Der ultimative Saxophonstarter-Guide (Teil 2)

Hier geht’s zum ersten Teil des ultimative Saxophonstarter-Guide.

So, nachdem das Einstiegsquiz bestanden worden ist und man vielleicht schon ein Instrument in der Hand hat, stehen noch ein paar andere Punkte aus, die man zum Anfang beachten sollte.
Leider hört es mit der Auswahl des Instruments leider mit der Entscheidungsqual nicht auf.

Mundstück und Blatt sind für den Sound meist entscheidender als das Saxophon selber. Zwar sind beim Saxophon schon ein Mundstück und ein oder zwei Blätter beigelegt. Blätter sind Verschleißware und je nachdem was für ein Sax man gekauft hat ist das beigefügte Mundstück brauchbar oder totaler Mist.
Die Krux an der Sache ist, dass man als Anfänger eigentlich brauchbares und leicht zu spielendes Equipment braucht, es aber als Anfänger nicht bewerten kann, ob das eigene Equipment das ist. Schlechtes Equipment kann zu vielen Problemen führen und der Einsteiger weiß nicht was es ist und verzweifeln daran.

Was die Auswahl des richtigen Equipments angeht, heißt es eigentlich leider wieder Probieren über Probieren, aber da man das als Anfänger schlecht wirklich gut beurteilen, was was taugt, kann das schwer werden. Leider verhält sich auch Equipment bei jedem anders, weshalb das, was bei jemand anderem funktioniert nicht zwangsläufig für einem selber funktionern muß. Zu viel Gesuche kann zu Frust führen und hält vom echten Üben ab. Zudem ist Materialschlacht auch immer mit großen Ausgaben verbunden. Daher rate ich, schnell etwas zu finden, auf dem man sich halbwegs wohl fühlt und man gut zurecht kommt und dann dabei erstmal zu bleiben.

Das Mundstück
DSC00132Die Suche nach dem passendem Mundstück (MPC=mouthpiece) ist oft eine niemals endende Suche. Hier gibt es einen Einblick in meine Odyssee. Es geht also nicht darum, möglichst schnell das beste Mundstück zu finden, sondern erstmal eines zu haben, auf dem man bequem seine ersten Schritte machen kann. Daher muß man auch nicht gleich 200 Euro dafür ausgeben. Wie in meiner Odyssee zu erkennen ist, kann auch ein Plastikmundstück für 30 Euro sehr gut sein und ist für den Anfänger absolut ausreichend. Als Saxophonist wird man öfter noch seine Mundstücke wechseln, also warum unnötig am Anfang dafür zu viel Geld ausgeben.

Gerne werden die Marken Otto Link, Meyer und Selmer empfohlen, ich hingegen rate an dieser Stelle davon ab. Eigentlich sind es gute Mundstücke, aber deren Ruhm basieren eher noch auf alten glorreichen Zeiten und heutzutage erlebt man immer wieder eine hohe Varianz bei diesen Marken, d.h. man hat schnell mal eine Gurke, merkt es nicht und müht sich damit ein paar Jahre ab. Vortreffliches hört man über die neuen ExpressionMPCs die wirklich günstiger sind.  Begeistert bin ich auch von den Cannonballmundstücken, die hier allerdings kaum so einzeln zu bekomme sind. Sehr solide sind die einfachen Ricos, Yamahas und Yanagisawas. Wer es etwas hochklassiger haben möchte, so halte ich die normalen Kautschuk MPCs von Jody, Brancher, Vandorren und Lebayle für gute Allrounder. Ich verstehe auch nicht, dass Anfängern oft KlassikMPCs (wie das Selmer S80) – also Mundstücke die vornehmlich für die klassische Musik gedacht sind – empfohlen wird. Diese sind oft nicht wirklich flexibel und gerade einem Anfänger würde ich zu ein Allrounder raten. Außerdem landen wahrscheinlich über 80% aller Saxophonisten eh beim Jazz.

Wie ein Mundstück klingt hängt maßgeblich von der Form ab. Was meist über das Material des Mundstücks gesagt wird, stimmt so leider nicht und kann getrost ignoriert werden (wer mehr wissen will, kann kurz hier reinschauen). Kammergröße, Kammerform, Baffle, Einlauf, Bahnlänge und Bahnöffnung sind entscheidend. Hier gibt es eine riesige Auswahl an Herstellern und Modellen und bei jedem Modell noch verschiedene Bahnöffnungen (teilweise auch Kammergrößen und Bahnlängen). Um die Verwirrung perfekt zu machen, hat jeder Hersteller seine eigene Skalierung. Vergleichstabellen findet ihr in den Linktipps.
Ich rate dem Anfänger von allen Extremen ab. Sehr große bzw. sehr enge (darunter fallen fast alle MetallMPCs) Kammern sind schwerer zu beherrschen. Übernehmt euch auch nicht bei der Bahnöffnung, das ist etwas in das man hineinwachsen muß. Die Bahnöffnung bestimmt, wie viel Luft man braucht. Je größer desto mehr Sound, allerdings auch schwieriger zu kontrollieren (Luftführung, Intonation, usw.). Alles ab 7 und aufwärts ist zu offen. Allerdings finde ich vieles, was man dem Anfänger sonst so empfiehlt (Yamaha 4c, Selmer C usw) zu eng. Je nachdem ob man eine kleine Lunge hat (oder Raucher ist) oder eine gigantische Puste (so wie der Wolf in dem Märchen mit den 3 Schweinchen) kann man sich für Öffnungen um die 5 oder 6 entscheiden.
Ach ja, und kauft euch gleich ein paar Bißplatten mit. Schützt die Zähne und das Mundstück, stabilisiert den Ansatz und reduziert den durchs MPC übertragene Körperschall.

Die Blätter
Saxophon BlätterEin kleines unscheinbares Teil mit großer Wirkung. Erst das Blatt läßt die Luft schwingen und nur so erzeugt das Saxophon einen Ton. Das Blatt ist also auch essentiell für den Sound und ihr erratet es schon, es gibt wieder eine unüberschaubare Auswahl an Marken, Modellen und Schnitten und alle klingen und verhalten sie sich unterschiedlich und nicht jedes Blatt passt zu jedem Mundstück und auch Spieler gleich gut. Zudem gibt es bei Blättern noch verschiedene Stärken. Und natürlich sind die Stärke angaben bei den Herstellern auch nicht gleich. Hier eine brauchbare Vergleichstabelle.
Die Stärke gibt an wie hart das Blatt ist, also wie leicht es sich spielen läßt. Ein weiches Blatt läßt mehr Spielraum in der Tongestalltung, fordert also auch mehr Kontrolle. Mit einem stärkerem Blatt kriegt man etwas mehr Sound raus (lauter). Ist das Blatt zu weich, kann es zu quiken führen, die hohen Töne stehen nicht stabil genug, die Ansprache ist schwammig und/oder die Oktave überspringt zu leicht; ist es viel zu weich, macht das Blatt, wenn man etwas mehr Gas gibt einfach dicht und blockiert. Ist das Blatt zu hart, strengt das spielen sehr an und man ermüdet sehr schnell; ist es viel zu hart, kriegt man es erst gar nicht zu schwingen.
Die Blattstärke muß passend zur Bahnöffnung gewählt werden. Je offener das Mundstück, desto leichter sollte das Blatt sein  (da das Blatt dort mehr ausschwingt), also bei engen Mundstücken dementsprechend härtere Blätter. Oft hört man, man sollte mit der härtesten Stärke spielen, mit der man noch klar kommt. Ich hingegen finde, dass Musik machen kein Bodybuilding ist. Man sollte mit der Stärke spielen, mit der man 2-3 Stunden bequem spielen kann. Man kann nicht wirklich musizieren, wenn man körperlich mit dem Equipment kämpft. Bei Bahnöffnungen um 5 und 6 sind Stärken um die 2/2,5 für einen Anfänger absolut ausreichend. Wenn man etwas fitter beim spielen wird, kann man die Blattstärke langsam erhöhen.
Wie schon gesagt, das Blatt ist Verschleißmaterial. Viele Anfänger spielen ein Blatt bis es abgeschlafft ist und dann noch zwei weitere Monate. Wenn Blätter abschlaffen verlieren sie ihre Spannung, klingen mistig und machen diverse Probleme. Aber oft wird das nicht bemerkt und der Anfänger ärgert sich, dass er so viele Probleme hat. Wechselt also regelmäßig. Am besten führt ihr ein Rotationsprinzip ein. Vier eingespielte Blätter werden in einem Turnus gespielt, jeden Tag ein anderes. So hat man erstens eine Kontrolle und merkt, wenn eines abschlafft und man hat immer Ersatz, wenn eines plötzlich kaputt geht.
Ja, ihr ahnt es schon: Blätter sind verdammt zickig und bedürfen viel Pflege. Hier habe ich mal ein paar Tipps für den Umgang mit Holzblätter zusammengefasst. Das ist auch einer der Gründe, warum ich selber Kunststoffblätter spiele (hier ein etwas ausführlicherer Test). Sie haben diverse Vorteile und können gerade Anfänger das Leben erleichtern. Allerdings sollte man schon wissen, welche Blattstärke man braucht. Am Anfang ist nicht immer ganz klar, was man braucht und so kauft man ein teures Plasteblatt nur um festzustellen, dass es bei der Stärke nicht passt.
Also was für Blätter soll man nun kaufen. Auch hier wird wieder oft zu etwas geraten, was ich so nicht verstehe. Es werden die blauen Vandoren und die orangen Ricos empfohlen. Das sind aber nur die günstigsten Blätter der zwei bekanntesten Marken. Günstig bedeutet, dass die Blätter weniger selektiert, also mehr Krücken in einer Packung sind. Ein Profi kann Krücken erkennen und nachbearbeiten. Wie soll das ein Anfänger machen? Investiert ruhig zwei Euro mehr, dafür könnt ihr dann sicher gehen, mehr bessere Blätter und weniger Krücken zu haben. Ein kleiner Tipp ist, beim Kauf sich die Blätter vorher nochmal einzeln anzuschauen. Haltet es gegen das Licht und schaut, ob das Herz gleichmäßig und symmetrisch gewachsen ist.
Welche Marke oder Modell man kauft ist eigentlich egal. Fragt man 10 Saxophonisten, was sie denn für die besten Blätter halten, bekommt man 12 verschiedene Antworten. Die bekannten Blattmarken funktionieren also alle. Es ist also nicht so schwer, wie ein passendes/funktionierendes Mundstück zu finden. Die Feinheiten im Klang wird man als Anfänger eh nicht aus den Blättern rausholen können. Die einzige Marke, die ich vielleicht empfehlen kann, sind AW-Reeds (u.a. hier erhältlich); nicht umbedingt, weil sie so gut klingen, aber ich und viele andere Saxophonisten haben festgestellt, dass es die Marke mit der geringsten Varianz ist und jedes Blatt funktioniert (außerdem ist es eine deutsche Firma).

Wer jetzt immer noch keine Ahnung hat, was er sich zulegen soll, für den ist vielleicht dieses Anfängersetup etwas.

to be continued
Man kennt es von Filmen, fast nie bleibt es bei nur zwei Teilen. Meist sind es Trillogien. Ich hoffe nur, dass es bei dem ultimativen Saxophonstarter-Guide eher um ein “Zurück in die Zukunft” als ein “Matrix” handelt. Mit dem Saxophon, dem Mundstück und den Blättern haben wir jetzt das essentielle schon behandelt. Wer bei der ganzen Auswahl, die es auf dem Markt dafür gibt, sich absolut überfordert fühlt, ist es zurecht. Aber “don’t panic!”, viele Saxophonisten suchen ihr Leben lang nach dem richtigen Equipment. Allerdings ist das Equipment für die Musik eher zweitrangig, also zerbrecht euch nicht zu sehr den Kopf darüber.

Im dritten und finalen Teil geht es um das restliche Gedöns und ein paar Tipps für den Anfang.

Der ultimative Saxophonstarter-Guide (Teil 1)

Soso, Sie haben also vor mit dem Saxophon anzufangen? Wissen sie denn, was Sie alles beachten müssen bei dem Erwerb ihres ersten Saxophons? Hier in diesem Artikel werden Sie viel hilfreiches finden. Aber erstmal müssen wir testen, ob Sie überhaupt würdig sind dieses noble Instrument zu spielen. Nur wenn Sie alle Fragen richtig (Lösungen am Ende des Artikels) beantworten, hat ihre Saxkarriere vielleicht eine Chance.

charlie_parker1)  Wer von diesen ist ein bedeutender Saxophonist gewesen?
a) James Gardener
b) Charlie Parker
c) Richard Yard
d) Anton Courtner

2) Jazz ist …
a) ein Automodel von Honda
b) ein afrikanischer Ausdruck der so in etwa “Ejakulation” bedeutet
c) die Abkürzung von jamaikansich aromatisierter Zimtzucker
d) eine Musikstilrichtung

3) Was bedeutet es, wenn das Saxophon ein ES-Instrument ist?
a) das Saxophon ist ein transponierendes Instrument und klingt eine kleine Terz höher als notiert
b) daß das Saxophon von Genus her ein Neutrum ist. Es gibt noch ER- und SIE-Instrumente.
c) das Instrument ist es-bar
d) wie bei der Mundharmonka, gibt es ein Saxophon für jede Tonart. Dieses Instrument geht nur für Es-Dur

4) Wer ist bekannt für gute Saxophonmusik
a) James Last
b) Kenny G
c) Captain Cook und seine singenden Saxophone
d) Sonny Rollins

5) Das Saxophon heißt so, weil …
a) es in Sachsen (eng. saxonia) erfunden wurde
b) der Name ein Insiderwitz ist und auf einem schlechten Wortwitz mit “sex” basiert
c) der Erfinder so hieß
d) das Instrument wurde früher immer in einem Sack transportiert, weswegen man es umgangssprach                            im englischen “Sacksophone” nannte, woraus dann Saxophone wurde

6) Der Begriff “Altsaxophon” bedeutet, dass …
a) es ein Vintagesaxophon ist, welche oft recht wertvoll sind
b) es von der Notenlage eine Quarte höher ist als ein Tenor und eine Quinte Tiefer als ein Sopran
c) es ein alternatives Saxophon ist, also keinen  parabolisch Konus hat, wie die originalen Saxophone
d) es, wie das Es-Saxophon für Es-Dur geeignet ist, für alterierten Skaalen geeignet ist.

Ich hoffe, sie konnten alle Fragen leicht richtig beantworten, dann können wir auch mit dem Guide langsam beginnen.

Was für ein Saxophon?
Soll es nun Tenor oder Alt sein. Bariton ist zwar auch cool aber doch sehr teuer und daher vielleicht als Erstinstrument ungeeignet. Vom Sopran rate ich wehement ab. Es gibt den berühmten Spruch “das Sopran ist eine Bitch” (Wer jetzt an Sängerkollegen denkt, dafür kann ich nichts). Intonatorisch ist das Sopran deutlich schwerer zu beherrschen und das erzeugen eines angemehmen Tones dauert auch deutlich länger als beim Alt oder Tenor. Das Sopran ist wirklicher eher etwas für geübtere Spieler.
Bud Spencer SaxOb jetzt Tenor- oder Altsaxophon ist eher Geschmackssache. Das Altsaxophon ist grob allgemein gesprochen etwas heller, kerniger, zentrierter und durchsetzungsfähiger als das Tenor. Leute die gerne hoch hinaus wollen, schnell und furios spielen möchten sind eher auf dem Alt zu finden. Spieler die sich gerne in einen richtig fetten charaktervollen Klang legen, tendieren eher zum Tenor, da dieses mehr Soundmasse bietet. Ein schöner Ton ist leichter auf dem Tenor zu erzeugen. Ein amerikanischer Jazzjournalist hat mal geschrieben “Das wichtigste, was die Schwarzen über ihre Seele gesagt haben, haben sie auf dem Tenorsaxophon gesagt”.
Wenn man schon Saxophonvorbilder hat, kann man sich auch nach dem Richten, was diese gespielt haben. Zudem sollte man sich überlegen, was man vornehmlich damit spielen möchte. Wer gerne in einem Orchester spielt, und aus egotechnischen Gründen ungern die “zweite Geige spielt” sollte vielleicht beachten, dass vornehmlich das Alto das Leadinstrument im Saxsatz ist. Wer hauptsächlich Rock’n’Roll spielen will, wird vielleicht bemerkt haben, dass in der Stilisitik vornehmlich das Tenor benutzt wird.
Ein anderer (meiner Meinung nach) auch entscheidender Faktor ist es, wie das Saxophon an einem selbst aussieht. Schaut euch ruhig mit Instrument im Spiegel an. Bei manchen Menschen sieht das Altsax einfach wie ein Kinderspielzeug aus. Bei BudSpencer wirkt z.B. das Bariton wie bei anderen das Altsax (siehe Bild)

Welche Marke? Welches Model?
Diese Fragen lese ich am meisten in den Foren. Bei der Auswahl kann ich auch verstehen, dass man, wenn man neu in der Materie ist, sich da leicht überfordert fühlt. Was ich dann meist als erstes zurück frage, wie viel Geld denn dafür ausgegeben werden kann.
Persönlich bin ich der Meinung, dass man für mehr Geld auch mehr Saxophon bekommt, aber was ich genau meine, muß ich erklären. Die Begriffe “Profisaxophon” und “Schülersaxophon” finde ich sehr ungeschickt. “Profisaxophon” meint nur, dass es den Bedürfnissen eines Profis genügt, also keine Intonations- und Anspracheprobleme hat, einen tollen Klang bietet und absolut zuverlässig ist. Also alles das, was eigentlich ein Anfänger auch dringend nötig hat. Der Begriff “Profisax” hat also nichts damit zu tun, dass es nur von Profis spielbar ist, im Gegenteil sogar. Naja und “Schülersaxophon” klingt einfach besser als “billigeres Saxophon”.
Am besten fangen wir im untersten Preissegment an.
Ein neues Saxophon bekommt man schon ab 300 Euro. Diese Saxophone kommen aus China, sind absolute Massenware und um das ganz klar zu sagen, man darf für 300 Euro kein 3000Euro Instrument erwarten. Der Begriff “Chinaschrott” ist allerdings überhohlt. Die Chinesen (Achtung: es sind die Festlandchinesen gemeint. Was aus Taiwan kommt ist eine ganz andere Sache) haben in den letzten Jahren sehr viel gelernt. Die meisten Chinasaxophone klingen inzwischen eigentlich nicht schlecht und stimmen auch halbwegs. Also warum sollte man da nicht zugreifen? Gegegnfrage, warum fährt keiner ein chinesisches Auto. Die funkeln auch hübsch, sind billig und bringen dich komfortabel von A nach B. Tja, aber keiner traut diesen Teilen. Zurecht nach dem letzten ADAC-Test. Mit den Chinasaxophonen ist es ähnlich. Varianzen kommen immer noch vor, da die Qualitätskontrollen in China schlecht bis gar nicht vorhanden sind. Da kann es sehr wohl mal vorkommen, dass man ein schlechtes Sax erwischt. Zudem sind diese Teile nicht sehr langlebig und verläßlich. Die Mechanik ist aus zu weichem Material und verstellt sich mit der Zeit (Intonations- und Ansprachemängel sind somit vorherbestimmt), Kleber löst sich und Polster, Filze und Korke können leicht abfallen (das kommt allerdings gelegentlich auch bei höherwertigen Firmen vor). Kurz diese Teile sind nicht wirklich verläßlich und können nach einem halben Jahr intensiveren Spielens schon nachlassen und so die Freunde am Instrument sehr trüben. Viele Saxdocs verweigern sogar die Arbeit an solchen Instrumenten, weil sie keine Garantie geben können, dass ihre Reperaturen an dem Instrument halten. Ich meine also, dass es für jemanden, der sich seriös mit dem Saxophon beschäftigen möchte höchst suboptimal ist. Für jemanden, der vielleicht nur mal mit dem Instrument Saxophon experimentieren möchte oder seinem kleinem Kind ein erstes Instrument schenken möchte ist es ideal.

Langsam fängt es preislich an, dass man auch Markenware kaufen kann. Natürlich die “Schüler- und Anfängermodelle”. Oft sind dieses allerdings auch Chinainstrumente und bieten eigentlich nicht wirklich viel mehr als die eigentlichen Chinainstrumente. Jedoch verspricht alleine der Markenname schon etwas mehr Verlässlichkeit, da die Firmen darauf achten, dass die Instrumente die mit ihrem Namen verkauft werden, kein schlechtes Licht auf diese Werfen. Die  Materialien sind hochwertiger, die Arbeiter meist etwas besser geschulter und die Qualitätskontrolle penibler. Zudem bietet der Markenname einen höheren Wiederverkaufswert. Zuletzt findet man mit so einem Instrument unter Saxophonmitspielern oft schneller und mehr Akzeptanz.

Die Saxophone aus Taiwan sind ein ganz deutlicher Qualitätssprung nach oben. Dort haben namenhafte Hersteller lange fertigen lassen und lassen es heute noch und so  konnte sich dort richtig viel KnowHow ansammeln. In den 80ern kam jedes 3. Saxophon aus Taiwan. Das Sortiment reicht von guten preislich fairen Schülerinstumenten bis hin zu Profiinstrumenten. Die Instrumente sind meist aus höherwertigem Material, haben mehr extras (Stellschrauben, Metalldaumenhaken, bessere Taschen/Koffer usw), es gibt sie in mehr Ausführungen (Finishes), mehr Luxus und werden von Leuten zusammengebaut die Anscheinend etwas über das Saxophon wissen.
Jupiter, System54, LeMonde, Expression usw. sind Taiwanesische Firmen die sehr gute Mittelklasseintrumente bauen zu meiner Meinung nach besten Preis/Leistungs-Verhältnis. P.Mauriat und Cannonball (eigentlich eine amerikansiche Marke, die aber dort fertigen läßt) bedienen eigentlich hauptsächlich den Profisektor. Neue Taiwanmarken sprießen gerade wie Tuplen in Holland im Frühling. Da aber alles irgendwie gegenseitig geklaut ist, klingen die meist alle sehr gut, aber im Prinzip irgendwie doch recht ähnlich. Man hat sozusagen eine Taiwansaxsoße (süß-sauer). Übrigens ein echter Geheimtipp ist immer noch die Marke Sequoia.

Jetzt sind wir im Highendsektor: 2500€ und aufwärts. Die Topmodelle von Yamaha, Yanagisawa sind über allen Zweifel erhaben. Die Japaner produzieren mit Abstand auf dem höchsten qualitativem Niveau. Selbst deren Schülerklassen sind sehr zuverlässig, weshalb diese gerne gekauft werden. Selmer hingegen produziert Saxophone ausschließlich für das Profisegment. Daher kommt auch das Gerücht, dass Yamaha eine Schülermarke sei und Selmer die besten Saxophone der Welt produziert.
Andere Interessante Vertreter in diesem Bereich sind Rampone, Keilwerth und Brancher. Es werden nur noch beste Materialen verwendet, die Männer und Frauen in den Werkstätten sind ausgebildete Fachkräfte, penible Kontrollen (naja, ich hatte da von bestimmten Herstellern auch schon nicht ganz so penibel kontrollierte Instrumente in der Hand), mehr Arbeitsaufwand (z.B. die Schallbecher handgehämmert was sich sehr positiv auf den Sound auswirkt). All das macht sich sowohl in der Verläßlichkeit als auch im Sound des Instrumentes bemerkbar. Das Yanagisawa meines Lehrers z.B, wurde immer intensivst genutzt und mußte erst nach 10 Jahren zum ersten mal zum Saxdoc. Zudem bekommt man hier oft noch richtige Tradition und Design. Bisher hat mir außer Cannonball, die eigentlich amerikanisches Design sind, kein Saxophon aus dem unteren Preissegment optisch besser gefallen, als eines der Topmarken. Außerdem sollte man bedenken, dass es diese Marken sind, die die Saxophone entwickeln (Fernost hingegen kopiert nur) und dass hier europäische Arbeiter bezahlt werden.
Wer das Geld hat, kann es ruhig in ein Profisaxophon stecken. Man kann zwar genau so gut in einem Skoda fahren lernen aber in einem Audi macht es einfach mehr Spaß. Was man bedenken sollte ist, dass man jedoch noch am Anfang seiner Entwicklung steht. Es kann also durchaus sein, dass man nach 3 Jahren einen anderen Geschmack entwickelt und feststellt, dass einem ein anderes Profisax viel besser liegt und man kann ein zweites mal 3000 Euro ausgeben.

Der Vollständigkeit halber erwähne ich noch die Vintagesaxophone. Allgemein würde ich sagen: interessant aber für den Anfang ungeeignet!  Der Markt ist riesig und unüberschaubar zudem kann ein Anfänger den Zustand eines Saxes schlecht einschätzen. Außerdem sind viele Vintages nicht ganz so “problemlos” wie Neuinstrumente. Kleine Intonationseinbußen, schwereres Ansprechen bestimmter Töne sowie eine unbequeme bis hinderliche Applikatur. Warum sich als Anfänger unnötig Steine in den Weg legen? Einige meinen wegen den “charakteristischen Klang”. Man könnte allerdings dazu auch Störgeräusche dazu sagen. Vielleicht klingen die neuen Instrumente nicht ganz so “interessant” aber persönlich bin ich der Meinung, dass die neuen dafür in der Regel eine höhere Klangqualität liefern. Ich kenne Fälle von Leuten, die gerade mal 2 Jahre spielen, aber in ihrem Keller 6-10 total interessant klingende Saxophone haben, aber auf keinem von denen höre ich der Person gerne beim spielen zu. Dann lieber etwas langweiliger klingen, aber brauchbar.

Wo und Wie kaufen?
SaxeNachdem man ungefähr weiß, welches Saxophon man möchte, welches Modell es sein soll und wie Geld man ausgeben will, kann man beim Kauf noch sehr viel falsch machen. Eine goldene Regel ist es eigentlich “Kaufe nie ein Instrument, dass du nicht vorher sorgfältig selber angespielt hast” Aber wenn man noch ganz am Anfang steht, hilft das allerdings gar nicht. Auch der Tipp dann jemanden mitzunehmen der bereits spielen kann, ist auch nicht ganz die Lösung, da das Sax bei einem selber wieder ganz anders klingt. Was für den einen sehr gut funktioniert, muß auch nicht unbedingt für für einen selber gut funktionieren. Man kann höchstens Tendenzen hören, wenn derjenige verschiedene Saxophone im Vergleich spielt. Also ob ein Sax heller oder dunkler klingt, zentrierter oder voller als das andere. Viele Musikgeschäfte bieten die Möglichkeit eines Mietkaufs an. Man mietet quasi die ersten 6 Monate das Sax nur und wenn man beim Sax bleibt und einem das Sax gefällt kauft man es und die Raten werden auf den Vollpreis abgerechnet.
Aber wie soll man sich dann entscheiden? Das ist wirklich eine schwere Frage. Ob man nun ein Yamaha oder Yanagisawa Schülermodel für ungefähr den gleichen Preis kauft ist eigentlich sogar irgendwie wurscht, beide sind sie gut.
Nehmt das Teil in eure Hände, wie fühlt es sich an. Was sagen vielleicht kompetente Freunde? oder der Verkäufer (nicht jeder ist nur auf Profit aus; hier ist Menschenkenntnis gefragt), welches macht auf euch den qualitativ besseren Eindruck, bei welchem Sax gefällt euch die Farbe besser (das Auge spielt mit!)? Menschen mit besonders kleinen und großen Händen sollten auf jeden Fall überprüfen, ob die Mechanik in die Finger passt (besonders die Linke Hand mit dem Palmkeys (diese zapfenförmigen Hebel) und die tiefen Töne. Die modernen Mechaniken sind eigentlich alle sehr gut (und auch ähnlich), aber kleine feine Unterschiede gibt es doch.
Generell halte ich es für eine gute Idee, zum nächsten Qualifizierten Musikhänder oder besser noch Saxdoc zu gehen und sich von dort ein Saxophon zu holen. Man bekommt eine qualifizierte Beratung (naja, hoffentlich) und die Garantie (so ist es bei guten Händerln üblich), dass das Saxophon in einem guten Zustand ist und oft bieten sie noch einen gratis Checkup und Nachjustierung nach einem halben Jahr. Dafür lohnt es sich, auch mal 100 Euro mehr auszugeben.

Besonders sinnvoll halte ich eigentlich Secondhandinstrumente. Nur läuft man hier die Gefahr, dass man oft die Katze im Sack kauft. Wenn das Teil abgenudelt ist, nicht deckt und fast schon schrottreif ist, ist es egal wie viel Selmer da drauf steht. Eine komplette Generalüberholung kann locker nochmal 500€ kosten und plötzlich ist das vermeintliche Ebayschnäpchen doch nicht mehr so günstig. Allerdings kann man mit einem Secondhandinstrument auch sehr viel für sein Geld bekommen. Ein gutes Saxophon ist für mehr als nur 3 Jahre konzipiert und der Markt ist voll von 3 Jahre benutzen Yamahamittelklasse-Instrumenten. Es gibt genug Leute, die schnell die Geduld mit ihrem neuen Hobby verlieren und auf Gartenzwergebemalen umspringen, oder Leuten die soviel Spaß daran haben, dass sie ihr Equipment upgraden und deshalb ihr “Anfängersax” verscherbeln. Oft kann man sogar richtig schöne “Profiinstrumente” für einen tollen Preis ergattern. Das Selmer Mark 7 ist ein immer noch total “underpriced” Instrument. Ein weiterer Vorteil ist, dass bereits gebrauchte Saxophone wertstabil sind. Aus oben genannten Gründen weiß man nie, ob das erste Saxophon auch das letzte ist, weshalb man hier ruhig an den Wiederverkaufswert denken kann. Das gilt zwar so auch für Vintages, aber warum Youngtimer den alten Kannen für den Anfang vorzuziehen sind, habe ich oben bereits erwähnt. Also es gibt da viel sehr brauchbares aber auch vieles in sehr abgenutzten Zustand. Als Anfänger ist das schwer zu beurteilen. Einen erfahrenen Freund mit zum Kauf zu nehmen ist hier wirklich sinnvoll. Man kann Ebay abgrasen, aber hier sind viele Dachbodenfunde eher Kellerausmistungen, es gibt Kleinanzeigen auf Musikerwebseiten, die recht seriös sind und viele Saxophonfachläden verkaufen auch gebrauchte Instrumente. Hier hat man den Vorteil, dass man eigentlich davon ausgehen kann, dass sie bei dem Händler im guten Zustand sind.

Wer dennoch meint, nicht mehr als 300Euro auszugeben wollen, dem sei gesagt, dass Thomann auf alle seine Waren 3 Jahre Garantie bietet.

to be continued:
Da dieser Artikel jetzt schon lang genug ist, ist hier erstmal Ende, aber hier geht es zum 2. Teil des ultimativen Saxophonstarter-Guides.

(Lösungen: 1b, 2d (wobei a auch richtig wäre und c ist nur ein ethymologisches Gerücht), 3a, 4d, 5c, 6b)