Brancher-Saxophone – die neue Highclass!? (von Volker Kaufmann)

Ich hatte es ja schon angekündigt und hier ist er endlich; der Branchersaxophon Test von Volker Kaufmann. Ich hatte mich da besonders drauf gefreut, da die Branchersaxophone auf den letzten Musikmessen wie eine Bombe einschlugen. Zudem ist damit dieser Blog mal wieder der Sonic zuvor gekommen, denn die hat zu den Branchers noch keinen Test.

Photos werden die Tage nachgereicht!

Die Firma Brancher hatte sich in der Vergangenheit einen Namen durch moderne Mundstücke und Blätter gemacht. Seit 2008 baut Brancher auch Saxophone der Profiklasse. Die Mechanik, die Resonatoren und die Polster werden in Frankreich gebaut. Die Teile werden zur Endmontage nach Taiwan geschickt. In der selben Werkstatt werden die Korpusse gehämmert. Anschließend werden die fertigen Hupen von Pascal Brancher getestet und justiert.

Damals spielte ich noch ein Keilwerthsx90R Tenor und ein TopTone Altsax. Ein neues Altsaxophon mußte her. Auf der Musikmesse in Frankfurt testete ich alle möglichen Firmen an. Eigentlich hatte ich mich schon auf einen Kandidaten festgelegt, dann kam ich an den Stand von Pascal Brancher. Ich probierte ein Altsaxophon im Antiklook aus und das aus Goldmessing.
Verliebt habe ich mich sofort in die Optik des Antiklook. Die Ansprache und der Sound waren eine Klasse für sich.

Die Entscheidung war gefallen. Doch dann machte ich einen echten Fehler. Ich probierte auch noch das Tenor aus. Nach Hause fuhr ich dann mit einer Bestellung von zwei Saxophonen im Antiklook.
Nach gut einem halben Jahr kam dann der Anruf von Chili Notes, dem Brancher Vertrieb für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Endlich waren sie da. Meine zwei neuen Babys.

Beide kamen sie in schwarzen Hartschalenkoffer mit Kunststoffüberzug. Außen an den Koffern sind eine kleine Tasche für CD´s Batterien, Stifte und eine große Tasche in die locker ein Ringbuchordner rein paßt. Zudem Rucksackgarnitur und Regenüberzug. Innen ein großes Fach für Kleinteile, eins für den S-Bogen und ein Loch fürs Mundstück.Das Saxophon liegt perfekt in dem Koffer. Damit schickt man es auch mit gutem Gewissen im Flugzeug auf reisen.
Allerdings haben solche Koffer auch einen Nachteil. Man packt viel zu viel rein, mit dem Ergebnis, daß er einfach zu schwer wird. Deshalb ist bei meinem Tenorkoffer auch schon der Griff etwas eingerissen. Also doch besser wenigstens den Notenständer extra tragen.

Die Ausstattung der Saxophone ist einmalig.
Zwei unterschiedliche S-Bögen, beide in schwarzen Samtsäckchen untergebracht, Durchzugswischer für Korpus und S-Bogen, ein Brancher-Luxus Halsgurt, 2 Packungen Brancherblätter und ein Branchermundstück aus Kautschuk oder Metall nach Wahl (mit Cartier-Schraube). Ich kenne sonst keinen anderen Hersteller, der professionelle Mundstücke beipackt.
Natürlich werden einige wieder sagen, daß die Profis, die so ein Horn bestellen schon ihre eigenen Mundstücke haben und das nicht brauchen, aber da zum Kundenstamm für Highclasssaxophone auch sehr viele Hobbymusiker gehören halte ich diese Mundstücke für sehr passend. Außerdem kann man die Mundstücke, wenn sie einem nicht gefallen ja immer noch weiterverkaufen.

Für den Antiklook werden die fertigen Korpusse sandgestrahlt, lackiert und dann gebürstet. Der höhere Arbeitsaufwand muß leider auch extra bezahlt werden. Das ganze macht etwa 400 Euro aus im Vergleich zum Goldlack.
Auf dem Schallbecher ist eine florale Gravur und seitlich eingelasert das Brancherlogo.
Das selbe Logo wurde auch per Laser in die S-Bögen eingebrannt.
Der Daumenhaken ist aus Metall und die Daumenauflage für die linke Hand aus Kunststoff.
Die Klappen sind mit echten Perlmutteinlagen die eingeklebt sind. Bei der Gis-Klappe und der seitlichen Fis-Klappe, bin ich mir da nicht so sicher, ob es sich dabei auch um Perlmutt handelt.
Die Polster sind mit Heißkleber eingeklebt.
Beim Altsaxophon sind die Tief H-Klappe und die C-Klappe mit Doppelärmchen ausgestattet. Beim Tenor sind alle tiefen Klappen, außer der Cis-Klappe mit Doppelärmchen ausgestattet.

Eines der besondersten Merkmale und vielleicht die große Inovation bei diesen Hörner ist, dass die Resonatoren aus massiven Messingblöcken ausgefräst und werden mit der Klappe verschraubt sind. Sie haben somit einen maximalen Durchmesser, das heißt, größer könnten die nicht sein. Sie füllen das Tonloch fast komplett aus und verlaufen Beckenförmig. Dadurch wird erreicht, daß bei geschlossenen Klappen die Resonanz erhöht wird und bei geöffneten Klappen die Projektion und die Kraft im Klang verstärkt.

Die Hörner sind handgehämmert und es wird dickeres Material verwendet, als bei den meisten anderen Herstellern, was natürlich das Gewicht auch etwas in die Höhe treibt, aber den Sound positiv beeinflußt. Der Schalltrichter ist auch größer geformt als üblich. Anscheinend ein weiterer Vertreter in dem wieder modernen BigBelltrend.

Aufgrund des höheren Gewichtes wurde beim Tenor eine zusätzliche Verstrebung eingebaut. Bei dem Prototypen, wo dieses noch fehlte, war während des Transportes die Schrauben abgebrochen.
Die Böckchen sind auf Montagebänder gelötet, wie bei den meisten modernen Hörnern.
Natürlich sind Einstellschrauben zur Feinjustage für die Klappen der rechten und linken Hand vorhanden.

Verarbeitung

Die S-Bögen passen perfekt und lassen sich tadellos feststellen. Es gibt nirgends unnötiges Spiel.
Beim Tenor wurde am Zapfen für die obere Oktavklappe nachgelötet, leider erst nach dem Lackieren, was nicht gerade sehr schön aussieht und in dieser Preisklasse nicht sein dürfte.
Was mir nicht gefiel, war, daß sämtliche Federn zu lasch eingestellt waren. Auf Nachfrage wurde mir gesagt, daß das von Pascal Brancher absichtlich so gemacht wurde, damit der Käufer selbst entscheiden kann, wie stark er die Federspannung haben möchte und die Federn nicht unnötig oft hin und her gebogen werden müssen. Wohl Ansichtssache, ob man das gut finden soll oder nicht.

Anspieltest

Die ersten Worte nach den ersten paar Tönen sind fast immer:“WOW, geht das ab“.
So war es auch bei mir. Der Sound ist eine Mischung aus Keilwerth SX90R und Selmer MK6.
Das heiß, so offen und röhrend wie ein SX90 und trotzdem zentriert und nörgelnd wie ein MK6.
Blaswiderstand ist kaum vorhanden, aber immer noch genug um sich wohl zu fühlen.
In den Tiefen spricht es einfach nur Butterweich an, egal ob mit Vollgas oder pianissimo. So geht es weiter bis zum Hoch Fis. Die Flagoletts spielen sich, wie das normale Register.

Aber was sagt das Stimmgerät dazu?Im Prinzip sagt es das, was man fühlt. Man fühlt, was das Handling angeht, ein MK6. Will heißen E2 etwas zu hoch. Allerdings auch nur minimal. Ansonsten alles im Grünen Bereich.

Das ist wohl auch der Grund, warum alteingesessene MK6 Spieler sagen, daß die Brancher die besten MK6 sind, die sie jemals in der Hand hatten.

Bei dem zweiten S-Bogen ändert sich die Stimmung überhaupt nicht. Dieser bietet aber mehr Blaswiderstand und klingt insgesamt braver. Also schnell mal das klassische Mundstück drauf. Und tatsächlich wird damit dieser Tiger von einem Saxophon zu einem Schmusekätzchen und einem durchaus klassischen Horn. Mir wäre ein noch engerer S-Bogen als Zweitbogen lieber. Aber vielleicht kommt das ja auch noch.

Interessant sind auch die Soundunterschiede bei den Finishes.Vor kurzem hatte ich ein Goldlacktenor in den Händen. Obwohl die Hörner absolut Baugleich sind, ist der Unterschied doch erheblich. Durch den Goldlack klingt das Saxophon wärmer und muffeliger, insgesamt braver als der Antiklook. Ansonsten waren Ansprache und Verhalten gleich.

Fazit

Pascal Brancher baut nicht nur Mundstücke der Spitzenklasse, jetzt auch noch absolute Spitzensaxophone. Angeboten werden sie in verschiedenen Finnishes, die zum Teil sehr stark den Sound der Hörner ändern.

Knapp 5000 Euro für das Tenor und 4000 für das Alt jeweils im Antiklook sind natürlich keine Schnäppchen und ob ein teilweise in Taiwan hergestelltes Saxophon so teuer sein muß sei mal dahingestellt. Allerdings allein schon durch das mitgelieferte Zubehör relativiert sich dieser Preis. Außerdem hat man ein Designerhorn der absoluten Oberklasse.

Pascal Brancher ist es gelungen ein Saxophon zu bauen, daß mit den 4 Großen nicht nur mithalten kann. Es stellt sie meiner Meinung nach auch absolut in den Schatten.


Ida Maria Grassi – der große Römische Ton (von Markus Zaja)

Ganz unverhofft fand ich heute diesen Test von Markus Zaja zu einem speziellem Vintage Saxophon in meinem Postkasten. Ich bin sehr froh, dass er für diesen Text noch Zeit gefunden hat, da nun eben erst seine Konzertreihe evening sonx in Essen begonnen hat. Das Objekt der Betrachtung finde ich besonders Interessant, da es in unseren Breitengraden eher eine Rarität auf den Bühnen der Jazzclubs ist:

Ein altes Schätzchen, hierzulande fast unbekannt: das Tenorsax Grassi, versilbert, vermutlich irgendwann in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts in Italien erbaut. Ida Maria Grassi war bis zur Firmenschließung im Jahre 2000 die einzige kleinere Instrumentenfirma, die als Familienbetrieb von einer Chefin geleitet wurde. Der Betrieb wurde dann geschlossen, weil Frau Grassi den wohlverdienten Ruhestand genießen wollte .

Jahrzehntelang galten viele Grassis in den Mittelmeerländern und den USA als sehr solide gearbeitete all-round Instrumente, die besseren Serien als härteste Mark6 Konkurrenten. Man behauptete, einen eigenen Sound zu haben, und genau das stimmt auch! Da es keinen Vertrieb nördlich der Alpen gab, blieben Grassis hierzulande fast unbekannt und es gibt noch immer wilde Spekulationen über Seriennumern und Baujahre, Modellreihen und Extras.

Kurz gesagt, die charmanten Hörner mit dem frechen grünen G auf dem S- Bogen ( genau, es ist ein G ! ) sind nichts für zimperliche Anfänger, die ein styliches Vintage suchen, daß ihnen den dicken Ton verleiht – für den nicht ohne Grund Berufsmusiker hart arbeiten.

Wer also die Mühe eines soliden Saxophonlernens nicht scheut, wird bei einem Grassi mit einem sehr voluminösen Ton und enormer Projektion belohnt, die nicht vermuten lassen, man spiele ein no- name Hinterwältlerhorn – im Gegenteil.

Das kostet etwas Arbeit: gründliche Tonstudien sind empfohlen, um den etwas höheren Blaswiderstand zu beherrschen. Wer Raschér nicht kennt oder diesen großen Namen für eine Pralinenmarke hält, braucht gar nicht weiterlesen…

Enge, schreiende Mundstücke mit stufiger Kammer sind ebenfalls ungeeignet. Es wundert nicht, daß Mundststücke nach akustisch – Sax´scher richtiger Konstruktion die besten Ergebnisse erzielen, besonders in der Intonation. Die kleinen Tonlöcher der höchsten Töne fördern einen zentrierten unbrüllenden Klang, ohne daß das Instrument deswegen an Durchsetzungskraft verlöre. Es geht also auch ohne die Selmer-Bratpfannen, die ja mittlerweile ebenfalls Standart geworden sind. Ich selbst erziele sehr gute Töne mit dem hierzulande ebenfalls unbekannten Munstück von Emilio Raganato, dessen dunkler Ton hervorragend zu dem Instrument paßt. Aber auch das neue alte Otto Link New Vintage Slant kann sich hören lassen, es ist etwas schärfer und wird den Big Band Spieler erfreuen.

Allen ist gemeinsam, daß der Ton eine besondere vokale Note bekommt, die nach gründlichem Üben mit dem Vokalklang des Spielers sehr verwandt erscheint, also unbedingt individuell geformt werden kann – und muß.

Der italienische Belcanto läßt grüßen! Ich würde sowieso dringend empfehlen, als Saxophonist einige Jahre Erfahrung im Singen zu haben, am besten in einem Chor. Erst dann werden das Gehör und das menschliche Singinstrument genügend geschult sein, entscheidende Nuancen überhaupt würdigen zu können.

Die Mechanik liegt größtenteils unkompliziert und fühlt sich leichtgängig und angenehm an. Dies wiederum liegt an der sehr wertigen Generalüberholung von Torsten Köhler aus Pinneberg ( www.holzblasinstrumenten-studio.de ) , der durchaus in die Trickkiste greifen mußte um dem alten Instrument das Klappern abzugewöhnen. Dies ist sicher ein Nachteil für Schnäppchenjäger und Leute, die ihre Instrumente noch nicht richtig verstehen.

Die Lage der Drücker für den linken kleinen Finger wird sicher nicht jeden erfreuen, entspricht sie doch von der Wirkung der Hebelwege nicht dem so gerne kopierten Balanced Action Standart, sondern den diversen Vorläufern. Allerdings müßte sich, wer sich darüber beschwert, auch über Büschers und Conns beschweren, da dort die Verhältnisse sehr ähnlich sind.

Das Grassi entlohnt diesen Umstand mit einem grünen Plättchen auf dem Gis, auch die Rollen sind grün – sehr schick !

Ein echtes Problem ist besonders für Unvorsichtige die Lage des Achsböckchens für das tiefe Cis. Dieses steht weit nach links heraus und sorgt für zwei Probleme: schnüsselige, in sich zusammengekauerte Bigbandspieler üben mit der am Bein anliegenden Mechanik auch Druck auf die gekoppelte Gis- Klappe aus, was zu leichtem Offenstehen führt und die bekannten Probleme macht.

Ebenfalls nervig ist es wenn man sich das Böckchen am Stuhl wegkloppt und dann auf tiefere Töne verzichten darf: die simple Hebelklappe ist sicherlich ein Schwachpunkt, auf den man achten muß. Dies gilt auch für Koffer: moderne, für Selmer- Klone gedachte Koffer müssen da entsprechend angepaßt werden.

Die ältliche Mechanik fürs tiefe Cis macht es auch etwas schwieriger, rasche Tonwechsel im Baßbereich zu realisieren: wer dies wünscht, muß verstärkt üben. Und wer Musik spielt, die dies zwingend vorsieht, wird vermutlich sowieso dafür bezahlt …

Die letzte Serie der Grassis, die 2000er Pro, hatte hier entscheidende Verbesserungen, man montierte das Cis wie bei anderen Instrumenten auf derselben Welle am Hauptrohr. Leider sind diese Instrumente in versilberter Variante kaum zu finden, Klarlack- vernickelte gibt es schon ab und zu, allerdings recht teuer. Die Besitzer wissen offenbar Bescheid!

Der Daumenhaken ist fest verlötet, irgendwelche Tuningteile können also nicht angeschraubt werden.

Das ist auch nicht nötig: es genügt, die sinnlose Marschgabelhalterungsschraube zu entfernen, um das Instrument deutlich freier, jedoch nicht schreiender wirken zu lassen.

Wer mal Klarinette spielte, wird auch mit der an sich handfreundlicheren Lage des Oktavklappendrückers keine Probleme haben. Der ältere Baustil verhindertdas Hochziehen des Handgelenkes und die Unerreichbarkeit der Drücker für den linken kleinen Finger. Die Handhaltung ist somit ausgesprochen elegant.

Wer also ein sehr individuelles Instrument spielen will, daß bei guter Pflege jedes moderne Fabrikhorn an die Wand spielt, sollte sich mal ein Grassi anhören und ansehen.

Oder bei Kollege Eli Degibri: www.degibri.com .

Das Beste am Schluß: unrestaurierte Grassis gibts für wenige hundert Euronen.

Einfach Augen und Ohren offenhalten.

Markus Zaja

www.markuszaja.de

Tenorsaxophon Sequoia Lemon – ein persönlicher Bericht

Hier ein schöner Test von Markus Zaja über sein Sequoia-Tenor. Für diejenigen, die es interessiert, gibt es noch einen älteren Test von mir über das Sequoia-Sopran. Dort stehen auch die Kontaktmöglichkeiten zu Marcel Jansen.
Sequoia hat nun übrigens auch endlich eine neue Homepage.

Das Ternorsaxophon der Marke Sequoia stammt aus dem Hause von Marcel Jansen, der im belgischen Dreiländereck weitgehend unbeachtet vom Mainstream seit Jahren an einer eigenen Marke arbeitet. Hier liegt das Finish Lemon vor, also eine unklackierte Version, die mit einer nicht weiter verratenen Prozedur in eine fröhlich-gelbe Endoptik versetzt wurde, Klappenwerk standard – goldlackiert.

02Die Mechanik ist im Prinzip auf dem üblichen seit Jahren etablierten Standart. Allerdings gibt es kleinere Neuerungen, die mit Bedacht vorgenommen wurden und einen eigenen Reiz haben: die Wellen für tief es und c sind in einem völlig neuen Winkel angebracht und ermöglichen, wenn die Hände groß genug sind, ein neuartiges und viel eleganteres Gleiten über die Rollen. Dies werden vor allem diejenigen zu schätzen wissen, die sich bereits mit der Klarinette beschäftigt haben, sei es in der Jugend oder gar erst im Studium, wenn das Zweitinstrument “zuschlägt” und gewisse Irritationen aufkommen …

Die neuen Hebel sind – besonders für mich mit größeren Händen – eine sehr wohltuende Erfindung !

Bei den restlichen Mechaniken empfinde ich das Sequoia als ausgesprochen robust und auf dem aktuellen Stand der Dinge. Es wackelt nichts. Die Einstellung des Klappenweges erfolgt mit Korken und Filzen, also eine eher der Tradition verpflichtete Technik. Manche vermissen hier die sehr guten Einstellschrauben, die wir von der Sopranreihe kennen. Interessant ist die Auflötung vieler Einzelsäulchen und eine unaufdringliche Stütze der langen Wellen auf der rechten Seite. Hier steht nichts unschön hervor, auch haben die Wellen der linken Hand keine Delle in der Strecke ( wie die kleine Kurbelwelle bei Selmer seit vielen Jahren ), was zu einer ausgesprochen eleganten Linienführung führt .

Ob die Polster ( Ausführung Metallresonatoren mit Mittelnieten ) aus dem Hause mit dem berühmten – italienischen – Namen kommen, kann man mangels Beschriftung nicht sagen, sie wirken aber so, schmatzen nicht und alle Ringe sind gut eingegraben.

05Die Tonlöcher sind im oberen Bereich wesentlich kleiner als bei einigen anderen aktuellen Anbietern. Das führt zu klanglichen Vorteilen und insgesamt einem Eindruck, es handele sich nicht um ein allerneuestes Instrument auf dem hart umkämpften Saxophonmarkt. Hierzu paßt auch die gewisse Enge zwischen Becher und Hauptrohr, die eher an ältere Saxophone erinnert als an moderne Konstruktionen aus den 70er Jahren.

Das Anfassen der Taster ist ebenfalls angenehm , die Position der Gurtöse, diese ist in der Längenposition für viele Gurte geeignet und daher muß auf gewohnten Komfort nicht verzichtet werden. Mich stört nicht, daß keine Perlmuttauflagen verwendet wurden, die Drücker fühlen sich angenehm an.

Der Klang ist eine Wucht: breit, aber nicht überfett, sehr ausgewogen in allen Lagen, gut zu gestalten und mit großer Dynamik. Mit geeigneten Mundstücken sind auch die Subtones nicht zu tief, auch ist klassisches piano kein Problem. Ich habe eine Vielzahl von Kautschuckmundstücken getestet, Vintage, unbekannte, Markennamen, und konnte mit der Kombination einiger Lieblingsblattmarken etliche ausgesprochen wohlklingende Klangwirkungen erzeugen, ohne gleich das Instrument wechseln zu müssen. Das dürfte vor allem in Bereichen des professionellen Spiels helfen, bei denen es auf schnellen Wechsel des Klangcharakters ankommt, und weniger den einsamen Solisten interessieren, an dessen Leid sich die Musikindustrie eine goldene Nase verdient …

03Der Charakter erinnert eher an Conn als an Selmer, ein wenig an Pierret und im oberen Bereich könnte man gelegentlich an Büscher denken.

Dies bezieht sich auf den mitglieferten Bogen, ebenfalls im Lemon finish. Die Gelbheit dunkelt mit der Zeit nach, auch ergeben sich durch Nässe, Handabrieb und Dinge die man nicht wissen will interessante Verfärbungen extrem individueller Art. Wer Angst vor punktueller Durchrostung hat muß natürlich ein wenig aufpassen, aber ich schätze mal, vor meinem Dahinscheiden nichts davon bemerken zu müssen…

Ach ja,der Bogen : den gibts gleich zweimal, ein sehr wertig versilberter Bogen ist mit dabei. Falls mal mehr Krach gewünscht wird, alles kein Problem.

04Aus purer Testfreude hat mir Torsten Köhler in Pinneberg noch einen Broncebogen gefertigt, der den alten Mechaniken nachgearbeitet ist ( Pierret ) und eine weitere gänzlich andere Klangwirkung hat, die sich besonders im klassischen Bereich bewährt. Und das bei einem Horn mit moderner Applikatur …

Dabei gefällt mir die insgesamt etwas andere Haltung des Körpers vor dem Bogen und der Sitz des Mundstückes, was in bestimmten bereichen Vorteile hat ( langes Üben, Tonqualität ohne schowmäßiges Gehampel ), womöglich aber nicht jedem zusagt.

Also ein Horn, daß auch Fremdbögen mit sehr guten Intonationsergebnisssen annimmt…

Das ist nichts für einsame Liebhaber einer einzigen Marke, die im Nachahmen der Vergangenheit – besser : eines kleinen Bereiches der Vergangenheit – das einzige Glück suchen. Das Sequoia ist ein sehr wertiges neuzeitliches Generalinstrument, das mit wenigen Mitteln sehr individuell eingesetzt werden kann und immer gut arbeitet. Keine schmatzenden Polster oder Hänger oder Undichtigkeiten müssen ja leider heute extra erwähnt werden, obwohl eigentlich selbstverständlich … Koffer und Tragesystem sind ebenfalls hoher Standart.

Zwei Kleinigkeiten für eher fortgeschrittene Spieler, besonders Theaterprofis seien noch erwähnt, die mir nicht gefielen, deren Beseitigung aber keinerlei Problem ist:

die affige Marschgabelhalterungsschraube ( in Deutschland wird aus guten Gründen nicht mehr “so” marschiert … ) hält die Marschgabel nicht richtig ( NIE bei diesem Wort das M vergessennnnnnnn!!! ) und kann entfernt werden – der Klang wird dann auch ohne Silberbogen etwas freier.

Der Aufgang der Klappen bei Quick e³ und f³ erschien mir anfangs etwas weit, was leicht zu einer hohen Intonation führen kann. Marcel Jansen meinte aber, bei modernem Ansatz mit guter Selbstkontrolle müsse das eigentlich identisch sein, und nach einigem testen: siehe da, das ist bei geringer Umstellung absolut kein Problem.

01Das Spielen vieler verscheidener Vintage – Saxophone und Klarinetten kann bei bestimmten Situationen hier durchaus zu Nachlässigkeiten führen. Vielwechsler zwischen den Instrumenten, teils auch historischen, werden aber durch die Erforschung dieses Effektes noch sicherer werden. Ich habe mir den Aufgang ein wenig enger eingestellt, was die Flageoletts ein wenig dezenter und eher angedeutet erscheinen läßt, das ist aber meine eigene Wahl.

Wer soliden Strahl im oberen Bereich benötigt ist mit der Jansen`schen Konzeption bestens bedient.

Preis ( incl. großem Rucksackkoffer, , zweitem versilberten S-Bogen und dem üblichen Kleinkram ) im westlichen Ruhrgbiet : ca. 1800.-

Set up – Tip : dazu ein Expression Mundstück 6*oder 7*, mit mitteldicken Blättern 2.5-3, und der Ligatur FL mit dicker Messingandruckplatte.

Also: Augen auf ! Super Horn !

Markus Zaja

http://zajakonzerte.wordpress.com/

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Die neue nackte Dame auf dem Cannonball Vintage

Heute werde ich mein neues Tenor von Cannonball ganz genau unter die Lupe nehmen. Es handelt sich hier um das noch recht neue Vintage Model in der Lady Godiva Variante in unlackiert. Jedem den das Thema interessiert rate ich vorher nochmal meinen Testbericht über mein Cannonball Raven Alto zu lesen, da ich hier besonders auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem Vintage und der BigBellStoneSerie.

DSC00252Ich habe lange auf dieses Tenor gewartet, da ich eigentlich unbedingt ein unlackiertes Pete Christlieb haben wollte. Leider war dieses vergriffen, da die erste Serie eine Limited Edition war (Je 400 Stück pro Gravur und Finish). Ich wollte eigentlich kein Pferd auf meinem Saxophon haben und deshalb auf die neuen Modelle warten. Da ich aber dennoch dringend ein Tenor brauchte, war mein Händer Saxtoys so freundlich mir vorübergehend das Mauriat System 76 zu leihen. Angekündigt waren die neuen Vintages eigentlich für Februar und als sie zur Messe immer noch nicht erhältlich waren, wurde es nun doch eine Lady Godiva.

Ein kurzer Geschichtsausflug zu Erklärung, was es denn mit dieser Dame auf sich hat und warum sie und ein Pferd mein Saxophon schmücken. Die Lady Godiva war im 11. Jahrhundert eine englische Adlige und ging in die Analen der Geschichte ein, weil sie nackt (nur von ihrem wallendem Haar bedeckt) auf einem Pferd durchs Dorf Ritt um ihren Mann dazu bewegen, die Steuern zu senken. Hat auch geklappt bis auf die Steuer für Pferde. (Quelle: Wiki)
Die Lady Godiva ist also eine Anspielung auf die berühmte Gravur der Conn 6M (Alt) bzw 10M (Tenor), die eigentlich besser unter den Namen “naked Lady” bekannt sind. Aber das wird nicht die einzige Anspielung auf Vintage Saxophone bleiben.

Das Cannonball Vintage ist nun gerade mal ein Jahr alt soll eine Alternative in der Cannonball Profiproduktreihe, der BigBellStone Serie, sein in dem es dem Trend der neuen Vintage Kannen nachkommt. In amerikanischen Foren wird ist recht stark bejubelt, hierzulande ist es fast unbekannt. Über Cannonball selber, deren Firempolitik und Taiwan als Saxbauland habe ich schon im Raventest genug geschrieben; das muß ich hier jetzt nicht nochmal wiederholen.

DSC00238Fangen wir also ganz vorne an: mit dem Koffer. Im letzten Test habe ich ja schon am Koffer für das Raven kritisiert, dass er zu schwer ist, dass es keine Schultermöglichkeit gibt und die Qualität der Schlösser nicht so gut ist. Leider hat sich da nichts getan und da es sich nun um ein Tenor handelt, ist dieses Problem im wahrsten Sinne des Wortes noch schwerwiegender. Da ist nicht mehr viel Unterschied zu einem Bari. In einem Land, in dem Wege die über 50Meter sind (wie viel Fuß sind das eigentlich) mit dem SUV gefahren werden, bei dem man das Tenor auf die Ladefläche schmeißen kann, ist das natürlich kein Problem. Aber für einen Studenten, der vor der Probe noch schnell nochmal durchs Kaufland muß und nach der Probe noch die Kneipenmeile unsicher macht und das alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln, ist dieser schwere und ausladende Koffer alles andere als praktisch. Wenigstens sind die Griffe sehr komfortabel beim tragen; müssen sie bei der Last aber auch sein.
Wie bei Cannonball üblich ist auch dieser Koffer wieder sehr optisch auffallend. Statt der Krokolederimmitatikoptik wird das Vintage in einem Koffer mit waschechtem Lederimitat aus nachgemachtem Linoliumersatz geliefert. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht entscheiden ob ich das helle beige extrem stylisch finde oder das kackbraun pott häßlich. Das Echo ist relativ geteilt, aber die meisten finden es cool. Die Beschläge sind wieder goldfarbend und das Innenleben ist dieses mal in lila gehalten. Ich nehme stark an, dass auch das Kofferdesign irgendwie eine Anspielung auf einen Vintagekoffer ist.

Die Beilagen sind die Üblichen. Wieder Fettstift, Putztuch, Gurt, Mehrzwecktasche (natürlich alles wieder mit dem CB-Logo), aber dieses mal ohne T-Shirt. (Schade, aber eigentlich sind eh immer viel zu groß (kein Wunder aus dem Supersize-me-Land)) Dafür ist aber ein Zertifikat dabei, dass dieses Saxophon von einem Künstler per Hand graviert worden ist. An dieser Stelle, ein herzliches Dank für die schöne Arbeit an Kelly Ricks, nur bitte das nächste mal ohne Pferd!
Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass jetzt auch ein neuer Saxophongurt beigelegt ist, der deutlich hochwertiger ist als der Riemen, der noch beim meinem Raven dabei war. Er erinnert mich sehr stark an meinen geliebten DeJaques Gurt, nur ist dieser gepostert hat dafür aber nur einen normalen Karabiner.
Das Mundstück in 5* (kommt mir etwas größer vor) ist wieder sehr gut und wird von mir zZ auch benutzt. Dazu gibt es wieder zum Finish abgestimmte Blattschraube und eine Mundstückkapsel (die zwar immer noch hart ist, aber nicht mehr den Eindruck von unzerstörbar gibt).

DSC00244Kommen wir nun zum Saxophon selber und wie gewohnt betrachten wir erstmal die Optik. Wie schon erwähnt, gibt es das CB Vintage in zwei Gravur Varianten: Pete Christlieb, auf der gewohntes florales Gedöns zu sehen ist und die Lady Godiva. Angeblich soll es bei der nächsten Serie wieder eine Christlieb Variante geben, wieder mit Florsitik aber anders und auf der Alternative soll ein Auto sein. (Bei den Aussichten, wollte ich nicht mehr warten). Den tieferen Sinn der Lady Godiva habe ich ja oben schon erwähnt. Ich finde die Gravur eigentlich sehr gelungen. Die Gesichtzüge der Lady wirken etwas modern und infantil aber dennoch recht geschmackvoll. Reizvoll finde ich die wallenden Haare, wie sie in in die in die restlichen Verzierungen des Saxes eingehen. Persönlich störend finde ich nur das Pferd. Einerseits finde ich Pferde etwas deplatziert auf einem Saxophon (da könnte man auch gleich einen Flamingo reinschnitzen), und zweitens verdeckt es fast alles von der Lady. Die Legende bei den Connhörnern besagt ja eigentlich, dass je mehr man von der “naked Lady” sieht desto besser das Sax. Egal ob das stimmt, mehr Frau und weniger Pferd hätten mir besser gefallen. Aber vielleicht liegt es ein bissel mit daran, dass Saltlakecity sowohl Hauptstadt von Cannonball als auch der Mormonen ist.
Als Finish wollte ich unbedingt Unlackiert haben. Einerseits aus klanglichen Gründen, anderseits finde ich es optisch auch unglaublich ansprechend. Für mich bietet nur unlackiert (bzw. wirklich abgenutzter Lack) den Look einer waschechten Jazzkanne. Den Vintageoptiklacken die es bei den Midcost Taiwanesen zu Hauf gibt kann ich partout nichts abgewinnen und halte sie eher für eine asiatische Geschmacksverirrung. Natürlich läuft das Sax dann recht schnell an und korrodiert leichter. Aber gerade die Vibrationen des Rostes lassen ein Sax erst nach Sax klingen….
Naja, so ist es nicht ganz, aber für mich gewinnt das Saxophon so an wirklcihen Charm. Der wirkliche Nachteil ist eigentlich, dass ich jetzt immer schwarze Daumen nach dem spielen haben, aber dem werde ich demnächst durch einen Schuchthaken und meinem Daumenauflagenpolster Abhilfe schaffen.
Wie auch bei der BigBellStone Serie, befindet sich statt Perlmut wieder Halbedelsteine auf den Tasten. Für die Vintages wird der “Wild Horse Picture Jasper” verwendet. Tja, wenn ihr euch nichts darunter vorstellen könnt (so wie ich), da hat Cannonball ein nettes Kärtchen dem Sax beigelegt, welches ich hier jetzt einfach mal unkommentiert zitieren möchte:
“Valued for its pictorial landscape patterns and rich, earthly colors, Wild Horse Picture Jasper is an exquisite reflection of the North American frontier. This fine western gemstone is mined throughout the Rocky Mountains, acquiring its name from the famous Wild Horse Canyon mine in Oregon. The delicate bands that create Wild Horse Picture Jasper’s unique design are formed when silicated sameles of fine mud drip into pockets of gas formed my molten lava and solidify within its blistering folds”

DSC00253Wenn man sich die Steine anschaut fallen einem auch sofort die ersten technischen Unterschiede auf. Die Palmkeys und die Seitenklappen der rechten Hand sind nicht mehr mit Steinen besetzt. Eigentlich sehr schade, waren die doch ein schöner Hinkucker. Auch gibt es keinen Resonanzstein mehr auf dem S-Bogen (war der vielleicht doch nicht so essentiel?) und es gibt auch nur noch einen S-Bogen. Dafür ist die Fis-Klappe jetzt aber mit einer runden Taste, die mit einem Stein besetzt ist. Das kennen wir eigentlich nur von älteren Hörnern, so wie dem Mark VI. Auch sonst gibt es einige Veränderungen der Mechanik die alle sehr an das Mark VI erinnern. Nach Aussagen von Cannonball wollte man dem Spieler nicht nur einen Vintage Klang geben, sondern auch das Gefühl, wie man es von einem Vintage her kennt. Dementsprechend wurde die Mechanik neu gestalltet. Vor allem die Tasten für die kleinen Finger erinnern sehr an ein altes Design. Selbst die Marschgabelhalterung ist anders. Die kleinen Tonlöcher im Palmkeybereich, der für Cannonball recht ungewohnte kleine Klappenaufgang und noch ein paar andere Mark VIige Designmerkmale dürften wahrscheinlich auch direkte Einflüsse zum Vintageklang liefern. Wie man es von den Franzosen oft kennt ist auch beim Vintage der Becher etwas nach rechts geneigt, was ich beim Spielen im Sitzen sehr angenehm finde. Sowieso hat der Becher eine eher konservative Größe. Leider sind auch die Doppelarme für die tiefen Töne, die ich für sehr sinnvoll halte, verschwunden (gab’s halt früher auch nicht). Sehr gelungen halte ich das neue Design der Klappenkäfige, die für mich an einen alten Stil erinnern und eleganter wirken als das 08/15 Design der Konkurrenz.
Aber es gibt auch genug altbekanntes von Cannonball: ribbed Construction, italiensiche Leder Polster mit genieteten gewölbten Metallresonatoren, das CB-Logo in der Dreipunktstrebe, Metalldaumenauflage und Haken, die Gis-Klammer (neu designt aber immer noch mit Logo), die kleine zustäzliche Feder am Gis, die Schrauben zu Einstellung der rechten und linken Handkopplungen, C und Es Klappe laufen wieder über zwei Achsen und die merkwürdigen Böckchen unter den Seitenklappen gibt es auch wieder. Aber dieses mal setzen die wirklich auf und sollen so wahrscheinlich auf Dauer eine “Verdrehung” der Mechanik verhindern.
Die Mechanik macht wieder einen sehr soliden Eindruck. Meiner Ansicht nach, ist gerade die härte Mechanik ein wichtiger Unterschied zu den Restlichen Taiwanesen, bei denen die Mechanik deutlich weicher ausfällt. Dieses Mal war sie übrigens straffer eingestellt, als original bei meinem Raven. All das macht dieses Sax wieder eher schwer ist aber doch spürbar leichter als die Stoneserie.

Die Ansprache des Saxophons ist tadellos und wie bei der BigBellStoneSerie ist der Blaswiederstand eher auf der schwereren Seite dennoch fällt dieses Saxophon nicht ganz so laut aus wie die Stoneserie. Bei der Intonation sind mir auch keine Markel aufgefallen. Sowohl im härte Einsatz im BigBandsatz bei 440 oder im Orchester bei 443Hz. Aber so gehört sich das auch für ein heutiges Profihorn.

DSC00254Kommen wir zum eigentlich wichtigsten; dem Klang. Tja, haben wir wieder einen weiteren MarkVI Klon? Im Sonic Testbericht schreibt man, das Vintage sei den Conns nachempfunden, von anderer Seite höre ich “klingt wie die Martins”, selber empfinde ich den Klang als sehr Oldschool aber weder deutlich als französisch oder amerikansich. In den Foren wird ja eigentlich alles mit dem Mark VI verglichen, was irgendwie etwas paradox ist, da die MkVI in ihrer Masse schon selber untereinander sehr sehr unterschiedlich klingen. Also was glaubt man nun? Deshalb habe ich meinen Kontakt bei Cannonball direkt angeschrieben und der hat mir erklärt, dass man damals bei der Entwicklung sich mehrere Mk6, die ihnen gefallen haben, vorgenommen hat und versuchte das zu vereinen, was sie alle daran am besten fanden.
Persönlich würde ich den Klang so beschreiben. Ein deutlicher Vintagesound der recht dunkel ist ohne zu kitschig werden, ausgeprägter Charakter, viel Kern aber weder zu zentriert oder zu breit und einen unglaublich samtigen Subtone Brise. Ich bin recht froh, dass es nicht zu französisch ausgefallen ist. Es hat nicht dieses eigentlich für Selmer  recht markante näseln. Ich habe bewußt die unlackierte Variante genommen, da ich beim Tenor tendenziel einen breiteren Sound bevorzuge. Mit den beiden anderen Finishvarianten könnte man den Klang je nach persönlichem Geschmack näher kommen. Silber würde etwas mehr Brillianz geben und Lackiert den Sound etwas mehr zentrieren.
Die Stoneserie ist im Vergleich breiter, deutlich heller, runder, strahlender, straighter; kurz: moderner. Interessant finde ich besonders den Vergleich mit den beiden Mauriat Hörnern System 76 und PMXT 66 R UL  da diese sowohl vom Preis als auch von der Klangrichtung eigentlich die direkte Konkurenz zum CB Vintage sind (wie praktisch, dass ich diese Möglichkeit hatte).  Ich meine, dass es Klanglich genau zwischen den beiden Mauriathörner sitzt. Es ist nicht ganz so breitlaufend wie das 66R UL aber auch nicht so zentriert wie das 76 und ich find, dass das CB Vintage auch wieder mehr Soundsubstanz bietet.

Preislich ist es zwar mit 2720,-€ (UVP) zwar eines der teureren Taiwanesen (naja, es steckt auch noch ein bissel Ami mit drin)  aber es ist außer Frage ein Profihorn und günstiger als die großen 4.

Das Resümee: Ich hatte ja im Vorfeld sehr lange gesucht und vieles verglichen, bevor ich mich wirklich für das CB Vintage entschied. Und jetzt nach den ersten zwei Wochen im Härtetest könnte ich nicht zufriedener sein. Bei vielen anderen neuen Vintagehörnern, hat man lediglich einen Klang, der in die Richtung geht oder einen Lack, der auf Pseudo alt macht. Was ich an dem CB Vintage sehr mag, ist das man erkennt, dass man sich hier wirklich Mühe gemacht hat, eine echte Homage an die Klassiker zu entwickeln, was dem Saxophon insgesammt einen besonderen Flair gibt. Man merkt zwar, dass ich Cannonballfan bin, aber hier handelt es sich in der Tat um exzellentes und interessantes Horn. Leider gibt es noch viel zu wenig CB-Dealer in Deutschland, aber wenn ihr die Chance habt eines anzutesten, solltet ihr es versuchen.

Das P.Mauriat System 76 im Testlabor

Eigentlich wollte ich ein anderes Tenor, leider war dieses zu dem damaligen Zeitpunkt vergriffen und da ich aber dringend ein Tenor braucht war mein Händler (www.saxtoys.de) so großzügig mir erst mal ein anderes Tenor zu leihen. Und so kam ich zu einem System 76 Tenor in Goldlack und ohne hoch Fis.

Mein anderes Tenor ist jetzt endlich verfügbar und ich dachte, bevor ich das Mauriat zurück gebe, könnte ich noch einen kleinen Test dazu schreiben.

P.Mauriat ist eine komplett taiwanesische Firma die seit einiger Zeit sehr gute Saxophone für das Profisegment baut zu einem recht akzeptablen Preis und hat einige sehr namenhafte Endorser unter Vertrag (u.a. James Carter). Vor ein paar Jahren war noch nicht ganz so klar, wo P.Mauriat herkommen, da unter dem Firmenlogo groß noch „Paris“ (So wie bei einem anderen älteren großem Saxunternehmen) steht.

Warum jetzt darunter noch New York, London und Tokio (aber nicht Berlin) steht sowie die 4 etwas kryptischen Seriennummern bleibt rätselhaft. Auch was mit „spezial handmade“ gemeint ist, erschließt sich mir auch nicht so richtig. Aber die etwas sonderliche Firmenpolitik der Taiwanesen soll heute nicht das Thema sein.

Fangen wir mit der Ausstattung an. Geliefert wird das Saxophon mit einem sehr guten Formkoffer. Schwarzes Cordua außen; blauer gepolsteter Samt innen. Sieht edel aus, sehr stabil und das Sax liegt sicher und behutsam darin. Nur die Außentaschen fallen für meinen Geschmack etwas zu klein aus. Es passen leider keine Noten rein. Der Rest der Beilagen ist normal. Das Mundstück ist nicht schlecht, sehr spielbar, aber nichts besonderes.

Mauriat bietet eine große Palette an verschiedenen Saxophonen an und diese meist auch noch in unterschiedlichen Finisches. Bei einigen Modellen hat man sogar die Option ohne hoch Fis. Das dürfte einige Erfreuen, denn es gibt eine Vielzahl an Spielern, die meinen, dass ohne hoch Fis das Saxophon voller und besser klingt sowie die Ansprache besser ist. Leider hatte ich kein Mauriat mit hoch Fis, wäre interessant gewesen, diese direkt zu vergleichen. Interessant ist auch, dass Selmer vor kurzem (wahrscheinlich vorher) ein Reference Model ohne hoch Fis rausgebracht hat.

Es gibt zwei Modelle, die besonders erfolgreich sind. Das System 76 und das PMXT 66R (Die nummern sind leicht unterschiedlich zwischen den Saxophonarten; diese beziehen sich nur auf das Tenor). Es gibt deutliche unterschiede in den Ausführungen. Das 66R hat andere Gravuren, Daumenauflagen, einen größeren Becher, leicht andere Mechanik und gebördelte Tonlochringe. Klanglich geht dieses in die Reihe der VintageBigBell hörner.

Das System 76 ist anders, aber ich finde nicht schlechter.

Das Exemplar, dass hier vor mir liegt, ist golden lackiert, hat eine florale Gravur auf dem Becher und Knie (nichts weltbewegendes aber ansehnlich) und als besonderen Hinkucker farbiges Perlmutt. Besonders gelungen finde ich die linke Daumenauflage in die auch Perlmutt eingelegt worden ist. Ich finde, dass die Haptik dadurch sehr verbessert wird. Der Daumenhaken ist aus Metall (so wie es der Trend gerade angibt). Der S-Bogen hat die Bezeichnung „super VI neck“. Da allerdings nur ein S-Bogen dabei war, ist mir dieses Gimmick auch nicht ganz so schlüssig.

Weitere Besonderheiten, sind die Gis-Klammer (die wir zum ersten mal bei Cannonball gesehen haben), die Doppelarme für die tiefen Töne (auch von Cannonball bekannt), der etwas größere Becher (muß ich nochmal sagen, woher wir das kennen)und das Motiv im Ring der Becher-Korpus-Verbindung (jaja, auch hier). Selbst die Marschgabelhalterung sieht ungewohnt bekannt aus). Merkwürdig finde ich aber, dass nur C und H Doppelarme bekommen haben, das tiefe B allerdings nicht. Ansonsten findet man viel vertrautes für ein aktuelles Profihorn. Ribbed Construktion (die Mechanik ist auf einer Schiene vormontiert, dadurch gibt es Vorteile in der Montage und es klingt direkter), gute Lederpolster mit Metallresonatoren (doomed, nicht genietet!). Allerdings gibt es kaum Einstellschrauben. Fast alle Klappenöffnungen und Kopplungen sind mit Kork geregelt, gefällt mir persönlich nicht so sehr, da ich gerne selber mal Hand anlege und es mir die Schrauben sehr erleichtern, schnell mal eine Korrektur vorzunehmen. Die Mechanik ist sehr gut verarbeitet, mir sind keine Mängel aufgefallen dennoch wirkt sie etwas weich im Vergleich zu den etwas bekannteren Profimarken. Ob sich diese längerfristig als so zuverlässig zeigt, muß man abwarten.

Intonation und Ansprache sind so wie man es von einem Profiinstrument erwartet. Gut und ohne wirkliche Mängel. In dem Intensiven Einsatz im BigBandsatz sind keine Intonationsunregelmäßigkeiten aufgefallen.

Wie klingt nun dieses Horn? Ich hasse es, es sagen zu müssen, aber sehr Mark VIig. Ich war beim ersten anspielen wirklich überrascht wie gut es klingt. Wie der Zufall es so will, habe ein neues PMXT 66R UL zum vergleich hier stehen. Das 66R klingt sehr voll und dunkel. Das System76 klingt vielleicht nicht ganz so voll, aber alles andere als dünn. Es ist sehr viel mehr direkter , etwas heller und hat deutlich mehr Charakter. Es erinnert wirklich an ein französisches Vintageinstrument. Persönlich gefällt es mir fast besser als das PMXT 66R UL welches von vielen sehr hoch gelobt wird

Der Listenpreis des System 76 liegt bei 2800,- und ist damit zwar ein eher teurer Taiwanese liegt aber immer noch deutlich unter den Spitzenmodellen der Japaner, Selmer oder anderen etablierteren großen Marken. Für einSaxophon auf diesem Niveau ist das ein gutes Preisleitungsverhältnis zumal selten der Listenpreis am Ende verlangt wird.

Obwohl ich persönlich aus ein paar Gründen wahrscheinlich nicht der größte Fan von P.Mauriat bin, so muß ich doch sagen, dass das System 76 ein verdammt gut klingendes Saxophon ist, das keine wirklichen Makel hat, gut zusammengebaut worden ist und das noch zu einem für das Profisegement recht fairen Preis. Wer ein modernes Horn mit Mark VI mäßigem Sound sucht, sollte auch dieses hier probieren.

www.saxtoys.de

http://www.pmauriatmusic.com/