, vielleicht ist er ja darauf neidisch.
          Und manche Menschen (besonders oft erfolgreiche Künstler) halten sich für Halbgötter und diese regieren manchmal sehr zickig auf „Kollegen“.


  2. hallo tobias,

    guter artikel, kenny g ist sicher unbestritten ein technisch sehr versierter saxophonist, mit tollem ton, übrigens auch auf dem tenor. da gibt es für mich keine diskussion. ich glaube auch, dass es ihm spass macht die sachen, die er spielt, zu spielen-in der tat ist das aber geschmackssache. aber er ist eben profi und verdient damit geld-gutes geld und dann ist es legitim smooth jazz zu spielen. es gibt zig profis, die in orchestergräben sitzen und dort musik machen, die auch nicht unbedingt sache der jazz-polizei ist. nur die musiker müssen halt auch irgendwie über die runden kommen.

    überrascht hat mich aber pat metheny, den ich sehr schätze, mit dem zitat, dass kenny g der schlechteste saxer sei………was ihn da wohl geritten hat? (sein orchestrion finde ich übrigens fantastisch, habe es 3 h lang live geniessen dürfen-ein erlebnis:-)))

    ich finde aber das problem smooth jazz hat scott henderson auf den punkt gebracht: smooth jazz is jazz for people, who don`t like jazz…..:-)))


  3. haha, sanborn ist natürlich ganz grauenhaft schlecht ! allein schon die halshaltung !

    😀

    kennt ihr die big band platte von sanborn ? wo er ohne mühen im parker und adderley und eingenen stil diese ganzen verkrampften imitatoren wegpustet ?

    unbedingt kaufen .


  4. Ich glaube er ist ein Saxophonist mit den besten Selbstvermarktungsfähigkeiten. Die „Aufträge“ mit den Stars hat er wohlmöglich mit Sympathie, Strategie und Geschick herausgefädelt. Aber immerhin hat er eine neue Musikrichtung mitentwickelt, und nicht weiter Freejazz gemacht (nicht dass das nicht anspruchsvoll ist, aber einfach nur zeitgemäß). Thelonius Monk wurde zB. ganz lange verachtet, das lag zB. vielleicht daran, weil er sich selbst nicht so gut „verkaufen“ konnte…


    • Selbstvermarktung ist alles. Das ist aber nicht erst seit 50 Jahren so. Die wenigsten werden von alleine berühmt.


  5. Zitat: „Was soll denn sonst in Softpornos, Fahrstühlen und Szenerestaurants laufen?“

    Kannst ja demnächst wieder eine Auflistung von Suchbegriffen über Google für deine Seite machen, könnte jetzt „interessanter“ sein. 😉


  6. Keiner hat Charlie Parker „Bird“ oder John Coltrane erwähnt.
    Ich finde jeder hat seinen besten Saxer.
    Früher sollen sich die großen Spieler in Clubs getroffen haben und gezeigt haben was sie drauf hatten.


  7. Zunächst einmal, ein großes Lob für deine Webside und Deine sehr interessanten Beiträge 🙂

    Hier einmal für euch Experten die Meinung eines absoluten Saxophon-Greenhorns, welcher sich mit fast 49 Jahren dazu entschlossen hat seinen Kindheits- und Jugendtraum zu verwirklichen und Saxophonspielen zu lernen.
    Das heißt, ich beginne in Kürze.
    Auf der Suche meines „Endgegners“ (das meine ich mit Humor und soll mein musikalisches Vorbild beschreiben), bin ich u.a. über Candy Dulfer gestolpert.
    Mal von ihrer Optik abgesehen, habe ich bei ihr das Gefühl, dass sie mit ihrem Sax so umgehen kann, wie ein guter Sänger mit seiner Stimme.
    Das empfinde ich allerdings auch bei Kenny G.
    Sollte das nicht das Ziel eines jeden Saxophonisten sein?
    Haben wir folglich einige, weltbeste Saxophonisten?
    Ich denke ja.
    Egal, welche Musikrichtung.
    Vielleicht gibt es ja so einen „Weltmeister“ auch unter euch.
    Aber ich bin halt noch ein Greenhorn und lerne und lerne und lerne, ……

    Gruß an Alle,

    Lothar


  8. ja, da sind ja einige Saxophonisten genannt worden. Am Anfang stand aber (hier unten hatte ich das fast schon vergessen) soweit ich mich erinnern konnte, die Frage nach dem besten Saxophonisten. Man sollte ihn dann doch mal erwähnen, obwohl es eigentlich klar ist, und schon immer klar war, zumindest seitdem er 1953 John Coltrane bei Earl Bostic ablöste. Er hat zwar nur ein Horn gespielt – nämlich das „richtige Saxophon“ – also Tenor (herrliche Klischeevorstellung !!), war in den 60gern bei Blue Note, dann bei CTI Und er hat auch gnadenlos kommerzielle Musik gemacht – richtig schön mit echten Streichern – ja die hat man in dieser Fülle wirklich nur einem einzigen jemals bezahlt (arrangiert von Claus Ogermann, vorher bei Blue Note von Duke Pearson) – und sicher zu recht gut damit verdient. Vermutlich hat er mehr Aufnahmen gemacht als jeder andere Saxophonist. Er hat nicht nur alles gespielt von Swing bis Funk (was wahrscheinlich jeder von uns macht) sondern war bei jedem der Stile von Anfang an dabei. Er hat die Stile für das Saxophon quasi mit erfunden, und war dabei Vorbild für Michael Brecker, Bob Berg, David Sanborn, Maceo Parker. Und während Charlie Parker, King Curtis, Kenny G. vor allem für eine einzige Facette berühmt waren, konnte er in allen Stilen spielen, ohne seinen Sound zu verändern, weil der quasi von vorneherein immer gepasst hat. Wenn es jetzt jemand noch nicht weiss, dann wahrscheinlich deshalb, weil er ab Anfang der 70ger Jahre von den hier mit „Jazznazis“ titulierten Tunnelblickjazzkritikern, die über 20 Jahre eigentlich nur Freejazz (je Brötzmann desto besser…) bejubelt haben, etwa so behandelt wurde, wie Trotzki auf dem berühmten Retuschefoto, obwohl er vorher für die damalige Souljazz-Fusion CTI quasi das saxophonistische Zugpferd war. Er war immer zu hören, wie z.B. 1988 mit dem US-amerikanischer Soul- und House-Sänger Will Downing, auf dessen Version von Love-Supreme – ich erinnere mich an die Ansage eines SWF3-Moderators, der das Solo tatsächlich John Coltrane zusprach , und so auch gleichzeitig etwas über die Kenntnisse von Radiomoderatoren preisgab, die es auch bei grobem Mangel an Ahnung nicht für nötig halten, wenigstens mal auf dem Plattencover nachzuschauen, wer denn der Saxophonist war. (ok immerhin wußte der Moderator, dass es von Coltrane einen Titel namens Love Supreme gab – quasi jazzmusikalisches Grundschulwissen – nur nicht, daß Coltrane da schon knappe 20 Jahre tot war ). Der letzte wahre Boss-Tenorist:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Stanley_Turrentine

    http://www.jazzdisco.org/stanley-turrentine/catalog/album-index/

    Mehr gibt’s zu dem Thema aus meiner Sicht nicht mehr zu sagen.

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