Anekdoten, Geschichtchen und sonstige Lebensweisheiten

Nun jeder kennt Geschichten, die anfangen mit “Der Freund meines Freundes ist mal…” oder “Der Schwippschwager meiner Tante 3. Grades hat mal…”. Und immer sind diese Geschichten sowas von wahr und es wird schnell auf das Grab der eigentlich noch lebenden Mutter geschworen. Was ich allerdings hier gesammelt habe ist wirklich mir passiert und ist so wahrheitsgemäß aufgeschrieben, soweit ich mich daran noch richtig erinnere (Übertreibungen sind allerdings stilistische Mittel des Autors und damit auch legitim). Noch steht hier nicht viel, da ich älteres schon vergessen habe (deshalb habe ich jetzt angefangen das aufzuschreiben), aber es wird stetig mal wieder etwas neues dazukommen.

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Baroker KossiNeulich gegen Ende einer Session wollte unbedingt  Zwei (schon etwas angetrunkene) noch mitjamen. Als sie auf die Bühne kommen, fragen wir sie, was sie spielen wollen und erhalten als Antwort “A oder E”.
Der eine nahm sich den Bass der andere setzte sich ans Schlagzeug. Schnell (nach 4min bzw. für uns nach einer gefühlten Stunde) merkten diese, dass sie die Instrumente gar nicht spielen können, weshalb sie einfach tauschten. Der “Schlagzeuger” nahm den Bass, griff und schlug die Seiten wie bei einer Gitarre an. Aus irgendwelchen Gründen fanden sie das besser und meinten, dass ihre” Musik” irgendwie “80er Underground” sei. Da wir anscheinend nicht so aufgeschlossen waren und die Musik nicht verstanden hat sich unser Bassist, der mir aus noch unklaren Gründen an diesem Abend ein barokes Kostüm mit Perücke und Dreispitz trug,  sein Instrument aus der Hand des 80erUndergroundbassisten wieder genommen, diesen leise gedreht und ich gesellte mich dazu und wir improvisierten im Piano über C7 um nun auch den Schlagzeuger zurück ins 21. Jahrhundert zu holen. Der gab dann irgendwann auch auf und gab uns noch folgende Weisheit mit in die Nacht. “Wenn die anderen Instrumente leise sind, dann ist das Schlagzeug zu laut.”
(2009)

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Als ich zum 600 jährigen Jubiläum der Universität Leipzig mal wieder im Gewandhaus, DEM Konzertsaal Leipzigs, spielte wurde doch Tatsächlich vom dortigen Aufnahmeleiter (oder wie immer man den Mann mit dem Zeitplan und dem Mikro nennt) doch tatsächlich folgendes ausgerufen: “Das berliner Borak-Orchester soll sich fertig machen. Das Berliner Borok… Borak-Orchester ist in 10min dran”
(2009)

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Bei einer Probe, ich such mir gerade ein Blatt aus (ihr wißt, ich spiele diese schwarz-weißen Kunststoffdinger) und will es an mein Mundstück anlegen meint der Gitarist zu mir: “Du hast da aber ein sehr großes Plektrum.”
(2009)

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Jeder der öfters mal auf der Bühne gestanden hat, hat garantiert schon seine Erfahrungen mit Licht- und Tontechniker gemacht. Ich möchte nur nochmal darauf hinweisen, dass diese mit großer Vorsicht behandelt werden müssen. Sie verstehen keinen Sarkasmus. Und so begab es sich, bei dem letzten Bigabandkonzert als der Lichttechniker gerade am rumfummeln war, dass unser Bigbandleiter fragte, was uns denn nun an dem Abend erwarten würde. Der Techniker antwortete “Ich bin noch am ausprobieren, was wollt ihr den haben?”. Unser Leiter meinte dann scherzhaft “Hauptsache dunkel und viele Farbwechsel”. Tja, genauso hat er es dann auch gemacht und wiedermal hat sich gezeigt, dass sich die 20 Euronen für eine LED-Notenpultleuchte wirklich gelohnt haben.
(8.6.2009)

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Jeder kennt Murphy’s Law. “Das was schief gehen kann, geht schief!” und Musiker wissen, dass dies gerne für Technisches Equipment kurz vor dem Auftritt gilt. Leider funktioniert die zweite Regel, dass “Geräte oft besser funktionieren, wenn man sie kräftig tritt”, nicht immer. Und so ging mir mein Zoom H4-Aufnahmegerät natürlich dann kaputt als ich es dringend brauchte (war nicht ganz so schlimm gewesen, da Thomann ja eine 3 Jahresgarantie bietet). Nun war ich frustriert, hatte noch Zeit zum Auftritt und hatte Langeweile weshalb ich meinen Schraubenzieher zückte und das Teil einfach komplett auseinander nahm (sogar die einzelnen Platinen). Keine Ahnung warum, aber als ich es wieder zusammen setzte (tatsächlich blieb dieses mal kein Teil über und es fehlte auch keines) ging es wieder. Das ist also Regel Nummer Drei “Manchmal hilft das bloße Zerlegen und Zusammensetzen und ein kleiner Schraubenzieher ist eine praktische Sache”
(8.6.2009)

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Bei Sessions kann es passieren, dass sich die Musiker blind verstehen und einfach tolle Musik am Abend erklingt. Es kann passiere, muß aber nicht. Genauso kann es passieren, dass die Bühne von zwei (leicht angetrunkene) Mädels (hmm, warum sind bei der Session eigentlich alle immer mehr oder weniger leicht angetrunken) die Bühne entern. Sie wünschten sich “Ain’t no sunshine when she’s gone” und die Musiker, die eigentlich gerade Schluß machen wollten sich doch noch erweichen ließen, dieses zu spielen, alleine bedingt dadurch, dass die Musiker alle männlich und die Damen halt weiblich waren. Nun wie erahnt, wurden keine gesanglichen Höchstleistungen erbracht, so dass ich nach drei Strophen (eigentlich hat das Stück eh nur drei) ich zu einem Solo ansetzen möchte, aber die Damen singen konsequent noch drei weitere Strophen. Erst setze ich aus, dann der Gitarrist, dann der Bassist, der Drummer reduziert sich auch nur noch auf Hi-Hat. Die Mädels singen unbeirrt drei weitere Strophen, entweder ist ihnen das egal oder sie haben es nicht bemerkt (was natürlich die Frage aufwirft, ob sie überhaupt je auf die Musik gehört haben).
Was macht man in so einer Situation? Der Gitarrist und ich schauen uns an: “Billy’s Bounce, 1,2,1,2,3,4…”
Tja, der Bassist war leider zu langsam und der Schlagzeuger hat es nicht gemerkt (Geht nicht so auch ein Musikerwitz?) und den Mädels war es sowieso egal. Wir zuckten dann einfach mit den Schultern, stellten die Mikros und Anlage ab und haben unsere Instrumente eingepackt. Und wenn sie nicht gestorben sind, singen die Mädels wahrscheinlich immer noch mehr Strophen…..
(2009)

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Bei der Aufnahmeprüfung für Musik in Bremen kam ich mit einem klassischen Gitaristen ins Gespräch, der sichtlich nervös war. Auf die Frage, was denn sein Zweitinstrument ist, sagte er “Blockflöte”.
Nachtrag: Ich habe ihn dann später wieder getroffen. Er hatte dann doch bestanden und inzwischen auch sein Zweitinstrument gewechselt. Etwas das man auch mit der Nase spielen kann, ist halt, meines Erachtens nach, doch kein richtiges Instrument (-;
(Juni 2009)

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Bei einer Jazzsession steht der Drummer plötzlich auf weil er keine Lust mehr hat und meint zu uns: “Ich muß mal, ihr könnt ja derweil mal etwas intrumentales spielen.”
(2009)

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Merke: “Tenorsaxophonkoffer dürfen im Kino nicht aufrecht gestellt werden sondern müssen gelegt werden, da sie ansonsten ein Sicherheitsrisiko darstellen” (20.7.2009)

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Bei einer Probe in einer professionellen Raggaeband wurde spontan beschlossen, dass wir bei dem nächsten Gig auch Take5 spielen wollen; allerdings für mich ungewohnt im 4/4 Takt (müßte es dann nicht Take4 heißen). Auch ungewohnt war, dass ich plötzlich auch über den harmonisch etwas anspruchsvolleren B-Teil improvisieren mußte, weshalb ich danach einen kleinen Einspruch einlegte.
“Wieso? Ist im Original doch auch so”, worauf ich meinte: “Nee, bei Brubeck  bleibts nur auf den zwei Akkoreden; modaler Jazz halt.”
“Wir meinen das Raggae-Original von den Skatalites.”
(26.8.2009)

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Auf den Classic Open 2009 in Leipzig spielten bevor ich mit der UniBigBand dort auftratt noch ein studentisches Blasorchester, dass allerdings vom Repertoir eher eine Mainstreambigband sein möchte. Der Dirigent studiert schon seid ein paar Jahren an der hiesigen HMT klassisches Dirigat. Bei ihrem letzten Stück “Rock around the Clock” dreht er sich um und um das Publikum zu animieren beginnt er zum Takt zu klatschen und zwar auf eins und drei.  Bei der Zugabe “Everybody needs Somebody” das gleiche. Ich habe mir vorgenommen, wenn ich jemals auf einem seiner klassischen Konzerte bin, dass ich klatschen werde, bevor der Taktstock unten ist.
(2009)

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Es kommt ja manchmal vor, dass man fast sein Instrument vergißt (schlimm, wenn man es tatsächlich vergißt). Mir ist folgendes passiert, als ich beim Musikkorps vorspielen wollte. Ich komme mit der Bahn in Lüneburg an, war schon aus dem Bahnhof raus, da bemerke ich, dass meine rechte Hand frei ist. Mist, ich habe das Saxophon im Zug liegen gelassen. Ich stürme zurück, der Zug ist noch da, Gottseidank, wußte ich noch welches Abteil es war, quetsche mich durch die Leute, sehe oben in der Ablage mein Sax, greife es mir, will wieder raus und drücke den Knopf der Tür. Die Tür geht nicht mehr auf da in genau diesem Augenblick der Zug losfährt….
Sagen wir es so, der Hundertwasserbahnhof in Ülzen ist eine Reise wert. Ich rufe beim Sekretariat des Musikkorps an und sage, dass ich mich auf Grund einer Verspätung meines Zuges um ca. eine Stunde verspäten werde. Mir war die ganze Sache sehr peinlich; was würde das für einen ersten Eindruck machen.
Nun ja, ich kam dann dort an und wollte vorspielen aber anscheinend wußte keiner Bescheid, dass jemand zu einem Vorspiel kommen würde. Der Saxophonsatzleiter meinte dann “wir machen erstmal Natopause”. (Musiker sind halt Musiker, egal ob zivil oder in Uniform). Nach dem Vorspiel meinten sie etwas gelangweilt, wir haben 3. Klarinette und Bariton  frei. Tja, ich habe mich dann mit mäßiger Begeisterung für’s Bari entschieden, was dann allerdings mehr Spaß gemacht hat als zunächst gedacht. Nebenbei, was man dort so an Instrumenten gestellt bekommt ist nicht schlecht. Ich hatte 6 Selmer Saxophone auf der Stube stehen, die Hälfte davon waren “schlecht Wetterinstrumente”.
(April 2004, Lüneburg)

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Wenn man irgendwo spielt kommt es oft vor, dass danach irgendwer zu einem kommt und einen Lobt und anfängt irgendetwas zu erzählen. Manchmal hängen die dann mehr oder weniger an der Backe und oft ist das Klientel etwas “gereift”. Manchmal ist es auch ganz niedlich, was man da zu hören bekommt. Bei einer PianoBoogieNight Session, bei der meine Freunde und ich den Altersschnitt schon deutlich drückten, trat, kurz bevor ich nochmal auf die Bühne gehen wollte, ein etwas älterer Herr und erzähle mir folgendes. “Wissen Sie, was Sie da gemacht haben, ist wirklich toll gewesen. Ich habe zu Hause eine doppel Langspielplatte aus der Carnegiehall von 1938. Heute habe ich gleiche Töne von ihnen gehört aber live”. So motiviert habe ich gleich doppelt so gerne nochmal gespielt.
(16.9.2009, Leipzig)

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Einer meiner begeisterten Schüler hat in seiner Anfangseuphorie bei Ebay ein MetallNoNameMundstück bestellt. Die Erkenntnis im Unterricht, dass dieses Mundstück nicht wirklich gut sei und aufgrund der riesen Stufe darin total ungeeignet für den Anfang ist, hat ihn dann natürlich etwas enttäuscht aber er hat sich dann doch an meinen Rat gehalten lieber Kautschuk zu spielen.
Beim letzten Unterricht kommt er wieder mit dem Teil an und ich schaue ihn dann schon skeptisch an. Aber nanu, als er rein bläst klingt es nicht nach einem überbrutalem Stufenmundstück. Ich war etwas verwundert und dann zeigt er mir stolz was er damit gemacht hat. Ausgerechnet angeregt durch einen meiner Artikel hat er einen Dremel genommen und die Stufe im Mundstück entfernt und einen Bullet-Einlass eingefräst. Ich war total baff, da es natürlich im Mundstück sehr strange aussah, es aber funktioniert (zumindest deutlich besser als vorher).
Krass was es alles gibt; gerade mal die C-Dur-Tonleiter gelernt aber schon unter die Mundstückrefacer gegangen.
(November 2010)

Optik vor…

Dies ist eine sehr wichtige Lektion die ich damals während meiner Wehrdienstzeit im Musikkorps gelernt hatte, aber erst viel später wirklich verstanden habe.

Es geschah kurz vor meinem ersten Truppenzeremoniell.
Einige kennen es vielleicht schon. Bei feierlichen Anlässen in der Bundeswehr, wird gerne groß aufmarschiert. Die Kompanien stellen alle ihre Männer in Reihen von drei Mann hintereinander stramm auf zwei Seiten eines Karres auf. Auf die gegenüberliegende Seite steht meist ein Pult, umgeben von zwei mickrigen Zierbäumchen (oder vielleicht sind es auch getarnte Soldaten gewesen) die zumindest den Hauch von feierlicher Dekoration bieten soll (manchmal werden die Bäumchen durch anderes Grünzeug ersetzt, wie z.B. einem 62Tonnen Leopard 2 A6 Kampfpanzer). Auf der linken Seite soll der Ehrenzug stehen. Dieser Besteht meistens aus einem Musikkorps, der Fahne der Kompanie und einen bewaffneten Ehrenkorps (ohne Munition). Dieser Ehrenzug marschiert mit dem Musikkorps (also ganz Vorne Chef und Schellenbaumträger (welcher ich auch oft genug war, da man auf einen Saxophonisten gut verzichten kann)) voran mit großem “DaDaDam, DaDaDam, Tätärä” (Regimentsgruß) das Karree ab bis es auf seiner Seite imposant seine Stellung bezieht. Schindet immer ordentlich Eindruck. Zwischen den Reden und sonstigem Kram (wie z.B. das Gelöbnis) gibt’s ab und zu musikalische Untermalung durch  Militärmärsche. Am Ende Marschiert der Ehrenzug wieder ab mit großem “DaDaDamDamDamDamDamDamDamm Tätärä” (Preußens Gloria).

P1010108Wie dem auch sei, kurz vorher, es war mein erstes mal, wir packen unsere Instrumente aus, zubbeln unsere Uniformen zurecht und stellen uns auf. Ich wundere mich, dass nicht eingestimmt wird und frage meinen Saxkameraden und bekomme als Antwort nur die Antwort “Optik vor…”
“Wie? Optik vor was?”
“Optik vor Akustik!”
Da war ich etwas sprachlos, sah aber ein, dass das Einstimmen draußen eh nicht soviel Sinn macht zu stimmen, da spätestens nach 10min alles anders intoniert, zudem aus dem Publikum und der Rest der Soldaten merken es eh nicht, desweiteren verläuft sich das draußen eh der Klang und zuletzt war es eh nur Marschmusik. Da ist es die Hauptsache, dass alle schön gleich schneidig im Takt marschieren.

Auf dem Photo sieht man mich übrigens vor unserem Tourbus (von Y-Tours). Man sieht mir die Begeisterung für die Marschmusik förmlich an.

Das aber in dieser Maxime eine doch viel tiefere und für den musikalischen Künstler grausame Wahrheit steckt habe ich erst später verstanden. “Optik vor…” gilt leider nicht nur bei der Bundeswehr sonder immer, wenn man auf der Bühne steht. Das Publikum bewertet visueller als sich die meisten Musiker wahr haben möchten. Das Gros der Zuhörer bewertet mehr nach optischen Kriterien als nach dem Gehörtem. Das ist eher Unterschwellig, da die meisten Menschen, Musik nicht so bewußt wahrnehmen können, wie jemand, der sich tagtäglich damit beschäftigt.
Es zählt also mehr gut angezogen zu sein (oder stilistisch passend zum Musikgenre (wer bei Punkrock mit heilen Jeans auftaucht ist sowieso schon beim Publikum unten durch)) oder wie glänzend (Klassik) oder abgespielt (Jazz) die Instrumente sind. Die richtige Selbstdarstellung auf der Bühne ist für das Gefallen beim Publikum wichtiges als die abgedrehtesten Jazzlicks. Tatsächlich spielen viele hoch(schul)gezüchtete Jazzer zu verkopft und schrecken damit dem Easy Listeng gewöhnten Zuhörer eher ab. Dann wenn er wieder gebucht werden will, kann er nur hoffen, dass er nicht vergessen hat, das Jazzbarett aufzusetzen.
Der treue Leser weiß, dass ich immer wieder sage, dass das Finish des Saxophones einen Einfluß hat. Neben dem klanglichen Einfluß hat es noch einen größeren Effekt. Ein ungewöhnliches Finish fällt auf. In einem BigBandSatz falle ich mit meinem Raven einfach heraus. Das Publikum erkennt hier etwas besonderes. Die wenigsten können ein Tenor nur klanglich von einem Alt unterscheiden und die wenigsten können bewerten, wer eigentlich besser spielt. Das einzige was hängen bleibt, ist der Saxophonist mit dem schwarzen Saxophon.
Habt ihr euch eigentlich schon mal überlegt, wie ihr beim spielen ausseht? Soll man stocksteif da stehen oder den Hampelmann machen und sich blamieren. Das Üben des Posieren vor dem Spiegel ist für den kommerziellen Erfolg wahrscheinlich ebenso wichtig wie die Longtoneübungen.
Zwei wichtige Ausdrücke muß der Saxophonist beherrschen. Bei gefühlvollem Spiel, müssen die Augen geschlossen sein (wer spielt schon nach Noten), man muß aussehen, als wäre man tief in die Musik versunken und dazu bewegt man sicht leicht wie in Trance. Für Schnelles muß noch der Ausdruck größter Anstrengung gekonnt werden. Leicht nach vorne übergebeugt, Körper leicht verkrampft, Augen zugekniffen und am besten noch Schweißperlen auf der Stirn. Praktisch für einen guten Showeffekt ist es, wenn man das Sax auch spielen kann, wenn man es über den Kopf hält.
Alternativ gibt es für die Popjazzer noch den Kenny G Ausdruck. Hierbei muß das Saxophon (vorzugsweise ein Sopran) schräg im Mundwinkel gespielt werden, Augenbrauen nach oben und zusammengekniffen, eine Leicht eingeknickte Körperhaltung und man muß sehr nach Softie aussehen. Das hierbei die Augen wieder geschlossen werden ist natürlich selbstverständlich.

Das mag jetzt zwar alles ein wenig übertrieben und albern wirken (so ist es ja eigentlich auch gemeint), aber dennoch sollte man dieses Thema auch ernst nehmen. Ich habe das verinnerlicht und die Resonanz aus dem Publikum (besonders des weiblichen Anteils) spricht für sich.

Neulich im Nachtbus

Öffentliche Verkehrsmittel können manchmal spannend sein, vor allem im Leipzig und dort vor allem Nachts! Und so begab sich auch folgendes vor ein paar Tagen.
Ich war mit einem Freund gegen halb 3 auf dem Heimweg von einem Konzert von Freunden.
Hinter uns saß eine Gruppe junger Männer, die anscheinend gerade aus der Disco kamen und dort gut gefeiert hatten. Sowohl der Alkohol- sowie Lautstärkepegel waren recht hoch.
Ich blickte mich nur kurz um und erhielt sofort ein: „Ey, was guggst duh?!“ (aus Authentizitätsgründen werde ich die Konversation lautmalerisch schreiben)
Och, eigentlich nüx, wieso?“
Mein entwaffnendes Lächeln hatte ihn beruhigt, weshalb er sich wieder umdrehte. Aber anscheinend hatten wir Freundschaft geschlossen, denn eine Minute später kam die Frage: „Ey, haste malne Kibbe?“
Nee, leider nicht, ich bin Nichtraucher“, „Ey, das kann doch gar nischt sein, dass du geene Kibbe hasd…“
Wie kommt man aus so etwas elegant heraus? Genau, man schiebt einen Grund vor:
Ich bin Saxophonist, da ist sowas schädlich“ (Ok, es hat nicht wirklich Auswirkungen, aber schädlich ist es ja sowieso)
Was bis du?“
Ich spiele Saxophon“
… Ey cool! … Bisd du schon reich und berühmd?“
Nein, als Jazzer wird man nicht reich und berühmt“
Ey, hasd du eben nich noch gesacht, dass du Saxophonist bis?“
…“
(was soll man sagen? eine entwaffnende Logik)
Ey mein Gümbel ist Rapper“ Er dreht sich zu seinem Kumpel um (der ebenfalls eine Bomberjacke trug) „Ey, der hier ist Saxophonist!“
Cooel“, jetzt wendet sich sein Kumpel zu mir „Bist du gut?“
Naja, ich würde sagen, dass ich nicht schlecht bin“
„Isch bin Räba. Ey, hasd du vielleicht Lust mit uns mal einen Track aufzunehmen, so featureringmäßig, weiß du?“
Warum nicht? Funk liegt mir, und über so eine HipHopNummer passt das oft sehr gut. In was für eine Richtung rappt ihr?“
„Pornorap!“
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… ah, ok…“
Du kommst mal zu uns und spielst eine Line, oder so. Gib mal deine Handynummer.
Kennst du Frauenarzt?“
„Frauenarzt? …nein.”
(wäre ich schlagfertig gewesen, hätte ich zurückfragen sollen, ober den Saxophonisten Gynäkologen kennt, aber so etwas fällt einem ja immer erst hinterher ein)

Kennst du Massiv“
„Ja, der sagt mir schon was“
„Sowas machen wir etwa. Kennst du Bushido“
Ja, ist mir auch ein Begriff“
„So wie der früher, nicht wie jetzt, jetzt ist er ne Muschi. Total Komerz“

„Ah stimmt, ich habe neulich mal eine Spiegel-Reportage über ihn gesehen, bei der er zuhause in einem kleinbürgerlichem Wohnzimmer bei Mutti saß und Tee getrunken hat“
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Jetzt kam der Nachtbus endlich am Bahnhof an, dem zentralen Umsteigeplatz, und mein Freund und ich verabschiedeten uns schnell. Wir begaben uns zum Treffpunkt für alle Nachtschwärmer (egal wie alt, welcher sozialen Schicht zugehörig oder ob Wessi oder Ossi), die noch einen gewissen Hunger verspüren: McDonalds
!
10 Minuten später trafen dort
auch unsere neuen Freunde ein (klar, ein Weg in Schlangenlinien ist einfach länger und braucht mehr Zeit). Wir hatten uns schon in die „intellektuellen Abteilung“ zurückgezogen (McCafé) und blieben daher unbehelligt. (Man könnte hier fast schon von einer McDonalds-2-Klassengesellschaft reden)

Ich bezweifle auch, dass sie sich am nächsten Tag überhaupt noch daran erinnerten, sie werden sich wahrscheinlich eines Tages nur wundern, warum sie ihn ihrem Handy den Eintrag „Tobias Sax“ haben.
Schade eigentlich, dass hätte ein lustiges Projekt werden können und wahrscheinlich finanziell einträglich.

Bitte entsorgt die Staubfeudel

Gestern zur Probe zeigt mir unser erster Altist stolz sein neues Spielzeug. Einer dieser merkwürdigen Staubfeudel, die man in das Saxophon stecken kann, wenn man es im Koffer lagert.
Ich schaue ihn an und sage „Schmeiß dieses Teil bloß weg“ „Wieso?“ Und so hatte ich die Idee zu einem neuen Blogeintrag.

Ja, wieso eigentlich? Besser ist die Frage, wofür ist dieser Feudel überhaupt gut. Früher hatte dieses Teil einen wirklichen Nutzen. In Früheren Zeiten waren die Lederpolster noch nicht imprägniert und der ständige Wechsel von feucht und trocken hat das Leder sehr schnell ausgedorrt wodurch die Polster auch dementsprechend schnell verschlissen war. Der Feudel hatte die Funktion, die Feuchtigkeit im Sax zu halten, damit die Poster nicht immer so schnell austrocknen und dadurch länger halten.

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Doch in Zeiten guter Imprägniermittel sind diese Teile so überflüssig wie ein Kropf. Einige denken, man würde damit das Sax sauber machen. Dafür eignen sie sich überhaupt nicht, dafür gibt es die Durchziehwischer. Der Feudel verteil den Schmutz nur besser.

Es gibt sogar gute Gründe dieses Teil schnellstmöglich zu entsorgen. Wie gesagt, das Teil hält die Feuchtigkeit im Sax. Diese warme, feuchte, dunkle Umgebung in der die ganze Siffe hängen bleibt ist die ideal Umgebung für Keime, Bakterien und sonstigem schleimigen und lebendigem Zeugs. Und das steckt ihr immer wieder in euer Saxophon? Bäh!

Ein weiterer Grund warum diese Dinger auf den Müll gehören ist, dass sie fuseln. Diese Fuseln bleiben gerne in den Rillen der Polster kleben und können zu Undichtigkeiten führen.

Das habe ich auch so meinem Kollegen erklärt, aber er meinte dann, dass er ihn trotzdem behält, worauf ich ihn fragte: „Wieso? Weil Charlie Parker auch so ein Teil benutzt hat?“
„Ja genau, woher wußtest du das?“