The Lion’s Roar von Jary Custom

Ich hattees ja schon angekündigt, dass ich mir in Amerika ein Custom made Mundstück habe schnitzen lassen. Das heißt, dass ich gesagt habe, wie ich klingen möchte und das Mundstück wurde so geschnitzt, dass ich so klinge. Soweit die Theorie, mal sehen ob das in der Realität auch so funktioniert.

Wie ich in meiner Mundstück Odysee ja schon „knapp“ erzählt habe, habe ich gefühlt alles angetestet, was man normal so kaufen kann, also lag dann irgendwann die Idee sich ein Custommade Mundstück nahe. Aber bei wem?

DSC00203Was habe ich also gemacht? Ich habe eine Email geschrieben und an alle halbwegs bekannten Refacer geschrieben und dann bin ich bei dem geblieben, von dem ich die beste und kompetenteste Antwort bekommen habe:
Jary Custom Mouthpieces von Dave Jary

nur bei ihm hatte ich das Gefühl, dass er wirklich verstanden hatte, was ich mir für einen Sound vorstelle.

Ich will einen männlichen Altosound. Eine Mischung aus Maceo Parker und Cannonball Adderly (wer würde nicht so klingen wollen). Einen kräftigen Jazzsound, interessantes Frequenzspektrum (zerklüftelt), hart mit Punch, sehr gute Projektion, ausgeprägte Tiefen die fast schon an einen Tenorsound erinnern und sehr breit (Cannonball), eine funky „edge“ (man könnte auch Randschärfe sagen) aber ohne zu hell und schneidend zu sein (Maceo).  Also nicht dünn, hell, plärrend oder kitschig, warm und weich.
Sehr wichtig war es mir, dass es sich sehr bequem spielen lässt und möglichst flexibel ist (von Bach über Jazzballaden bis zum Funk). Meine Probleme waren, dass ich nach langem spielen Oben rum ab und zu etwas zu dünn werde. Außerdem war mein Sound zwar schön breit, doch hatte ich immer das Gefühl, dass es in der Mitte an Substanz fehlte und so etwas „hohl“ klang. Zudem habe ich ihm eines meiner Lieblingsblätter geschickt, damit er es genau drauf abstimmt. Das besondere ist, dass es ein Fiberreed Carbonblatt für TENOR ist. Wahrscheinlich ist dies das erste AltoMPC, das speziell für den Einsatz mit Tenorblätter gedacht ist (warum ich das mache, habe ich in meinem Soundtipps erklärt). Zusätzlich wollte ich, dass er mir das Dach flacher macht, weil ich es nicht mag, wenn ich mein Maul so weit aufreißen muß beim spielen.

Zwar biete JaryCustom auch eigene Rohlinge aber ich wollte etwas optisch auffallenderes und da ich kein Metall wollte habe ich mich für ClearPastik entschieden. Ich habe mich mit Dave Jary abgesprochen und dann bei Hans Zinner einen Rohling in der passenden Größe geordert. Somit ist das Mundstück zum Teil auch Deutsch und zudem ist das Zinner ein sehr guter Rohling gewesen. Diesen habe ich dann in die USA zu Dave geschickt und dann begann das Warten. Ich das Projekt und somit das Mundstück Lion’s Roar getauft. Einerseits, weil in meinem Namensurprung eine „Löwe“ steckt und zweitens, irgendwie sollte es auch so klingen (-;

DSC00219Nach einer gefühlten Ewigkeit kam mein Lion’s Roar endlich vor zwei Wochen mit der Post an. Mundstück auf’s Raven und rein geblasen und mir wurde schlagartig bewusst, dass ich ein sehr gutes Mundstück und das wohl interessanteste Mundstück, das mir bisher begegnete, gerade in meinen Händen hatte.
Jetzt habe ich ich mich etwas auf das Mundstück eingespielt und kann jetzt über meinen ersten richtigen Eindruck schreiben.

Und hat er das Wunder vollbracht, mich so klingen zu lassen, wie ich es wollte! Ein ganz klares: Jein!
Mir war vorher klar, dass ein Mundstück keine Wunder bewirkt und das alle meine Wünsche zu erfüllen eigentlich unmöglich sein müßte, zudem kommt der Hauptsound immer noch vom Spieler. Kein Equipment ist in der Lage einen schlechten Spieler gut klingen zu lassen bzw. einen Fortgeschritten wie Cannonball und Maceo zusammen.

Was nicht so durchkommt ist diese Funky Edge, die ich mir vorgestellt habe. Es ist recht dunkel, aber nicht weich und warum, sonder direkt und es hat eine fantastische Projektion. Die vielleicht leicht fehlende Brillianz bzw. den doch stark dunklen Farbton kann man leicht mit der richtigen Liagtur noch zurecht biegen. Was leider auch etwas fehlt, ist sind diese Tenorhaften ausgeprägten Tiefen und es ist auch nicht ganz so breit (aber das liegt an Zinnerrohling, das irgendwie gerade Seiteninnenwände hat, und somit die Breite irgendwie etwas bestimmen), wie mein vorheriges. Also weniger Cannonball und Maceo, als erwartet. Dafür hat das Lion’s Roar eine überraschende luftige Note im Sound. Im Piano ist es ein wahres Subtonewunder. Man hört ein deutliches Luftrauschen, ich habe aber nicht das Gefühl, das Luft verschwendet wird. Das gibt den Ton eine ungewöhnlich aber verdammt stylische Jazznote. Ein Freund meinte sogar dass es ihn an Desmond erinnere, ein anderer an Lee Konitz. Eigentlich finde ich das sehr sehr cool allerdings raubt dies auch ein wenig die stilistische Flexibilität. Bach geht damit so nicht. Aber vielleicht, wenn ich mich richtig an das Mundstück gewöhnt habe, kann ich das genug kontrollieren, dass ich meinem Sax auch wieder „baroke“ Töne entlocken kann.
Aber alles was mir wirklich wichtig ist, wurde erfüllt.  Ich habe den Punch, es ist volltöned (schließt sich oft aus, aber nicht hier), ich habe den Charakter und es spielt sich super leicht und angenehm. Die Höhe sind deutlich stabiler, alles stimmt, Altissimo und die ganz tiefen gehen so leicht wie nie zuvor. Zwar ist es nicht mehr so breit aber der Sound ist mit lauter interssanten Frequenzen gefüllt. Ich habe deutlich mehr Soundsubstanz. Ich meine wirklich, dass es das beste Mundstück ist (zumindest für mich), dass ich bisher gehabt habe.

DSC00221Ich habe Dave gefragt, was er eigentlich alles an meinem Mundstück gemacht hat. Die Öffnung und Baffel sind komplett überarbeitet (auch passend zum Blatt). Er hat mir erzählt, dass er hier lang experimentiert hat und in sich in kleinen Schritten ans Optimum getastet hat. Zudem hat er die Innenkammer gerundet und geglättet. Wie besprochen hat er das Dach auch etwas abgeflacht. Ich finde, dass es dadurch eine sehr elegante Krümmung bekommen hat. Das Arbeiten mit dem durchsichtigen Akrylplastik ist besonders aufwenidig, da alle arbeiten sehr sorgfältig nass nachgeschliffen und poliert werden mußten, damit es danach immer noch so schön ist. Persönlich vermute ich, dass er an dem Lion’s Roar etwas mehr Stunden saß, als normal.

Natürlich bleibt da noch die Frage, wie viel hat der Spaß denn jetzt gekostet. 300? 400? oder noch mehr?
Für den Rohling von Zinner habe ich mit Porto 60Euro gezahlt. Eine Komplettüberarbeitung eines Kautschukmundstückes kostet bei Jarycustom 160 Dollar, Porto zurück 27 Dollar. Damals waren das zusammen umgerechnet 136,67Euro. Somit habe ich für mein Custommade Mundstück  knapp 200 Euro gezahlt. Gute Kautschukmundstücke von der Stange können auch schnell mal soviel kosten, insofern finde ich diesen Preis sehr günstig. Jarycustom bietet auch eigene Rohlinge an (ab 29$). Die Verarbeitung von Metall kostet mehr. Zusätzlich bietet er noch andere Serviceleistungen (Platings usw.) an.

Bleibt jetzt eigentlich nur noch das abschließende Resumé. Was das Lion’s Roar angeht, bin ich absolut glücklich und ich attestiere dem Dave Jary, dass er ein Meister seines Faches ist.
Was nun die Custommade Mundstücke allgemein angeht war ich lange sehr skeptisch, ob die wirklich so gut sind, ob sie alle Wünsche erfüllen und das Geld wert sind.
Also ich gebe zu bedenken, dass ich nun diverse Mundstücke hinter mir hatte und ich eine sehr deutliche Soundentwicklung hinter mir habe und ich bin bei weitem noch nicht am Ende. In der Zeit haben sich meine Soundvorstellungen oft sehr geändert. Erst in letzter Zeit fühlte ich mich etwas gesetzter und konnte so sehr exakt beschreiben was ich wollte, wo meine Probleme waren und was ich brauche. Nur dadurch und dass ich auf dem regulären Markt nicht fündig wurde machten es für mich Sinnvoll, mich an einen Refacer zu wenden.
Aber ich hätte nicht gedacht, dass ein mit Sorgfalt hausgemachtes Mundstück so viel ausmacht hätte ich auch nicht gedacht. Bei Meyer, Selmer und Otto Link sind inzwischen Massenware und bei diesem kommt es oft vor, dass die nicht mehr so exakt gearbeitet sind und daher eher mittelmäßig ausfallen. Dass das bei einem Cutommade passiert, ist eher unwahrscheinlich. Insofern sehe ich die Custommademundstücke nicht mehr so skeptisch. Wie gut das Mundstück ausfällt, hängt natürlich auch vom können des Refacers ab. Ich möchte aber jetzt auch keinen Anfänger dazu verleiten, sich gleich ein teures Custommade zu bestellen. Jemand der noch keine exakte Soundvorstellung und Entwicklung hinter sich hat, dem kann so ein Teil nicht so viel nutzen. Das beste Mundstück, kann niemanden automatisch gut klingen lassen und ich kenne einige Fälle, bei denen sich Leute für 400Euro eines haben fertigen lassen und immer noch nicht gut klangen.
Aber jedem erfahrenem Spieler, der noch auf der Suche ist, kann man raten, ein Custommade mal in Betracht zu ziehen.

http://www.jarycustom.com/

 

9 Gedanken zu „The Lion’s Roar von Jary Custom


  1. Gibts bestimmte Seiten, wo es diese Rohlinge in möglichst vielen Ausführungen/Designs gibt? Ich möchte mir auch eins refacen lassen, und ich finde diesen Matt-Look wie z.B. bei den Aizen-MPCs optisch sehr ansprechend

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