neues von der Musikmesse 2012


So, endlich habe ich Zeit, über das eigentlich wesentliche zu schreiben: dem ganzen neuen Equipment und Entdeckungen von der Messe. Die aktuellen Geschehnisse auf der Messe könnt ihr in meinem Liveticker nachlesen und mein persönliches Resümee hier.
Die Berichte aus den vergangenen Jahre findet ihr dort:
Musikmesse 2011
Musikmesse 2010 

Dieses mal geh ich alphabetisch vor. Die Berichte über Forestone, B.Air und Gottsu verfasse ich jedoch in einem gesonderten Artikel, da ich dort nun reichlich Produktproben zur Hand habe und diese etwas intensiver testen kann. Der Test folgt dann die Tage.

Zu einigen Herstellen wie Borgani, Francois Louis, Aaron Drake, Brancher, Cannonball, P.Mauriat, Buffet, Keilwerth usw. kann ich leider nicht viel schreiben obwohl ich mich dort länger und gerne aufgehalten habe und viel mit denen dort geschnackt habe. Aber bei den Herstellern gab es nicht wirklich etwas neues (bzw. was ich beim letzten mal nicht antesten konnte), über das ich berichten könnte.

Amsterdam Winds
Auch dieses Jahr war Friso Heidinga mit seinem selbstgebauten Altsaxophon auf der Messe und wieder war ich mehr als angetan, von dem Prachtexemplar. Meiner Ansicht nach, eines der besten Mk VI ähnlichen Saxophone. Klingt super, technisch fantastisch gebaut und sehr schön. In große Serienproduktion wir es nicht gehen, aber Friso Heindinga baut inzwischen einige Instrumente im Jahr, weshalb diese sehr exclusiv und natürlich auch preislich nicht ganz billig sind. Da verwundert es nicht, dass Candy Dulfer (wahrscheinlich die berühmteste holländische Saxophonistin) ihr Selmer und Inderbinen zur Seite legte und nun das Free Wind Saxophon endorst.
http://www.amsterdamwinds.nl/

Antigua
Antigua ist hierzulande eher als eine Schülermarke bekannt. Sie produzieren auch hauptsächlich eher günstigere Taiwansaxophone. Allerdings, wie mir gesagt wurde, in einer komplett eigenen Werkstatt (was sonst nur noch Jupiter hat und eigentlich ein Qualitätsplus bedeutet). Neu war jedoch ein Saxophon für den gehobeneren Bereich mit dem passenden Namen Pro-One bei dessen Entwicklung Peter Ponzol (s.u.) federführend war. Das ist natürlich sehr Interessant. Leider gab es das Pro-One nur in einer Goldlackversion (was ich ja immer etwas langweilig finde). Das Fazit nach dem ersten Anspielen: „Oha, interessant“. Es sprach mich irgendwie sehr an, warum kann ich allerdings nicht genau sagen. Deutlich war das hohe Gewicht, das wahrscheinlich auch von den interessanten Designfeatures stammt. Nur die tiefen Tonlöcher haben Rolled-Toneholes und die Klappen dafür haben ein neues Trident-Key-Arm-System, mit dem man leicht über Schrauben die Klappen deckend einstellen kann. Zudem hat das Saxophon ein spezielles Neck- und Belldesign sowie einen Gis-Heber. Definitv ein Saxophon, dass ich bei Gelegenheit genauer unter die Lupe nehmen muß.
http://antiguawinds.com/

Bari
Eigentlich ist Bari als Mundstück- und Kunststoffblatthersteller recht bekannt nur hört man in Deutschland recht wenig darüber. In amerikanischen Foren liest man „Bari“ deutlich öfter als hierzulande. Als eingefleischter Kunststoffblattfan mußte ich deren Blätter unbedingt endlich mal testen. Das „Original“ ist aus einem massiven durchsichtigen Plastik in dass der Ausschnitt anscheinend gefräst worden ist. Selbst ich finde die Haptik gewöhnungsbedürftig. Ansprache ist tadellos. Der Klang ist relativ laut, groß und hat einen gewissen Punch. Also nicht uninteressant, aber mir fehlte doch etwas Wärme für einen echten vollen Sound. Das dunkler und wärmere Star-Model (golden) habe ich leider nicht angespielt.
Desweiteren hatte Bari noch brandneue Mundstücke mitgebracht, die wahrscheinlich die kuriosesten dieses Jahr gewesen sein mußte. Ein merkwürdig geteilter Einlauf und eine Kammer mit Spiralform. Diese „Vortex“ Teile haben in der Metallversion noch zwei witzige Schrauben auf Schienen. Die HardRubber-Version ist noch ein Prototyp den sie zur Messe mitgebracht haben. Am Schafft haben eine lustige Wulst, um dem Mundstück wieder mehr Gewicht zu geben. Das ganze funktioniert erstaunlich gut. Ein moderner durchsetzungsfähiger Sound ohne zu scharf zu klingen mit einer interessanten luftigen Note. Ob Bari damit das Rad neu erfindet, wage ich mal zu bezweifeln, jedoch will ich die bei Gelegenheit nochmal intensiver testen.
http://www.bariwoodwind.com/

ClarSaxPopa
Wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen Hersteller für Saxophon- und Klarinettenprodukten und zwar aus Spanienen. Neben Blättern stellen sie alternative  Birnen und Becher für Klarinette aus edlem Holz her. Ähnlich wie die Birnen sehen auch deren Ligaturen für Sax und Klarinette aus. Massive Ringe aus Holz, sehr schick. Allerdings muß es passen. Es hat ein wenig gedauert, das passende Modell zu finden. Die Ringe gibt es auch nochmal aus massiven Metall. Tatsächlich funktioniert das sehr gut (wenn man die passende Größe hat). Ansprache und Klang sehr schön. Metall klingt mal wieder obertonreicher, während die Holzvariante wärmer und dunkler ist. Allerdings handelt es sich bei Preisen von 120€ (Holz)/ 160€ (Metall) eher um ein Luxusprodukt.
http://www.clarsaxpopa.com/

Eppelsheim
Dieses Jahr habe ich mich mal nicht den genialen Tieftönern befasst sondern mich etwas mehr mit dem Soprillo beschäftigt, welches eine ganze Oktave höher als ein Sopran erklingt. Es sieht ja sehr niedlich und schick aus, aber mit dem Teil muß man kämpfen. Ich brauchte ca. 10 Minuten, bis ich es schaffte eine intonatorisch erkennbare Tonleiter und die höchsten Töne spielen zu können. Man muß das Ding mit der Vorstellung spielen, als würde man auf dem Alto nur Flagolettes spielen. Definitiv nur etwas für hartgesottene Profis mit schlanken Fingern. Aber es ist ein schöner Exot und technisch genial konstruiert (z.B. ist die Oktavklappe IM Mundstück eingebaut). Aber mit fast 3000 Euro, leider auch kein Schnäppchen.
http://www.eppelsheim.com/

Expression
Eigentlich gab es bei Expression dieses Jahr nicht wirklich etwas neues, aber als ich am Gottsu-Stand spielte wurde ich ich gebeten quasi die ganze Palette einmal anzuspielen und meine Meinung dazu abzugeben. Ich muß zugeben, ein wenig gebauchpinselt habe ich mich in der Situation schon gefühlt 😉
Vor allem blieben mir die Unterschiede in den verschiedenen Legierungen in Erinnerung. Normales Gelbmessing, Goldmessing (höherer Kupferanteil) und Bronze (Expression betont, dass sie neben Yanagisawa der einzige Hersteller sind, die Bronze verwenden). Je höher der Kupferanteil desto weicher und farbiger der Klang und das passt zu den  BigBell-Taiwanhörnern, die mir persönlich oft zu straight und hell im Klang sind. Besonders interessant fand ich das unlackierte Bronzesaxophon, dass mit Öl abgeflammt worden ist, wodurch eine sehr auffallende Antikoptik zustande kommt.
http://expression-instruments.de/

Fiberreed
Zur Messe hat Harry Hartmann einen neuen Blatttyp mitgebracht. Und zwar eine Mischung aus dem Klassikschnitt und dem Carbonblatt (die Zebradinger). Heraus kam ein schönes Jazzblatt mit deutlich mehr Kraft als das normale Klassikblatt, aber nicht ganz so hell und schneidend wie das normale Carbonblatt.Ein sehr schöner Mittelweg. Tatsächlich ging der Klang sehr in Richtung der neuen Forestone Unfiled Blätter.
Außerdem hatte Harry in seiner Schublade noch mehrere Prototypen die er mit Savas Bayrak entwickelte. Die Blätter hatte alle wieder etwas Herz wodurch die Ansprache zwar wieder etwas härter wurde aber sich in der Tat besser und natürlicher anfühlt. Die verschiedenen Prototypen klangen recht unterschiedlich aber schnell hatte ich einen Favoriten. Ich bin schon gespannt darauf, wenn dieses Blatt in Serienproduktion geht, denn das hatte es echt in sich.
http://www.fiberreed.com/

Inderbinen
Die Inderbinensaxophone sind ja schon länger legendär. In der Schweiz handgefertigt, eines der lautesten und voll klingenden Saxophone auf dem Markt und  mit die teuersten mit über einem Jahr Wartezeit. Neben den Saxophonen deckt er fast alle Blasinstrumente in seiner einmaligen Bauweise ab. Aber neu dieses Jahr ist seine eigene Mundstückserie. 3 Metallmundstücke für Tenorsaxophon. Wie man  auf den Photos gut sehen kann, unterscheiden die sich in ihrem Baffle. Mit Abstand hat mir die mittlere Version am besten gefallen. In Kombination mit dem Inderbinensaxophon habe ich mich auf dem Tenor so wohl gefühlt wie schon lange nicht mehr. Ein voller kräftiger Sound, modulationsfähig, von ppp bis fff, subtones bis echt funky. Das hat echt Spaß gemacht. Kurz, tolles Mundstück, dass definitiv viele Fans finden dürfte.
http://www.inderbinen.com/

Jody Jazz
Eigentlich hatte Jody Espina nichts neues am Stand, allerdings habe ich den die letzten beiden Jahre übersehen beziehungsweise nicht geschafft. So hatte ich mal die Gelegenheit die aktuellen Mundstücke durchzutesten und ausführlich mit dem Herren Espina zu quatschen. Seine HardRubber-Serie halte ich immer noch für sehr gute Mundstücke für ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, dass ich gerne weiter empfehle. Ich habe auch nochmal das DV gegen das DV NY angespielt und festgetellt, dass mir ein Mitte zwischen den beiden Mundstücken bräuchte und ich mit Metall aufgrund, dass sie schmaler sind, nicht wirklich zurecht komme. Ich fand’s schade, dass es die DV Mundstücke (besonders das Chicago) nicht auch in einer HR-Version gibt. Wir  haben dann noch über Ansätze und Mundstückübungen gefachsimpelt, was sehr anregend war.
http://jodyjazz.com/

Kinderinstrumente
Ein sehr bunter Stand und wenn ich ehrlich bin, hat mich nur das rosa Saxophon stehen lassen. Bei genauerem hinsehen erkenne ich das Ding sogar vom letzten Jahr. Das Trevor James Kindersaxophon. Knallige Farben, reduzierte Mechanik (nur bis Tief C, weniger Palmkeys, keine alternativ Griffe (seiten Fis, C usw)) und das daraus resultierende leichtere Gewicht sollen Kinder ansprechen. Die Firma Kinderisntrumente vertreibt alle möglichen Instrumente, die speziell für kleinere Kinder konzipiert sind. Neben dem Trevor James Alto hatten sie noch ein Sopran, dass auch eine reduzierte Mechanik hat. Dieses geht auch nur bis Tief C, hat aber Tief H und Bb als Deko noch als Klappe, was ich etwas abstrus finde. Ich weiß nicht, ob ich ein Fan von diesem Konzept bin, da eigentlich nur das hohe Gewicht und evt. die Fingerlänge bei Kindern unter 12 ein Problem ist. Die Saxophonmechanik ist eigentlich schon simple genug und die kleinen sind motorisch besonders lernfähig. Das Sopran hat sowieso eine deutlich schwerere Ansprache. Ich weiß nicht, ob das wirklich so ein idealer Weg ist. Aber wenn man nun ein kleines Kind hat, dass unbedingt Sax spielen will, ist das vielleicht eine Alternative.
http://kinderinstrumente.ch/

Kondratov
Letztes Jahr war die Mechaniken von Leopold Kondratov mein Messehighlight. Für mich ist das „Saxophon 2.0“. Ich war begeistert von den vielen kleinen und großen Ideen (z.B. Gis-Lock), dass man alles Einstellen kann (Palmkeytonlochöffnung, a-Kopplung, usw), dass man die Pads total easy auskoppeln kann und absolut easy pass genau justieren und das tolle Gefühl der Mechanik dadurch, dass der Druck auf die Klappe immer mittig ist.
Bisher hat Kondratov nur den Umbau von Instrumenten angeboten. Jetzt hat er endlich auch sein eigenes Saxophon, beziehungsweise fehlte ja eigentlich nur noch der eigene Korpus. Auf der Messe stand noch sein selber handgefertigter Korpus, aber später soll dieser aus Kostengründen nach seinen Angaben in Taiwan nachgebaut werden. So wird das Instrument mit ca. 5000-6000 Euro auf den Markt kommen, was ich für so ein Tenor für einen sehr angemessenen Preis halte.
Ihr merkt, ich bin begeistert. Wie gesagt, meiner Ansicht nach ist seine Saxophone von der Mechanik her das am weitesten entwickelte Saxophon.
http://meinsax.de/

Marco Magi
Ich liebe ja den kleinen schnuckligen Lederkoffer, den ich zu meinem Borgani bekommen habe. Nun habe ich dazu endlich den Hersteller gefunden: Marco Magi. Ein italienischer Instrumentenkofferhersteller. Alles recht exclusiv mit schönem italienischem Leder. Ich war begeistert von der Vielzahl an Variationen und so manchem verspieltem Detail. Mir wurde gesagt, dass man auf Wunsch auch spezielle Veränderungen vornimmt. Wenn ich etwas Geld habe, werde ich mir von denen auch ein Tenorkoffer besorgen.
http://www.marcomagi.it/

Music Medic
Music Medic ist ein größerer amerikanischer Internetstore, der vornehmlich Werkzeuge und Material für die Reparatur und Bau von Blasinstrumenten in großer Auswahl anbietet. Zum Beispiel habe ich von dort das Saxophon Repair Kit, welches mir schon in so mancher Lage sehr geholfen hat. Ich habe die Gelegenheit genutzt und mir einen weiteren Federhaken gekauft, da man das ja sonst nicht im Baumarkt um die Ecke bekommt.
Am Freitag waren sie sogar mein Lebensretter, denn kurz vor einer Vorführung habe ich bemerkt, dass plötzlich das Polster an meinem S-Bogenhebel fehlte. In Panik rannte ich zu deren Stand und sie haben es tatsächlich dort am Stand reparieren können. Dafür hier nochmal ein großes Danke schön an die tollen und freundlichen Leute von Music Medic!
http://www.musicmedic.com/

NUVO
Die Firma dürfte vielleicht bekannt sein von der weißen Plastikklarinette für Kinder Clarinéo, die ich hier vor einiger Zeit getestet hatte. Ich war doch sehr angetan und habe sie mir sogar gekauft. Dieses Jahr habe ich bei denen am Stand (in Halle 3) eine neue Plastikquerflöte entdeckt. Ich bin alles andere als ein fähiger Flötist, aber dennoch wollte ich das Ding unbedingt anspielen. Bis auf die tiefsten Töne, kam alles, was bei mir auch sonst kam und den Klang fand ich auch sehr „echt“ (professionelle Flötisten werden mir für diesen Satz wahrscheinlich den Hals umdrehen wollen).
Auch die Flöte ist speziell wieder für Kinder konzipiert (es gibt auch eine Variante mit geschwungenem Kopf für kurze Kinderarme). Aber auch für Erwachsene als Reise-, Outdoor- oder Gaginstrument. Ich muß aber sagen, dass die Flöte deutlich weiter entwickelt wirkt als die clarinéo. Das kommt wahrscheinlich daher, dass es deren zweites Instrument ist und dass eine Flötemechanik einfacher konstruiert ist als die einer Klarinette. Bei der Clarinéo hat mir einfach zu viel gewackelt und geschlabbert (aufgrund der reinen Plastikbauweise (siehe Test)), was bei der Flöte. Preislich liegt die Querflöte bei 150 Euro, was eigentlich Ok ist für eine Flöte, allerdings gibt es schon Chinaflöten für die Hälfte. Die Plastikflöte gibt es auch noch in ein paar Sonder-Finishes, die dann aber 300€ kosten sollen, was ich persönlich dann doch etwas für zuviel halte für eine nur andere Farbe.
http://www.nuvo-instrumental.com/

Peter Ponzol
Eine besondere Freude war es Peter Ponzol kennen zu lernen. Zwar kennt man den Namen, aber nur wenige wissen hier wirklich etwas mit ihm anzufangen, obwohl sein Ruf als Equipmententwickler eigentlich schon legendär ist. Unter anderem war es maßgeblich an dem Keilwerth SX 90 beteiligt.
Ich war sehr überrascht, als mir Peter Ponzol auf deutsch antwortete. Er hat hier länger gelebt und auch eine deutsche Frau geheiratet, die ich am Stand auch kennen lernen durfte.
Getestet habe ich die aktuellen Ponzol-Mundstücke. In Deutschland redet so gut wie keiner darüber, was ich nach dem anspielen nicht verstehen kann. Ich bin eigentlich kein Fan von Metallmundstücken für das Alto aber die fand ich wirklich gut. Ein etwas moderner hellerer Sound, aber sehr voll, ausgeglichen und modulationsfähig. Das gleiche Mundstück gibt es auch aus Delrin, ein Hightechkusntstoff, der wohl auch im Zahnarztbereich verwendet wird. Leider ist dieser Kunststoff genauso teuer wie Stahl, weshalb die auch so viel kosten wie die Metallvariante.
Interessanterweise gibt es das Mundstück nur in einer Bahnöffnung, weil Ponzol die Philosophie vertritt, dass es nur eine wirklich optimale Verbindung zwischen Öffnung, Bahnverlauf, Baffle und Kammer gibt. Ich sehe es ähnlich, dass man Öffnung, Bahnverlauf und Co nicht beliebig zusammen passen. Und das Mundstück gibt irgendwie recht, spielt es doch tadellos.
Also wer nach einem guten Altometallmundstück sucht, sollte unbedingt die Ponzol-Mundstücke ausprobieren. Ich war wirklich angetan und hoffe, dass man jetzt in Deutschland etwas mehr auf die Teile aufmerksam wird.
http://www.peterponzol.com/


Rampone & Cazzani
Ich muß mich wiederholen, Rampone&Cazzani bauen die optisch schönsten Saxophone (siehe Photos) und auch den Klang würde ich als italienisch schön beschreiben. Definitiv etwas für Leute, die etwas feinsinnigeres brauchen als einen Asiaten. Ein wirklich neues Modell gibt es nicht, aber eine Vielzahl an Kombinationen von Kupfer, Silber, Messing Bechern, Korpusen und S-Bögen. Da kann man sich in der Klangsuche schön austoben.
Interessant war ein Konzeptstudie ohne Klappen also nur das Rohr (bis auf die Oktavklappen. Erstaunlich, wie butterweich und schön ein Tief-Bb klingen kann und wie gut die Obertöne kommen (wenn man immer schön seinen Rascher geübt hat).
http://ramponecazzani.it/

Red Strap
Irgendwie war der Stand etwas einsam, da die anscheinend nur ein Produkt hatten. So eines dieser Gurtgeschirre für Leute mit schweren Saxophonen oder Hals/Nackenproblemen. Eigentlich habe ich schon so etwas von BG aber ich habe es dann dennoch ausprobiert und war doch über den viel besseren Sitz und die geschickteren Einstellungsmöglichkeiten, dass ich mir gleich einen mitgenommen habe.   Definitv einer der am besten sitzenden Gurte dieser Art.
Ich finde den Plastikhaken nicht ganz so toll, aber man hat mir gesagt, dass der viel stabiler als der Standartkarabiner sei (der übrigens auch noch extra mit dabei ist). Auch finde ich das rot sehr ansprechend, es gibt das Ding aber auch in einer ganz schwarzen Version.
http://www.redstrap.be/

Rico
Eine der witzigsten Aktionen gab es am Ricostand. Zwar gab es nicht wirklich neues und spannendes Equipment bei ihnen, aber sie hatten eine Lasergravurmaschine aufgestellt und gaben so Kappen mit eigenem Namen drauf gelasert als Giveaway  her. Sehr schick und praktisch. Die Ricokappen sind eigentlich ganz clever. Sie passt auf jede Standandartblattschraube, aber auch die Vandoren Optimum und Flexitone.
http://www.ricoreeds.com/

System 54
Dieses Jahr klappt es auch endlich, dass ich bei System 54 die Instrumente anspielen kann. Auf den ersten Blick und Anspielen sieht das Meiste nach guter Standarttaiwankost aus. (Das ist jetzt nicht abwertend gemeint, da inzwischen eine Vielzahl guter Instrumente mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis daher kommen.) Dann erblickte ich etwas sehr interessantes. Ein einteiliges Sopran mit gebogenem Hals, mit hohem Kupferanteil UND unlackiert. Sehr schick und edel. Allerdings hat das Instrument wohl auf der Messe schon gelitten. Merklich deckte irgendwas nicht, es sprach schlecht an und hatte keinen Wumms. Sehr schade, das Instrument muß ich definitiv bei nächster Gelegenheit das Instrument im gut eingestellten Zustand spielen. Es könnte eines der interessanteren Taiwanesen sein.
Desweiteren gab es dort am Stand die LeFreque-Teile (so ein Schwingungsbrücke) die so in letzter Zeit die Runde machten. Leider mußte ich weiter und außerdem scheue ich das Testen der Teile, weil ich es dann wahrscheinlich haben will.
http://www.lefreque.de/
http://www.system54.com/

TBS Woodwind
Auch dieses Jahr hatte ich den Eindruck, dass die chinesischen Firmen auf der Musikmesse (zumindest in der Bläserhalle) weniger wurden. TBS Woodwind ist einer dieser chinesischen Firmen, die nicht mit ihrem eigenen Markennamen auf den Markt gehen, sondern für andere Hersteller produzieren und dann deren Namen drauf setzen.
Eigentlich interessieren mich die Chinesen wenig, aber hier hat mich ein unlackiertes Bariton mit ungewöhnlicher Mechanik angelacht. Alles etwas robuster gebaut. Natürlich habe ich es angespielt, das beste Bari der Welt ist es nicht, aber es war sehr OK und ich schier aus den Wolken gefallen, als ich nach dem Preis gefragt habe. 1200€! Für ein Bari ist das ein Wahnsinnpreis zumal es sich hier NICHT  um so ein dünnblechiges Teil handelt, dessen Mechanik sich schon beim hinsehen verbiegt.
Da habe ich mir dann auch nochmal deren Altos genauer angesehen, denn einige sahen eigentlich ganz schick aus. Besonders angesprochen hatte mich ein Franzosennachbau, OHNE hoch Fis, mit reduzierten Ribs, unlackiert und in einem edlen leicht orangem Look. Klang auch ganz ordentlich und war halbwegs fingerfreundlich. Definitiv der interessanteste Chinese, den ich bisher in den Fingern habe. Man darf gespannt sein, wie sich die Chinesen in den nächsten paar Jahren entwickeln werden.
http://tbswoodwind.com/

Terré
Wie fasse ich das Musikinstrumentensortiment von Terré am besten zusammen? Vielleicht mit naturnahen Instrumenten. Terré ist eine der größten deutschen Firmen die alternative Instrumente von Tempelhörner bis Klangschalen anbieten. Und anscheinend nehmen sie die dazu gehörige Philosophie auch recht ernst.
Mich haben besonders die Didgeridoos fasziniert. Zwar habe ich alles zum klingen bringen können, nur mit der Zirkularatmung klappt es noch nicht so recht. Diese gab es in verschiedenen Preisstufen, aus verschiedenen Materialien und Formen. Besonders witzig und vor  allem praktisch sind die gewundenen Didgehörner. Ich weiß zwar nicht so genau, für was ich so ein Teil gebrauchen könnte, ich weiß nur, ich will eines.
http://terre.de/

Theo Wanne
Theo Wanne gilt als einer der besten Mundstückschnitzer der Welt und wenn man sich seine Mundstücke so anschaut, weiß man warum. Technisch perfekt, kosten leider auch dementsprechend.
Nun hat Theo Wanne sein eigenes Tenorsaxophon vorgestellt. Leider konnte ich es nicht anspielen, weil irgendwas mit dem S-Bogen war (so etwas passiert schon mal auf Messen. Schade, egal mache ich das halt nächstes Jahr. Aber dennoch habe ich es schon mal in die Hand genommen und genauer betrachtet. Sofort fällt das hohe Gewicht auf. Kein Wunder, wenn man sich anschaut, was das Teil so für Extras hat. Einen Spezial-S-Bogenhebel für bessere Schwingungen, eine neue bessere Klammer zwischen Body und Becher, viele Einstellschrauben, drei Aufhängungen für den Gurt und noch ein paar nette Mechanik und Design features. Das mattsiberne Finish mit der traumhaften Frauengravur sucht natürlich auch seines gleichen. Definitiv ein sehr beeindruckendes Horn.
http://theowanne.com/

Winter
Winter ist ein deutscher Kofferhersteller. Ich habe ein paar Freunde und Schüler, die einen Winterkoffer zu ihrem Jupiter oder Keilwerthsaxophon bekommen haben und die sind damit sehr zufrieden. Auch auf der Messe habe ich mir die Produktpallette angeschaut und fand die Qualität extrem gut. Besonder gefallen haben mir die sehr leichten und stabilen Carbonformkoffern (auch wegen der Optik). Leider liegen die bei ca. 300 Euro.
http://www.jakob-winter.de/

Zajakonzerte
Freund und Kollege Markus Zaja hat zur Messe sein Geheimprojekt gelüftet. Es ist der Tenorprototyp Zaja1 den für ihn Saxdoc Thorsten Köhler (aka ToKo) aus Pinneberg fertigte. Es basiert auf einem alten Taiwankorpus, mit einer komplett neuen Applikatur. Das eigentliche Highlight ist die Eliminierung des Hoch-Fis. Meisterlich wurde das Tonloch entfernt was vieles verändert. Der Klang wird voller, es resoniert besser und plötzlich gehen auch die alten Flageoletgriffe. Anspielen konnte man das Tenor auf dem Forestonestand.
Desweiteren gab es passend dazu  die Zaja1 Mundstücke für Alt und Tenor, welche von Benno Melnicki geschnitzt worden sind und ideal zu den neuen Forestone Unfiled passen sollen. Die Mundstücke gehen eher in die Richtung eines Johnny Hodges Vintage Sounds. Das gibt es so gut wie gar nicht auf dem Markt, daher sehr interessant.
http://zajakonzerte.wordpress.com/2012/03/29/the-z1-tenor-saxophone-concept-study/
http://saxart.eu/

So, das war es von dieser Musikmesse 2012, bis auf Gottsu, B.AIR und Forestone, die in einem extra Artikel genauer getestet werden. Es war dieses Jahr mal wieder sehr spannend, es gab viel neues und interessante Bekanntschaften und ich freue mich schon aufs nächste Jahr.

2 Gedanken zu „neues von der Musikmesse 2012


  1. Hei,

    weißt du vielleicht, wo ich online einen RedStrap ATBLX bestellen kann. Die Links auf der Redstrap-Seite sind leider weitgehend nutzlos, die drei deutschen Shops habe nichts oder funktionieren nicht. Der einzige Shop der genau diese Größe anbietet, ist nur auf dänisch verfügbar und bietet keine englische oder deutsche Kundeninformation an. Andere Auslandsseiten haben diese Größe gar nicht im Angebot oder machen nur unzureichende Angaben.

    Grüße
    Stefan

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