das neue Japanische Gottsu Mundstück! nur ein weiterer Meyerclon?

Bei der Weihnachtsaktion von ToKo sind mir einige neue japanische saxophonistische Gadgets in die Hand gefallen. Unter anderem auch ein neues Gottsu Saxophonmundstück für’s Alto, für das ich wie angekündigt einen extra Bericht schreiben wollte.

Wenn man es kurz machen wollte, könnte man sagen Meyer-Clon. Wäre aber nicht ganz fair.

Aber fangen wir mal ganz von vorne an, da vielleicht nicht jeder etwas mit dem Begriff Meyer anfangen kann. Das Meyer Mundstück ist für das Alto ungefähr das, was das Otto Link Supertone Master 7* ist. Als die Standardempfehlung als Mundstück wenn es um Jazz geht. Es gibt sie in jedem Saxophonladen zu kaufen und es gehört neben Yamaha 4c zu einem der meist gespielten Mundstücke.
Allerdings beruht die Bekanntheit, ähnlich wie beim Link, auf den Rum alter vergangener Tage. Deswegen sind auch die VintageMeyer aus den 50er und 60er Jahren, welche in New York produziert worden sind, recht beliebt und werden teuer gehandelt.
Der wohl berühmteste Meyerspieler war wohl Julian Cannonball Adderly, der meiner Meinung nach, den fettesten Atosound ever hatte.
Allerdings sind die heutigen Meyer (genauso wie die heutigen Links) mit denen von früher kaum zu vergleichen, da sie heute von jjBabbit als Massenware produziert wurden.

Aber anders als bei Link, gibt es nicht DIE EINE Öffnung/Facing, die alle spielen. Meyer kam seit jeher immer in verschiedenen Kammergrößen (S,M,L) und Bahnlängen (S,M,L), wodurch es pro Öffnung je 9 Varianten gibt. Auch ansonsten gibt an der eigentlichen Meyerbauweise keine große Besonderheiten. Kautschuk, abgerundete Innenwände und ein keiner Baffle an der Spitze des Einlaufes. Aber diese Einfachheit hat halt auch den Vorteil, dass diese Mundstücke „allround“ einsetzbar sind.
Andererseits könnte man aber auch jedes andere Mundstück mit runden Innenwänden und ohne Stufe oder großem Baffle als Meyerklon bezeichnen. Jedoch beziehen sich viele Schnitzer auf die erfolgreichen Formen der berühmten alten  Meyers. So ist es nicht verwunderlich, dass es so viele „Meyer-Clone“ auf dem Markt gibt, die aber doch untereinander sehr unterschiedlich klingen können.

Wer mehr über das Thema wissen will, kann sich in diesen beiden Verlinkungen weiter belesen:
Theo Wanne: Mouthpiece Museum
Klaus Dapper Artikel aus der Sonic

Kommen wir nun wieder zum Eigentlichen Testobjekt. Den Schnitzer Masahiko Gotoh kennen einige vielleicht noch von seinen früheren Bambusmundstücke. Das Material hat er nun gewechselt und zwar auf eine eigene Kreation. Bei dem Material handelt es um einen neuen Hartgummi, bei dem der Kautschuk nicht mit mit Schwefel als Bindemittel sondern mit Silikon versetzt ist. Daher rührt auch die geniale satinmatte Optik und Haptik. Natürlich soll das auch noch akustische Vorteile haben, aber das läßt sich natürlich schwer nachweisen.
Das Innenleben ist wie bereits gesagt Meyerlike. Der Produktname Sepia (schön mal nicht  so abgedroschene Produkbezeichnungen wie „Vintage“ oder „NY“ zu lesen), deutet auch darauf hin, dass man sich an dem „guten Alten“ orientiert hat.
Nach meinen Infos, schnitzt Herr Goto noch alles ordentlich selber und will auch gar nicht auf Masse expandieren. Das ist gut so, denn meist sind Geheimtipps nur so lange gut, wie sie Geheimtipps sind, denn sobald sie bekannt werden und die große Masse bedienen, sinkt die Qualität.
Zubehör sind übrigens eine schicke Holzschachtel und ein kleiner hübscher Lederbeutel zur Aufbewahrung.

Interessanterweise habe ich neben dem Gottsu ein Aizen NY bei mir liegen. Dies ist ebenso ein recht neuer japanischer Meyerclon, der zur Zeit als State of the Art gilt. Beide sind preislich recht exclusiv für Kautschukmundstücke (Aizen 257€, Gottsu 289€) was den Vergleich um so interessanter macht.

Der erste Unterschied ist, dass das der Schnabel des Aizen deutlich schmaker und flacher ist, als bei Gottsu, dass sich im Mundstück wie ein gewohntes Meyer anfühlt. Vielleicht wurde das Aizen eher für kleinere (japanische?) Münder konzipiert. Auf dem Alto bevorzuge ich breitere Mundstücke (deshalb spiele ich auch kein Metall mehr), aber jeder Mund ist anders.
Die Gottsus gibt es nur in den Öffnungen 5, 6 und 7. Wieder scheine ich einen Trend zu erkennen, in den Öffnungsgrößen bescheidender zu sein, was ich aus Erfahrung als  professioneller Spieler und Lehrer nur begrüßen kann. Bei dem 6er das ich habe, habe ich keinesfalls das Gefühl, dass ich nicht genug Luft durchbekomme. Bei Aizen war mir auf der Messe das 7er zu geschlossen, weshalb ich auf ein 8er gehen mußte.

Auch klanglich unterscheiden die beiden Japaner sich deutlich. Das Aizen trifft sehr genau den aktuellen Trend vom Vintageklangideal. Böse Zungen nennen das auch gerne mal „Muffelsound“. Ich bin mir manchmal auch nicht ganz sicher, ob der etwas husky/stumpfe Sound der alten Meister nicht auch der alten Aufnahmetechnik geschuldet ist. Aber hier geht es um persönliche Vorlieben und nicht umsonst habe ich mir das Aizen damals auf der Messe gekauft. Es ist ein schön direktes und knackiges Mundstück für die New Yorker Be-Bop Clubs.
Als ich das Gottsu in den Mund nahm, ging es sofort ab. Nie zuvor kam ich dem Adderlysound so nahe, wie mit diesem Mundstück. Der Ton öffnete sich, war fett und saftig. Der Begriff „Sepia“ trifft es meiner Ansicht nach nicht unbedingt, aber es ist auch nicht zu modern. Allroud einsetzbar und schön modulierbar. So wie ich es brauche.

Das beide Mundstücke von der Ansprache, Intonation und Verarbeitung top sind, versteht sich bei dem Preis und dem Herkunftsland fast von selber.  Beim Kauf habe ich zwei gleiche angespielt. Beide waren gut, gab jedoch recht kleine Unterschiede, aber das ist halt eben auch der Handarbeit geschuldet.

Leider funktionieren die neuen Forestone Jazzblätter, von denen ich sehr angetan bin, nicht auf dem Gottsu. Man hat mir erklärt, dass der Tisch eine Leichte Wölbung hat, was mit Holzblättern sehr gut funktioniert, aber die Forstone vom  Material einfach zu hart sind, um sich da anzupassen. Schade.
Nachtrag: Aufgrund der neuen von Gotoh entwickelten neuen Oberflächenbehandlung der Forestone unfiled Blätter passen die Blätter nun Perfekt auch auf die Gottsu Mundstücke.

Die Tenor, Bariton und Sopran Versionen konnte ich aufgrund der Zeit leider nicht testen, aber die Altoversion finde ich schon recht vielversprechend. Das Tenormundstück soll sich übrigens eher an ein altes Otto Link Tone Edge orientieren.
Die Mundstücke sind übrigens hierzulande über Expression beziehbar.

Mein geschätzter Saxophon- und Bloggerkollege Markus Zaja hat die Gottsus auch getestet (speziell das Tenor) und war aber nicht ganz so begeistert:
http://zajakonzerte.wordpress.com/2012/01/07/nicht-ganz-durchgebacken/

Ich bin jedenfalls happy mit meinem und es avancierte zu meinem aktuellen Liebling und von meinem Aizen werde ich mich dann wohl trennen, denn ich brauche keine 4 Meyermundstücke in meiner Schublade. Jemand Interesse?

http://gottsu.shop-pro.jp/
http://www.bamboomouthpiece.com/
http://expression-instruments.de/ 

PS: weitere Bilder folgen noch!

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