Forestone Ligature – die neue Blattschraube aus Japan

Forestone Saxophone Ligature (1)Wieder einmal wurde mir neustes japanisches Saxophonequipment  zugespielt. Einige wissen vielleicht, dass die Firma Forestone ihre Produktpalette erweitert hat. Neben einem neuen Saxophon (welches ich demnächst sicher auch noch testen werde) hat Forestone auch eine neue Blattschraube raus gebracht. Und wer hätte es gedacht, es handelt sich mal wieder um ein eher hochpreisiges Objekt.

Optisch ist sie definitiv ein kleines Schmuckstück. Die Konstruktion ist an sich ist simpel, aber gerade weil sie so schicht und minimalistisch ist, wirkt sie so edel. Ein weiterer Vorteil des Designs ist die reduzierte Masse und kleine Auflagefläche auf dem Mundstück, was beides ein leichteres Schwingen der Ligature ermöglicht.

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Designerblattschraube aus Silber – die neue NOM Ligature

Treue Leser wissen von meinem kleinen Blattschraubenfimmel. Und dieses mal bin ich auf etwas besonders edles gestoßen. Ich entdeckte in der aktuellen Sonic eine kleine Werbeanzeige über eine neue Ligature. Sah sehr schick aus, also sofort auf die Homepage. Oha, Einzelanfertigung aus Silber. Da war klar, muß ich ausprobieren. Also habe ich den Düsseldorfer Hersteller angeschrieben und der war so freundlich mir ein paar zum testen zu schicken.

Bei der NOM handelt es sich um ein echtes Designerteil aus dem Schmuckatelier. So entstand die Idee zu dieser Ligature eher aus einem Zufall. Man hatte für ein Klarinettenmundstück gerade keine Bindeschnur zur Hand, also nahm man einfach etwas Silberdraht, welches anscheinend in Goldschmieden mal so rum liegt. Das Ergebnis war wohl so gut, dass man sich entschloss weiter zu tüfteln. Ich habe mir sagen lassen, dass man viel mit Material, Dicke und Anzahl der Windungen experimentiert hatte, bis man das optimale Ergebnis gefunden hat.

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Endlich erhältlich: das Saxophon Anfänger Setup

Die Idee eines schon fertig zusammen gestellten Setups für Anfänger kam mit dem Unterrichten. Immer kamen Schüler mit schlechten Mundstücken an, immer wieder wurde ich gefragt, welche Blätter sie kaufen sollen, immer wieder mußte ich noch auf Bißplättchen hinweisen und immer wieder fummelten sich die Schüler mit den Blattschrauben ab. Kurz: es gab immer wieder irgendwie Frust und Ratlosigkeit um das Equipment für den Anfang.

Irgendwie tat ich mich schwer Meyer, Otto Link oder Selmer zu empfehlen, weil die Mundstücke sehr unterschiedlich ausfallen und meist nur noch Durchschnitt sind. Auch wollte ich nie zu etwas teurem raten, da man nie weiß, ob es auch für länger passt. Das Yamaha 4c ist für mich auch nicht wirklich eine Alternative, da es ein recht helles Klassikmundstück ist. Die Meisten Anfänger klingen am Anfang eher schrill und wollen eigentlich zum Jazz.

Eine echte und vor allem günstige Alternative habe ich in den Expressionmundstücken gefunden. Weiterlesen

die saxophonistische Mega-Blattschraube

Bei meinem Blattschraubenfetisch war es ja nur eine Frage der Zeit, bis ich mal mit einer selber entworfenen Blattschraube komme. Und jetzt ist sie da. Natürlich ein kleines Meisterwerk, was Design und Funktionalität angeht. Noch habe ich mir keinen Namen überlegt. Vielleicht nenne ich sie “Löwenzwinge”

Leider bin ich Handwerklich nicht wirklich sehr begabt, weshalb ich mich mit meiner Idee an die Profis von Klarinettenmüller in Bremen gewendet habe. Fachmännisch (bzw. fachfrauisch) hat man mir die Klemme nach meinen Wünschen gefertigt. Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön dafür. Weiterlesen

Brancher Goldmessing Alto – neuer französischer Luxus

Eigentlich gibt es hier ja schon einen Brancher-Test von Volker Kaufmann und so waren wir der Sonic über ein Jahr vor raus. Aber es hat mich schon länger gereizt, ein Brancher Sax mal ganz genau unter die Lupe zu nehmen, da die Eindrücke von der Musikmesse überragend waren. Brancher scheint die neue Edelmarke zu, zumindest die Preise befinden sich auf Selmer Niveau. Freundlicherweise stellte mir nun Bastian Fiebig von Chili Notes, dem deutschen Vertrieb von Brancher, ein Vorführmodell zu Verfügung, damit ich mir endlich ein eigenes genaues Bild machen konnte.
Das Testobjekt ist  Alto aus Goldmessing (GL), sich also durch einen großen Kupferanteil (85%) auszeichnet. Diese Variante gibt es nur beim Alto. Weiterlesen

Francois Louis Spectruoso Mundstücke und Pure Brass Ligature

Der Name “Francois Louis” ist wohl in der Saxophonistenszene einer der schillerndsten. Sehr häufig wird er verknüpft mit dem Attribut “genialer Tüftler”.  Und da ist auch was dran. So hat er z.B. das Aulochrom (das erste Saxophon, dass schon alleine mit sich selber nicht intonieren kann) und die Francois Louis Ultimate Ligature, die zum echten Renner wurde. So habe ich schon mehrere ProfiBigBands gesehen, bei der 4 von 5 Saxophonisten min. 2 ihrer Instrumente damit bestückt hatten. Aber auch irgendwie zu Recht, denn die FL UL hat eine wunderbare Ansprache und einen hochwertigen Klang. Nur ist sie manchmal etwas frimelig und die Optik ist etwas rustikal; als würde sie in einer Garage zusammen geschustert worden sein.
Das ist vielleicht gar nicht so abwegig, denn der Belgier Louis ist passionierter Motorradler und hat als Mechaniker gearbeitet, bevor er sich dem Entwickeln von Saxophonequipment widmete.
So entstanden neben den Blattschrauben und dem Aulochrom noch die Smart Cap, eine eigene Blattlinie und er hat wohl auch Borgani bei deren Saxophonen beraten. Weiterlesen

brachiale Klemme aus Puerto Rico: die neue Rhino Ligature

Dieses mal bin ich echter Vorreiter. Ich dürfte wohl der einzige in Europ sein, der bis jetzt eine dieser ganz neuen Blattschrauben sein Eigen nennen kann. Per Zufall im “Gesichtsbuch” bin ich auf den Erfinder und Hersteller Roberto Feliciano gestoßen, der in Puerto Rico einen Ruf als hervorragender Saxdoc genießt. Ich habe ihn angefragt und er war so großzügig mir eine der ersten dieser Klemmen zum Testen für den Blog zu Verfügung zu stellen.

Die Ligature kam in einer schmucken Schmuckbox und nach dem Auspacken war ich erstmal verblüfft wie groß und massiv sie ist. Die Schraube macht ihrem Namen “Rhino Ligature” alle Ehre.
Defintiv ist die stabilste Klemme die ich bisher gesehen habe.  Sie ist aus unlackiertem Messing und wirklich tadellos verarbeitet und wirkt deutlich professioneller als z.B. die Francois Louis Ultimate Ligature, die ja irgendwie noch den Charme einer Garagenarbeit hat.
Die Optik der Rhino dürfte vielleicht aufgrund der Größe Geschmackssache sein. Definitv ist sie ein Statement und ich persönlich finde; es hat etwas.

Bei genauerem Hinsehen erkennen wir auch ein paar Ähnlichkeiten zu anderen Hightechschrauben. Zum Beispiel die gelagerte Andruckplatte wie es von Francouis Louis kennen (wobei dieses Prinzip bei Otto Link schon deutlich länger bekannt ist und es auch inzwischen andere Hersteller wie Theo Wanne übernommen haben). Neu sind allerdings diese kleinen Flügelchen an der Platte. Die sollen verhindern, dass sich die Andruckplatte beim Zuschrauben quer stellt. Somit bleibt die Andruckplatte immer gerade, was auch für bessere Schwingungseigenschaften des Blattes sorgen soll Eigentlich eine pfiffige Idee, auch wenn ich allerdings damit bei anderen Schrauben noch kein wirkliches Problem hatte.
Ein weiteres schon von der FF fortissimo Ligature bekanntes Prinzip ist, dass der einzige Berührungspunkt oben Zentral auf dem Mundstück aufliegt. Die FF gilt ja als eine der frei schwingensten aber auch unhandlichsten Blattschrauben. Nun hat die Rhino aber an den Berührungspunkten einen Gummiüberzug. Das sorgt einerseits für noch bessere Schwingungseigenschaften (wie bei der Saxxas/Winslow) und gibt deutlich mehr Halt.

Ein weiterer Vorteil dieser Konstruktion plus der langen Schraube ist, dass die Rhino somit auf jedes Mundstück passt. Nun gut, auf dem Sopran sieht sie wirklich etwas lächerlich aus. Deswegen gibt es auch noch eine kleine  Rhino Version die speziell für Klarinetten, Sopran und Metallmudstücke gedacht ist.
Es wird wohl auch noch andere Größen geben und da es sich um reine Handarbeit handelt sind auch bei Roberto Feliciano Spezialwünsche zur Größe möglich.

Die Ansprache ist wie erwartet sehr gut. Sie geht einfach los von den ganz Tiefen bis hoch ins Flagolett. Dennoch wirkt die Ansprache recht organisch (also eher weicher wie bei den Lederschrauben und nicht so hart wie bei den Metallschrauben) was vielleicht an der Ledereinlage auf der Andruckplatte liegt. Wahrscheinlich ist dadurch der Sound der Rhino auch eher runder und wärmer als man es vermutet hätte. Ich würde den Klang der Schraube am ehsten mit der FL mit Gummiplatte vergleichen.
Aus diesem Grund wird Roberto zukünftig auch weitere alternative Andruckplatten anbieten, damit der Spieler die Möglichkeit hat, den Sound zu verändern. Meine Andruckplatte ist schon auf dem Postweg und sobald sie da ist, wird es hier einen Nachtrag geben.

Persönlich bin ich von der Rhino Ligature mehr als überzeugt und ich benutze sie in meinem regulären Sortiment auf dem Tenor. Damit bin ich nicht allein, denn auch der weltberühmte kubanische Altsaxophonist Paquito  D’Rivera benutzt jetzt die Rhino.

Wer nun Interesse bekommen hat, muß sich direkt an Roberto in Puerto Rico wenden, da die Schraube so neu ist, dass sich dafür noch kein Vertrieb gefunden hat. Einziges Manko ist der Preis, denn der liegt bei 150$.

Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten gibt es auf Roberto Felicianos Homepage:
http://www.drmusicpr.com/

Endlich wieder da, die italienische Flexitone

Einer meiner ersten Artikel auf diesem Blog war der Testbericht zum italienischen Nachbau der Selmer Magnitone Blattschraube von Corrado Manuzzato. Ich bin von dieser Ligature restlos überzeugt und ich nutze sie regelmäßig auf meinen Instrumenten. Damit befinde ich mich in guter Gesellschaft. Schon Benny Goodman nutze das Original und Joe Lovano nutzt das aktuelle italienische Modell. Leider gab es diese Klemme eine Zeitlang nur im italienischen Eaby und dann gar nicht mehr. Ich bekam zig Anfragen, wo man denn diese Schrauben her bekommen könnte und ich mußte immer mit den Schultern zucken. Bis jetzt.

Denn nun ist sie unter dem eigenem neuen Namen “Flexitone” endlich wieder erhältlich. Borgani, die auch wunderschöne Saxophone herstellen (siehe hier), hat den Gerneralvertrieb übernommen, so dass man sie um einiges leichter beziehen kann. Hierzulande sind sie schon bei Mike Duchsteins Saxophon-Service erhältlich.

Auch wenn der alte Test der Flexitone/Magnitone noch etwas ungelenk formuliert ist, so stimmt immer noch alles, weshalb ich jetzt einfach darauf verweise.
Es gibt aber ein paar neue Ausführungen. Zum einen gibt es die Schraube nun auch in einer Small-Variante für Sopran- und Metallmundstücke und es gibt sie in Vernickelt. Dadurch sieht silbern aus, läuft aber nicht an. Optisch passt sie somit besser zu den meisten Klarinetten oder silbernen Saxophonen, mit denen sich die die BareBrassVintage Optik beißen würde (es gibt Menschen, die beim Klemmenkaufen auf so etwas achten).
Daneben gibt es tatsächlich sogar noch einen kleinen akustischen Unterschied. Die Vernickelte klingt minimal direkter, kerniger und härter. Tendenziell würde ich klanglich eher die Unlackierte vorziehen, jedoch groß ist der Unterschied nicht, und wenn ich es funky will, benutze ich eher die vernickelte Flexitone.

Ein weiterer unschätzbarer Vorteil ist, dass die normalen Mundstückkappen perfekt auch über die Flexitone passen. Und dass sie verstellbar für die meisten Mundstückgrößen ist, muß ich denke ich nicht nochmal erwähnen. Zuletzt bin ich Fan der sehr eleganten Optik.

Deshalb bin ich froh, dass es diese Blattschraube nun in den normalen Handel geschafft hat, obwohl ich es auch etwas schade finde, dass ich meine Blattschraube wohl bald nicht mehr besonders exklusiv sein wird. Allerdings kostet die Flexitone aufgrund der Zwischenhändler nun 58€ und liegt damit auf dem Preisniveau ähnlich guter Schrauben.
Wer als die Flexitone Ligature will, der kann sie nun entweder bei Borgani oder Duchstein ordern.

über klassische Mundstücke

Eines vorweg, im Klassikbereich bin ich Anfänger, weshalb dieser Testbericht eher oberflächlicher Natur ist. Ich würde mir nicht anmaßen hier eine Expertise zu schreiben. Dennoch möchte ich meine Erfahrungen zu meiner Mini-Klassikmundstück-Odyssee teilen (hier geht’s zur großen Mundstücksodyssee).

Da ich nun an der HfK Bremen jetzt klassischen Saxophonuntericht habe, brauche ich nun auch ein echtes Klassikmundstück. Das Lion’s Roar hat zu viele jazzige Subtones und Nebengeräusche und das Cannonballmundstück ist zu poppig. Zwar hatte ich noch ein gutes Selmer S80 MPC, aber mit der Bahnöffnung F (ca. 7) viel zu offen für ein seriöses und leichtgängiges Klassik-MPC und zudem ist es mir mal runter gefallen und an der Spitze etwas abgebrochen.

Gerade in der Klassik sind die Ansprüche an Tonkontrolle und richtigem Klang (bewußt vermeide ich hier das Wort “Sound”) sehr hoch. Der klassische Klang ist nicht so ausufernd wie ein Jazzsound. Schlanker, kompakter, homogener, ausgeglichener, sanfter, lyrischer. Oft erinnert der Klassikklang an Streicher. Das hat so auch seinen Sinn, dass es in Blasorchester der Saxsatz das Klangspektrum der Seiteninstrumente abdecken muß.
Da ist es irgendwie klar, dass man da ein passendes Mundstück braucht mit deutlich kleinerer Bahnöffnung.
Aber es gibt dort auch diverse Kontroversen, wie genau denn ein klassisches Saxophon klingen muß und was man für Equipment spielen muß.
Aber da will ich mich nicht einmischen und bin froh, dass man als Jazzer klingen kann wie man will und sagt, “das ist mein Sound”. Wenn es da nicht die JazzPolizei gäbe, die auch so ihre Vorstellungen hat, wie genau alles sein müßte….

Nun ja, die Übergangslösung war mal wieder mein Yamaha 4c. Damit ging vieles wie es gehen sollte. Nur mußte ich wieder auf Blattsuche, was ich immer am frustrierensten finde. Kaum hat man ein gutes Blatt gefunden, hat man es aus Versehen kaputt gemacht. Also habe ich in meiner Blattkiste gewühlt und stellte fest, dass ich fast nur Jazzblätter hatte und ein paar blaue Vandoren, derentwegen – oder besser gesagt, wegen den Frust über diese inhomogenen Blätter – ich auf Kunststoff gewechselt habe. Jedoch haben Klassikblätter auf Klassikmundstücken einen Sinn, denn der French Cut (auch “filed” genannt) passt besser zu den meist kürzeren Bahnlängen.
Die AW’s gingen, nur fehlte mir die richtigen Stärken oder sie waren schon zu alt (merkwürdigerweise sind diese ausgewiesenen Klassikblätter unfiled), die Alxander Superial waren mir zu plärrig, die teueren Ricoreserve habe ich jetzt noch nicht testen können, Gonzales war mir zu jazzig und da es sonst nicht viel gibt bin ich jetzt doch wieder (erstmal) bei Vandoren Blau gelandet.

Das Yamaha 4c ist besser als sein Ruf und obwohl es jetzt vielleicht gereicht hätte ist es auf Dauer doch etwas limitiert weshalb ich nun auch wieder auf Mundstücksuche ging.
Im Gegensatz zum Jazz-MPC-Markt ist der Klassikmarkt glücklicherweise/leider sehr überschaubar. Klassische Rascher-, Buescher-, Connmundstücke sind rar und Exoten. Normalerweise findet man in den Läden nur Vandoren oder Selmer.

Selmer ist (oder war?) das Maß der Dinge wenn es um Klassik geht. Viele weinen alten (besseren?) Zeiten nach. Nicht nur beim Sax auch bei den Mundstücken wie z.B. das “Airflow”. Selmer scheint ein Faible für ungewöhnliche Innenleben wie die Quadratische Kammer haben. Ich bin nicht so ein Fan davon, da Kanten im MPC immer zu Brüchen im Frequenzspektrum nach oben (also es heller und plärrender machen) führen. Interessanterweise hat auch das Yamaha eine quadratische Kammer, nur nicht ganz so extrem.
Selmer führt 3 Mundstücke die für Klassik ausgeschrieben sind. Das weit verbreitete S80, das nicht so verbreitete S90 und noch ein Klassikmetall Variante. Metall will ich diversen Gründen nicht mehr und das S90 wird schon von Selmer als moderner, direkter Allrounder u.a. auch für Pop beschrieben. Das S80 hatte ich schon in einer F-Öffnung und war eigentlich ein sanfter Allrounder (auch gerade wegen der größeren Öffnung). Am meisten benutzt von Klassikern ist das S80 C*. Auch wird dieses gerne Anfängern empfohlen als einfach zu spielendes Allroundmundstück. Das kann ich gar nicht nachvollziehen. Erstens ist es nicht billig, zweitens steht Selmer (zurecht) im Ruf nicht wirklich Konstant (siehe unten) zu sein (ein Anfänger kann nicht beurteilen, ob er nun ein gutes oder schlechtes MPC ergattert hat), drittens ist es ein deutliches Klassik MPC (also nix Allround) zuletzt ist C* sehr geschlossen und wenn man später Jazz machen möchte (min 80% aller Saxophonisten), sollte man sich schon am Anfang gewöhnen, schon etwas Luft beim Blasen zu verbrauchen.
Selbst für ein Klassikmundstück ist es mir dann doch zu eng und so habe ich mir ein C** und ein D besorgt.

Bei Vandoren (die andere Größe im Klassikbereich) gelten als Klassikmundstücke das V5 und das Optimum. Hier muß man ein wenig bei den Größenangaben aufpassen, denn ein A27 ist geschlossener als ein A20. Die Nummerierung ist Kreuz und Quer da es auch noch Unterschiede in der Bahnlänge gibt. Also einen sorgfältigen Blick in die Broschüren werfen. Getestet habe ich ein V5 A28 und A15 und ein Optimum AL4.
(Eine gute Liste zum Vergleichen von Mundstücköffnungen findet ihr bei den kenneswerten Webseiten)

Wie praktisch wenn meinen Saxhändler seines Vertrauens hat zu den man hingehen kann und testen (Wehe jemand denkt jetzt an Thomann). Also ging ich zum KlarinettenMüller der einige Vandoren und Selmermundstücke hatte.  Ich konnte Sie “kurz” im Laden anspielen (als Musikladenangestellter brauch man manchmal ‘ne Menge Nerven) und das was ich genauer untersuchen wollte konnte ich dann auch eine Woche zum testen mitnehmen. Das ist der Vorteil an den kleinen Läden also unterstützt eure Lokal Dealer.

Zu den Qualitätsschwankungen bei Selmer wird ja viel gesagt und auch hier wieder so ein Fall. Das C** war unspielbar. Kein Ton konnte man raus bringen. Nach Hörensagen soll wohl die Mundstückproduktion bei Selmer folgendermaßen ablaufen: Hausfrau sitzt an einer Maschine, aus einer Kiste nimmt sie einen Rohling, setzt diesen ein, zieht einen Hebel, Ratsching, und schmeißt das Mundstück in eine andere Kiste. Irgendwie ist klar, dass bei der Auftragsmenge nicht jedes Mundstück ausgiebig angetestet und nachbearbeitet wird und so kommt es dann zu solchen Nieten. Aber ob dann noch ein Preise von ca. 150 Euro gerechtfertigt sind, ist eine andere Frage. Wahrscheinlich war beim C** der Tisch nicht plan und/oder die Bahnen nicht symmetrisch.
Das S80 D war Ok, aber im Vergleich zu dem Mundstück, dass ich dann am Ende genommen habe, kam da zu wenig raus. Außerdem wollte ich einen sehr runden, warmen und weichen Klassikklang und das Selmer klang mir auch zu selmerig.
Interessant ist auch die Blattschraube, die neuerdings jetzt bei den Selmermundstücken dabei ist. Zwar geht sie in der Tat besser als die normale aber wirklich überzeugt hat sie mich nicht. Vielleicht liegt es daran, dass die Auflagestreben quer zur Schwingungsrichtung sind oder daran, dass der alte “traditionelle” Selmerstyle verlorgen gegangen ist. Man hat mir gesagt, dass die meisten Kunden die alte Variante bevorzugen.

Über die Qualität von Vandoren kamen mir noch nie Klagen zu Ohren und auch kann hier nichts bemängeln. Mit um die 100 Euro ist der Preis auch sehr im Rahmen. Das Optimum war schnell aus dem Rennen. Nicht weil es schlecht ist sondern weil es nicht meinen Vorstellungen eines klassischen Klangs entsprach. Ich würde sagen, dass es ein ideales Allroundmundstück für französische Radiomusiker ist.
Von den V5 Mundstücken hatte ich zuerst das A28 getestet und war verwundert, warum das so schwer bei mir ansprach. Trotz verschiedenster Blätter ging es nie wirklich leicht. Mit dem Mundstück war alles in Ordnung (hatte noch ein gleiches zum Vergleich spielen können).
Das V15 ging tadellos. Runder eher warmer Klang. Leichte Ansprache und Kontrolle. Und im Vergleich zu allen anderen Mundstücken kam da auch am meisten raus. Alles so wie ich wollte weshalb ich es dann letztendlich auch gekauft habe.
Der Hauptunterschied zwischen dem A15 und dem A28 war die Bahnlänge. Anscheinend funktionieren aufgrund meiner etwas dickeren Lippen (“Jazzlips”) kürze Bahnen nicht bei mir. Das war so für mich auch eine neue Erkenntnis und es ist gut so etwas zu wissen. Also wenn es die Möglichkeit verschiedener Bahnlängen gibt bei einer Marke, sollte man dieses durchaus auch mal ausprobieren.
Leider sind bei den Vandoren-MPCs keine Schrauben dabei. So muß man sich diese Extra kaufen. Z.B. die Vandoren Optimum für min. 50€.  Tja, leider passt diese auch sehr gut zu dem Vandorenmundstücken. Zum Glück hatte ich so eine schon in der Schublade.

Nun wie schon gesagt, die Auswahl an Klassikmundstücken ist minimal. Es dürfte ruhig mehr auf dem gängigen Markt sein, aber vielleicht ist für die Klassik einfach zu wenig Nachfrage. Andererseits hat es mir eine größere und Längere Suche erspart. Die Qualität von Selmer war eher enttäuschend (man hätte es ahnen können), dafür war Vandoren wieder einmal empfehlenswert. Sehr erhellend war für mich die Erfahrung mal wieder mit Mundstücken mit kleineren Bahnöffnungen und -längen zu tun gehabt haben.

Die Smart Cap – Intelligente Kappen für das Mundstück?

Ich hatte es im großen Blattschraubenreport angekündigt, hier ist der große Mundstückkappentest!

Naja, bleiben wir mal auf dem Boden. Dennoch die Mundstückkappe ist ein unterschätztes “Gadget”, schützt es doch das so empfindliche Blatt. Gute Lösungen sind selten und bei den meisten highclass Ligatures passen die normalen Metallkappen nicht.

Die Plastikkappen von Rovner, die bei den Lederschrauben dabei sind, haben so die Angewohnheit schnell zu brechen . Einige Kappen sind mehr als unförmig und sperrig, also nichts für die Hosentasche.
Und ob man es glaubt oder nicht, die Metallkappen zu der Vandoren Optimum kosten bis zu 60 Euro!
Dabei geht es auch anders, wie man bei der geschickten Lösung von Ligaphon sehen kann. So flach, passt es auch in die Hemdtasche.

Eine Alternative gibt es, die Smart Cap von Francouis Louis. Außerdem in verschiedenen Farben!  Auch wenn die Kappe (wahrscheinlich) keinen Einfluß auf den Klang hat, mag vielleicht ein Test dennoch sinnvoll sein, weil sie die einzige Kappe (zur Zeit) auf dem Markt ist, die blattschraubenunabhängig auf dem Mundstück sitzen kann.

Es gibt die Smart Cap in drei Größen und fünf Farben, damit man etwas passendes für sich finden kann. Die Farbwahl überzeugt nicht wirklich. Standart schwarz, normales Rot und Blau und eigentlich sehr häßliches Türkis und Beige. Ich habe den Francouis mal auf einer Musikmesse kennen gelernt und irgendwie kamen wir auf das Thema. Tatsächlich hat das Beige sogar irgendeine Bewandnis. Da wir uns auf französisch unterhielten habe ich nicht alles verstanden, es ging irgendwie darum, dass diese Kappe farblich zum Beigen DeJaques-Gurtes seines Freundes passte.
Das mit den Größen ist so eine Sache. Die “Ärmchen” müssen zum Mundstückumfang passen, sonst hält bzw. passt nicht. Zwar gibt es für den Fall, dass das Mundstück zu schlank ist, so kleine Gummischlaustulpen, nur halten die nicht auf den Ärmchen und gehen sofort verloren. Früher gab’s statt den Gummistulpen Korkstreifen die man einkleben konnte. Das war eigentlich durchaus besser, nur klebten die nicht gut und gingen schnell wieder ab. Ich habe einfach nen guten Sekundenkleber genommen, dann haben die gehalten. Aber wie gesagt, leider gibt es die nicht mehr, weshalb man sich jetzt selber etwas baseln muß, was man unter die Ärmchen kleben kann, wenn diese etwas zu weit für das Mundstück sind. Aber Optimal ist es nur, wenn die Kappe so schon auf das MPC passt.
Leider ist das bei nur drei Größen etwas schwierig. Die Kleine (I) halte ich für verfehlt. Zwar passen die Ärmchen auf Sopran HR MPCs (HR=HardRubber=Kautschuk, MPC=Mouthpiece=Mundstück), jedoch ist die Kappe deutlich länger als der Sopranblattausschnitt, steht also über und hält nicht gut. Da hatte man wohl auch an Metallalto MPCs gedacht. Nur ist die Kappe I eigentlich etwas zu schmal für Altoblätter (warum das ein Problem ist, dazu komme ich später). Mir bleibt schleierhaft, wofür also die kleine Variante passend sein soll, denn schon für KlarinettenMPCs sind die Ärmchen zu eng.
Größe II passt ideal auf Alto HR MPCs und vielleicht noch auf breitere TenorMetallMPCs. Für Klarinette ist sie zu lang.
Die Größte (III) passt auf gängige TenorHRMPCs.

Ein besonderer Clou der Smart Cap ist das Filzkissen auf der Blattseite. Dieses ist zum naß machen gedacht und soll so das Blatt feucht halten. Ein kleiner aber wirksamer Trick, damit die Blätter in Spielpausen nicht eintrocknen. Professionelle Doubler wissen es zu schätzen.

Ein weiteres Kappenproblem ist, dass man nie weiß wohin damit. Die skurrile Form bietet diverse kreative und spleenige Möglichkeiten dafür (siehe Photos). Ein grelle Farbe sorgt zudem dafür, dass man sie nicht so schnell verliert.

Jedoch kann ich die Kappe nicht uneingeschränkt empfehlen, da sie doch ein paar kleine Mankos. Neben der bescheidenen Farbauswahl, sitzt die Kappe auch wenn sie optimal passt nicht so fest wie man es gerne hätte. Auch ungeschickt ist die Rundung innen dort wo die Blattspitze ist. Dadurch kann es in Einzelfällen kommen, dass die Ecken des Blattes nach oben gebogen werden, was zu einer Verschlechterung der Ansprache des Blattes führen kann. Im Gegensatz dazu ist die Kappe der Ligaphone an der Stelle plan; das Blatt kann also nicht “wellen”.

Dennoch ist eine Smart Cap immer besser als gar keine Cap und mit 4,60€ auch nicht wirklich teuer. Sie ist fast überall erhältlich, wo es auch die Francois Louis Ultimate Ligature gibt. Jedoch die bunten Kappen habe ich bisher bei Mike Duchsteins Saxophon-Service erblickt. In gewissen Kreisen ist daher das Nachfragen bei Mike, ob sie bunte Kappen haben, ein beliebter Insider. Daneben, dass sie als einzige die bunten Kappen ist auch deren Lieferserice besonders.Ich hatte am Dienstag gegen Mittag bei ihnen anrufen und schon am nächsten Tag um 9 war das Paket da. Wenn das mal kein Saxophon-Service ist.

Saxo Colores – Ligature oder Sextoy?

Neulich bin ich bei Ebay auf etwas kurioses gestoßen. Betitelt wurde der Artikel als “Saxo Colores Zwinger”. Es ist ein Ring aus Silikon der eher an ein Penisring aus dem Sexshop erinnert aber tatsächlich fürs Sax sein soll. Es handelt sich also um einen weiteren Vertreter auf dem Blattschrauben Markt. (Ich ahne schon, dieser Artikel wird zu einer Menge GoogleTreffern führen)
Ob es sich nun um eine brauchbare Ligature oder doch nur ein Sextoy handelt werde ich hier prüfen.
Ich muß sagen, dass ich im Vorfeld etwas skeptisch war, ob die Teile wirklich halten, genug Druck auf das Blatt ausüben, oder ob dieses ständig verrutscht. Außerdem gibt es diese in verschiedenen Farben, die auch noch unterschiedlich klingen sollen und somit auch passende Namen tragen: Swing (silber Glitter), Jazz (goldener Glitter), Blues (blauer Glitter (wie passend)) und Klassik (schwarz).
Natürlich habe ich dann gleich alle 4 zum Testen geordert. Bei einem Stückpreis von 12 Euro war das sogar mir, einem Studenten, möglich.

Bei “Zwinger” scheint es sich um eine unglückliche Übersetzung von Ligature zu handeln. Da Zwinger mir deutlich zu martialisch klingt werde ich beim inzwischen üblichen Anglizismus “Ligature” bleiben.
Auch merkwürdig fand ich etwas, dass der Händler mir keine Auskunft über den Hersteller geben wollte. Ich weiß nur, dass es aus der Gegend von Louisana kommen soll. Dort ist zwar auch der Saxequip-Guru Steve Goodson ansässig, aber von ihm scheint die Saxo Colores nicht zu kommen, denn ansonsten gäbe es dazu schon massig Vids von Steve in schlechter Qualität und auf SOTW würde man sich die Münder über diese Ligature verreißen. Das ist nicht der Fall. Im Gegenteil, die Schraube scheint weitestgehend noch unbekannt zu sein. Vielleicht ein Kaufgrund für den ein oder andern Saxequipment-Trendsetter.

Allerdings sieht die Ligature auch eher noch nach Heimarbeit aus. Daher nehme ich an, dass ein Tüftler eine gute Idee hatte und diese nun im kleinen Rahmen verkauft. Besonders kompliziert scheinen die Saxo Colores in der Herstellung nämlich nicht zu sein. Silikonmasse über ein Rohr gegossen, trocknen lassen, abziehen, schneiden, fertig. Für die besondere Optik scheint das Barbie-Glitzergloss-Arsenal der Tochter mit in den Teig reingemixt worden zu sein. Jedes Sexshopprodukt sieht hochwertiger aus. (Nicht das ich mich da auskennen würde)
Haben die Verschiedenen Glitter wirklich eine Soundeinwirkung? Insider wissen, dass die Zahnspangengoptik der ESM-Mundstücke auch nicht nur optischer Natur ist und ich bin der letzte, der da all zu skeptisch ist, denn durch mein Rumgeteste (siehe fast der gesammte restliche Blog) habe ich festgestellt, dass selbst die unwahrscheinlichsten Kleinigkeiten einen Einfluß haben können.
Aber neben den Glitterfarben gibt es auch noch andere Unterschiede unter den verschiedenen Colores. Die Swing ist vom Material etwas weicher, die Jazz hat innen ein paar eingeschnitzte Rillen auf der Blattauflage, die Klassik hat gar keine Blattauflage, abgeflachtere Enden und wirkt am härtesten und die Blues scheint so das Mittelding zu sein. Ob es nun wirklich Klangunterschiede gibt verrate ich erst gegen Ende des Artikels.
Insgeammt macht die Ligature nicht den professionell gefertigsten Eindruckt wie z.B. eine Vandoren Optimum. Andererseits  macht  das die Francois Louis Ultimate Ligature auch nicht. Aber mit 12 Euro dürfte Sie die günstigste Variante auf dem Schraubenmarkt sein, da will man mal nicht so pingelig sein und von ein bissle Abstand sehen die Dinger auf den Mundstücken unglaublich Spaßig aus. Fragende Sprüche von den Saxkollegen sind garantiert (was ja für manche Saxophonisten ein Hauptgrund für immer neues Equipment ist)!

Das Handling ist simpler als gedacht. Blatt anlegen und Ligature drüber stülpen. Bei Mundstücken die schmaler sind als Böhmklarinetten-Mundstücken wird es eng, bzw die Ligature zu weit. Bei allem was größer als ein KautschukTenormundstück ist, wird es schwer, diese Schraube noch überziehen zu können. Am besten sitzt die Colores auf Alto-HR-Mundstücken (HR=HardRubber=Kautschuk). Das Über und ab ziehen ist zwar an sich einfach, allerdings braucht man dafür schon zwei Hände und ein paar Sekunden bis alles sitzt. Da gibt andere Schrauben. Z.B. bei der Magnitone, welche (wenn einmal eingestellt), sofort sitzt.
Einmal alles an seinem Platz, hält die Colores das Blatt aber gut. Das Blatt kann zwar etwas hin und her rutschen ist mir aber beim Spielen noch nicht passiert. Auch Nachstimmen ist deshalb kein wirkliches Problem.
Bedenken habe ich, dass die Colores evtl. mit der Zeit ausleiert und an Spannung verliert, aber das wird wohl nur ein Langzeittest zeigen. Bei der Ligature, die ich für mein Tenormundstück benutze, meine ich schon, Schwangerschaftsstreifen entdeckt zu haben.

Ich möchte auch nochmal darauf hinweisen, dass natürlich keine normale Kappe auf das Mundstück passt, wenn die Colores drauf ist. Generell halte ich den Umgang ohne Kappe immer für unnötig riskant. Zu oft habe ich erlebt, dass bei Proben (und wenn man das Sax auch nur kurz aus den Augen lässt) jemand aus Versehen anstubst und Blätter sind sowieso so zerbrechlich. Gepaart mit Murphys Gesetz kann das bei einem Auftritt eine üble Sache sein. Daher rate ich, dass man sich zur Saxo Colores gleich noch eine passende Smart Cap (auch wenn sie nicht immer die beste Lösung ist) von Francois Louis besorgt. Tatsächlich gibt auch diese in verschiedenen Farben, man kann sie also farblich zur Colores abstimmen.

Die Ansprache finde ich besonders interessant. Sie erinnert ein wenig an die Lederligaturen. Zwar ist die Ansprache nicht so schnell und direkt wie bei einer Blechklemme dafür aber irgendwie organischer und fühlt sich natürlicher an. Davon bin ich zur Zeit recht begeistert.
Zweifel hatte ich auch, ob dieses elasitische Material genug Druck für die hohen Töne bietet und das Blatt wegbricht. Dem ist nicht so. Die vier Oktaven erreiche ich genauso gut wie mit meinen anderen Highendklemmen.

Genauso skeptisch war ich, ob die Colores wie die Lederschrauben nicht zu viel dämpft. Tut sie aber nicht. Das Silikon verhält sich eher wie eine Art Flummi. Der Sound ist aber wie zu erwarten recht rund. Alle Metallklemmen wirken im Vergleich resonanter und haben somit ein etwas ausgeprägteres und spitzeres Frequenzspektrum. Bei der Colores geht es etwas in die Breite ohne dabei zu dunkel oder dumpf zu werden. Aber wer eine Ligature sucht, die klarer und durchsetzungsfähiger ist und einen kleinen Extra Kick im Sound hat, sollte vielleicht doch eher bei den Metallklemmen bleiben. Daher weiß ich auch noch nicht, wie lange die Colores auf meinen Mundstücken bleibt.
Und nun lüfte ich, ob es Unterschiede zwischen den verschiedenen Colores gibt. Ja, gibt es. Zwar nicht besonders deutliche aber durchaus wahrnehmbar.
Die Swing (Silber) ist die dunkelste, wahrscheinlich weil sie auch die weicheste ist. Die Jazz (Gold) klingt etwas resonanter, was vielleicht durch die Rillen zustande kommt. Die Blues (Blau)  ist irgendwie auch klanglich das Mittelding; im Vergleich minimal heller und lauter. Ich hätte sie ja “Rock” genannt, aber da lag die Farbassoziation wohl näher. Die Klassik (Schwarz) entspricht wirklich ihrem Namen; braver und kompakter als die anderen.

Ich habe diese Ligature nun übrigens auch in den großen Blattschraubenreport übernommen. Dort könnt ihr wenn ihr wollt, die Colores mit sonstigen Schräubchen vergleichen.

Mein Gesamturteil ist etwas durchwachsen. Klanglich ist die Saxo Colores durchaus brauchbar aber auch nichts wirklich besonderes. Das Handling ist OK, aber auch da gibt es Ligatures die schneller und unkomplizierter sind. Das eine große Plus ist halt, dass es ein sehr witziges Objekt ist die wirklich spacig auf den Mundstücken aussieht. Das andere Plus ist der Preis. Mit 12 Euro ist die billigste auf dem Klemmenmarkt und somit mal ein günstiges “Gadget” für die experimentierwütigen Saxequipmentfetischisten (so wie ich einer bin). Für welche Version man sich man entscheiden soll würde ich eher von der zum Sax/MPC passenden Farbe und nicht unbedingt von den Soundunterschieden abhängig machen. Sie sind nicht so groß, dass sich wirklich 4 Versionen lohnen.
Bei mir sind die 4 Colores, die ich bestellt habe alle in Verwendung allerdings weiß ich nicht für wie lange, denn wenn ich ehrlich bin, bin ich vor allem aus optischen Gründen von diesen “Zwingern” angetan.

Der ultimative Saxophonstarter-Guide (Teil 3)

Hier geht’s zum ersten Teil des USSG und hier zum zweiten.

Nachdem wir uns in den anderen beiden Teilen des USSG (ultimativer Saxophonstarter-Guide) mit dem Saxophon, dem Mundstück und den Blättern beschäftigt haben, haben wir das essentielle und die schwerste Qual der Wahl schon durch. Vielleicht hätte ich auch einfach sagen sollen, kauft euch ein Yamaha 475 (Alto wenn weiblich, Tenor wenn männlich), ein Expression Mundstück (Bahn 5*) und AW-Reeds (Stärke 2) und hätte mir so Stunden für die Arbeit an den Artikeln gespart. Falsch wäre es nicht wirklich gewesen, aber auch nicht Sinn der Sache.
Da wir nun eigentlich das wichtigste hinter uns haben und jetzt nur noch Gedöns kommt, könntet ihr auch aufhören hier zu lesen und anfangen zu üben.

(Hmm, vielleicht sollte ich meinen Lesern nicht raten, mit dem Lesen des Blogs aufzuhören)

Üben kann man immer noch später (sage ich mir ab und zu zu oft und komme dann zu nichts). Hier möchte ich jetzt quasi nochmal so durchgehen, was man noch alles auf den Einkaufszettel für den Musikladen schreiben muß. Ist zwar jetzt fast alles eher Kleinvieh, aber das macht ja bekanntlicherweise auch viel (finanziellen) Mist. Außerdem möchte ich zuletzt noch ein paar Tipps für einen guten und frohen Start in die Welt des Saxophons geben. Allerdings werdet ihr hier jetzt keine einleitende Anleitung finden, wie man jetzt Saxophon spielt, das würde hier zu weit führen und der USSG bräuchte 3 weitere Teile. Wer da etwas sucht, kann gerne mal in die Rubrik Lektionen rein schauen.

Koffer
Ein guter Koffer ist Gold wert, kommt preislich meist sogar hin. Es ist meist auch immer Geschmackssache, ob man auf elegante Koffer, Formkoffer, Gigbags oder was auch immer steht. Massive Koffer haben den Vorteil, dass das Sax dort sehr sicher ist, vor jeglichem Anecken und sonstigen Stößen und man kann sich drauf setzen. Zudem sehen die Ledervarianten unglaublich schick aus. Allerdings sind diese oft schwer und unhandlich. Also wer viel mir seinem Instrument unterwegs ist und nicht immer mit dem eigenen Auto fährt, der wird sich daran schnell stören. Da sind die leichten Gigbags zum schultern komfortabler. Allerdings bieten diese kaum Schutz. Ich habe sogar schon Fälle erlebt, bei denen sich die Mechanik alleine aufgrund des Transportes in einem Gigbag verbogen hat. Ein sehr guter Mittelweg, sind die Trecking/Flight-Cases, die leichter sind und formstabil. Man hat oft noch eine große Notentasche mit dabei und bei einigen kann man sich sogar auch noch draufsetzen, wenn man nicht zu schwer ist. Ich habe bisher noch nichts besseres gesehen, als mein Selmer Lightcase.
Also meist ist beim Saxophon ein Koffer dabei (außer bei Selmer), aber der Gedanke, sich etwas praktischeres oder besseres zu holen ist hier manchmal nicht verkehrt. Wenn man für Sax und Gedöns mehr als 2500€ ausgegeben hat, sollte man nicht am Case sparen.
Wer dennoch eine günstige Variante sucht, mit der man garantiert im Mittelpunkt steht, sollte einfach mal mit dem Sax in einer Einkaufstüte kommen. Man erntet viele Blicke in der Straßenbahn und so manches Kopfschütteln von Bandkollegen.

Tuningzeugs und sonstiges Zubehörgedöns
Das kann man die ersten Jahre wirklich außer acht lassen. Die feinen Unterschiede ist man als Anfänger eh nicht in der Lage zu nutzen und ist daher heraus geschmissenes Geld. Man kann noch soviel Geld für Extraschnickschnack ausgeben (Daumenhaken, Klangbögen, das 8.Mundstück, Blattschrauben, S-Bögen) und wird eigentlich nicht besser klingen, wenn man nicht schon ein gewisses Grundniveau hat. Wer mehr über diese Problematik lesen möchte, kann das hier.

Blattschraube
Eigentlich fällt das auch unter Zubehörgedöns, jedoch mache ich hier eine kleine Ausnahme, da die meist mitgelieferte 08/15 Blattschraube meiner Ansicht nach großer Mist ist. Vor einiger Zeit habe ich hier bereits einen großen Blattschraubenreport geschrieben, in dem viel drin steht. Ich will jetzt nicht zu einer 40Euroschraube raten, dass wäre wieder schon zuviel. Aber eine einfache Lederbandschraube für 20 Euronen kann viel bringen. Sie ist unkompliziert im Handling und glättet den Sound, was bei dem oft quäkigen Anfängerklang nicht das schlechteste ist.
Und vergesst die Kappe nicht, oft ist bei so einer Schraube keine dabei, da muß man sich vielleicht nochmal extra die SmartCap von Francouis Louis besorgen bevor man gar nichts hat.

Gurt
Der aller beste Gurt der Welt ist der DeJaques, allerdings ist der schon etwas dekadent. Aber mal im Ernst, die Gurtwahl sollte im wahrsten Sinne des Wortes nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Das Sax ist schwer und ich kenne viele, die Probleme mit ihren Nacken haben. Das größte Problem ist, dass die Gurte sehr auf den heraus stehenden Nackenwirbel drücken. Nun gibt es eine Vielzahl von Gurten mit Polsterung nur leider ist die eigentlich totaler Mist. Statt den Wirbel zu zu entlasten, belastet eine Polsterung gerade diesen noch mehr. Als höchster Punkt wird dort die Polsterung zusammen gedrückt und somit das meiste Gewicht lagert nun genau auf den Wirbel. Daher kann auf Polsterung gerne verzichtet werden. Es gibt manches Kuriose Gurtgeflecht, dass den Nacken entlastet, kosten aber meist aber auch dementsprechend und diese Pferdegeschirr ähnlichen Teile sind eher unansehnlich und störend (gerade beim schicken/coolen Bühnenoutfit). Sehr gut finde ich daher den eigentlich einfachen Cebulla-Gurt der zwei getrennte Polster hat, also wirklich den Nackenwirbel entlastet (u.a. hier erhältlich).

Ständer
Ein Notenständer ist ein Muß. Die kleinen Silbernen passen zwar in jede Tasche sind aber schnell sehr klapprig und halten eigentlich keine Aktenordner (wenn ihr in einem Hobbyorchester spielt) oder Realbooks (wenn ihr nicht mehr in einem Hobbyorchester spielt) aus. Die Großen halten zwar ne Menge aus, sind aber zum transportieren nur nervig. Das hier halte ich für für einen guten Mittelweg (gibt es sogar in verschiedenen Farben).
Ein Saxophonständer macht meiner Ansicht nach auch Sinn. Ein aufgebautes Instrument im Ständer läd mehr zum üben ein, als wenn es in einem Koffer versteckt in der Ecke ist (außerdem ist es sehr dekorativ). Und gerade auf Proben ist das allemal sicherer, als das Sax einfach auf den Stuhl zu legen. Allerdings sind die normalen Ständer recht sperrig. Es gibt in der Zwischenzeit einige, die sich leicht in den Trichter des Saxes verstauen lassen und dadurch sehr mobil sind (dafür lohnen sich auch die 10 Euro mehr, glaubt mir).

Metronom und Stimmgerärt
So bitter es ist beides ist leider fürs Üben essentiell. Beim Sklaventreiber sollte man darauf achten, dass man sich einen lauten besorgt, damit man das Teil beim spielen auch noch hört. (Es gibt welche mit Ausgang für zum an die Anlage anschließen). Es gibt auch zahlreiche Kombigeräte, allerdings sind die guten teurer, als je ein Metronom und ein Stimmgerät. Es gibt inzwischen auch Tuner mit Vibrationsabnahme. Das ist für den Saxophonsiten eigentlich recht praktisch. An den Schallbecher geklemmt, kann man sich auch in der noch lauten Umgebungen (z.B. direkt vor der Probe, wenn sich alle einspielen) und selbst beim Spielen selbst, kann man einen verstohlenen Blick auf das Gerät werfen und kontrollieren am man selber gerade nicht stimmt oder doch der Nachbar (man muß es ja danach nicht verraten).  Ein schickes Gerät, das viel kann und wenig kostet ist das hier. Ansonsten kann man allem vom KORG vertrauen.

Wischer und Putzzeugs
Nur Klassiker putzen ihre Instrumente, Jazzer stehen zu ihrem Dreck. Im Gegenteil, man ist sogar noch stolz auf jede Gebrauchsspur, den die verleiht dem Instrument Charakter, klingt also besser. Ich persönlich putze auch selten, da es beim Sax wenig Grund gibt, wenn man nicht ständig nach (oder während) des Essens Sax spielt. Nur Mundstück und Blatt werden regelmäßig mal heißem Wasser (selten auch mal ne Kukidentkur (Vorsicht bei Kautuschukmundstücken, hier kein zu heißes Wasser und kein Kukident, weil sich sonst Schwefel raus löst) ) gereinigt, damit es nicht stinkt und hin und wieder auch mal der S-Bogen, da sich bei mir dort nach einer Zeit Zeugs ansammelt, dass erstens irgendwann auch müffelt und zweitens den Klang verändert (ein spannendes Thema unter Trompetern). Ansonsten ist es eigentlich doch ratsam mit einem Durchziehwischer nach dem Spielen mal durch zugehen. Allerdings reicht dafür auch ein altes Stofftaschentuch, das an eine Schnur gebunden ist und am anderen Ende ein paar Holzperlen in einer Reihe befestigt sind, aus. Von den Staubfeudeln muß ich vehement abraten. Warum kann man hier nachlesen.
Wer sich ein sibernes oder unlackiertes Instrument kauft und es glänzend bleibend haben möchte ist selbst Schuld. Silber läuft unweigerlich an und muß daher ständig mit Silberputztüchern gereinigt werden und ein Sax hat viele Ecken und Kanten. Bei unlackiertem Messing ist es fast aussichtslos gegen anputzen zu wollen.
Allerdings ist meist beim Sax schon ausreichend Zeugs dabei.

Sonstiger Kleinkram
Was man sonst noch in Reserve im Koffer haben sollte:
-Bißplatten (aber das habe ich Teil 2 des USSG schon erwähnt)
-Fett (für den S-Bogen Kork und die Steckverbindung Sax-Bogen)
-Zigarettenpapier (für Notfallmaßnahmen bei undichten Klappen und zu dünnem S-Bogen Kork)
-Reedguard (meist reicht das Plasteteil aus, dass beim Blatt dabei ist, aber inzwischen sparen auch da die Firmen und mit einem Schicken Blattaufbewahrungsoption kann man im Saxsatz noch mehr angeben).
-4 Wäscheklammern (für windige Outdoorgigs um die Noten zu befestigen. Wer sozial veranlagt ist, nimmt noch mehr für die restlichen Kollegen mir)

noch ein paar Tipps
Ich würde euch ja gerne jetzt noch etwas Literatur zum Anfang empfehlen, nur kenne ich keine Anfängerschulen. Das was ich damals hatte, war eine ca. 300 Jahre alte aus dem Russischem übersetze Anfängerschule, in der Jazz kurz im letzten Kapitel nebenbei erwähnt wird. Die möchte ich keinem antuen. Außerdem geht nichts über einen guten Lehrer. Oft ist das so ein Streitpunkt aber ich rate vehement zum Unterricht (warum steht hier).

Sucht euch schnell eine Gruppe gleichgesinnter, mit denen ihr musizieren könnt. Das Sax ist eigentlich kein Solointrument. Es macht Spaß und motiviert mit anderen zu spielen, außerdem schult es extrem in einer Band zu sein, die einen fordert. Es gibt viele Hobbyblasorchester die ein harmloses Niveau haben aber viel Freude beim musizieren.

Verschont das Internet! Das meine ich wirklich ernst, überlegt euch gut, was ihr Online stellt. Seid selbstkritisch! Überlegt, wer das wirklich hören will. Ich kenne zig schlechter Saxaufnahmen, die durch das Netz gehen und eigentlich jeden nur nerven. Wer will den wirklich hören, wie es klingt, wenn jemand nach einem Monat Summertime zu einem Playalong dudelt? Selbst wenn ihr Rückmeldung über euren Stand haben möchtet, sind viele zu nett und beschönigen gerne, sie finden es teilweise sogar gut, weil sie selber nicht besser spielen können, oder ihr werdet böswillig zerrissen. Außerdem, was einmal im Netz gelandet ist, bleibt auch dort. Deshalb gibt es nur sehr wenig von mir im Netz, weil ich mit den meisten Aufnahmen nicht zufrieden genug bin. Ich braucht also auch nicht anfangen zu bloggen, denn ich kann euch sagen, das macht ‘ne Menge Arbeit und es ist schwer, noch nach einem halben Jahr wirklich noch etwas neues zu sagen zu haben. Und falls ich Fragen habt und die im Netz stellen wollt, benutzt bei der Seite die Suchfunktion. Wahrscheinlich hatte jemand schon vorher das gleiche Problem. So hat man erstens seine Antworten sofort und zweitens nervt nicht die Forenuser.

Stellt euch gut mit den Nachbarn. Wahrscheinlich werden die in nächster Zeit viel erdulden müssen. Eine Vorwarnung und vielleicht eine Flasche Rotwein beruhigen das Gemüt. Macht euch schlau, wie lange ihr Üben könnt (ist von Bundesland, Instrument und Hausordnung unterschiedlich) und haltet euch daran. Auf der Homepage von dem Saxophonisten Bastian Fiebig gibt es einen schönen zusammenfassenden Artikel darüber.
Es wurde schon wegen weniger geklagt. Wenn Ihr dann allerdings im Treppenhaus die ersten Komplimente für euer Spiel bekommt, dann seid Ihr auf dem richtigen Weg.

Ach ja, und als letzten Tipp, immer schön fleißig und regelmäßig in meinen Blog rein schauen und ein gründlicher Blick in die Lektionen lohnen sich auch ;-)

to be continued ?
Man weiß nie was noch kommt, und wie die Hollywoodgrößen will ich mir ein mögliches Sequel offen halten. Bilder (muß mir nur noch etwas passendes einfallen) und Rechtschreibkorrektur kommen hier allerdings auch noch.